
Wer eine Immobilie privat verkauft, kann die Maklerprovision von typischerweise 3 bis 3,5 Prozent des Kaufpreises (Käuferanteil) einsparen, trägt aber selbst alle Haftungsrisiken, den Zeitaufwand von schätzungsweise 80 bis 160 Stunden und die direkten Kosten für Bewertung, Unterlagen und Vermarktung. Ob sich der Privatverkauf lohnt, hängt stark vom Immobilientyp, der Marktsituation und den eigenen Kenntnissen ab.
Key Takeaways
- Beim Privatverkauf entfällt die Maklerprovision, aber direkte Kosten für Wertgutachten, Energieausweis, Inserate und Vermarktung bleiben bestehen.
- Seit Ende 2020 gilt in Deutschland die gesetzliche Teilungspflicht: Käufer und Verkäufer teilen die Maklerprovision je zur Hälfte.
- Der typische Eigenaufwand beim Privatverkauf beträgt 80 bis 160 Stunden, verteilt über mehrere Monate.
- Preisfehler sind das größte finanzielle Risiko: Zu hohe Ansätze verlängern die Vermarktungszeit, zu niedrige kosten direkt Geld.
- Rechtliche Pflichten wie Offenlegungspflichten, Energieausweis und Sachmängelhaftung gelten auch für Privatverkäufer.
- Ein Makler lohnt sich besonders bei komplexen Objekten, Zeitmangel, schwieriger Marktlage oder fehlendem Verhandlungsgeschick.
- Notarkosten und Grunderwerbsteuer trägt in der Regel der Käufer, Grundbuchkosten teilen sich beide Parteien.
- Die wichtigsten Unterlagen sind: Grundbuchauszug, Energieausweis, Grundrisse, Baulastenverzeichnis und aktuelle Nebenkostenabrechnungen.
Was kostet es, eine Immobilie privat zu verkaufen?
Privat zu verkaufen bedeutet nicht kostenlos zu verkaufen. Auch ohne Makler fallen mehrere direkte Kosten an, die Verkäufer vorab einplanen sollten.
Typische Kostenpositionen beim Privatverkauf:
- Wertgutachten oder Kurzgutachten: 500 bis 2.500 Euro, je nach Umfang und Objektgröße. Ein zertifizierter Sachverständiger gibt Sicherheit beim Angebotspreis.
- Energieausweis: 100 bis 500 Euro. Seit 2014 ist er beim Verkauf gesetzlich Pflicht.
- Inserate auf Immobilienportalen: Immoscout24, Immowelt und vergleichbare Plattformen berechnen für private Anzeigen je nach Laufzeit und Sichtbarkeit zwischen 100 und 600 Euro.
- Professionelle Fotos: 200 bis 600 Euro. Schlechte Fotos reduzieren die Anfragenzahl messbar.
- Grundbuchauszug: 10 bis 20 Euro beim Grundbuchamt.
- Notarkosten: Rund 1,5 Prozent des Kaufpreises, in der Regel vom Käufer getragen, aber der Verkäufer trägt Kosten für eventuelle Löschungen von Grundschulden.
Gesamtschätzung: Bei einer Immobilie im Wert von 400.000 Euro sind beim Privatverkauf direkte Kosten von 1.500 bis 5.000 Euro realistisch.

Privat vs. Makler: Was ist billiger und welche Gebühren fallen an?
Der Maklerverkauf kostet in Deutschland typischerweise 5,95 bis 7,14 Prozent des Kaufpreises (inklusive Mehrwertsteuer), aufgeteilt je zur Hälfte zwischen Käufer und Verkäufer. Seit der gesetzlichen Neuregelung Ende 2020 darf der Verkäufer nicht mehr die gesamte Provision auf den Käufer abwälzen.
Rechenbeispiel bei 400.000 Euro Kaufpreis:
| Kostenart | Privatverkauf | Maklerverkauf |
|---|---|---|
| Maklerprovision (Verkäuferanteil) | 0 Euro | ca. 11.900 Euro (2,975 %) |
| Vermarktung, Gutachten, Unterlagen | 1.500-5.000 Euro | meist im Maklerservice enthalten |
| Notarkosten (Verkäuferanteil) | ca. 500-1.500 Euro | ca. 500-1.500 Euro |
| Gesamtkosten Verkäufer (ca.) | 2.000-6.500 Euro | 12.400-13.400 Euro |
Fazit: Das Einsparpotenzial beim Privatverkauf beträgt bei einer 400.000-Euro-Immobilie realistisch 6.000 bis 10.000 Euro. Diesen Vorteil können jedoch Preisfehler oder eine längere Vermarktungszeit schnell aufzehren.
Wie lange dauert es, eine Immobilie privat zu verkaufen?
Privatverkäufer sollten mit einer Gesamtdauer von vier bis acht Monaten rechnen, in schwierigen Märkten auch länger. Der Zeitaufwand für Eigenleistung liegt nach Erfahrungswerten bei 80 bis 160 Stunden.
Zeitfresser im Privatverkauf:
- Unterlagen zusammenstellen und beantragen: 5 bis 15 Stunden
- Exposé erstellen, Fotos organisieren: 10 bis 20 Stunden
- Anfragen bearbeiten und Besichtigungen koordinieren: 20 bis 50 Stunden
- Kaufpreisverhandlungen und Käuferprüfung: 10 bis 30 Stunden
- Notartermin vorbereiten und Übergabe: 5 bis 10 Stunden
Makler verkürzen die Vermarktungszeit häufig, weil sie auf ein bestehendes Käufernetzwerk zurückgreifen und Besichtigungen professionell bündeln. Bei stark nachgefragten Lagen ist der Zeitvorteil geringer.
Welche Risiken hat der private Immobilienverkauf?
Der Privatverkauf birgt drei wesentliche Risikofelder: Preisfehler, Rechtsfehler und Käuferrisiken. Alle drei können teurer werden als die eingesparte Provision.
Preisrisiko: Ohne professionelle Marktkenntnis setzen Privatverkäufer den Angebotspreis häufig zu hoch an. Objekte, die zu lange am Markt stehen, verlieren an Attraktivität. Ein späterer Preisnachlass signalisiert Käufern Verhandlungsspielraum.
Rechtliche Haftung: Privatverkäufer haften für arglistig verschwiegene Mängel. Wer bekannte Schäden nicht offenlegt, riskiert Schadensersatzforderungen und im Extremfall eine Rückabwicklung des Kaufvertrags. Bußgelder drohen außerdem bei fehlendem oder falschem Energieausweis.
Käuferprüfung: Makler prüfen die Bonität von Interessenten routinemäßig. Privatverkäufer, die darauf verzichten, riskieren geplatzte Finanzierungen kurz vor dem Notartermin.
Immobilie privat verkaufen: Notargebühren und Steuern
Notarkosten und Steuern fallen beim privaten wie beim Maklerverkauf gleichermaßen an. Der Unterschied liegt nur darin, wer welchen Anteil trägt.
- Notarkosten: Rund 1,5 Prozent des Kaufpreises, davon trägt der Käufer üblicherweise den Hauptteil. Verkäufer zahlen Kosten für die Löschung von Grundschulden oder Dienstbarkeiten.
- Grunderwerbsteuer: Wird vom Käufer getragen und liegt je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent.
- Spekulationssteuer: Wer eine Immobilie innerhalb von zehn Jahren nach Kauf verkauft und sie nicht selbst genutzt hat, zahlt Einkommensteuer auf den Gewinn. Bei selbst genutzten Immobilien entfällt die Steuer, wenn das Objekt im Verkaufsjahr und den zwei vorangegangenen Jahren selbst bewohnt wurde.
Welche Unterlagen brauche ich beim privaten Immobilienverkauf?
Ohne vollständige Unterlagen verzögert sich der Notartermin, und Käufer verlieren das Vertrauen. Privatverkäufer müssen diese Dokumente selbst beschaffen.
Pflichtunterlagen:
- Aktueller Grundbuchauszug (nicht älter als drei Monate)
- Energieausweis (Pflicht seit 2014, Bußgeld bis 15.000 Euro bei Verstoß)
- Grundrisse und Wohnflächenberechnung
- Baulastenverzeichnis und Bebauungsplan
- Teilungserklärung und Protokolle der Eigentümerversammlung (bei Wohnungseigentum)
- Aktuelle Betriebskostenabrechnungen und Nebenkostenübersichten
- Nachweise über Modernisierungen und Sanierungen
Tipp: Grundbuchauszug und Baulastenverzeichnis können beim zuständigen Amtsgericht oder Grundbuchamt beantragt werden. Die Bearbeitungszeit beträgt oft ein bis drei Wochen.
Immobilie privat verkaufen: Häufige Fehler vermeiden
Die häufigsten Fehler beim Privatverkauf sind vermeidbar, kosten aber ohne Vorbereitung viel Geld und Zeit.
- Falscher Angebotspreis: Weder zu hoch noch zu niedrig. Ein unabhängiges Kurzgutachten kostet 500 bis 800 Euro und gibt eine verlässliche Basis.
- Schlechte Fotos und ein schwaches Exposé: Professionelle Fotos und eine klare Objektbeschreibung erhöhen die Anfragenzahl deutlich.
- Mängel nicht offenlegen: Bekannte Schäden müssen schriftlich dokumentiert und dem Käufer mitgeteilt werden. Schweigen kann als Arglist gewertet werden.
- Käufer ohne Bonitätsnachweis akzeptieren: Vor dem Notartermin sollte eine Finanzierungsbestätigung der Bank vorliegen.
- Kaufvertrag ohne Anwalt prüfen: Der Notar ist neutral, kein Interessenvertreter des Verkäufers. Eine anwaltliche Prüfung des Kaufvertragsentwurfs kostet 300 bis 800 Euro und ist gut investiertes Geld.
Wie finde ich Käufer beim privaten Immobilienverkauf?
Privatverkäufer erreichen Käufer heute hauptsächlich über Immobilienportale, soziale Netzwerke und lokale Netzwerke. Die Reichweite ist ohne Makler geringer, aber ausreichend für viele Standardobjekte.

Bewährte Kanäle:
- Immoscout24, Immowelt, Ebay Kleinanzeigen: Größte Reichweite für Privatanzeigen in Deutschland.
- Soziale Medien: Facebook-Gruppen für lokale Immobilien, Instagram-Posts mit professionellen Fotos.
- Lokale Netzwerke: Aushänge, Empfehlungen im persönlichen Umfeld, Nachbarschaftsportale.
- Direktansprache: Bei Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeimmobilien kann eine gezielte Ansprache von Investoren sinnvoll sein.
Wann sollte man einen Makler nehmen statt privat zu verkaufen?
Ein Makler lohnt sich, wenn das Objekt komplex ist, die Marktsituation schwierig ist oder der Verkäufer keine Zeit oder Erfahrung hat. In diesen Fällen übersteigt der Mehrwert des Maklers die Provision.
Wählen Sie einen Makler, wenn:
- Die Immobilie in einem Käufermarkt liegt (wenig Nachfrage, viele Angebote).
- Es sich um ein Spezialobjekt handelt (Denkmalschutz, Gewerbe, Mehrfamilienhaus).
- Sie beruflich oder privat keine 80 bis 160 Stunden investieren können.
- Rechtliche Komplexität vorliegt (Erbengemeinschaft, Scheidung, Grundschulden).
- Sie keine Erfahrung mit Preisverhandlungen haben.
Privat verkaufen ist sinnvoll, wenn:
- Die Immobilie in einer stark nachgefragten Lage liegt.
- Sie bereits einen Interessenten aus dem persönlichen Umfeld haben.
- Sie Zeit und Bereitschaft mitbringen, sich in alle Schritte einzuarbeiten.
- Das Objekt unkompliziert und gut dokumentiert ist.
Rechtliche Anforderungen beim privaten Immobilienverkauf in Deutschland
Privatverkäufer unterliegen denselben gesetzlichen Pflichten wie professionelle Anbieter. Unwissenheit schützt nicht vor Haftung.
Wichtige Rechtspflichten:
- Energieausweis: Muss spätestens bei der Besichtigung vorgelegt werden. Fehlt er, droht ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro.
- Offenlegungspflicht: Bekannte Mängel (Feuchtigkeitsschäden, Schimmel, statische Probleme) müssen aktiv kommuniziert werden.
- Kaufvertrag: Muss notariell beurkundet werden. Privatvereinbarungen ohne Notar sind nichtig.
- Widerrufsrecht: Beim Verkauf an Verbraucher außerhalb von Geschäftsräumen (z. B. nach einer Besichtigung in der Immobilie) gelten besondere Regeln.
- Datenschutz: Interessentendaten dürfen nicht ohne Einwilligung gespeichert oder weitergegeben werden.
Fazit: Lohnt sich der private Immobilienverkauf wirklich?
Der private Immobilienverkauf bietet ein reales Einsparpotenzial von mehreren tausend Euro, ist aber kein Selbstläufer. Wer die Chancen, Risiken und alle Kosten im Vergleich zum Maklerverkauf nüchtern abwägt, trifft die bessere Entscheidung.
Konkrete nächste Schritte für Privatverkäufer:
- Immobilienwert durch ein unabhängiges Kurzgutachten ermitteln lassen.
- Alle Pflichtunterlagen frühzeitig beantragen (Grundbuch, Energieausweis, Grundrisse).
- Professionelle Fotos und ein aussagekräftiges Exposé erstellen.
- Inserate auf mindestens zwei großen Portalen schalten.
- Vor dem Notartermin eine Finanzierungsbestätigung des Käufers einfordern.
- Den Kaufvertragsentwurf anwaltlich prüfen lassen.
Wer diese Schritte konsequent umsetzt, kann die Provision tatsächlich einsparen, ohne dabei unnötige Risiken einzugehen.
FAQ
Kann ich meine Wohnung selbst ohne Makler verkaufen? Ja, in Deutschland gibt es keine gesetzliche Pflicht, einen Makler einzuschalten. Jeder Eigentümer darf seine Immobilie privat verkaufen, solange der Kaufvertrag notariell beurkundet wird.
Wie hoch ist die Maklerprovision in Deutschland 2026? Die übliche Gesamtprovision liegt zwischen 5,95 und 7,14 Prozent des Kaufpreises inklusive Mehrwertsteuer. Seit Ende 2020 wird sie gesetzlich je zur Hälfte zwischen Käufer und Verkäufer aufgeteilt.
Welche Steuern fallen beim privaten Immobilienverkauf an? Wer eine Immobilie innerhalb von zehn Jahren nach Kauf mit Gewinn verkauft und sie nicht selbst bewohnt hat, zahlt Spekulationssteuer (Einkommensteuer auf den Gewinn). Bei Selbstnutzung in den letzten zwei vollen Kalenderjahren und im Verkaufsjahr entfällt die Steuer.
Muss ich beim Privatverkauf einen Energieausweis vorlegen? Ja, der Energieausweis ist seit 2014 gesetzlich vorgeschrieben und muss spätestens bei der Besichtigung unaufgefordert vorgelegt werden. Bei Verstoß drohen Bußgelder bis 15.000 Euro.
Wie finde ich den richtigen Angebotspreis ohne Makler? Ein zertifizierter Sachverständiger erstellt ein Kurzgutachten für 500 bis 800 Euro. Alternativ bieten einige Plattformen kostenlose Online-Bewertungstools an, die aber nur als grobe Orientierung dienen.
Wie lange dauert ein privater Immobilienverkauf? Realistisch sind vier bis acht Monate vom ersten Inserat bis zur Schlüsselübergabe. Der persönliche Zeitaufwand liegt bei 80 bis 160 Stunden.
Was passiert, wenn ich Mängel beim Verkauf verschweige? Arglistig verschwiegene Mängel können zur Anfechtung oder Rückabwicklung des Kaufvertrags führen. Der Verkäufer haftet auf Schadensersatz, auch wenn ein „gekauft wie gesehen“-Klausel im Vertrag steht.
Ist ein Privatverkauf sicher? Ja, wenn alle gesetzlichen Pflichten eingehalten werden. Das größte Risiko ist nicht Unsicherheit, sondern Unwissenheit: Wer sich vorbereitet, Unterlagen vollständig hat und einen Notar einschaltet, verkauft rechtssicher.
Lohnt sich ein Makler bei einer Erbimmobilie? Bei Erbimmobilien empfiehlt sich ein Makler häufig, weil mehrere Erben beteiligt sein können, emotionale Faktoren die Preisfindung erschweren und rechtliche Fragen zur Erbauseinandersetzung hinzukommen.
Welche Unterlagen brauche ich unbedingt vor dem Notartermin? Grundbuchauszug, Energieausweis, Grundrisse, Wohnflächenberechnung, bei Eigentumswohnungen zusätzlich Teilungserklärung und aktuelle Hausgeldabrechnungen.
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