
Friede Springer ist die einflussreichste Verlegerin Deutschlands. Vom Kindermädchen im Haushalt Axel Springers stieg sie zur Erbin und jahrzehntelangen Hauptgesellschafterin des Medienkonzerns auf, zu dem Bild, Welt, Politico und Business Insider gehören. Forbes führt sie seit Jahren in der Liste der Milliardäre. Mit der Aufspaltung von Axel Springer im Jahr 2025 und der Übertragung großer Aktienpakete an Vorstandschef Mathias Döpfner hat die 84-Jährige ihre Nachfolge geregelt.
Key Takeaways
- Friede Springer wurde am 15. August 1942 als Friede Riewerts auf der Nordseeinsel Föhr geboren; ihr Vater war Gärtner.
- 1965 kam sie als Kindermädchen in den Hamburger Haushalt von Axel Springer, 1978 heirateten die beiden.
- Nach Axel Springers Tod 1985 erbte sie Anteile am Verlag und setzte sich in jahrelangen Auseinandersetzungen mit anderen Erben und dem Medienunternehmer Leo Kirch durch.
- 2020 übertrug sie Vorstandschef Mathias Döpfner 15 Prozent der Anteile als Schenkung und verkaufte ihm weitere 4,1 Prozent.
- Seit der Aufspaltung im April 2025 gehört das Mediengeschäft zu 95 Prozent Friede Springer und Mathias Döpfner; die Kleinanzeigenportale gingen mehrheitlich an KKR und CPP Investments.
- Forbes führt sie in der Weltrangliste der Milliardäre; offizielle Zahlen zu ihrem Vermögen gibt es nicht.
- Sie ist Trägerin des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und gründete mehrere Stiftungen, darunter die Friede Springer Stiftung und die Friede Springer Herz Stiftung.
Steckbrief: Friede Springer
| Name | Friede Springer, geb. Riewerts |
| Geboren | 15. August 1942 in Oevenum auf Föhr |
| Beruf | Verlegerin, Unternehmerin, Stifterin |
| Unternehmen | Axel Springer SE (Gesellschafterin, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende) |
| Ehemann | Axel Springer (1912–1985), verheiratet seit 1978 |
| Wohnort | Berlin |
| Vermögensbasis | Beteiligung am Medienunternehmen Axel Springer |
Herkunft: Vom Gärtnerhaus auf Föhr nach Hamburg
Friede Riewerts wuchs in bescheidenen Verhältnissen in Oevenum auf der Insel Föhr auf. Ihr Vater war Gärtnermeister, zu Hause wurde Friesisch gesprochen. Nach der Schule arbeitete sie zunächst als Hausangestellte und Kinderpflegerin. 1965 nahm sie eine Stelle als Kindermädchen im Hamburger Haushalt des Verlegers Axel Springer an, wo sie sich um dessen Sohn aus der Ehe mit Rosemarie Alsen kümmerte.
Die Ehe mit Axel Springer
Aus der Anstellung wurde eine Beziehung. 1978 heiratete Axel Springer die 30 Jahre jüngere Friede Riewerts – seine fünfte Ehe. In den folgenden Jahren führte er sie systematisch in die Geschäfte des Verlags ein. Als Axel Springer am 22. September 1985 starb, hinterließ er seiner Witwe bedeutende Anteile am Unternehmen und die Aufgabe, sein Lebenswerk zu bewahren.
Machtkampf um den Verlag
Die Jahre nach dem Tod des Verlegers waren von Konflikten geprägt: mit den Enkeln Axel Springers, die ihre Anteile verkauften, mit den Burda-Erben und vor allem mit dem Medienunternehmer Leo Kirch, der über 40 Prozent der Aktien hielt. Friede Springer kaufte schrittweise Anteile zurück und sicherte sich die Mehrheit. Nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe 2002 übernahm sie mit Hilfe der Deutschen Bank auch dessen Paket und festigte ihre Position als unangefochtene Hauptgesellschafterin.
Gemeinsam mit Mathias Döpfner, seit 2002 Vorstandsvorsitzender, baute sie den klassischen Zeitungsverlag zum digitalen Medienhaus um. Zukäufe wie Business Insider (2015) und Politico (2021) sowie die Kleinanzeigenportale StepStone und Aviv machten Axel Springer zu einem der größten Digitalverlage Europas.
KKR, Döpfner und die Aufspaltung 2025
2019 stieg der US-Finanzinvestor KKR bei Axel Springer ein, 2020 wurde das Unternehmen von der Börse genommen. Im selben Jahr regelte Friede Springer ihre Nachfolge: Sie schenkte Mathias Döpfner 15 Prozent der Aktien, verkaufte ihm weitere 4,1 Prozent und übertrug ihm ihr Stimmrecht. Döpfner wurde damit zum persönlich haftenden Gesellschafter und zum Garanten der verlegerischen Linie.
Am 29. April 2025 wurde die Aufspaltung des Konzerns vollzogen: Das Mediengeschäft mit Bild, Welt, Politico, Business Insider und Morning Brew gehört seither zu 95 Prozent Friede Springer und Mathias Döpfner, wobei Döpfner die Mehrheit kontrolliert; die restlichen fünf Prozent halten Axel Sven Springer, ein Enkel des Gründers, und die Friede Springer Stiftung. Die Kleinanzeigenportale StepStone und Aviv gingen als eigenständige Gesellschaften mehrheitlich an KKR und den kanadischen Pensionsfonds CPP Investments; Axel Springer behält dort jeweils zehn Prozent. Das Medienunternehmen ist damit nach eigenen Angaben schuldenfrei und erstmals seit 1985 wieder vollständig in Familien- und Verlegerhand.
Friede Springer Vermögen: Die Basis heißt Axel Springer
Forbes führt Friede Springer seit Jahren in seiner Weltrangliste der Milliardäre. Grundlage ist ihre Beteiligung am Medienunternehmen Axel Springer, das bei der Aufspaltung 2025 einschließlich der Kleinanzeigenportale mit rund 13,5 Milliarden Euro bewertet wurde. Hinzu kommen Immobilien in Berlin und auf Föhr sowie Erlöse aus früheren Anteilsverkäufen. Konkrete Zahlen zu ihrem Privatvermögen beruhen auf Schätzungen; uamr.de nennt deshalb keine Beträge.
Einen erheblichen Teil ihres Vermögens hat Friede Springer bereits zu Lebzeiten weitergegeben: die Aktienschenkung an Döpfner, die Ausstattung der Friede Springer Stiftung für Wissenschaft und Forschung sowie der Friede Springer Herz Stiftung, die die Herzmedizin in Berlin fördert.
Politisches Engagement und Auszeichnungen
Friede Springer ist CDU-Mitglied, nahm als Wahlfrau an Bundesversammlungen teil und gilt als enge Vertraute der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihr Einsatz für die deutsch-jüdische Verständigung und die transatlantische Partnerschaft – beides Grundpfeiler des Hauses Springer – brachte ihr zahlreiche Ehrungen ein: den Leo-Baeck-Preis (2000), Ehrendoktorwürden der Ben-Gurion-Universität und der Hebräischen Universität Jerusalem, das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern (2008), den Preis Soziale Marktwirtschaft der Konrad-Adenauer-Stiftung (2015) und den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung (2020).
FAQ
Wie reich ist Friede Springer? Forbes führt sie in der Weltrangliste der Milliardäre. Grundlage ist ihre Beteiligung am Medienunternehmen Axel Springer; offizielle Zahlen gibt es nicht.
Wie kam Friede Springer zu Axel Springer? 1965 begann sie als Kindermädchen im Haushalt des Verlegers in Hamburg. 1978 heirateten die beiden; nach seinem Tod 1985 erbte sie Anteile am Verlag.
Wem gehört Axel Springer heute? Das Mediengeschäft gehört seit April 2025 zu 95 Prozent Friede Springer und Mathias Döpfner, der die Mehrheit hält. Die Kleinanzeigenportale StepStone und Aviv gingen mehrheitlich an KKR und CPP Investments.
Warum hat Friede Springer Mathias Döpfner Aktien geschenkt? Um ihre Nachfolge zu regeln und sicherzustellen, dass der Verlag im Sinne Axel Springers weitergeführt wird. 2020 übertrug sie ihm 15 Prozent der Aktien und ihr Stimmrecht.
Welche Stiftungen hat Friede Springer gegründet? Die Friede Springer Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie die Friede Springer Herz Stiftung für die Herzmedizin. Zudem engagiert sie sich in der Axel Springer Stiftung.
Welche Auszeichnungen hat Friede Springer erhalten? Unter anderem das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, den Leo-Baeck-Preis, mehrere Ehrendoktorwürden sowie Preise der Konrad-Adenauer- und der Friedrich-Naumann-Stiftung.
Fazit
Friede Springers Lebensweg vom Gärtnerhaus auf Föhr an die Spitze eines Milliardenkonzerns ist in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ohne Beispiel. Sie hat den Verlag gegen alle Angreifer verteidigt, digital neu ausgerichtet und ihre Nachfolge frühzeitig geregelt. Mit der Aufspaltung 2025 ist das Medienhaus Axel Springer wieder in Verlegerhand – so, wie es ihr Mann gewollt hätte.