4BRO ist eine deutsche Lifestyle-Getränkemarke für Eistee und Energydrinks, die im April 2020 von dem Unternehmer Engin Ergün aus dem Ruhrgebiet gestartet wurde. Die Marke gehört keinem Konzern, sondern einem inhabergeführten Firmenverbund: Sie entstand unter dem Dach der Großhandelsfirma ethno IQ GmbH und wird seit 2023 über die 4Bro GmbH vermarktet, deren Geschäftsführer Ergün ist. Stand 2026 saniert sich die Muttergesellschaft ethno IQ in Eigenverwaltung, die Marke 4BRO soll laut Gründer weiterlaufen.
Key Takeaways
- 4BRO wurde im April 2020 von Engin Ergün als Eigenmarke seiner Großhandelsfirma ethno IQ GmbH in Lünen gestartet.
- Seit Februar 2023 existiert die 4Bro GmbH als eigene Gesellschaft für Marketing, Vertrieb, App und Lizenzierung der Marke; Geschäftsführer ist Engin Ergün.
- Die Marke finanzierte sich laut Ergün ohne externe Investoren.
- Laut Handelsblatt setzte 4BRO im Startjahr 2020 rund 20 Millionen Euro um; Horizont berichtete für 2021 von mehr als 60 Millionen Euro, inside Getränke für 2022 von 40 Millionen Euro Gesamtumsatz.
- Anfang 2024 sorgte eine Kooperation mit dem YouTuber und Rapper Mois für Wirbel: Er inszenierte sich als Geschäftsführer, war laut Unternehmen aber nur kurzzeitig Chief Marketing Officer.
- Im Februar 2026 beantragte die ethno IQ GmbH beim Amtsgericht Dortmund ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung; im Frühjahr zog das Unternehmen von Lünen nach Dortmund.
| Name | 4BRO (Marke); 4Bro GmbH; ethno IQ GmbH (Mutter- und Vertriebsgesellschaft) |
| Gegründet | Marke April 2020; 4Bro GmbH Februar 2023; ethno IQ 2007 in Dortmund |
| Sitz | Dortmund (seit Frühjahr 2026, zuvor Lünen) |
| Branche | Erfrischungsgetränke (Eistee, Energydrinks), Snacks, Großhandel |
| Eigentümer | Inhabergeführt; Gründer Engin Ergün; genaue Anteilsverhältnisse nicht öffentlich bekannt |
| Führung | Engin Ergün (Geschäftsführer der 4Bro GmbH und der ethno IQ GmbH) |
| Umsatz / Mitarbeiter | 2020: rund 20 Mio. Euro (laut Handelsblatt); 2022: 40 Mio. Euro Gesamtumsatz (laut inside Getränke); rund 65 Mitarbeiter (2021), 35 bis 38 bei ethno IQ (Anfang 2024); aktuelle Zahlen nicht veröffentlicht |
Vom Ethno-Großhandel zur Eistee-Marke
Die Wurzeln von 4BRO liegen im Marketing und Großhandel. Engin Ergün, Sohn türkischer Gastarbeiter, studierte Betriebswirtschaft in Dortmund, arbeitete bei E-Plus und gründete dann die Agentur Ethno IQ für Marketing an Zielgruppen mit Migrationshintergrund. Ab 2007 wurde daraus ein Großhändler, der Halal-Produkte großer Hersteller an rund 8.000 türkische Supermärkte und Kioske in Europa lieferte.
Im April 2020, mitten im ersten Corona-Lockdown, brachte Ergün mit 4BRO eine eigene Marke auf den Markt: Eistee und Energydrinks in Sorten wie Bubble Gum oder Chill Mint, verpackt in Marmoroptik mit Goldschrift, dazu Maissnacks. Zielgruppe waren 15- bis 35-Jährige, die Deutschrap hören. Vermarktet wurde fast nur über Social Media, Influencer und eine App, in der Käufer Verpackungscodes gegen Gutscheine eintauschen konnten. Bis Mitte 2021 wurde die App laut OMR rund 900.000 Mal heruntergeladen.
Eigentümerstruktur: Wem gehört 4BRO wirklich?
Ergün erklärte 2021 im OMR-Podcast, er habe die Marke aus eigener Kraft finanziert und Investorenangebote abgelehnt. Formal besteht die Struktur aus zwei Gesellschaften: Die ethno IQ GmbH (Handelsregister Dortmund, HRB 25582, Stammkapital 200.000 Euro) war zunächst Inhaberin und Vertriebsgesellschaft der Marke. Im Februar 2023 kam die 4Bro GmbH (HRB 34774, Stammkapital 25.000 Euro) hinzu, deren Unternehmensgegenstand laut Handelsregister „Marketing und Vertrieb von Lebens- und Nichtlebensmitteln im Zusammenhang mit der Marke 4Bro, Vermarktung der 4Bro App und Abwicklung von Lizenzierungsvorgängen“ umfasst.
Geschäftsführer beider Gesellschaften ist Engin Ergün. Die Registerdaten weisen für ethno IQ zwei Gesellschafter und für die 4Bro GmbH einen Gesellschafter aus; Namen und Anteilsverteilung sind in den frei zugänglichen Auszügen nicht ersichtlich. Ein Konzern oder Finanzinvestor als Eigentümer ist nicht belegt. Die Produktion ist ausgelagert: Der Eistee wurde laut Business Insider von Wesergold abgefüllt.
Geschäftsmodell und Zahlen
Laut Handelsblatt setzte 4BRO bereits in den ersten drei Quartalen 2020 rund 20 Millionen Euro um, für 2021 stellte Ergün 60 bis 80 Millionen Euro Bruttoumsatz in Aussicht. Horizont berichtete im Januar 2022, die Marke habe 2021 „nach weniger als zwei Jahren am Markt“ mehr als 60 Millionen Euro umgesetzt. Die Muttergesellschaft ethno IQ erzielte laut about-drinks 2020 einen Umsatz von 39 Millionen Euro und beschäftigte 2021 rund 65 Mitarbeiter.
Vertrieblich gelang der Sprung aus dem Kiosk in den klassischen Handel: Rewe, Edeka, Famila, Lekkerland, Metro und Globus listeten die Produkte, dazu kamen Benelux, Österreich und die Schweiz. Im März 2021 wurde 4BRO Top-Partner von Rot-Weiss Essen, 2022 erhielt ethno IQ Landesfördermittel für den Logistikausbau in Lünen. Danach normalisierte sich das Wachstum: Für 2022 nannte inside Getränke einen Gesamtumsatz von 40 Millionen Euro, wovon über 60 Prozent auf Getränke entfielen.
Die Mois-Affäre 2024
Im Februar 2024 verkündete der umstrittene YouTuber und Rapper Mois in einem über die offiziellen 4BRO-Kanäle verbreiteten Video, er sei nun Geschäftsführer und werde die gesamte Belegschaft entlassen. Wenige Tage später wurde die Rolle auf die eines Chief Marketing Officers korrigiert; nach rund drei Monaten war die Zusammenarbeit beendet. Im Juli 2024 stellte 4BRO klar: „Er war nie Geschäftsführer und er ist auch seit einer halben Ewigkeit nicht mehr bei uns.“ Parallel behauptete ein maskierter YouTuber, 4BRO stehe vor der Pleite; Ergün wies das gegenüber den Ruhr Nachrichten zurück. Im Mai 2025 nannte er die Beziehung zu Mois rückblickend „extremst toxisch“.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026: Sanierung und Neustart in Dortmund
Im Februar 2026 beantragte die ethno IQ GmbH beim Amtsgericht Dortmund ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung (Aktenzeichen 251 IN 146/25). Sachwalter wurde Dr. Sebastian Henneke von der Kanzlei Streitbörger, Florian Bandrack von Baker Tilly übernahm als Generalbevollmächtigter die Sanierung; die MENTOR AG aus Trier startete eine Investorensuche. Als Ursachen nannte Ergün Preissteigerungen, eine „Disbalance zwischen Kosten und Marge“ im Großhandel und den seit 2023 verschärften Wettbewerb durch neue Eistee-Marken.
Im März und April 2026 gab das Unternehmen den Standort Lünen auf und zog in ein Verwaltungsbüro mit kleinerem Lager nach Dortmund. Ein Ende der Marke bestreitet Ergün: „4BRO geht entsprechend weiter“, sagte er im August 2026. Die 4Bro GmbH sei eine eigenständige Gesellschaft, ethno IQ fungiere als Vertriebspartner. Verkauft wird heute vor allem über türkische Supermärkte, Kioske, Tankstellen sowie einzelne Rewe- und Edeka-Märkte; einen eigenen Online-Shop gibt es nicht mehr. Ob und mit welchem Investor die Sanierung abgeschlossen wird, ist nicht öffentlich bekannt.
FAQ
Wem gehört 4BRO? Die Marke gehört zum inhabergeführten Firmenverbund des Gründers Engin Ergün aus 4Bro GmbH und ethno IQ GmbH. Externe Investoren oder ein Konzern als Eigentümer sind nicht belegt.
Wer ist der Gründer von 4BRO? Engin Ergün, ein Unternehmer aus dem Ruhrgebiet, der zuvor den Großhändler ethno IQ aufgebaut hatte und beide Gesellschaften als Geschäftsführer führt.
War der Rapper Mois Geschäftsführer von 4BRO? Nein. Mois war Anfang 2024 rund drei Monate als Chief Marketing Officer tätig; laut Unternehmen war er nie Geschäftsführer und hielt keine Anteile.
Ist 4BRO insolvent? Die Muttergesellschaft ethno IQ GmbH befindet sich seit Februar 2026 in einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Die 4Bro GmbH ist laut Ergün eine eigenständige Gesellschaft, die Marke wird weitergeführt.
Wie viel Umsatz macht 4BRO? Für 2020 nannte das Handelsblatt rund 20 Millionen Euro, inside Getränke für 2022 einen Gesamtumsatz von 40 Millionen Euro. Neuere Zahlen sind nicht veröffentlicht.
Fazit
4BRO gelangte ohne Konzern und ohne Investoren allein über Community und Social Media binnen Monaten in die Regale von Rewe und Edeka. Eigentümer und treibende Kraft ist bis heute Gründer Engin Ergün. Doch ein überhitzter Eistee-Markt, steigende Kosten und der Imageschaden der Mois-Affäre haben das Fundament erschüttert: Die Muttergesellschaft ethno IQ muss sich 2026 in Eigenverwaltung sanieren. Ob 4BRO den Neustart aus Dortmund schafft, entscheidet sich in den kommenden Monaten.