Ehrmann, die Allgäuer Molkerei hinter Marken wie Almighurt, Grand Dessert und High Protein, gehört Stand September 2026 vollständig der Gründerfamilie Ehrmann. Rechtsträger ist die Ehrmann SE mit Sitz in Oberschönegg im Landkreis Unterallgäu, eine Europäische Aktiengesellschaft, deren Aktien laut Wikipedia sämtlich in Familienbesitz sind; die Gesellschaft ist nicht börsennotiert. An der Spitze steht in dritter Generation Christian Ehrmann als Vorstandsvorsitzender, wie das Impressum des Unternehmens ausweist. Mit rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz (2024) und mehr als 3.450 Beschäftigten zählt Ehrmann nach eigenen Angaben zu den größten milchverarbeitenden Unternehmen Deutschlands.
Key Takeaways
- Ehrmann ist ein reines Familienunternehmen: Die Ehrmann SE gehört der Familie Ehrmann, es gibt keine externen Investoren und keine Börsennotierung (Stand September 2026).
- Gegründet 1920 vom Molkereimeister Alois Ehrmann sen.; 1929 Kauf der Molkerei in Oberschönegg, die bis heute Stammsitz ist.
- Christian Ehrmann führt das Unternehmen seit 2006 als Vorstandsvorsitzender; weitere Vorstände sind laut Impressum Markus Fehr, Frank Bodfeld und Kurt Hardt.
- Am 27. Oktober 2020 wurde die Ehrmann AG in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt.
- Umsatz rund 1,1 Milliarden Euro (2024) mit über 3.450 Mitarbeitern; Ziel laut Lebensmittel Zeitung: über 1,5 Milliarden Euro bis 2027.
- Produktionsstandorte in Deutschland (Oberschönegg, Hainichen-Freiberg, Thannhausen), Russland (Raos, Stupino), Brasilien und seit 2024 in Cornwall, England.
- 2026 baut Ehrmann für 100 Millionen Euro eine neue Molkerei in Oberschönegg; das umfangreiche Russland-Geschäft steht seit 2022 in der Kritik.
| Name | Ehrmann SE |
| Gegründet | 1920 (Alois Ehrmann sen.) |
| Sitz | A.-Ehrmann-Straße 2, 87770 Oberschönegg (Amtsgericht Memmingen, HRB 18947) |
| Branche | Molkerei, Milchprodukte (Joghurt, Quark, Desserts, Milchgetränke) |
| Eigentümer | Familie Ehrmann, 100 Prozent (Stand September 2026) |
| Führung | Christian Ehrmann (Vorstandsvorsitzender), Markus Fehr, Frank Bodfeld, Kurt Hardt; Aufsichtsratsvorsitz: Hans Weggenmann |
| Umsatz / Mitarbeiter | ca. 1,1 Mrd. Euro (2024) / über 3.450 Mitarbeiter (Unternehmensangaben) |
Geschichte: Vom Ein-Mann-Betrieb zur Milliardenmolkerei
Die Geschichte von Ehrmann beginnt 1920, als der Molkereimeister Alois Ehrmann sen. laut Unternehmenschronik eine Molkerei als Ein-Mann-Betrieb gründete. 1929 erwarb er die Betriebsstätte in Oberschönegg, die seither Stammsitz ist. 1960 übergab er die Leitung an seine Söhne Anton und Alois jun. – die zweite Generation, die den Sprung vom regionalen Verarbeiter zur Marke schaffte. 1964 brachte Ehrmann mit Almighurt nach eigenen Angaben den ersten Fruchtjoghurt Deutschlands mit kalt eingerührten Früchten auf den Markt. Almighurt ist bis heute die bekannteste Marke des Hauses.
Ab den späten 1980er-Jahren expandierte das Unternehmen über Zukäufe: 1989 die Fleischwerke Zimmermann in Thannhausen (heute Genusswelt Zimmermann), 1992 die Fertigstellung der Molkerei Hainichen-Freiberg in Sachsen, 1998 die Mehrheitsbeteiligung an den Milchwerken J. M. Gabler-Saliter, einem seit 1713 bestehenden Allgäuer Traditionsbetrieb. Im Jahr 2000 folgte mit einer Produktionsstätte in Raos bei Moskau der erste Auslandsstandort. 2006 übernahm Christian Ehrmann als Vertreter der dritten Generation den Vorstandsvorsitz.
Der Versuch, in den USA Fuß zu fassen, blieb Episode: 2011 gründete Ehrmann eine Molkerei in Brattleboro (Vermont), 2013 folgte die Arizona Dairy in Casa Grande; 2019 wurden die US-Aktivitäten laut Chronik wieder veräußert. Dauerhafter waren das 2018 gestartete Joint Venture mit der brasilianischen Molkerei Trevo Lácteos, die laut Wikipedia inzwischen eine 100-Prozent-Tochter ist, und 2021 die Übernahme des russischen Milchgeschäfts von FrieslandCampina. Im Juni 2024 kaufte Ehrmann die Trewithen Dairy in Cornwall, die heute als Ehrmann Cornish Dairy firmiert.
Eigentümerstruktur im Detail: Die Familie Ehrmann
Ehrmann ist eines der wenigen Milliardenunternehmen der deutschen Lebensmittelindustrie, das vollständig in der Hand einer Familie liegt. Die Muttergesellschaft ist die Ehrmann SE, eingetragen beim Amtsgericht Memmingen unter HRB 18947, mit Sitz an der A.-Ehrmann-Straße 2 in Oberschönegg. Sie ging am 27. Oktober 2020 durch Formwechsel aus der Ehrmann AG hervor. Laut Wikipedia befinden sich alle Aktien der Gesellschaft im Besitz der Familie Ehrmann; das Unternehmen selbst bezeichnet sich auf seiner Website als „familiengeführtes und unabhängiges Unternehmen“. Einen Börsengang oder den Einstieg eines Investors hat es nie gegeben.
Unter der SE hängen die operativen Gesellschaften: die Ehrmann GmbH Oberschönegg im Allgäu als Kernmolkerei, die Molkerei Hainichen-Freiberg GmbH & Co. KG in Sachsen, die Genusswelt Zimmermann in Thannhausen, die russischen Töchter OOO Ehrmann (Raos) und OOO Ehrmann Stupino, die brasilianische Trevo Lácteos S.A. und die britische Ehrmann Cornish Dairy Ltd. Hinzu kommen Vertriebsniederlassungen unter anderem in Großbritannien, Tschechien, Polen, Spanien, Italien, den Niederlanden, Schweden, Finnland und China. Die Produkte werden nach Unternehmensangaben in mehr als 75 Ländern verkauft.
Wie die Anteile innerhalb der Familie verteilt sind, veröffentlicht Ehrmann nicht. Die Lebensmittel Zeitung berichtete im November 2024, der Gesellschafterkreis verkleinere sich vor einem anstehenden Generationenwechsel – ein Hinweis darauf, dass die Familie die Eigentümerstruktur für die vierte Generation neu ordnet. Konkrete Namen oder Quoten sind nicht belegt, und uamr.de nennt keine Vermögenswerte einzelner Familienmitglieder.
Die Führung liegt seit 2006 bei Christian Ehrmann als Vorstandsvorsitzendem. Ihm zur Seite stehen laut Impressum die Vorstände Markus Fehr, Frank Bodfeld und Kurt Hardt. Den Aufsichtsrat führt laut Wikipedia Hans Weggenmann. Die Kombination aus familienbesetzter Spitze, externen Managern im Vorstand und einem Aufsichtsrat nach SE-Recht ist typisch für große deutsche Familienunternehmen, die sich Kapitalmarktstrukturen geben, ohne Kapitalmarktkapital aufzunehmen.
Geschäftsmodell und Zahlen
Ehrmann ist auf die sogenannte weiße Linie spezialisiert: Fruchtjoghurt, Quark, Desserts und Milchgetränke unter Marken wie Almighurt, Grand Dessert, High Protein, Obstgarten, Foodie, Robby oder Lacto Zero. Im deutschen Fruchtjoghurtmarkt hält das Unternehmen laut Wikipedia einen Anteil von rund 11,3 Prozent und gilt als Marktführer im Joghurtsegment. Wachstumstreiber der vergangenen Jahre war die Kategorie High Protein, die auch die Auslandsexpansion nach Großbritannien trägt.
Nach Unternehmensangaben erzielte die Gruppe 2024 einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro mit mehr als 3.450 Mitarbeitern. Die Lebensmittel Zeitung berichtete im November 2024 über das Ziel, bis 2027 mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz zu erreichen, mit einem jährlichen Wachstum von über 100 Millionen Euro. Detaillierte Gewinnzahlen veröffentlicht die Ehrmann SE nicht; als Familienunternehmen ist sie nur zur Hinterlegung des Jahresabschlusses im Unternehmensregister verpflichtet.
Ein erheblicher Teil des Geschäfts liegt in Russland. Laut Wikipedia setzten die beiden russischen Töchter vor 2022 rund 250 Millionen Euro um; eine Studie der Kyiv School of Economics, über die die Frankfurter Rundschau im Juli 2023 berichtete, bezifferte den Russland-Umsatz nach Kriegsbeginn auf 470 Millionen US-Dollar – ein Plus von 32 Prozent gegenüber 356 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Ehrmann gehörte damit zu den deutschen Unternehmen mit dem stärksten Umsatzzuwachs in Russland und wurde dafür kritisiert; Medienanfragen, unter anderem der FAZ, blieben laut FR unbeantwortet.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Die Strategie hat sich verschoben: Statt weiterer Übernahmen investiert Ehrmann laut Lebensmittel Zeitung vorrangig in bestehende Standorte und Innovationen. Sichtbarstes Projekt ist der Neubau einer kompletten Molkerei in Oberschönegg für rund 100 Millionen Euro, über den die Lebensmittel Zeitung im April 2026 berichtete; die Erdarbeiten laufen, ab Mai 2026 will Ehrmann mit Milchmixgetränken eine neue Kategorie besetzen. Für die Milchbauern der Region bedeutet das laut Agrarpresse zusätzlichen Bedarf an Rohmilch.
In Großbritannien folgte auf die Übernahme der Trewithen Dairy (260 Mitarbeiter, rund 100 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr, etwa 150 Millionen Euro Umsatz laut Foodaktuell) im Februar 2026 der Spatenstich für eine 23 Millionen Euro teure Erweiterung im Glynn Valley in Cornwall. Dort sollen ab Dezember 2026 High-Protein-Desserts für den britischen Markt produziert werden; 30 neue Stellen entstehen, mehr als 200 bestehende werden gesichert. 2025 gründete das Unternehmen außerdem laut Chronik die Digitalagentur „Max und Moritz“. Auf Eigentümerebene bleibt alles beim Alten: Die Familie Ehrmann hält 100 Prozent, ein Generationenwechsel wird vorbereitet, ist aber Stand September 2026 nicht vollzogen.
FAQ
Ist Ehrmann ein Familienunternehmen? Ja. Die Ehrmann SE gehört vollständig der Familie Ehrmann, es gibt keine externen Anteilseigner und keine Börsennotierung. Christian Ehrmann führt das Unternehmen in dritter Generation.
Gehört Ehrmann zu einem Konzern wie Müller oder Danone? Nein. Ehrmann ist unabhängig und konkurriert mit Müller, Danone oder Zott als eigenständiger Anbieter.
Warum heißt die Firma Ehrmann SE? SE steht für Societas Europaea, die Europäische Aktiengesellschaft. Ehrmann wechselte am 27. Oktober 2020 von der AG in diese Rechtsform, blieb aber vollständig in Familienbesitz.
Wo produziert Ehrmann? In Deutschland in Oberschönegg, Hainichen-Freiberg und Thannhausen, im Ausland in Russland (Raos, Stupino), Brasilien und Cornwall in England.
Wie groß ist Ehrmann? Rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz (2024) und mehr als 3.450 Beschäftigte nach Unternehmensangaben; bis 2027 sollen es über 1,5 Milliarden Euro werden.
Fazit
Ehrmann gehört der Familie Ehrmann – ohne Wenn und Aber. Über ein Jahrhundert nach der Gründung hält die dritte Generation unter Christian Ehrmann alle Anteile an der Ehrmann SE und steuert ein Unternehmen mit rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz, das mit Almighurt und High Protein in Deutschland führend ist und international von Brasilien bis Cornwall produziert. Die offenen Fragen betreffen weniger das Eigentum als die Zukunft: die Vorbereitung des Generationenwechsels, die 100-Millionen-Investition am Stammsitz und die fortdauernde Kritik am Russland-Geschäft. Stand September 2026 ist die Eigentümerstruktur unverändert familiär.
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