Die BayWa AG aus München galt jahrzehntelang als Inbegriff genossenschaftlicher Solidität – bis 2024 eine Schuldenlast von zeitweise mehr als 5 Milliarden Euro den Agrar-, Bau- und Energiekonzern an den Rand der Insolvenz brachte. Stand September 2026 steckt das 1923 gegründete Unternehmen mitten in einer Sanierung, die bereits nachjustiert werden musste. Formal gehört BayWa zu rund zwei Dritteln den Raiffeisen-Ankeraktionären aus Bayern und Österreich, doch deren Stimmrechte liegen seit Juli 2026 bei einem Treuhänder.
Key Takeaways
- Die BayWa AG wurde am 17. Januar 1923 in München gegründet.
- Größte Aktionäre sind die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (33,8 Prozent) und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest AG (28,3 Prozent), Stand Ende 2024.
- Seit dem 1. Juli 2026 hält ein Treuhänder die 67,1 Prozent Stimmrechte der beiden Ankeraktionäre.
- Im Krisenjahr 2024 verbuchte der Konzern bei 21,1 Milliarden Euro Umsatz einen Fehlbetrag von rund 1,6 Milliarden Euro.
- Das Amtsgericht München bestätigte am 6. Juni 2025 den Restrukturierungsplan nach StaRUG; Ende 2025 folgte eine Kapitalerhöhung über mindestens 150 Millionen Euro.
- Vorstandschef Frank Hiller schied am 9. Januar 2026 aus, seither führt ein dreiköpfiges Team den Konzern ohne Vorsitzenden.
- Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz auf 2,3 Milliarden Euro, der Sanierungsfahrplan wurde bis Ende 2030 verlängert.
| Name | BayWa AG |
| Gegründet | 17. Januar 1923 |
| Hauptsitz | München (Arabellapark, Bogenhausen) |
| Branche | Agrarhandel, Baustoffe, Technik, Wärme und Mobilität, erneuerbare Energien |
| Eigentümer | Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG 33,8 %, Raiffeisen Agrar Invest AG 28,3 %, Streubesitz 37,9 % (Stand 31.12.2024) |
| Führung | Dreiköpfiger Vorstand: Michael Baur (CRO), Matthias J. Rapp (CFO), Marlen Wienert; Aufsichtsratsvorsitzender Gregor Scheller |
| Umsatz | 21,1 Milliarden Euro (2024); 9,6 Milliarden Euro (Januar bis September 2025) |
| Mitarbeiter | Rund 8.000 an rund 400 Standorten (2026, ohne verkaufte Töchter) |
Vom Genossenschaftshandel zum Weltkonzern
Die Wurzeln der BayWa liegen in der 1893 gegründeten Bayerischen Zentral-Darlehnskasse. Nach der Hyperinflation trennten die bayerischen Genossenschaften das Bank- vom Warengeschäft, und am 17. Januar 1923 entstand die „Bayerische Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften“. Den heutigen Namen trägt das Unternehmen laut Wikipedia seit 1972. Der Kern blieb über Jahrzehnte das Geschäft mit Landwirten: Saatgut, Dünger, Futtermittel und Landtechnik.
Ab den 2000er-Jahren wandelte sich der bayerische Händler zu einem internationalen Konzern: 2012 kam der niederländische Getreidehändler Cefetra hinzu, die Tochter BayWa r.e. baute weltweit Solar- und Windparks, 2023 lag der Umsatz bei 23,9 Milliarden Euro. Ältere Angaben wie eine Präsenz in über 50 Ländern beschreiben den Konzern vor der Krise und gelten heute nicht mehr.
Wem gehört BayWa?
Laut Wikipedia hielt die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG (BRB) zum 31. Dezember 2024 33,8 Prozent der Aktien, die Raiffeisen Agrar Invest AG (RAIAG) aus Österreich 28,3 Prozent; 37,9 Prozent lagen im Streubesitz. Die BRB mit Sitz in Beilngries ist die Holdinggesellschaft der bayerischen Primärgenossenschaften. Hinter der RAIAG steht die RWA Raiffeisen Ware Austria, mit der die BayWa seit 1999 verbunden ist.
Bei der Kapitalerhöhung im Herbst 2025 zeichneten BRB und RAIAG laut BayWa-Pressemitteilung in der ersten Tranche neue Aktien für 125 Millionen Euro und garantierten für die zweite Tranche weitere 25 Millionen Euro; der Bezugspreis lag bei 2,79 Euro je Aktie. Da die Ankeraktionäre den Löwenanteil übernahmen, dürfte ihr Anteil gestiegen sein – eine offizielle neue Aufteilung hat der Konzern bislang nicht veröffentlicht.
Seit dem 1. Juli 2026 übertrugen die beiden Großaktionäre ihre gemeinsam 67,1 Prozent Stimmrechte an einen Treuhänder, der auf der Hauptversammlung unabhängig abstimmt. Im Gegenzug stellten die Gläubigerbanken laut Finanztrends bis zu 700 Millionen Euro Kredite nachrangig. Wirtschaftlich gehört BayWa weiter den Raiffeisen-Aktionären, die Kontrolle liegt vorerst woanders.
Konzernstruktur nach dem Verkaufsprogramm
Der Sanierungsplan setzt auf „Gesundschrumpfung“: BayWa zieht sich weitgehend aus dem internationalen Geschäft zurück. Im Frühjahr 2025 wurde die Beteiligung an der RWA veräußert, im Februar 2026 laut top agrar der Verkauf der Cefetra Group vollzogen: Der Kaufpreis lag bei 125 Millionen Euro, durch die Entkonsolidierung sank die Verschuldung um mehr als 600 Millionen Euro – seit 2025 insgesamt um rund 1,3 Milliarden Euro.
Der größte Brocken steht noch aus: BayWa r.e., an der BayWa 51 Prozent und der Schweizer Investor Energy Infrastructure Partners 49 Prozent halten. Ursprünglich sollte der Verkauf rund 1,7 Milliarden Euro einbringen; seit Juli 2026 rechnet der Konzern laut Finanztrends nur noch mit etwa 900 Millionen Euro. Diese Lücke zwang zur Überarbeitung des Sanierungskonzepts. Übrig bleiben soll ein Konzern mit den Segmenten Agrar, Technik, Baustoffe sowie Wärme und Mobilität.
Geschäftsmodell und Zahlen
Das Jahr 2024 war laut BayWa-Mitteilung vom Juli 2025 die „schwerste Unternehmenskrise seit Bestehen“: Der Umsatz fiel von 23,9 auf 21,1 Milliarden Euro, das EBIT lag bei rund minus 1,1 Milliarden Euro, der Konzernfehlbetrag bei etwa 1,6 Milliarden Euro. Der Sanierungsplan sah bis 2028 einen Umsatz von 11,3 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 530 Millionen Euro vor.
Operativ greift die Sanierung. In den ersten neun Monaten 2025 sank der Umsatz um 22 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro, die Ergebniseffekte der Sanierungsmaßnahmen lagen aber 36 Prozent über Plan. Im ersten Quartal 2026 schrumpfte der Umsatz durch die Portfolioverkäufe auf 2,3 Milliarden Euro nach 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Konzern beschäftigt noch rund 8.000 Menschen an etwa 400 Standorten.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Am 9. Januar 2026 endete überraschend die Amtszeit von Frank Hiller, der erst im Frühjahr 2025 angetreten war. Grund waren laut Pressemitteilung „unterschiedliche Auffassungen über die mittel- und langfristige Unternehmensstrategie“; aus dem Unternehmen schied er zum 31. Juli 2026 aus. Seither führen Michael Baur, Matthias J. Rapp und Marlen Wienert den Konzern gemeinsam – ohne Vorsitzenden.
Am 30. Juni 2026 einigten sich Vorstand, Aufsichtsrat und Gläubigerbanken, den Sanierungsfahrplan um zwei Jahre bis Ende 2030 zu verlängern. Die Stillhaltevereinbarung läuft bis Herbst 2026, bis dahin soll das überarbeitete Konzept stehen; den Geschäftsbericht 2025 konnte BayWa deshalb nicht fristgerecht vorlegen. Die Aktie notierte am 20. September 2026 laut Börse Express bei 7,40 Euro, rund 56 Prozent unter dem Vorjahresstand. Eine Dividende gab es zuletzt für 2022.
FAQ
Wem gehört die BayWa AG?
Rund zwei Drittel der Aktien halten die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die Raiffeisen Agrar Invest AG, der Rest liegt im Streubesitz. Deren Stimmrechte übt seit Juli 2026 ein Treuhänder aus.
Ist BayWa insolvent?
Nein. BayWa saniert sich in einem vorinsolvenzlichen StaRUG-Verfahren; den Plan bestätigte das Amtsgericht München am 6. Juni 2025.
Wer führt BayWa nach dem Abgang von Frank Hiller?
Seit dem 9. Januar 2026 leitet ein dreiköpfiger Vorstand aus Michael Baur, Matthias J. Rapp und Marlen Wienert das Unternehmen ohne Vorsitzenden.
Was passiert mit BayWa r.e.?
Die Erneuerbare-Energien-Tochter soll verkauft werden; statt 1,7 Milliarden Euro erwartet der Konzern nur noch rund 900 Millionen Euro Erlös.
Zahlt BayWa Dividende?
Nein, zuletzt gab es eine Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2022.
Fazit
Die BayWa gehört formal weiterhin den bayerischen und österreichischen Raiffeisen-Genossenschaften, die mit frischem Kapital Verantwortung übernommen haben. Faktisch bestimmen aber Gläubigerbanken und ein Treuhänder über den Kurs. Der Abgang von Frank Hiller und die Verlängerung des Fahrplans bis 2030 zeigen, dass der Weg länger ist als 2025 gehofft.
Operativ stimmen die Signale: Die Sanierungseffekte liegen über Plan, die Verschuldung sinkt. Ob aus dem einstigen 24-Milliarden-Konzern ein gesundes Unternehmen mit gut 11 Milliarden Euro Umsatz wird, entscheidet sich am Verkauf von BayWa r.e. und am Sanierungskonzept, das im Herbst 2026 vorliegen soll.
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