ABB Ltd mit Sitz in Zürich gehört keiner Familie und keinem Staat, sondern in erster Linie dem Börsenpublikum: Der überwiegende Teil der Aktien liegt im Streubesitz. Größter Einzelaktionär ist die schwedische Investor AB der Wallenberg-Familie mit rund 14,6 Prozent der Stimmrechte (Stand 30. Juni 2026). Der Technologiekonzern liefert Elektrifizierungs- und Automatisierungstechnik, beschäftigt rund 111.900 Mitarbeitende und erzielte 2025 einen Rekordumsatz von 33,2 Milliarden US-Dollar. Konzernchef ist seit August 2024 Morten Wierod; 2026 verkauft ABB seine Robotik-Sparte an SoftBank.
Key Takeaways
- ABB ist eine Publikumsgesellschaft: Nur drei Aktionäre halten laut Unternehmensangaben mehr als 3 Prozent, der Rest ist Streubesitz.
- Größter Aktionär ist Investor AB aus Stockholm mit 14,6 Prozent, hinter der die Wallenberg-Familie steht.
- Der aktivistische Investor Cevian Capital hielt ab 2015 zeitweise über 6 Prozent, taucht heute aber nicht mehr in der Liste der Aktionäre ab 3 Prozent auf.
- ABB entstand 1988 aus der Fusion der schwedischen ASEA mit der Schweizer Brown, Boveri & Cie. (BBC).
- 2025 war ein Rekordjahr: Auftragseingang 36,8 Milliarden, Umsatz 33,2 Milliarden und Konzerngewinn 4,7 Milliarden US-Dollar.
- Die Robotik-Division geht für 5,375 Milliarden US-Dollar an die SoftBank Group; im Gegenzug übernimmt ABB den britischen Stellantriebe-Hersteller Rotork für rund 5,5 Milliarden US-Dollar.
| Name | ABB Ltd |
| Gegründet | 1988 (Fusion ASEA/BBC); Vorläufer ASEA 1883 und BBC 1891 |
| Sitz | Zürich, Schweiz |
| Branche | Elektrotechnik, Elektrifizierung, Antriebstechnik, Prozessautomation |
| Eigentümer | Streubesitz; Investor AB 14,6 %, UBS Fund Management 5,0 %, BlackRock 4,2 % (laut Meldungen an ABB und SIX) |
| Führung | CEO Morten Wierod (seit 1. August 2024); Verwaltungsratspräsident Peter Voser (seit 2015) |
| Umsatz / Mitarbeiter | 33,2 Mrd. US-Dollar Umsatz, 4,7 Mrd. US-Dollar Konzerngewinn, rund 111.900 Mitarbeitende (2025) |
Von ASEA und BBC zur ABB: die Geschichte
1883 gründete Ludvig Fredholm im schwedischen Västerås die ASEA, 1891 riefen Charles E. L. Brown und Walter Boveri im aargauischen Baden die Brown, Boveri & Cie. ins Leben. 1987 kündigten beide Elektrotechnikkonzerne ihren Zusammenschluss an; zum Jahresbeginn 1988 nahm die neue ABB mit rund 160.000 Beschäftigten den Betrieb auf, erster Konzernchef war der Schwede Percy Barnevik. Bis 1999 blieben ASEA AB und BBC AG als getrennt börsennotierte Holdinggesellschaften bestehen, erst dann wurden sie zur heutigen ABB Ltd verschmolzen.
Später folgten große Portfolio-Umbauten: 2018 vereinbarte ABB den Verkauf von 80,1 Prozent der Stromnetzsparte Power Grids an Hitachi (vollzogen Juli 2020), die restlichen 19,9 Prozent gingen im Dezember 2022 ebenfalls an die Japaner. Im Oktober 2022 brachte ABB das Turbolader-Geschäft als Accelleron an die SIX Swiss Exchange.
Eigentümerstruktur: Wallenbergs, Fonds und Streubesitz
ABB veröffentlicht nach den Schweizer Offenlegungspflichten alle Aktionäre mit mehr als 3 Prozent der Stimmrechte. Nach dem Stand vom Juli 2026 sind das nur drei: Investor AB mit rund 265,4 Millionen Aktien beziehungsweise 14,6 Prozent (Meldung per 30. Juni 2026), UBS Fund Management (Switzerland) AG mit 5,001 Prozent (September 2024) und BlackRock mit 4,17 Prozent (Juni 2023). Alle übrigen Aktien liegen im Streubesitz. Die Aktie ist an der SIX Swiss Exchange und an der Nasdaq Stockholm kotiert.
Der Ankeraktionär Investor AB wurde 1916 gegründet und ist das Beteiligungsvehikel der Industriellenfamilie Wallenberg, die laut Wikipedia über ihre Stiftungen rund 23,3 Prozent des Kapitals und 50 Prozent der Stimmrechte von Investor AB kontrolliert. Jacob Wallenberg saß von 1999 bis 2024 im ABB-Verwaltungsrat, ab 2015 als Vizepräsident. Heute vertritt Johan Forssell, bis 2024 CEO von Investor AB, den Großaktionär im Gremium.
Eine Sonderrolle spielte lange der aktivistische Investor Cevian Capital: Er stieg Mitte 2015 mit 3 Prozent ein, baute die Beteiligung auf über 6 Prozent aus und drängte auf den Verkauf der Stromnetzsparte. Wie die Börsen-Zeitung im Juni 2022 berichtete, reduzierte Cevian den Anteil auf gut 3 Prozent; in der aktuellen Aktionärsliste ab 3 Prozent wird Cevian nicht mehr geführt.
Geschäftsmodell und Zahlen 2024/2025
ABB liefert Nieder- und Mittelspannungsprodukte, Ladeinfrastruktur, Elektromotoren, Frequenzumrichter und Leitsysteme für Industrie, Gebäude, Rechenzentren und Energieversorger. Nach dem Abschluss der SoftBank-Transaktion bleiben drei Geschäftsbereiche: Elektrifizierung, Antriebstechnik und Prozessautomation.
Laut Geschäftsbericht stieg der Umsatz 2025 um 9 Prozent auf 33,2 Milliarden US-Dollar (2024: 30,6 Milliarden). Der Auftragseingang legte um 17 Prozent auf 36,8 Milliarden US-Dollar zu, das operative EBITA erreichte 6,3 Milliarden US-Dollar bei einer Rekordmarge von 19,0 Prozent. Der Konzerngewinn kletterte von 3,9 auf 4,7 Milliarden US-Dollar, der Gewinn je Aktie stieg um 21 Prozent auf 2,59 US-Dollar. Die Dividende wurde auf 0,94 Franken je Aktie erhöht; zudem läuft ein Rückkaufprogramm über bis zu 2 Milliarden US-Dollar bis Januar 2027.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026: Robotik geht, Rotork kommt
Am 8. Oktober 2025 gab ABB bekannt, die Robotik-Division statt des geplanten Börsengangs für einen Unternehmenswert von 5,375 Milliarden US-Dollar an die SoftBank Group zu verkaufen. Die Sparte beschäftigt rund 7.000 Menschen und erzielte 2024 einen Umsatz von 2,3 Milliarden US-Dollar, etwa 7 Prozent des Konzernumsatzes; ABB erwartet einen Buchgewinn vor Steuern von rund 2,4 Milliarden US-Dollar. Die EU-Kommission gab den Deal im März 2026 frei, im Quartalsbericht vom 16. Juli 2026 nannte ABB als Abschlusstermin das zweite Halbjahr 2026.
Den Erlös setzt ABB umgehend wieder ein: Am selben Tag kündigte der Konzern die Übernahme der britischen Rotork plc, eines führenden Herstellers elektrischer Stellantriebe, für rund 5,5 Milliarden US-Dollar in bar an; der Abschluss wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet. Operativ läuft es rund: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Auftragseingang um 30 Prozent auf 12,0 Milliarden US-Dollar, der Umsatz um 14 Prozent auf 9,5 Milliarden, die operative EBITA-Marge erreichte 20,2 Prozent. Der Konzern hob daraufhin seine Jahresprognose an.
Die Menschen hinter ABB
Morten Wierod führt ABB seit dem 1. August 2024; der Norweger ist ein Eigengewächs des Konzerns und folgte auf Björn Rosengren, der ab 2020 die dezentrale Struktur mit rund 20 eigenständigen Divisionen eingeführt hatte. Verwaltungsratspräsident ist seit April 2015 Peter Voser, der frühere Chef des Ölkonzerns Shell; er wurde auf der Generalversammlung am 19. März 2026 bestätigt. Nach einem Bericht der „Bilanz“ bereitet Voser seine Nachfolge vor, als mögliche Kandidaten gelten BKW-Chef Robert Itschner und die frühere Schneider-Electric-Managerin Barbara Frei-Spreiter; ein Wechsel wird nicht vor 2027/2028 erwartet.
FAQ
Wem gehört ABB? ABB ist eine börsennotierte Publikumsgesellschaft. Größter Aktionär ist die schwedische Investor AB der Wallenberg-Familie mit rund 14,6 Prozent, gefolgt von UBS Fund Management und BlackRock; der Rest liegt im Streubesitz.
Ist ABB ein Schweizer oder ein schwedisches Unternehmen? Rechtlich ist ABB Ltd eine Schweizer Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich; historisch und über den Ankeraktionär Investor AB ist der Konzern aber ebenso schwedisch geprägt.
Ist Cevian noch an ABB beteiligt? Cevian Capital hielt zeitweise über 6 Prozent, reduzierte die Position 2022 auf gut 3 Prozent und wird in der aktuellen Liste der Aktionäre über 3 Prozent nicht mehr geführt.
Warum verkauft ABB seine Robotik-Sparte? ABB wollte die Robotik ursprünglich an die Börse bringen, entschied sich dann aber für das Angebot von SoftBank über 5,375 Milliarden US-Dollar. Der Konzern konzentriert sich künftig auf Elektrifizierung, Antriebstechnik und Prozessautomation.
Wer führt ABB? CEO ist seit August 2024 Morten Wierod, Verwaltungsratspräsident seit 2015 Peter Voser.
Fazit
ABB ist ein breit gestreuter Konzern mit einem einflussreichen, aber nicht beherrschenden Ankeraktionär. Die Wallenberg-Familie sichert über Investor AB seit der Fusion von 1988 Kontinuität, ohne die Mehrheit zu halten; Fonds und Privatanleger teilen sich den Rest. Nach dem Ausstieg aus Stromnetzen, Turboladern und nun der Robotik präsentiert sich ABB 2026 fokussierter und profitabler denn je. Wem gehört ABB? Dem Kapitalmarkt, mit einem schwedischen Akzent aus Stockholm.