Die Covestro AG aus Leverkusen gehört seit Dezember 2025 zu XRG, der Investmentgesellschaft des staatlichen Ölkonzerns ADNOC aus Abu Dhabi. Nach dem Vollzug des Übernahmeangebots und einer Kapitalerhöhung über 1,17 Milliarden Euro hielt XRG 95,1 Prozent des Grundkapitals. 2026 folgten der Rückzug vom regulierten Markt der Frankfurter Börse und ein Squeeze-out der Minderheitsaktionäre. Damit endet eine gut zehnjährige Börsengeschichte, die 2015 mit der Abspaltung von Bayer begonnen hatte.
Key Takeaways
- Eigentümer von Covestro ist seit dem 10. Dezember 2025 die XRG P.J.S.C. aus Abu Dhabi, die Investmentgesellschaft des Staatskonzerns ADNOC.
- XRG hielt nach dem Vollzug 95,1 Prozent: 83,43 Prozent über die ADNOC International Germany Holding AG und 11,68 Prozent direkt.
- Das Übernahmeangebot vom 1. Oktober 2024 lautete auf 62 Euro je Aktie und bewertete Covestro inklusive Schulden mit bis zu 16 Milliarden Euro.
- Eine Kapitalerhöhung um 18,9 Millionen neue Aktien brachte 1,17 Milliarden Euro Eigenkapital und hob das Grundkapital auf 207,9 Millionen Aktien.
- Am 5. Mai 2026 endete die Börsenzulassung; die Hauptversammlung beschloss am 19. Mai 2026 den Squeeze-out zu 59,46 Euro je Aktie.
- Covestro entstand am 1. September 2015 aus Bayer MaterialScience; Bayer stieg bis 2020 vollständig aus.
- 2025 erzielte der Konzern 12,942 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigte zum Jahresende 17.598 Vollzeitkräfte.
- Ab Oktober 2026 wird Klaus Fröhlich von ADNOC Finanzvorstand; CEO Markus Steilemann verlängert seinen Vertrag nicht über Mai 2028 hinaus.
| Name | Covestro AG |
|---|---|
| Gegründet / Geboren | 1. September 2015 (Abspaltung von Bayer MaterialScience), Börsengang 6. Oktober 2015 |
| Beruf / Funktion bzw. Branche | Chemie- und Werkstoffkonzern (Polyurethane, Polycarbonate, Spezialchemie) |
| Unternehmen / Sitz | Leverkusen, Nordrhein-Westfalen |
| Eigentümer bzw. Familie/Wohnort (nur falls belegt) | XRG P.J.S.C., Abu Dhabi (Investmentarm des Staatskonzerns ADNOC), 95,1 % seit Dezember 2025, Squeeze-out 2026 beschlossen |
| Einnahmequellen / Vermögensbasis | Umsatz 2025: 12,942 Milliarden Euro; EBITDA 740 Millionen Euro; 17.598 Vollzeitkräfte; 46 Standorte |
Geschichte und Herkunft
Das Kunststoffgeschäft von Covestro gehörte über Jahrzehnte zum Bayer-Konzern und firmierte zuletzt als Bayer MaterialScience. Im September 2014 kündigte Bayer die Abspaltung an, am 1. September 2015 erhielt die Sparte den Namen Covestro.
Der Börsengang verlief holprig: Das Volumen wurde auf 1,5 Milliarden Euro reduziert, die Preisspanne auf 21,50 bis 24,50 Euro gesenkt. Am 6. Oktober 2015 notierte die Aktie erstmals in Frankfurt, zum 19. März 2018 stieg Covestro in den DAX auf. Bayer verkaufte 2018 die letzten direkt gehaltenen Aktien; mit der Fälligkeit einer Umtauschanleihe 2020 endete die Beteiligung endgültig. Seither galt das gesamte Grundkapital als Streubesitz, und genau diese Struktur ohne Ankeraktionär machte Covestro zum Übernahmeziel.
Eigentümerstruktur im Detail

An der Spitze der Eigentümerkette steht das Emirat Abu Dhabi. Ihm gehört die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), die im November 2024 ihre internationalen Beteiligungen in der Investmentgesellschaft XRG P.J.S.C. bündelte, hervorgegangen aus ADNOC International. XRG hält die Covestro-Aktien auf zwei Wegen: 83,43 Prozent liegen bei der deutschen Tochter ADNOC International Germany Holding AG, die das Übernahmeangebot abgewickelt hat, weitere 11,68 Prozent hält XRG direkt. Zusammen ergibt das die im Geschäftsbericht 2025 gemeldeten 95,1 Prozent.
Zwei Bausteine führten zu dieser Quote. Erstens das Übernahmeangebot zu 62 Euro je Aktie, das bis zum Ende der Annahmefrist am 16. Dezember 2024 für 91,3 Prozent der Aktien angenommen wurde, rund 172,6 Millionen Stück. Zweitens eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts: Covestro gab 18,9 Millionen neue Aktien ausschließlich an die ADNOC International Germany Holding AG aus, das Grundkapital stieg von 189 Millionen auf 207,9 Millionen Aktien. Der Erlös von 1,17 Milliarden Euro blieb im Unternehmen und soll die Strategie „Sustainable Future“ finanzieren.
Für die verbliebenen rund 4,9 Prozent Streubesitz war das Ende absehbar. Am 5. Mai 2026 endete die Zulassung zum regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse. Bereits am 20. März 2026 hatte XRG das förmliche Squeeze-out-Verlangen nach Paragraf 327a Aktiengesetz gestellt und die Barabfindung auf Basis eines Gutachtens von PricewaterhouseCoopers auf 59,46 Euro je Aktie festgelegt. Die Hauptversammlung am 19. Mai 2026 stimmte der Übertragung zu; wirksam wird sie mit der Eintragung ins Handelsregister, danach gehört Covestro zu 100 Prozent XRG. Einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag hat XRG nicht abgeschlossen, sondern direkt den Squeeze-out gewählt. Weil die Abfindung unter dem Angebotspreis von 62 Euro liegt, kündigte die Kanzlei Arendts Anwälte an, Minderheitsaktionäre in einem Spruchverfahren zu vertreten.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Der Weg zur Übernahme dauerte mehr als zwei Jahre. Im September 2023 bestätigte Covestro erste Gespräche mit ADNOC, am 1. Oktober 2024 unterstützten Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot. Danach zogen sich die Freigaben hin, zuletzt prüfte die EU-Kommission die Transaktion nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen. Der Vollzug erfolgte am 10. Dezember 2025.
Operativ traf die Übernahme auf ein schwieriges Jahr. Der Umsatz sank 2025 um 8,7 Prozent auf 12,942 Milliarden Euro, das EBITDA fiel um 30,9 Prozent auf 740 Millionen Euro, unter dem Strich stand ein Konzernverlust von 644 Millionen Euro. Die Nettofinanzverschuldung ging dank der Kapitalerhöhung dennoch auf 1,796 Milliarden Euro zurück.
Auch die Führung ordnet sich neu. Finanzvorstand Christian Baier verlässt das Unternehmen im September 2026; sein Nachfolger wird zum 1. Oktober 2026 Klaus Fröhlich, bislang Group Chief Investment Officer von ADNOC und Mitgründer von XRG. Vorstandschef Markus Steilemann, seit 2015 im Vorstand und seit 2018 CEO, verlängert seinen Vertrag nicht über den 31. Mai 2028 hinaus. Dem Vorstand gehören außerdem Sucheta Govil und Thorsten Dreier an, den Aufsichtsrat führt Richard Pott.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Covestro zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Polymerwerkstoffen. Seit dem 1. Juli 2021 gliedert sich der Konzern in die Segmente „Performance Materials“ mit Standard-Polyurethanen und Polycarbonaten sowie „Solutions and Specialties“ mit sechs Geschäftseinheiten für Lacke, Klebstoffe, Elastomere und Spezialfolien.
Der Konzern betreibt 46 Standorte weltweit, große Produktionsverbünde liegen in Leverkusen, Dormagen, Krefeld-Uerdingen, Brunsbüttel, Antwerpen, Shanghai, Map Ta Phut und Baytown in Texas. Für XRG ist Covestro die Basis des Geschäftsfelds Performance Materials und Spezialchemie; die Emirater wollen zu den drei größten Investoren der Chemiebranche aufsteigen.
FAQ
Wem gehört Covestro heute? XRG, der Investmentgesellschaft des staatlichen Ölkonzerns ADNOC aus Abu Dhabi. Seit Dezember 2025 hält sie 95,1 Prozent, mit dem 2026 beschlossenen Squeeze-out übernimmt sie den Rest.
Was ist XRG? XRG P.J.S.C. wurde im November 2024 als internationale Investmentgesellschaft von ADNOC gegründet und wird mittelbar von der Regierung des Emirats Abu Dhabi kontrolliert.
Wie viel hat ADNOC für Covestro bezahlt? Das Angebot lautete auf 62 Euro je Aktie und bewertete Covestro inklusive Schulden mit bis zu 16 Milliarden Euro. Zusätzlich zahlte XRG 1,17 Milliarden Euro für 18,9 Millionen neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung.
Ist die Covestro-Aktie noch an der Börse? Am 5. Mai 2026 endete die Zulassung zum regulierten Markt in Frankfurt. Mit der Eintragung des Squeeze-outs ins Handelsregister gehen die letzten Aktien gegen 59,46 Euro je Stück auf XRG über.
Welche Rolle spielt Bayer noch bei Covestro? Keine. Bayer spaltete die Sparte 2015 ab, verkaufte 2018 die letzten direkt gehaltenen Aktien und beendete die Beteiligung mit einer 2020 fälligen Umtauschanleihe vollständig.
Wer führt Covestro 2026? Vorstandsvorsitzender ist Markus Steilemann, dessen Vertrag am 31. Mai 2028 ausläuft. Finanzvorstand wird zum 1. Oktober 2026 Klaus Fröhlich von ADNOC.
Fazit
Die Frage „Wem gehört Covestro?“ hat 2026 eine eindeutige Antwort: dem Staatskonzern ADNOC aus Abu Dhabi über seine Investmentgesellschaft XRG. Aus dem breit gestreuten DAX-Konzern ohne Ankeraktionär ist binnen zwei Jahren ein Unternehmen in staatlicher Hand geworden, dessen Börsennotierung ausläuft. Für ehemalige Aktionäre bleibt die Frage, ob das Spruchverfahren die Abfindung von 59,46 Euro noch nach oben korrigiert.
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