Wem gehört Drillisch? Eigentümer und Struktur der 1&1 AG 2026

Wem gehört Drillisch?

Drillisch existiert als eigenständiges Unternehmen nicht mehr: Die frühere Drillisch AG firmiert seit Juni 2021 als 1&1 AG in Montabaur und ist der vierte deutsche Mobilfunknetzbetreiber. Eigentümerin ist die United Internet AG, die Ende 2025 laut Geschäftsbericht 86,46 Prozent der Aktien hielt und bis Mitte 2027 auf bis zu 90 Prozent aufstocken will. Hinter United Internet steht Gründer Ralph Dommermuth mit 48,94 Prozent der Aktien und 54,37 Prozent der Stimmrechte (Stand August 2026). 2025 erzielte die 1&1 AG 4,14 Mrd. Euro Umsatz mit 16,32 Millionen Kundenverträgen.

Key Takeaways

  • Die Drillisch AG wurde 2017 per Reverse Takeover von United Internet übernommen, 2018 in 1&1 Drillisch AG und 2021 in 1&1 AG umbenannt.
  • United Internet hielt zum 31. Dezember 2025 86,46 Prozent der 1&1-Aktien; die übrigen 13,54 Prozent lagen im Streubesitz, davon 4,51 Prozent beim Investor Norman Rentrop.
  • Ralph Dommermuth kontrolliert United Internet mit 48,94 Prozent der Aktien und 54,37 Prozent der Stimmrechte und ist Vorstandsvorsitzender beider Gesellschaften.
  • 2025 erreichte die 1&1 AG 4.135,8 Mio. Euro Umsatz und 537,5 Mio. Euro EBITDA; der Netzaufbau belastete das Ergebnis mit 265,3 Mio. Euro.
  • Im November 2025 schloss 1&1 die Migration aller rund zwölf Millionen Mobilfunkkunden ins eigene Netz ab und übernahm die 1&1 Versatel von United Internet für rund 1,3 Mrd. Euro.
  • Eine Verschmelzung oder ein Squeeze-out ist Stand September 2026 nicht angekündigt; die EBITDA-Prognose 2026 wurde im September auf rund 740 Mio. Euro gesenkt.
Name1&1 AG (bis 2021 1&1 Drillisch AG, bis 2018 Drillisch AG)
Gegründet1983 in Maintal; Börsengang 1998
SitzMontabaur (Rheinland-Pfalz)
BrancheTelekommunikation (Mobilfunknetz, Breitband, Glasfaser für Geschäftskunden)
EigentümerUnited Internet AG 86,46 Prozent, Streubesitz 13,54 Prozent (davon Norman Rentrop 4,51 Prozent; inklusive eigener Aktien und Vorstandsanteile), Stand 31. Dezember 2025
MuttergesellschaftUnited Internet AG, Montabaur; Großaktionär Ralph Dommermuth (48,94 Prozent der Aktien, 54,37 Prozent der Stimmrechte, August 2026)
Umsatz / Mitarbeiter4.135,8 Mio. Euro Umsatz, 4.678 Beschäftigte (2025, inklusive 1&1 Versatel)
VermögensbasisEigenes 5G-Netz, 12,48 Mio. Mobilfunk- und 3,84 Mio. Breitbandverträge, Glasfasernetz der 1&1 Versatel, Marken 1&1, yourfone, smartmobil.de, WinSIM

Geschichte und Herkunft

Die Wurzeln liegen im hessischen Maintal, wo 1983 die Drillisch-Vertriebs- und Servicegesellschaft Nachrichtentechnik mbH gegründet wurde. In den 1990er-Jahren wurde daraus ein Mobilfunk-Service-Provider, der Netzkapazitäten einkaufte und unter eigenen Marken weiterverkaufte; 1998 folgte der Börsengang. Über die Drillisch Online GmbH entstanden Discount-Marken wie smartmobil.de, WinSIM und yourfone, die überwiegend im Netz von Telefónica (O2) funkten.

Der Einschnitt kam im Mai 2017: United Internet brachte seine Tochter 1&1 Telecommunication SE in die Drillisch AG ein und erhielt dafür neue Drillisch-Aktien. Wirtschaftlich war das ein Reverse Takeover, mit dem United Internet die Mehrheit gewann. Im Januar 2018 folgte die Umbenennung in 1&1 Drillisch AG, im Juni 2021 in 1&1 AG. 2019 ersteigerte das Unternehmen 5G-Frequenzen und verpflichtete sich zum Aufbau eines vierten deutschen Mobilfunknetzes.

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Drillisch? Eigentümerkette von Ralph Dommermuth über United Internet zur 1&1 AG mit Aktionärsstruktur und Kennzahlen 2025/2026
Wem gehört Drillisch? Eigentümer und Struktur der 1&1 AG 2026 2

Die Eigentümerkette ist zweistufig. Auf der ersten Stufe steht die United Internet AG, die zum 31. Dezember 2025 laut Geschäftsbericht 86,46 Prozent der knapp 176,8 Millionen 1&1-Aktien hielt. Die übrigen 13,54 Prozent lagen im Streubesitz, davon 4,51 Prozent beim Investor Norman Rentrop. Ende 2023 lag die Beteiligung noch bei 78,32 Prozent, im Mai 2025 hob ein Erwerbsangebot über 18,50 Euro je Aktie den Anteil auf über 86 Prozent.

Auf der zweiten Stufe steht Ralph Dommermuth. Laut der von United Internet veröffentlichten Aktionärsstruktur (Stand 5. August 2026) hält er über Beteiligungsgesellschaften 48,94 Prozent der 192 Millionen Aktien; da United Internet 9,98 Prozent eigene, nicht stimmberechtigte Aktien hält, entspricht das 54,37 Prozent der Stimmrechte. Der Streubesitz nach DAX-Methodik liegt bei 41,08 Prozent. Dommermuth ist Vorstandsvorsitzender beider Gesellschaften.

Eine Verschmelzung ist nicht beschlossen. Beim Erwerbsangebot 2025 erklärte United Internet laut dpa, weder Beherrschungs- noch Gewinnabführungsvertrag anzustreben und mindestens zehn Prozent im Streubesitz zu belassen. Im August 2026 erteilte der Konzern einen Kaufauftrag über bis zu sechs Millionen Aktien mit Laufzeit bis 30. Juni 2027, um die Beteiligung auf bis zu 90 Prozent zu erhöhen. An der Börse wurde das als Vorbereitung eines Squeeze-outs gedeutet, angekündigt ist ein solcher Schritt nicht. Die 1&1 AG bleibt eigenständig im SDAX notiert.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

2025 stand im Zeichen des eigenen Netzes. Nach dem Start im Dezember 2023 und einem größeren Ausfall im Mai 2024 wechselte 1&1 im August 2024 vom Übergangspartner Telefónica zu einer langfristigen National-Roaming-Vereinbarung mit Vodafone. Am 12. November 2025 meldete das Unternehmen den Abschluss der Migration aller rund zwölf Millionen Mobilfunkkunden ins eigene Kernnetz mit rund 1.500 Antennenstandorten. Ende 2025 deckte das Netz laut Geschäftsbericht 27 Prozent der Haushalte ab und erfüllte die Auflage der Bundesnetzagentur von 25 Prozent; bis Ende 2026 sollen es mindestens 35 Prozent sein.

Am 21. November 2025 kündigte United Internet den Verkauf der 1&1 Versatel an die 1&1 AG an, vollzogen zum 30. November 2025. Der Basispreis lag bei rund 1,3 Mrd. Euro, hinzu kommen mögliche Anpassungszahlungen von bis zu 300 Mio. Euro je nach Geschäftsentwicklung 2027 bis 2029. Damit sind alle Netzaktivitäten des Konzerns bei der 1&1 AG gebündelt, United Internet hält selbst die Anwendungsmarken GMX und WEB.DE sowie die Beteiligung an IONOS.

Für 2026 hatte 1&1 im März ein EBITDA von rund 800 Mio. Euro angekündigt; im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 2.269,7 Mio. Euro, das EBITDA bei 382,7 Mio. Euro. Am 10. September 2026 senkte das Unternehmen die Prognose auf rund 740 Mio. Euro: Ein Umbauprogramm bei Versatel, das die Vollzeitstellen von rund 1.350 auf rund 1.000 reduziert, kostet einmalig etwa 60 Mio. Euro und soll ab 2028 rund 25 Mio. Euro jährlich einsparen.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

Die 1&1 AG berichtet in drei Segmenten: „Access“ (Mobilfunk- und Breitbandverträge für Endkunden), „1&1 Mobilfunknetz“ und seit Dezember 2025 „1&1 Versatel“ (Glasfaser für Geschäftskunden). Laut Jahreszahlen vom 19. März 2026 stieg der Umsatz 2025 um 1,8 Prozent auf 4.135,8 Mio. Euro. Das EBITDA sank um 9,0 Prozent auf 537,5 Mio. Euro, weil das Netzsegment mit –265,3 Mio. Euro belastete; das EBIT ging auf 208,2 Mio. Euro zurück, die Investitionen stiegen auf 409,2 Mio. Euro.

Zum 31. Dezember 2025 zählte das Unternehmen 16,32 Millionen Kundenverträge, davon 12,48 Millionen im Mobilfunk und 3,84 Millionen Breitbandanschlüsse. Die Zahl der Beschäftigten stieg durch Versatel von 3.268 auf 4.678. United Internet erzielte 2025 auf Konzernebene 6.103,8 Mio. Euro Umsatz und 1.282,0 Mio. Euro EBITDA; die 1&1 AG ist damit der größte Umsatzträger des Konzerns. Mit dem eigenen Netz ist 1&1 neben Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica der vierte Netzbetreiber Deutschlands, für den Flächenausbau fehlen laut Unternehmensangaben vom März 2026 jedoch Low-Band-Frequenzen unter 1 GHz.

FAQ

Wem gehört Drillisch heute? Die frühere Drillisch AG heißt seit 2021 1&1 AG. Größte Aktionärin ist die United Internet AG mit 86,46 Prozent (Stand 31. Dezember 2025), der Rest liegt im Streubesitz, darunter 4,51 Prozent bei Norman Rentrop.

Wem gehört United Internet? Gründer Ralph Dommermuth hält 48,94 Prozent der Aktien und 54,37 Prozent der Stimmrechte (Stand August 2026). United Internet ist im MDAX und TecDAX notiert.

Gibt es die Marke Drillisch noch? Der Name lebt in der Drillisch Online GmbH fort, die Discount-Marken wie smartmobil.de, WinSIM und yourfone betreibt. Als Firmenname der börsennotierten Gesellschaft wurde er 2021 abgelegt.

Wird die 1&1 AG mit United Internet verschmolzen? Stand September 2026 ist weder eine Verschmelzung noch ein Squeeze-out angekündigt. United Internet will seinen Anteil bis Mitte 2027 auf bis zu 90 Prozent erhöhen.

Hat 1&1 ein eigenes Mobilfunknetz? Ja. Das Open-RAN-Netz startete im Dezember 2023, seit November 2025 sind alle Mobilfunkkunden ins eigene Kernnetz migriert. Ende 2025 deckte es 27 Prozent der Haushalte ab, außerhalb greift National Roaming über Vodafone.

Fazit

Die Frage „Wem gehört Drillisch?“ führt 2026 nach Montabaur: Die einstige Drillisch AG ist als 1&1 AG zu 86,46 Prozent Teil der United Internet AG, die Ralph Dommermuth mit der Mehrheit der Stimmrechte kontrolliert. Versatel-Übernahme, Netzmigration und der laufende Kaufauftrag binden Mutter und Tochter enger aneinander; ob am Ende ein Squeeze-out steht, hat das Unternehmen offengelassen.