Wem gehört Hasseröder? Eigentümer und Struktur 2026

Wem gehört Hasseröder

Hasseröder ist die größte Brauerei Sachsen-Anhalts und eine der bekanntesten Biermarken Ostdeutschlands. Eigentümer der Hasseröder Brauerei GmbH in Wernigerode ist auch 2026 der belgische Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev (AB InBev), zu dem die Marke seit der Übernahme der Gilde-Gruppe 2002/2003 gehört. Ein 2018 angekündigter Verkauf an einen Finanzinvestor platzte; seither nutzt der Konzern den Standort auch für „Corona Extra“.

Key Takeaways

  • Die Hasseröder Brauerei GmbH gehört zu Anheuser-Busch InBev, dem größten Brauereikonzern der Welt mit Sitz in Brüssel und Löwen.
  • Gegründet 1872 von Robert Hoppe als „Zum Auerhahn“ in Hasserode, seit 1920 unter dem Namen Hasseröder.
  • Nach der DDR-Zeit im VEB Getränkekombinat Magdeburg übernahm 1990 die Gilde Brauerei aus Hannover den Betrieb.
  • Mit dem Kauf der Gilde Brauerei AG durch Interbrew für 575 Mio. Euro (vollzogen zum 1. Januar 2003) kam Hasseröder in den Konzern, der über InBev (2004) zu AB InBev (2008) wurde.
  • Der Ausstoß sank von 2,42 Mio. Hektolitern (2013) auf rund 1,56 Mio. Hektoliter (2023, Platz 9 der deutschen Biermarken).
  • Ein 2018 vereinbarter Verkauf von Hasseröder und Diebels an den Finanzinvestor CK Corporate Finance scheiterte; im März 2019 beendete AB InBev alle Verkaufsgespräche.
  • Seit 2024 wird in Wernigerode „Corona Extra“ gebraut; 2026 soll der Standort auch die Rückkehr von „Anheuser-Busch Bud“ nach Deutschland stützen.
  • Rund 250 Beschäftigte arbeiten am Standort; 2025 endete ein Tarifkonflikt mit zwei Warnstreiks in einer Einigung über 5,7 Prozent mehr Lohn.
NameHasseröder Brauerei GmbH
Gegründet1872 in Hasserode (heute Wernigerode) durch Robert Hoppe
SitzAuerhahnring 1, 38855 Wernigerode, Sachsen-Anhalt
RechtsformGmbH (Amtsgericht Stendal, HRB 100971)
BrancheBrauerei, Biermarke (Pils, Export, Radler, Schwarzbier)
MitarbeiterRund 250 am Standort Wernigerode (inkl. Logistiktochter, Stand 2025)
AusstoßRund 1,56 Mio. Hektoliter (2023); Kapazität rund 470 Mio. Flaschen pro Jahr
EigentümerAnheuser-Busch InBev SA/NV (über Anheuser-Busch InBev Germany Holding GmbH, Bremen)

Geschichte und Herkunft

Die Geschichte beginnt 1872, als Robert Hoppe im Harzort Hasserode eine Brauerei unter dem Namen „Zum Auerhahn“ gründete. 1882 übernahm Ernst Schreyer den Betrieb, 1896 wurde er in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und produzierte 25.000 Hektoliter. Seit 1920 heißt das Unternehmen Hasseröder Brauerei AG.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb verstaatlicht. 1949 lag der Ausstoß bei 22.500 Hektolitern, bis Anfang der 1970er Jahre wuchs er auf rund 250.000 Hektoliter pro Jahr. 1972 wurde Hasseröder als Volkseigener Betrieb in das VEB Getränkekombinat Magdeburg eingegliedert und blieb dort bis 1990.

Mit der Wiedervereinigung begann der Aufstieg. 1990 übernahm die Gilde Brauerei aus Hannover die Hasseröder Brauerei GmbH und investierte massiv: 1995 begann der Bau einer komplett neuen Brauerei am Nordwestrand von Wernigerode, 1996/97 folgte der Umzug, das alte Werk wurde abgerissen. Hasseröder Premium Pils stieg in den 1990er Jahren zur meistgetrunkenen Biermarke der neuen Bundesländer auf.

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Hasseröder? Eigentümerkette von der Hasseröder Brauerei GmbH über die deutsche Holding bis zu AB InBev, Stand 2026
Wem gehört Hasseröder? Eigentümer und Struktur 2026 2

Die Eigentümerkette ist seit mehr als zwei Jahrzehnten stabil, auch wenn der Konzern mehrfach den Namen wechselte. Ende 2002 vereinbarte die belgische Interbrew-Gruppe den Kauf der Gilde Brauerei AG für 575 Mio. Euro, vollzogen zum 1. Januar 2003. Mit Gilde ging auch Hasseröder an die Belgier. 2004 fusionierte Interbrew mit der brasilianischen AmBev zu InBev, 2008 folgte der Zusammenschluss mit Anheuser-Busch zu AB InBev.

  • Hasseröder Brauerei GmbH (Wernigerode): operative Gesellschaft, die braut und abfüllt.
  • Anheuser-Busch InBev Germany Holding GmbH (Bremen): deutsche Landesholding, zu der auch Beck’s (Bremen), Diebels (Issum) sowie Spaten und Franziskaner (München) gehören.
  • Anheuser-Busch InBev SA/NV (Brüssel/Löwen): börsennotierter Mutterkonzern an der Euronext Brüssel mit weltweit mehr als 160.000 Beschäftigten.

Im Juni 2017 stellte AB InBev Hasseröder und Diebels zum Verkauf. Im Januar 2018 gab der Konzern den Verkauf beider Brauereien an den Finanzinvestor CK Corporate Finance aus Kronberg im Taunus bekannt; Medien kolportierten einen Preis von rund 200 Mio. Euro für Hasseröder, der nie bestätigt wurde. Ende Juni 2018 stoppte AB InBev die Transaktion, weil der Käufer nicht alle Vertragsbedingungen erfüllt hatte, im März 2019 beendete er alle Verkaufsgespräche. Seitdem gab es keinen Eigentümerwechsel; Gerüchte über einen Verkauf an eine Thüringer Unternehmergruppe ließen sich bis Oktober 2026 durch keine seriöse Quelle belegen.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Der wichtigste Schritt der vergangenen Jahre ist die Nutzung des Standorts Wernigerode als Produktionsdrehscheibe für Konzernmarken. Seit Mai 2024 wird dort „Corona Extra“ für Deutschland und angrenzende Exportmärkte gebraut. AB InBev sprach von einer Investition „in signifikanter Höhe“. Branchenberichten zufolge entfallen inzwischen rund 400.000 Hektoliter pro Jahr auf Corona.

2025 sorgte ein Tarifkonflikt für Schlagzeilen. Nach Auslaufen des Tarifvertrags Ende März rief die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Mai und Juli zu zwei 24-stündigen Warnstreiks auf. Am 11. Juli 2025 einigten sich die Parteien: Die Löhne der rund 250 Beschäftigten von Brauerei und Logistiktochter steigen in zwei Stufen um 5,7 Prozent, rückwirkend 2,9 Prozent zum 1. April 2025 und 2,8 Prozent zum 1. Januar 2026. Der Vertrag läuft bis Ende 2026.

Für 2026 setzt AB InBev Deutschland auf die Rückkehr der US-Marke „Anheuser-Busch Bud“ rund um die Fußball-Weltmeisterschaft, inklusive 0,33-Liter-Mehrwegflasche und einer Bierpartnerschaft mit Bayer 04 Leverkusen ab der Saison 2026/27. Branchenmedien erwarten, dass auch dieses Bier in Wernigerode gebraut wird. Von einer Insolvenz oder Schließung der Brauerei ist nichts bekannt; der Betrieb läuft im Drei-Schicht-System weiter.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Hasseröder ist eine Volumenmarke des Lebensmitteleinzelhandels: Der Gastronomieanteil hat sich laut Branchenangaben von rund zehn auf unter fünf Prozent halbiert, der Verkauf läuft überwiegend über Aktionspreise. Flaggschiff ist das Premium Pils (4,9 Prozent Alkohol), ergänzt um Premium Export (5,5 Prozent), Naturradler (2,7 Prozent), das saisonale Schwarzbier und das Starkbier Fürstenbräu Granat (5,8 Prozent).

  • Ausstoß: 2,42 Mio. Hektoliter (2013), 2,25 Mio. (2015), 2,09 Mio. (2016), rund 1,89 Mio. (2017), rund 1,56 Mio. (2023, Platz 9 der deutschen Biermarken).
  • Kapazität: rund 470 Mio. abgefüllte Flaschen und etwa 20.000 beladene Lkw pro Jahr.
  • Konzernmutter AB InBev 2025: Umsatz 59,3 Mrd. US-Dollar, bereinigtes EBITDA 21,2 Mrd. US-Dollar, Nettogewinn 6,8 Mrd. US-Dollar, Bierabsatz vergleichbar minus 2,6 Prozent.
  • AB InBev Deutschland: rund 2.700 Beschäftigte in Bremen, Wernigerode, Issum und München.

Eigene Umsatz- oder Gewinnzahlen der Hasseröder Brauerei GmbH veröffentlicht der Konzern nicht gesondert; sie gehen im Europa-Segment des AB-InBev-Abschlusses auf.

FAQ

Wem gehört Hasseröder heute? Die Hasseröder Brauerei GmbH gehört über die deutsche Landesholding in Bremen zu Anheuser-Busch InBev, dem weltgrößten Brauereikonzern mit Sitz in Belgien. Das gilt auch im Oktober 2026.

Wurde Hasseröder verkauft? Nein. Ein 2018 angekündigter Verkauf zusammen mit Diebels an CK Corporate Finance wurde im Juni 2018 gestoppt, im März 2019 beendete AB InBev alle Gespräche. Spätere Verkaufsgerüchte wurden nie bestätigt.

Seit wann gehört Hasseröder zu AB InBev? Seit der Übernahme der Gilde Brauerei AG durch Interbrew, vereinbart 2002 und vollzogen zum 1. Januar 2003.

Wie viel Bier braut Hasseröder? Der Markenausstoß lag 2023 bei rund 1,56 Mio. Hektolitern, nach 2,42 Mio. im Jahr 2013. Hinzu kommt seit 2024 die Produktion von „Corona Extra“, laut Branchenschätzungen rund 400.000 Hektoliter jährlich.

Wie viele Mitarbeiter hat die Brauerei? Rund 250 Beschäftigte arbeiten bei der Brauerei und ihrer Logistiktochter in Wernigerode (Stand 2025).

Welche Biere stellt Hasseröder her? Premium Pils, Premium Export, Naturradler, saisonal Hasseröder Schwarz und das Starkbier Fürstenbräu Granat.

Fazit

Hasseröder zeigt, wie eine ostdeutsche Traditionsmarke in einem globalen Konzern aufgegangen ist: Von der Gründung 1872 über die DDR-Verstaatlichung und den Gilde-Neubau der 1990er Jahre führte der Weg 2003 zu Interbrew und damit zu AB InBev. Der gescheiterte Verkauf 2018 war ein Wendepunkt, denn statt die Marke abzustoßen, nutzt der Konzern das moderne Werk in Wernigerode heute für „Corona Extra“ und den Neustart von „Bud“ in Deutschland.