Die enercity AG, der Energieversorger Hannovers, ist nicht börsennotiert und liegt in kommunaler Hand: Rund 76 Prozent der Anteile hält die Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover (VVG), 24 Prozent gehören der Thüga AG. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern 6,2 Mrd. Euro Umsatz, ein EBIT von 219,3 Mio. Euro und ein Ergebnis nach Steuern von 168,2 Mio. Euro. Seit dem 1. Juli 2024 führt Aurélie Alemany das Unternehmen. Im Mai 2026 kündigten enercity und Thüga an, ihre Überkreuzbeteiligung aufzulösen – der Thüga-Anteil soll an die Stadt Hannover gehen.
Key Takeaways
- Die enercity AG gehört zu rund 76 Prozent der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover (VVG) und zu 24 Prozent der Thüga AG.
- Die VVG gehört zu 80,49 Prozent der Landeshauptstadt Hannover und zu 19,51 Prozent der Region Hannover; sie bündelt enercity und die Verkehrsbetriebe üstra unter einem Dach.
- Im Geschäftsjahr 2025 sank der Umsatz auf 6,2 Mrd. Euro (2024: 7,35 Mrd. Euro), das Ergebnis nach Steuern lag bei 168,2 Mio. Euro.
- Der Konzern beschäftigte Ende 2025 3.983 Mitarbeitende und investierte mit 652,9 Mio. Euro so viel wie nie zuvor.
- Seit dem 1. Juli 2024 ist Aurélie Alemany Vorstandsvorsitzende; sie folgte auf Susanna Zapreva.
- Am 5. Mai 2026 kündigten enercity und Thüga die Entflechtung ihrer Beteiligungen an: enercity gibt 20,53 Prozent an der Thüga ab, Thügas 24 Prozent an enercity sollen an die Stadt Hannover übergehen.
- Die Wurzeln reichen bis 1825 zurück; 1970 wurden die Stadtwerke Hannover zur Aktiengesellschaft, seit 2018 heißt sie enercity AG.
| Name | enercity AG (bis 2018 Stadtwerke Hannover AG) |
| Gegründet | Ursprünge 1825 (Gaswerk Glocksee); 1952 Stadtwerke Hannover; 21. Dezember 1970 Umwandlung in eine AG |
| Sitz | Hannover, Glocksee-Gelände (Konzernzentrale seit August 2023) |
| Eigentümer | Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover (VVG) rund 76 %, Thüga AG 24 %; Entflechtung mit Thüga seit Mai 2026 angekündigt |
| Umsatz | 6,2 Mrd. Euro (2025), Ergebnis nach Steuern 168,2 Mio. Euro |
| Mitarbeiter | 3.983 (2025) |
Geschichte und Herkunft
Die Geschichte von enercity beginnt 1825, als am Glocksee-Gelände die erste Gasanstalt Deutschlands entstand. 1878 folgte das Wasserwerk Ricklingen, 1883 eine erste Anlage zur Stromerzeugung. 1922 fasste die Stadt die Betriebe zu den Städtischen Betriebswerken zusammen, die 1952 den Namen Stadtwerke Hannover erhielten.
Am 21. Dezember 1970 wurden die Stadtwerke in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; 1971 gründete die Stadt die VVG als Holding für Stadtwerke und Verkehrsbetriebe üstra. 1996 führte das Unternehmen den Markennamen „enercity“ ein, 2018 wurde er zum offiziellen Firmennamen. Seit August 2023 sitzt der Konzern in einem Neubau auf dem Glocksee-Gelände, dem größten Passivhaus Norddeutschlands.
Eigentümerstruktur im Detail

Mehrheitseigentümerin der enercity AG ist die Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover mbH (VVG) mit rund 76 Prozent der Anteile (nach Angaben der VVG genau 75,09 Prozent). Die VVG ist die kommunale Holding, die zu 80,49 Prozent der Landeshauptstadt Hannover und zu 19,51 Prozent der Region Hannover gehört. Neben enercity hält sie 98,38 Prozent an der üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG. Zweck der Konstruktion ist der steuerliche Querverbund: Die Gewinne des Energieversorgers werden mit den Verlusten des Nahverkehrs verrechnet, sodass enercity indirekt Busse und Stadtbahnen in Hannover mitfinanziert.
Die übrigen 24 Prozent hält die Thüga AG aus München, das größte Netzwerk kommunaler Energie- und Wasserversorger Deutschlands. Die Beteiligung ist Teil einer Überkreuzstruktur seit Dezember 2009: Damals erwarb ein Konsortium kommunaler Versorger die Thüga von E.ON, und enercity ist seitdem mit 20,53 Prozent an der Thüga Holding beteiligt – gleichauf mit Mainova (Frankfurt) und N-Ergie (Nürnberg), während die restlichen Anteile über die KOM 9 bei über 50 weiteren Stadtwerken liegen.
Diese Verflechtung steht seit Mai 2026 vor dem Ende. Am 5. Mai 2026 gaben enercity und Thüga bekannt, ihre Beteiligungen entflechten zu wollen: enercity gibt ihre 20,53 Prozent an der Thüga an die übrigen Gesellschafter ab, und Thügas 24 Prozent an enercity sollen an die Landeshauptstadt Hannover übergehen. Über Kaufpreise und Zeitplan haben die Partner Stillschweigen vereinbart; die Transaktion steht unter Gremien- und Behördenvorbehalt. Bereits im November 2025 hatte die Fachpresse über Verkaufsverhandlungen berichtet und den Wert des enercity-Pakets an der Thüga auf rund 1 Mrd. Euro taxiert. Nach Abschluss läge enercity vollständig in Händen von Stadt und Region Hannover.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
enercity versorgt in der Region Hannover rund eine Million Menschen mit Strom, Erdgas, Fernwärme und Trinkwasser und ist seit 2018 bundesweit als Ökostromanbieter aktiv. Mit über 80 Windparks zählt der Konzern zu den größeren Onshore-Windbetreibern Deutschlands. Zur Gruppe gehören die enercity Netz GmbH, die enercity Erneuerbare GmbH, die enercity Solution GmbH, die enercity Contracting GmbH und die Danpower GmbH aus Potsdam. Weitere Beteiligungen sind das Gemeinschaftskraftwerk Hannover (84,7 Prozent), der Telekommunikationsanbieter htp (50 Prozent) und der Heizungsspezialist ökoloco (74,9 Prozent).
Die Umsatzzahlen spiegeln vor allem die Energiepreise wider: Nach 9,15 Mrd. Euro im Krisenjahr 2023 fiel der Umsatz 2024 auf 7,35 Mrd. Euro und 2025 auf 6,2 Mrd. Euro. Das EBIT ging von 598 Mio. Euro (2023) über 389 Mio. Euro (2024) auf 219,3 Mio. Euro (2025) zurück; als Gründe nennt das Unternehmen schwankende Energiemärkte und ein schwaches Windjahr. Gleichzeitig stieg das Eigenkapital auf 1,26 Mrd. Euro, und die Belegschaft wuchs auf 3.983 Mitarbeitende (2024: rund 3.500).
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
An der Spitze steht seit dem 1. Juli 2024 Aurélie Alemany. Die 1975 geborene Verfahrensingenieurin arbeitete bei BASF und EnBW, leitete ab 2019 Yello Strom und von Oktober 2020 bis Januar 2024 den Speicherhersteller SENEC in Leipzig. Vorgängerin war Susanna Zapreva (2015 bis 2023).
Am 9. April 2026 legte enercity die Bilanz für 2025 vor und sprach von einem „soliden Jahresergebnis“. Die Investitionen erreichten mit 652,9 Mio. Euro einen Rekordwert; 155 Megawatt neue Leistung aus Wind, Photovoltaik und Batteriespeichern gingen in Betrieb, die erneuerbare Stromerzeugung stieg um 17 Prozent auf 2.305 Gigawattstunden. Rund 60 Prozent der eigenen Stromerzeugung und rund 32 Prozent der Wärmeerzeugung stammten aus erneuerbaren Quellen.
Strategisch hält der Konzern am Kohleausstieg bis spätestens 2030 fest. Für die Wärmewende sind bis 2040 rund 1,5 Mrd. Euro vorgesehen, für das Stromnetz rund 2 Mrd. Euro bis 2035; insgesamt will enercity bis 2030 7,6 Mrd. Euro in Dekarbonisierung und erneuerbare Energien investieren und bis 2035 klimaneutral erzeugen. Die im Mai 2026 angekündigte Entflechtung von der Thüga soll die finanzielle Handlungsfähigkeit für diesen Kurs stärken.
FAQ
Wem gehört enercity? Rund 76 Prozent gehören der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover (VVG), hinter der Stadt und Region Hannover stehen. Die übrigen 24 Prozent hält die Thüga AG; sie sollen laut Ankündigung vom Mai 2026 an die Stadt Hannover übergehen.
Ist enercity an der Börse notiert? Nein. Die enercity AG ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft in kommunalem Besitz.
Wie hoch war der Umsatz von enercity 2025? Im Geschäftsjahr 2025 lag der Umsatz bei 6,2 Mrd. Euro, das EBIT bei 219,3 Mio. Euro und das Ergebnis nach Steuern bei 168,2 Mio. Euro.
Was hat enercity mit der Thüga zu tun? Seit 2009 besteht eine Überkreuzbeteiligung: Thüga hält 24 Prozent an enercity, enercity 20,53 Prozent an der Thüga Holding. Im Mai 2026 kündigten beide an, diese Verflechtung aufzulösen.
Wie viele Mitarbeiter hat enercity? Ende 2025 beschäftigte der Konzern 3.983 Mitarbeitende.
Fazit
enercity ist und bleibt ein kommunales Unternehmen: Über die VVG kontrollieren Stadt und Region Hannover rund 76 Prozent, und mit der geplanten Übernahme des Thüga-Pakets durch die Stadt dürfte der Konzern bald vollständig in öffentlicher Hand liegen. Trotz sinkender Umsätze investierte das Unternehmen 2025 so viel wie nie in Wind, Solar, Wärme und Netze. Die Thüga-Entflechtung ist der größte Umbau der Eigentümerstruktur seit 2009.
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