Wem gehört Augustiner? Eigentümer und Struktur der Münchner Brauerei

Wem gehört Augustiner

Die Augustiner-Bräu Wagner KG ist die älteste Brauerei Münchens und gehört weder einem Konzern noch einer einzelnen Familie. Mehrheitseigentümerin ist seit 1996 die gemeinnützige Edith-Haberland-Wagner Stiftung mit knapp über 50 Prozent der Anteile; der Rest liegt bei der Brauereifamilie Inselkammer und bei Nachfahren der Gründerfamilie Wagner. Geführt wird das Unternehmen 2026 von Martin Leibhard und Marc Kusche. Geschäftszahlen veröffentlicht Augustiner nicht; die letzte Branchenschätzung nannte für 2018 rund 1,63 Millionen Hektoliter Ausstoß und etwa 210 Millionen Euro Umsatz.

Key Takeaways

  • Die Edith-Haberland-Wagner Stiftung hält knapp über 50 Prozent an der Augustiner-Bräu Wagner KG und schützt die Brauerei so vor Übernahmen.
  • Rund 30 Prozent gehören der Münchner Brauereifamilie Inselkammer, knapp unter 20 Prozent Nachfahren der Familie Wagner, darunter Stiftungschefin Catherine Demeter.
  • Die Familie Wagner übernahm die Brauerei 1829; das Traditionsdatum 1328 ist historisch nicht gesichert, urkundlich belegt ist der Braubetrieb ab 1411.
  • Geschäftsführer sind Martin Leibhard (seit 2014) und Marc Kusche, der zum 1. Juni 2024 auf Werner Mayer folgte.
  • Augustiner verzichtet auf Werbung und betreibt mehr als 60 eigene Wirtschaften; seit April 2026 auch das „Augustiner am Platz“ in Freiburg.
  • Auf dem Oktoberfest 2026 kostet die Maß in der Augustiner-Festhalle 14,90 Euro, der niedrigste Preis unter den großen Zelten.
NameAugustiner-Bräu Wagner KG
Gegründet1328 (Traditionsdatum, urkundlich ab 1411); seit 1829 im Besitz der Familie Wagner
SitzLandsberger Straße 31–35, 80339 München
BrancheBrauerei, Gastronomie
EigentümerEdith-Haberland-Wagner Stiftung (knapp über 50 %), Familie Inselkammer (rund 30 %), Nachfahren der Familie Wagner (knapp unter 20 %)
FührungMartin Leibhard und Marc Kusche (persönlich haftende Gesellschafter); Stiftungsvorstand Catherine Demeter und Martin Liebhäuser
Umsatz / MitarbeiterUmsatz nicht veröffentlicht (Branchenschätzung 2018: rund 210 Mio. Euro); rund 585 Mitarbeiter an den vier Hauptstandorten (Stand Oktober 2024)

Vom Klosterbräu zur Brauerei der Familie Wagner

Die Wurzeln liegen im Münchner Augustinerkloster. Das Gründungsjahr 1328, mit dem die Brauerei bis heute wirbt, gilt in der Geschichtsforschung als nicht gesichert; urkundlich belegt ist der Braubetrieb der Mönche ab 1411. Nach der Säkularisation ging das Braurecht in weltliche Hände über, und am 5. März 1829 übernahmen Anton Wagner und seine Frau Maria Theresia die Brauerei. Nach Antons Tod 1845 führte Therese Wagner den Betrieb allein weiter; ihr Sohn Josef Wagner verlegte die Brauerei 1884 an die Landsberger Straße, wo sie bis heute produziert.

Rudolf Wagner wandelte das Unternehmen 1941 in eine Kommanditgesellschaft um. Als er 1981 ohne Testament starb, fiel die Brauerei an eine Erbengemeinschaft, der Ursprung der heutigen Eigentümerstruktur.

Eigentümerstruktur im Detail

Größte Gesellschafterin ist die Edith-Haberland-Wagner Stiftung. Edith Haberland-Wagner (1899–1996), Tochter von Max Wagner und Cousine des 1981 verstorbenen Rudolf Wagner, hielt zuletzt rund die Hälfte der Anteile und verfügte per Testament, dass diese in eine Stiftung übergehen. Die am 4. Dezember 1996 gegründete Stiftung soll laut Satzung die Brauerei und ihre Belegschaft erhalten und daneben gemeinnützige Zwecke fördern. Sie hält knapp über 50 Prozent, in Medienberichten werden 50,1 beziehungsweise 51 Prozent genannt. Eine Übernahme durch Brauereikonzerne ist damit faktisch ausgeschlossen.

Zweitgrößter Gesellschafter ist die Familie Inselkammer, die in München auch hinter der Brauerei Aying und dem Wirtshaus Platzl steht. Hans Inselkammer gehörte nach 1981 zu den persönlich haftenden Gesellschaftern; sein Sohn Jannik Inselkammer führte die Brauerei als geschäftsführender Gesellschafter, bis er im März 2014 bei einem Lawinenunglück in Kanada ums Leben kam. Der Anteil der Familie wird je nach Quelle mit knapp 30 bis 35 Prozent angegeben. Die restlichen knapp 20 Prozent liegen bei Nachfahren der Familie Wagner, darunter Catherine Demeter, Urgroßnichte der Stifterin, die seit Dezember 2013 der Gesellschafterversammlung und dem Stiftungsvorstand vorsitzt. Zweiter Stiftungsvorstand ist Martin Liebhäuser.

Das operative Geschäft verantworten Martin Leibhard, seit Juli 2014 kaufmännischer Geschäftsführer, und Marc Kusche, der zum 1. Juni 2024 die technische Leitung von Werner Mayer übernahm.

Geschäftszahlen und Marktposition

Augustiner veröffentlicht keine Umsatz- oder Ausstoßzahlen. Die letzte detaillierte Einschätzung stammt vom Branchendienst „Inside“ aus dem Jahr 2019: Demnach stieg der Ausstoß 2018 auf rund 1,63 Millionen Hektoliter, der Umsatz lag bei rund 210 Millionen Euro bei einer Umsatzrendite von etwa 30 Prozent. Das Historische Lexikon Bayerns nennt für 2020 rund 1,5 Millionen Hektoliter. Im Ranking der deutschen Brauereien nach Inlandsabsatz 2024 führt das Statistikportal Handelsdaten Augustiner auf Platz 11.

Belastbar sind die Angaben aus der Umwelterklärung der Brauerei: Zum 1. Oktober 2024 arbeiteten 392 Beschäftigte an der Landsberger Straße, 169 im Logistik- und Abfüllzentrum Freiham, 13 auf Gut Freiham und 11 im Depot Traunstein. Auffällig ist das Geschäftsmodell: kein Werbebudget, kein Sponsoring, die Euro-Flasche und ein schmales Sortiment mit dem Lagerbier Hell und dem Edelstoff als Kernprodukten. Die Marke lebt vom Ruf und von mehr als 60 eigenen Wirtschaften, darunter der Augustiner-Keller in der Maxvorstadt.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Im Geschäftsjahr 2023/24 nahm Augustiner in Freiham eine neue Flaschen- und Fassabfüllung in Betrieb. Im März 2024 brachte die Brauerei mit dem Alkoholfrei Hell die erste neue Sorte seit 38 Jahren auf den Markt, die inzwischen dauerhaft in Münchner Supermärkten erhältlich ist.

In der Gastronomie expandiert Augustiner behutsam über Bayern hinaus. Am 23. April 2026 wurde in Freiburg das Wirtshaus „Augustiner am Platz“ offiziell eröffnet. Zum 1. Juli 2026 übernahm die Brauerei zudem die Pacht des denkmalgeschützten Berggasthofs Streichen im Chiemgau. Einen Rückschlag gab es auf der Oidn Wiesn: Im Volkssängerzelt Schützenlisl wird 2026 nach dem Wirtewechsel kein Augustiner mehr ausgeschenkt, sondern Hacker-Pschorr aus der Paulaner-Gruppe.

Beim Bierpreis bleibt Augustiner seiner Linie treu. Auf dem Oktoberfest 2026 reicht die Spanne von 14,80 bis 15,90 Euro pro Maß, nach 14,50 bis 15,80 Euro im Jahr 2025. Die Augustiner-Festhalle verlangt 14,90 Euro und ist damit das günstigste der großen Zelte, auch wenn die Preise formal die Wirte setzen.

Die Stiftung als Eigentümerin

Rund die Hälfte des Brauereigewinns fließt an die Edith-Haberland-Wagner Stiftung, die damit vor allem im Raum München kulturelle und soziale Projekte fördert, etwa die Sanierung der Alten Kongresshalle, das Bier- und Oktoberfestmuseum oder die Wiederherstellung der „Gelben Treppe“ in der Münchner Residenz mit drei Millionen Euro. Daneben besitzt die Stiftung denkmalgeschützte Gasthöfe in Bayern und Österreich.

FAQ

Wem gehört Augustiner? Die Augustiner-Bräu Wagner KG gehört zu knapp über 50 Prozent der Edith-Haberland-Wagner Stiftung, zu rund 30 Prozent der Familie Inselkammer und zu knapp unter 20 Prozent Nachfahren der Familie Wagner.

Ist Augustiner Teil eines Konzerns? Nein. Die Stiftungsmehrheit wurde 1996 geschaffen, um eine Übernahme durch größere Braugruppen zu verhindern.

Wer führt Augustiner? Die persönlich haftenden Gesellschafter Martin Leibhard (kaufmännisch, seit 2014) und Marc Kusche (technisch, seit Juni 2024). An der Spitze der Stiftung steht seit 2013 Catherine Demeter.

Wie viel Bier braut Augustiner? Offizielle Zahlen gibt es nicht. Branchenschätzungen nannten für 2018 rund 1,63 Millionen Hektoliter, für 2020 rund 1,5 Millionen.

Warum macht Augustiner keine Werbung? Der Verzicht auf Werbung und Sponsoring ist Teil der Unternehmensphilosophie; die Brauerei setzt auf ihre Wirtshäuser und den Ruf des Lagerbiers Hell.

Was kostet die Maß Augustiner auf der Wiesn 2026? In der Augustiner-Festhalle 14,90 Euro; die Spanne über alle Zelte reicht von 14,80 bis 15,90 Euro.

Fazit

Augustiner ist ein Sonderfall der deutschen Brauwirtschaft: eine Großbrauerei, die mehrheitlich einer gemeinnützigen Stiftung gehört, keine Werbung schaltet, kaum Zahlen nennt und dennoch zu den größten Bierproduzenten des Landes zählt. Die Eigentümerstruktur aus Stiftung, Familie Inselkammer und Wagner-Nachfahren hat sich seit 1996 als stabil erwiesen. Mit dem Abfüllzentrum in Freiham, dem alkoholfreien Hellen und ersten Wirtshäusern außerhalb Bayerns zeigt das Unternehmen 2026, dass Tradition und vorsichtige Expansion kein Widerspruch sind.