
Avira, der Antivirenhersteller vom Bodensee, ist seit Anfang 2021 kein eigenständiges deutsches Unternehmen mehr. Die Marke gehört heute zu Gen Digital, dem US-Konzern hinter Norton, Avast, AVG und LifeLock. Der Weg dorthin verlief in zwei Schritten: Im April 2020 verkaufte Gründer Tjark Auerbach die Mehrheit an den Finanzinvestor Investcorp, der Avira acht Monate später für 360 Millionen US-Dollar an NortonLifeLock weiterreichte. Stand 2026 ist Avira eine von mehreren Verbrauchermarken im Gen-Digital-Konzern, das Stammhaus in Tettnang ist deutlich geschrumpft, und das frühere Firmengebäude gehört der Stadt.
Key Takeaways
- Avira gehört seit Januar 2021 zu NortonLifeLock, das im September 2022 durch die Fusion mit Avast zu Gen Digital wurde.
- Gründer Tjark Auerbach startete 1986 mit der H+BEDV Datentechnik GmbH; das Produkt AntiVir kam 1988 auf den Markt.
- Im April 2020 übernahm Investcorp Technology Partners aus Bahrain die Mehrheit, bewertet mit rund 180 Millionen US-Dollar – die erste institutionelle Beteiligung in der Firmengeschichte.
- Bereits am 7. Dezember 2020 kündigte NortonLifeLock den Kauf für rund 360 Millionen US-Dollar in bar an, also zum doppelten Wert.
- Der Standort Tettnang wurde stark verkleinert: Von rund 500 Beschäftigten im Jahr 2020 sollten laut Angaben vom März 2024 noch 75 bleiben.
- Das Avira-Areal am Kaplaneiweg kaufte die Stadt Tettnang im Dezember 2024 für rund 7 Millionen Euro; Avira nutzt noch fünf Jahre lang das zweite Obergeschoss.
| Unternehmen | Avira (Avira Operations GmbH & Co. KG) |
|---|---|
| Gegründet | 1986 als H+BEDV Datentechnik GmbH; AntiVir seit 1988 |
| Hauptsitz | Tettnang, Baden-Württemberg (Mutterkonzern: Tempe, Arizona, und Prag) |
| Eigentümer | Gen Digital Inc. (früher NortonLifeLock), börsennotiert an der Nasdaq (Kürzel GEN) |
| Branche | IT-Sicherheit, Antiviren- und Datenschutzsoftware für Verbraucher, OEM-Lizenzierung |
| Führung | Vincent Pilette (CEO Gen Digital); Travis Witteveen war zum Zeitpunkt des Verkaufs CEO von Avira |
| Mitarbeiter / Umsatz | Avira: über 500 Mitarbeitende, rund 68,8 Mio. Euro Umsatz (2017); Gen Digital: ca. 3.900 Mitarbeitende, ca. 5 Mrd. US-Dollar Umsatz (Geschäftsjahr 2026) |
Geschichte und Herkunft
Die Wurzeln von Avira liegen in Tettnang am Bodensee. 1986 gründete Tjark Auerbach gemeinsam mit einem Kollegen die H+BEDV Datentechnik GmbH; „H+B“ stand für die Vornamen der Ehefrauen der beiden Gründer, Hannelore und Betty. 1988 brachte das Unternehmen AntiVir auf den Markt, eines der ersten professionellen Antivirenprogramme überhaupt. Bis 2011 hieß die Software „Avira AntiVir“, seither „Avira Antivirus“.
Der Aufstieg begann klein: 1990 zählte die Firma sechs Mitarbeitende. Avira setzte früh auf ein Freemium-Modell, bei dem eine kostenlose Basisversion Millionen Nutzer anzog. 2006 entstand die Avira Operations GmbH & Co. KG, 2007 arbeiteten 250 Menschen für das Unternehmen, 2011 rund 320. 2014 gab Avira weltweit rund 240 Millionen Nutzer an; 2017 lag der Umsatz bei rund 68,8 Millionen Euro bei über 500 Beschäftigten.
2005 gründete Auerbach zudem die Auerbach-Stiftung, die pro verkauftem Endanwenderprodukt 5 Euro erhält und soziale Vorhaben fördert. 2013 übergab er die operative Führung an Travis Witteveen, hielt aber weiterhin die Mehrheit der Anteile.
Eigentümerstruktur im Detail
Mehr als drei Jahrzehnte blieb Avira inhabergeführt und ohne externe Investoren. Das änderte sich im April 2020: Investcorp Technology Partners, der Technologiearm des in Bahrain ansässigen Finanzinvestors Investcorp, übernahm die Mehrheit bei einer Bewertung von rund 180 Millionen US-Dollar. Auerbach begründete den Schritt damit, mit Investcorp einen Partner gefunden zu haben, „der meine Werte teilt“. Laut Medienberichten behielt er zunächst einen nennenswerten Restanteil.
Investcorp hielt Avira jedoch nur kurz. Am 7. Dezember 2020 gab NortonLifeLock, der Nachfolger der Verbrauchersparte von Symantec, den Kauf für rund 360 Millionen US-Dollar in bar bekannt. Damit hatte sich der Unternehmenswert binnen acht Monaten verdoppelt. Avira zählte damals über 1,5 Millionen zahlende Kunden und erreichte über White-Label-Partnerschaften, etwa mit der Deutschen Telekom, mehr als 500 Millionen Endgeräte. Die Transaktion wurde im Januar 2021 abgeschlossen.
Der letzte Schritt folgte im September 2022: NortonLifeLock fusionierte mit dem tschechischen Konkurrenten Avast zu Gen Digital, ein Zusammenschluss mit einem Volumen von rund 8,1 Milliarden US-Dollar. Seither ist Avira eine Marke neben Norton, Avast, AVG, LifeLock, CCleaner und ReputationDefender. Gen Digital ist an der Nasdaq und an der Prager Börse notiert und im S&P 500 vertreten. Eigentümer von Avira sind damit letztlich die Aktionäre von Gen Digital.
Führung und Strategie
An der Spitze von Gen Digital steht Vincent Pilette, der die Übernahme bereits als NortonLifeLock-Chef verantwortete. Sein erklärtes Ziel: Avira sollte die Expansion in Europa beschleunigen und mit seinem Freemium-Ansatz das Premium-Geschäft von Norton ergänzen. Avira-CEO Travis Witteveen und Technikchef Matthias Ollig wechselten nach dem Abschluss in die Führungsstruktur von NortonLifeLock.
Gen Digital hat sein Portfolio inzwischen über den Virenschutz hinaus erweitert: Im April 2025 schloss der Konzern den rund 1 Milliarde US-Dollar schweren Kauf des US-Finanz-App-Anbieters MoneyLion ab. Avira selbst positioniert sich weiterhin als „Pionier kostenloser Online-Sicherheit“ mit Produkten für Windows, Mac, Android und iOS, darunter Avira Prime und Avira Phantom VPN. Nach Konzernangaben blockierte Avira 2024 mehr als 2,6 Milliarden Cyberbedrohungen.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Für Tettnang war die Eingliederung in den US-Konzern mit einem deutlichen Abbau verbunden. Im März 2024 wurde bekannt, dass das Firmengebäude am Kaplaneiweg verkauft werden soll. Von rund 500 Beschäftigten im Jahr 2020 sollten noch 75 vor Ort verbleiben. Gen Digital betonte, Avira bleibe „eine geschätzte Marke“ im Portfolio, und man werde weiterhin in die Mitarbeitenden in Tettnang investieren.
Im Dezember 2024 erwarb die Stadt Tettnang das Areal für rund 7 Millionen Euro von Gen Digital. Der Kaufvertrag sichert Avira das Recht, das zweite Obergeschoss noch fünf Jahre lang zu nutzen. Seit Januar 2026 zieht die Stadtverwaltung schrittweise ein, bis Ende Juni 2026 soll der Umzug abgeschlossen sein; später sind eine Grundschule, Kita-Räume und ein Sitzungssaal geplant.
Auf Konzernebene läuft das Geschäft stabil: Gen Digital meldete für das Geschäftsjahr 2026 rund 5 Milliarden US-Dollar Umsatz und beschäftigt etwa 3.900 Mitarbeitende. Wie viele davon der Marke Avira zugeordnet sind, gibt der Konzern nicht gesondert bekannt.
Bedeutung für den Markt
Avira war lange eines der wenigen deutschen Softwareunternehmen mit globaler Reichweite im Verbrauchermarkt. Mit dem Verkauf 2020 reihte es sich in eine Serie europäischer Sicherheitsanbieter ein, die unter das Dach großer US-Konzerne wanderten. Für die Region Bodensee ist die Bilanz zwiespältig: Die Marke lebt, doch die Zeit, in der Avira mehrere hundert Arbeitsplätze in Tettnang sicherte, ist vorbei. Ob der Standort über die fünfjährige Mietfrist hinaus Bestand hat, ist öffentlich nicht bekannt.
FAQ
Wem gehört Avira heute? Avira gehört seit Januar 2021 zu NortonLifeLock, das seit der Fusion mit Avast 2022 als Gen Digital firmiert – ein börsennotierter US-Konzern mit Sitz in Tempe (Arizona) und Prag.
Wer hat Avira gegründet? Tjark Auerbach gründete 1986 mit einem Kollegen die H+BEDV Datentechnik GmbH in Tettnang, aus der Avira hervorging. Das Produkt AntiVir erschien 1988.
Wie viel hat Avira beim Verkauf gekostet? Investcorp übernahm die Mehrheit im April 2020 bei einer Bewertung von rund 180 Millionen US-Dollar. NortonLifeLock zahlte im Dezember 2020 rund 360 Millionen US-Dollar in bar.
Ist Avira noch ein deutsches Unternehmen? Die Avira Operations GmbH & Co. KG hat ihren Sitz weiterhin in Tettnang, ist aber eine Tochtergesellschaft des US-Konzerns Gen Digital. Die Zahl der Beschäftigten vor Ort wurde stark reduziert.
Was ist aus dem Avira-Gebäude in Tettnang geworden? Die Stadt Tettnang kaufte das Areal im Dezember 2024 für rund 7 Millionen Euro. Seit 2026 zieht die Stadtverwaltung ein, Avira nutzt das zweite Obergeschoss noch fünf Jahre lang.
Gibt es Avira Free Antivirus noch? Ja, Avira bietet weiterhin kostenlose und kostenpflichtige Sicherheitsprodukte für Windows, Mac, Android und iOS an. Das Freemium-Modell war einer der Hauptgründe für die Übernahme durch NortonLifeLock.
Fazit
Die Frage „Wem gehört Avira?“ lässt sich 2026 eindeutig beantworten: dem US-Konzern Gen Digital und damit dessen Aktionären. Gründer Tjark Auerbach hat sich nach mehr als 30 Jahren zurückgezogen, Investcorp war nur eine kurze Zwischenstation, die sich binnen acht Monaten mit einer Verdopplung des Kaufpreises auszahlte. Für Nutzer bleibt Avira als Marke mit kostenlosem Basisprodukt bestehen, für Tettnang ist von der Erfolgsgeschichte vor allem ein Gebäude geblieben, das nun der Stadt gehört.
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