BackWerk gehört, Stand September 2026, zum Schweizer Handelskonzern Valora, der seit Oktober 2022 eine hundertprozentige Tochter des mexikanischen Getränke- und Handelskonzerns Fomento Económico Mexicano (FEMSA) ist. Die deutsche Betreibergesellschaft heißt Valora Food Service Deutschland GmbH mit Sitz in Essen; sie ist laut Deutschem Franchiseverband die Franchisegeberin der Marke. Damit hängt die 2001 in Düsseldorf gegründete SB-Bäckereikette heute an einer dreistufigen Eigentümerkette: FEMSA in Monterrey, Valora in Muttenz bei Basel und die deutsche Landesgesellschaft in Essen. Eine Börsennotierung von BackWerk oder Valora gibt es nicht mehr; FEMSA selbst ist an den Börsen in Mexiko-Stadt und New York gelistet.
Key Takeaways
- BackWerk gehört seit Oktober 2017 zur Schweizer Valora-Gruppe, die die Kette für rund 190 Millionen Euro vom Finanzinvestor EQT übernahm.
- Valora wiederum wurde im Oktober 2022 vom mexikanischen Konzern FEMSA übernommen; das Angebot lag bei 260 Franken je Aktie und bewertete Valora mit rund 1,1 Milliarden Franken (Stand September 2026 unverändert).
- Betreiber- und Franchisegesellschaft in Deutschland ist die Valora Food Service Deutschland GmbH in Essen, die bis 2019 BackWerk Management GmbH hieß.
- BackWerk zählt laut Valora rund 353 Verkaufsstellen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz; fast alle werden von Franchisepartnern betrieben.
- Die Valora-Gruppe erzielte 2025 einen Außenumsatz von rund 2,9 Milliarden Franken und einen operativen Gewinn (EBIT) von 105,5 Millionen Franken.
- 2026 bringt Umbrüche: Valora legte zum 1. Juni die Sparten Retail und Food Service zusammen, und Konzernchef Michael Mueller verlässt das Unternehmen Ende Oktober 2026.
| Name | BackWerk (Franchisegeber: Valora Food Service Deutschland GmbH) |
| Gegründet | 2001 in Düsseldorf von Robert und Marion Kirmaier |
| Sitz | Essen, Nordrhein-Westfalen |
| Branche | Bäckerei-Gastronomie, Selbstbedienungs-Backshops, Franchise |
| Eigentümer | Valora Holding Germany GmbH → Valora Gruppe (Muttenz, Schweiz) → FEMSA (Monterrey, Mexiko), 100 Prozent |
| Führung | Geschäftsführer der Valora Food Service Deutschland GmbH laut Handelsregister (Juli 2026): Philipp Angehrn; Valora-Gruppe ab 1. November 2026 interimistisch Roger Vogt |
| Umsatz / Mitarbeiter | BackWerk: keine offiziellen Angaben zum Umsatz; rund 353 Standorte und 456 eigene Mitarbeiter (Valora, 2026). Valora-Gruppe: rund 2,9 Milliarden Franken Außenumsatz (2025) |
Geschichte: Vom Düsseldorfer Backshop zur europäischen Kette
Die Idee war simpel und für den deutschen Markt neu: Kunden bedienen sich an offenen Regalen selbst, bezahlen an der Kasse und sparen damit die Kosten der klassischen Bäckertheke. Bäckermeister Robert Kirmaier und seine Frau Marion eröffneten im Februar 2001 in Düsseldorf den ersten BackWerk-Laden, der nach Unternehmensangaben als erste Selbstbedienungsbäckerei Europas gilt. Schon 2002 übernahmen die Unternehmer Hans-Christian Limmer und Dirk Schneider das junge Konzept und bauten es ab 2003 systematisch als Franchisesystem aus. Der niedrige Einstiegspreis für Partner und die Lage in Fußgängerzonen, Bahnhöfen und Einkaufszentren sorgten für schnelles Wachstum.
2014 stieg der schwedische Finanzinvestor EQT mehrheitlich ein. Drei Jahre später, im Oktober 2017, schloss die Schweizer Valora-Gruppe die vollständige Übernahme ab; der Kaufpreis lag laut Wikipedia und Wirtschaftspresse bei rund 190 Millionen Euro. Zu diesem Zeitpunkt zählte BackWerk mehr als 340 Standorte in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Slowenien. Für Valora, bis dahin vor allem als Betreiber von Kiosken und der Brezelkette Ditsch bekannt, war BackWerk der größte Zukauf im Food-Service-Geschäft. 2019 wurde die Betreibergesellschaft von BackWerk Management GmbH in Valora Food Service Deutschland GmbH umbenannt, wie das Handelsregister (Amtsgericht Essen, HRB 25232) ausweist.
2021 kaufte Valora zusätzlich den Hamburger Snack-Anbieter Back-Factory mit rund 80 Filialen und begann, diese Läden schrittweise auf das BackWerk-Format umzustellen. Damit wurde BackWerk zur mit Abstand größten Marke der Valora-Sparte Food Service in Deutschland.
Eigentümerstruktur im Detail: FEMSA, Valora und die Essener Landesgesellschaft
Die Eigentümerkette beginnt in Mexiko. Fomento Económico Mexicano, kurz FEMSA, mit Sitz in Monterrey ist einer der größten Konsumgüterkonzerne Lateinamerikas: Der Konzern betreibt die Convenience-Kette OXXO mit vielen tausend Filialen, ist über Coca-Cola FEMSA der weltweit größte Abfüller von Coca-Cola-Produkten und hielt zum Zeitpunkt der Valora-Übernahme laut Swissinfo einen großen Aktienanteil an Heineken. 2021 setzte FEMSA laut Swissinfo rund 27 Milliarden US-Dollar um – etwa das Fünfzehnfache von Valora.
Am 5. Juli 2022 kündigte FEMSA ein öffentliches Übernahmeangebot für Valora an: 260 Franken je Aktie in bar, ein Aufschlag von 52 Prozent auf den letzten Schlusskurs, was Valora mit rund 1,1 Milliarden Franken bewertete. Der Verwaltungsrat empfahl die Annahme einstimmig, und auch der größte Einzelaktionär, Ditsch-Gründer Ernst Peter Ditsch mit rund 17 Prozent, unterstützte den Deal. Am 7. Oktober 2022 wurde die Transaktion vollzogen; FEMSA hielt zu diesem Zeitpunkt laut cash.ch 97,77 Prozent des Aktienkapitals, leitete anschließend ein Kraftloserklärungsverfahren für die restlichen Aktien ein und nahm Valora von der Schweizer Börse SIX. Seitdem gehört Valora zu 100 Prozent FEMSA und firmiert innerhalb des Konzerns als Europa-Plattform („FEMSA Europe“). Der Hauptsitz in Muttenz bei Basel blieb erhalten.
Unterhalb der Valora-Gruppe ist BackWerk in Deutschland in der Valora Food Service Deutschland GmbH in Essen gebündelt. Laut Handelsregisterdaten (Stand November 2025) ist die Valora Holding Germany GmbH deren Gesellschafterin. Die Essener Gesellschaft hält ihrerseits Beteiligungen an der BackWerk AT GmbH (Österreich), der BackWerk NL B.V. (Niederlande) und der Frittenwerk GmbH. Als Geschäftsführer weist das Handelsregister seit Juli 2026 Philipp Angehrn aus; zuvor führte Sebastian Kayser, ein früherer KFC- und Rewe-Manager, seit Februar 2023 die Landesgesellschaft mit den Formaten BackWerk, Back-Factory und Ditsch. Auf Markenebene verantwortet seit November 2023 Katja Bayrak als Director Concept & Brand die Weiterentwicklung von BackWerk.
Wer betreibt die einzelnen Läden?
Wichtig für das Verständnis: Der Konzern besitzt die Marke, das Konzept und die Lieferkette, aber fast keine Filialen. BackWerk ist ein Franchisesystem. Die einzelnen Standorte werden von selbstständigen Unternehmern betrieben, die laut Deutschem Franchiseverband ab 25.000 Euro Eigenkapital mitbringen, eine Einstiegsgebühr von 10.000 Euro plus 3.600 Euro Lizenzgebühr zahlen und 5,5 Prozent ihres Nettoumsatzes als laufende Franchisegebühr abführen. Wer also in einem BackWerk einkauft, ist Kunde eines lokalen Franchisenehmers – das Geld für Lizenz und Waren fließt aber an die Essener Gesellschaft und damit letztlich in den FEMSA-Konzern.
Geschäftsmodell und Zahlen
BackWerk verkauft belegte Brötchen, süße und herzhafte Backwaren, warme Snacks, Kaffee und Kaltgetränke – inzwischen auch mit vegetarischen und veganen Optionen. Nach Angaben von Valora (Stand 2026) umfasst das Netz rund 353 Verkaufsstellen: 297 in Deutschland einschließlich der umgeflaggten Back-Factory-Läden, 34 in den Niederlanden, 18 in Österreich und vier in der Schweiz. Der Deutsche Franchiseverband nennt 275 deutsche und 78 internationale Standorte. Die Läden liegen in Innenstädten, an Bahnhöfen und Autobahnen sowie als Shop-in-Shop-Flächen an Tankstellen. Valora beziffert die Zahl der eigenen BackWerk-Mitarbeiter auf 456; das Personal in den Filialen ist bei den Franchisenehmern angestellt.
Einen eigenen Umsatz für BackWerk veröffentlicht Valora nicht. Auf Gruppenebene meldete Valora für 2025 einen Außenumsatz von rund 2,9 Milliarden Franken, stabil gegenüber dem Vorjahr, und einen um 8,5 Prozent auf 105,5 Millionen Franken gestiegenen EBIT – ein Rekordwert laut Unternehmensmitteilung vom 5. März 2026. Die Sparte Food Service B2C mit BackWerk, Ditsch und Brezelkönig entwickelte sich dabei nach Konzernangaben „solide“, litt aber unter rückläufigen Passantenfrequenzen. Wachstumstreiber war vor allem das Schweizer Convenience-Geschäft mit den Formaten avec und k kiosk.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das Jahr 2026 ist für BackWerk ein Jubiläums- und Umbruchjahr zugleich. Zum 25-jährigen Bestehen hat Valora die Organisation grundlegend umgebaut: Am 14. Januar 2026 kündigte der Konzern an, die Divisionen Convenience Retail und Food Service B2C zum 1. Juni 2026 zu einer Einheit unter der Leitung von Roger Vogt zusammenzulegen, um Synergien zwischen Kioskgeschäft und Bäckerei-Gastronomie zu heben („Foodvenience“). Ein Modell dafür ist der Umbau von rund 90 ServiceStore-DB-Läden an deutschen Bahnhöfen zu avec-Stores, der 2026 abgeschlossen werden soll.
Am 28. August 2026 folgte die nächste Zäsur: Konzernchef Michael Mueller, seit 2013 CEO von Valora und zuletzt auch verantwortlich für FEMSA Europe, verlässt das Unternehmen zum 31. Oktober 2026. Roger Vogt übernimmt ab 1. November interimistisch die Führung der Gruppe, während FEMSA die Organisation neu ordnet. Auch in Deutschland gab es einen Wechsel: Das Handelsregister verzeichnet seit Juli 2026 Philipp Angehrn als Geschäftsführer der Valora Food Service Deutschland GmbH. An der Eigentümerstruktur ändert das nichts – BackWerk bleibt eine FEMSA-Marke –, wohl aber an der strategischen Aufstellung, die stärker auf integrierte Convenience-Formate setzt. Parallel expandiert die Schwestermarke Ditsch mit FEMSA-Hilfe in die USA und nach Mexiko, wo Brezelstände in OXXO-Filialen getestet werden.
FAQ
Wem gehört BackWerk? Der Schweizer Valora-Gruppe, die seit Oktober 2022 zu 100 Prozent dem mexikanischen Konzern FEMSA gehört. In Deutschland ist die Valora Food Service Deutschland GmbH in Essen Franchisegeberin (Stand September 2026).
Ist BackWerk noch ein deutsches Unternehmen? Die Marke wurde in Düsseldorf gegründet und wird aus Essen gesteuert, die Eigentümer sitzen aber in der Schweiz und in Mexiko. Die einzelnen Filialen gehören selbstständigen Franchisenehmern.
Was hat FEMSA für Valora bezahlt? 260 Franken je Aktie, was Valora laut Swissinfo mit rund 1,1 Milliarden Franken bewertete. Die Übernahme wurde am 7. Oktober 2022 abgeschlossen.
Gehören Ditsch und Brezelkönig auch zu BackWerk? Nicht zu BackWerk, aber zur selben Valora-Sparte Food Service. Alle drei Marken haben denselben Eigentümer.
Wie viele BackWerk-Filialen gibt es? Laut Valora rund 353 Standorte in vier Ländern, davon 297 in Deutschland (Stand 2026).
Fazit
Hinter der Selbstbedienungsbäckerei aus der Fußgängerzone steht heute ein Weltkonzern: BackWerk ist über Valora eine Marke des mexikanischen FEMSA-Konzerns, betrieben von hunderten selbstständigen Franchisenehmern. Die Gründerfamilie Kirmaier und die Aufbauunternehmer Limmer und Schneider sind längst nicht mehr beteiligt. Für Kunden und Franchisepartner ist 2026 ein Jahr mit vielen Fragezeichen: Die Zusammenlegung der Sparten, der Abgang des langjährigen Konzernchefs und der Führungswechsel in Essen zeigen, dass FEMSA sein Europageschäft neu sortiert. Ob BackWerk dabei als eigenständiges Format gestärkt oder stärker in Convenience-Konzepte integriert wird, bleibt offen.
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