Der Shoppingsender HSE gehört mehrheitlich dem US-Finanzinvestor Providence Equity Partners, der 2012 eingestiegen ist. Betrieben wird das Geschäft von der Home Shopping Europe GmbH in Ismaning bei München; beteiligt sind außerdem das Management und der Aufsichtsratsvorsitzende. Seit einer Schuldenrestrukturierung im Jahr 2025 haben zudem die Anleihegläubiger Sonderrechte: Anspruch auf einen Teil künftiger Ausschüttungen und eine Kaufoption auf die Anteile. Ein formeller Eigentümerwechsel ist uamr.de nicht bekannt; die letzte Unternehmensangabe dazu stammt vom Mai 2026.
Key Takeaways
- HSE ist nach eigenen Angaben vom Mai 2026 seit 2012 mehrheitlich im Besitz von Providence Equity Partners.
- Laut einem Urteil des Londoner High Court vom Juni 2025 hielt die Luxemburger PSMA Holding S.à r.l. 83,57 Prozent, eine Beteiligungsgesellschaft des Managements 15 Prozent und Aufsichtsratschef Richard Reitzner 1,43 Prozent.
- 2025 wurden Anleihen über 630 Millionen Euro umgebaut: Die Gläubiger erhielten neue Papiere mit Laufzeiten bis 2029 und 2030 sowie Wertrechte auf 37 Prozent künftiger Ausschüttungen.
- Ein Insolvenzverfahren gab es nicht; die Restrukturierung lief über ein englisches „Scheme of Arrangement“.
- Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um vier Prozent auf 641,6 Millionen Euro; HSE zählt rund 1,15 Millionen aktive Kunden und rund 800 Mitarbeitende.
- Der Sender startete 1995 als H.O.T., hieß ab 2001 Home Shopping Europe, ab 2004 HSE24 und seit Januar 2021 nur noch HSE.
| Name | HSE (Home Shopping Europe GmbH) |
|---|---|
| Gegründet | 1995 als H.O.T. Home Order Television |
| Sitz | Ismaning bei München |
| Branche | Teleshopping, Live-Commerce, Onlinehandel |
| Eigentümer | Mehrheitlich Providence Equity Partners (über PSMA Holding S.à r.l.), dazu Management und Aufsichtsratsvorsitzender; Anleihegläubiger mit Sonderrechten seit 2025 |
| Umsatz/Mitarbeiter | 641,6 Millionen Euro (2025) / rund 800 Mitarbeitende |
| Führung | Sandra Rehm (Vorsitzende der Geschäftsführung), Richard Reitzner (Aufsichtsratsvorsitzender) |
Eigentümerstruktur im Detail

HSE ist nicht börsennotiert, eine Aktie gibt es nicht. Über der Home Shopping Europe GmbH liegen mehrere Zwischenholdings in Deutschland und Luxemburg. Den genauesten öffentlichen Einblick liefert ein Urteil des High Court in London vom 5. Juni 2025: Danach gehörten die Anteile zu 83,57 Prozent der PSMA Holding S.à r.l., die das Gericht als „Sponsor“ bezeichnet, zu 15 Prozent einer deutschen Kommanditgesellschaft, in der das Management seine Beteiligung bündelt, und zu 1,43 Prozent dem Aufsichtsratsvorsitzenden Richard Reitzner. Die PSMA Holding ist das Vehikel von Providence Equity Partners; HSE selbst erklärte im Mai 2026, seit 2012 mehrheitlich im Besitz von Providence zu sein.
2020 übertrug Providence die Beteiligung aus einem älteren Fonds in ein neues Vehikel, das die britische Intermediate Capital Group (ICG) mehrheitlich finanzierte; die Kontrolle blieb bei Providence. Ältere Angaben, wonach Providence 77 Prozent, Ardian 15 Prozent und das Management 8 Prozent halten, decken sich nicht mit dem Gerichtsdokument von 2025.
Hinzu kommen seit 2025 die Rechte der Anleihegläubiger. Sie sind keine Gesellschafter, erhalten aber über bedingte Wertrechte 37 Prozent aller künftigen Ausschüttungen der Finanzierungsgesellschaft HSE Finance. Außerdem besitzen die Gläubiger eine Kaufoption auf sämtliche Anteile der Muttergesellschaft PSMA Luxco, die sie in bestimmten, öffentlich nicht näher beschriebenen Fällen ausüben können. Hinweise darauf, dass dies geschehen ist, liegen uamr.de nicht vor.
Geschichte und Herkunft
Der Sender startete am 16. Oktober 1995 als H.O.T. Home Order Television und war der erste Teleshopping-Kanal in Deutschland. Treibende Kraft war das Versandhaus Quelle, Partner war der Fernsehsender ProSieben. 1996 stieg das US-Unternehmen Home Shopping Network (HSN) ein. Im Mai 2001 wurde aus H.O.T. Home Shopping Europe, 2004 folgte die Marke HSE24, im Januar 2021 fiel die Zahl im Namen weg.
2005 ging der Sender an den US-Konzern InterActiveCorp, die damalige Mutter von HSN. 2007 kaufte KarstadtQuelle, später in Arcandor umbenannt, das Unternehmen zurück. Nach der Arcandor-Pleite verkaufte der Insolvenzverwalter HSE24 im November 2009 an AXA Private Equity, die heutige Ardian; das Handelsblatt nannte einen Preis von rund 180 Millionen Euro. Im Juli 2012 übernahm Providence die Mehrheit, Unquote bezifferte den Wert der Transaktion auf rund 650 Millionen Euro.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
HSE verkauft vor allem Mode, Kosmetik, Schmuck und Haushaltswaren. Vertrieben wird über die drei Sender HSE, HSE Extra und HSE Trend, über Onlineshop und App sowie zunehmend über soziale Netzwerke. Nach Unternehmensangaben erreichen die Sender rund 45 Millionen Haushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Seit der Pandemie ist das Geschäft geschrumpft. 2020 setzte HSE rund 809 Millionen Euro um und zählte etwa 1,8 Millionen aktive Kunden, 2021 waren es 848 Millionen Euro, 2022 noch 788 Millionen Euro. Für 2025 meldet das Unternehmen 641,6 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von vier Prozent, eine bereinigte EBITDA-Marge von 14,7 Prozent und rund 1,15 Millionen aktive Kunden. Beschäftigt sind rund 800 Mitarbeitende.
Das Geschäft außerhalb des deutschsprachigen Raums ist beendet. Der 2011 gestartete italienische Ableger wurde 2019 abgegeben. Das 2012 aufgebaute Russlandgeschäft rund um „Shopping Live“ verkaufte HSE im Juni 2024 für sieben Millionen Euro.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
2021 hatte HSE zwei Anleihen über zusammen 630 Millionen Euro begeben, fällig im Oktober 2026. Weil der Umsatz im deutschsprachigen Raum zwischen 2021 und 2024 um mehr als 15 Prozent sank und der Verschuldungsgrad vom 3,7-Fachen auf das 7,6-Fache des operativen Ergebnisses stieg, war eine gewöhnliche Anschlussfinanzierung kaum möglich. Ende März 2025 einigte sich das Unternehmen mit seinen Gläubigern, rund 89 Prozent sagten ihre Zustimmung vorab zu.
Die alten Papiere wurden getauscht: in vorrangig besicherte Anleihen über 340 Millionen Euro mit Fälligkeit 2029 und in Holding-Anleihen über 192 Millionen Euro, die zunächst bis 2030 laufen. Für den Rest gab es die erwähnten Wertrechte. Die Luxemburger Kanzlei Elvinger Hoss Prussen meldete im Juli 2025 die Umsetzung.
Während der US-Konzern QVC ein Sanierungsverfahren nach Chapter 11 durchläuft und der deutsche Wettbewerber Channel21 nach einer Insolvenz den Betrieb einstellte, wuchs HSE 2025 wieder. Wachstumstreiber ist nach Unternehmensangaben das digitale Geschäft.
Führung und Strategie
Vorsitzende der Geschäftsführung ist seit dem 1. Oktober 2019 Sandra Rehm, die vom Onlinehändler Dress-for-less kam. Zum 1. Januar 2026 schuf HSE die Position eines Produkt- und Vertriebschefs und besetzte sie mit Nikolaus Maaß. Den Aufsichtsrat führt Richard Reitzner. HSE versteht sich inzwischen als Live-Commerce-Anbieter; das lineare Fernsehen bleibt nach eigener Darstellung der Anker des Modells.
FAQ
Wem gehört HSE? Mehrheitlich dem Finanzinvestor Providence Equity Partners, der seine Beteiligung über die Luxemburger PSMA Holding hält. Kleinere Anteile liegen beim Management und beim Aufsichtsratsvorsitzenden; die Anleihegläubiger haben seit 2025 Sonderrechte.
Ist HSE insolvent oder von Gläubigern übernommen worden? Nein. 2025 wurden die Anleihen ohne Insolvenzverfahren über ein englisches Gerichtsverfahren umgebaut. Die Gläubiger erhielten Wertrechte und eine Kaufoption auf die Anteile; eine Übernahme durch die Gläubiger ist uamr.de nicht bekannt (letzte Unternehmensangabe: Mai 2026).
Kann man HSE-Aktien kaufen? Nein, HSE ist nicht börsennotiert.
Gehört HSE zum US-Sender HSN? Nicht mehr. Home Shopping Network war ab 1996 beteiligt und verkaufte das deutsche Geschäft 2007 an KarstadtQuelle. Mit der britischen Arbeitsschutzbehörde gleichen Kürzels hat der Sender ebenfalls nichts zu tun.
Wie viel Umsatz macht HSE? Im Geschäftsjahr 2025 waren es 641,6 Millionen Euro, vier Prozent mehr als im Vorjahr. 2021 lag der Umsatz noch bei 848 Millionen Euro.
Wer leitet HSE? Sandra Rehm ist seit Oktober 2019 Vorsitzende der Geschäftsführung. Aufsichtsratsvorsitzender ist Richard Reitzner.
Fazit
HSE gehört formal weiterhin mehrheitlich Providence Equity Partners, ergänzt um Management und Aufsichtsratschef. Wirtschaftlich haben sich die Gewichte 2025 verschoben: Die Anleihegläubiger tauschten einen Teil ihrer Forderungen gegen 37 Prozent künftiger Ausschüttungen und eine Kaufoption auf die Anteile.
Die neuen Anleihen laufen bis 2029 und 2030. Das Gerichtsurteil nennt einen Verkauf oder eine Refinanzierung der Gruppe ausdrücklich als Meilenstein. Die Eigentümerfrage dürfte sich deshalb in den kommenden Jahren erneut stellen.
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