Wem gehört Gruner + Jahr? Eigentümer und Struktur 2026

Wem gehört Gruner und Jahr

Gruner + Jahr war über fünf Jahrzehnte der größte Zeitschriftenverlag Europas und Heimat von „Stern“, „Geo“, „Brigitte“ und „Capital“. Seit dem 1. Januar 2022 gehört das Hamburger Traditionshaus vollständig zu RTL Deutschland, der Kölner Tochter der börsennotierten RTL Group, die ihrerseits zu rund 75 Prozent dem Gütersloher Konzern Bertelsmann gehört. Stand 2026 existiert Gruner + Jahr nur noch als Gesellschaft im RTL-Konzern; „Brigitte“, „Gala“ und „Eltern“ gingen 2025 an die Funke Mediengruppe.

Key Takeaways

  • Gruner + Jahr gehört seit dem 1. Januar 2022 zu 100 Prozent RTL Deutschland; der konzerninterne Kaufpreis lag bei 230 Mio. Euro.
  • RTL Deutschland ist eine Tochter der RTL Group (Luxemburg), an der Bertelsmann rund 75 Prozent hält.
  • Bertelsmann gehört zu 80,9 Prozent Stiftungen (vor allem der Bertelsmann Stiftung) und zu 19,1 Prozent der Familie Mohn.
  • Gegründet 1965 von Richard Gruner, John Jahr und Gerd Bucerius; Bertelsmann stieg 1969 ein, wurde 1973 Mehrheitseigner und übernahm 2014 die letzten 25,1 Prozent.
  • Im Februar 2023 kündigte RTL an, 23 Zeitschriften einzustellen oder zu verkaufen und rund 700 Stellen abzubauen.
  • Im März 2025 verkaufte RTL „Brigitte“, „Gala“ und „Eltern“ samt rund 300 Beschäftigten an Funke; das Bundeskartellamt gab den Deal im August 2025 frei.
NameGruner + Jahr Deutschland GmbH
Gegründet30. Juni 1965 (Richard Gruner, John Jahr, Gerd Bucerius)
SitzHamburg (RTL-Standort Koreastraße 7, HafenCity)
Eigentümer100 % RTL Deutschland GmbH → RTL Group S.A. → Bertelsmann SE & Co. KGaA (rund 75 %)
GeschäftsführungChristian Behr (seit 1. April 2025, zugleich Geschäftsführer DPV)
BrancheZeitschriftenverlag, Digitalmedien
Umsatzrund 1,05 Mrd. Euro (Geschäftsjahr 2021, letzter eigenständiger Ausweis)
Mitarbeiternicht mehr separat veröffentlicht; rund 1.500 Beschäftigte aller RTL-Gesellschaften am Hamburger Standort (2023)

Geschichte und Herkunft

Gruner + Jahr entstand am 30. Juni 1965 aus dem Zusammenschluss der Druckerei von Richard Gruner mit den Zeitschriftenverlagen von John Jahr und Gerd Bucerius. Gruner hielt 39,5 Prozent, Jahr 32,3 Prozent und Bucerius 28,2 Prozent. Eingebracht wurden unter anderem „Stern“, „Brigitte“, „Capital“ und „Schöner Wohnen“.

Schon 1969 stieg Richard Gruner aus; Bucerius und Jahr verkauften anschließend jeweils 25 Prozent an Bertelsmann. 1973 tauschte Bucerius seine Anteile gegen ein Aktienpaket an Bertelsmann, das damit Mehrheitseigner wurde und seinen Anteil bis 1975 auf 74,9 Prozent erhöhte. Die restlichen 25,1 Prozent blieben bei der Familie Jahr.

2006 erreichte der Umsatz mit 2,86 Mrd. Euro seinen Höhepunkt; 2005 war bereits das US-Geschäft an Meredith verkauft worden. 2014 übernahm Bertelsmann die verbliebenen 25,1 Prozent von den Erben John Jahrs und hielt erstmals 100 Prozent.

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört Gruner + Jahr? Eigentümerkette von Bertelsmann über die RTL Group und RTL Deutschland zur Gruner + Jahr Deutschland GmbH, Aktionärsstruktur von Bertelsmann, Kennzahlen und Meilensteine von 1965 bis 2026
Wem gehört Gruner + Jahr? Eigentümer und Struktur 2026 2

Die Eigentümerkette ist seit 2022 dreistufig. Am 6. August 2021 kündigte RTL Deutschland an, Gruner + Jahr von der Konzernmutter Bertelsmann für 230 Mio. Euro (ohne Schulden) zu übernehmen; der Vollzug erfolgte zum 1. Januar 2022. Seitdem ist die RTL Deutschland GmbH in Köln alleinige Gesellschafterin der Gruner + Jahr Deutschland GmbH. Die seit 1971 bestehende Spiegel-Beteiligung wurde ausgeklammert und liegt direkt bei Bertelsmann.

RTL Deutschland gehört zur RTL Group S.A. in Luxemburg, die in Frankfurt an der Börse notiert ist. Größter Aktionär ist Bertelsmann mit rund 75 Prozent (Stand 2025); der Streubesitz liegt bei etwa 22,8 Prozent, der Londoner Investor Silchester hält rund 5 Prozent.

An der Spitze steht die Bertelsmann SE & Co. KGaA in Gütersloh unter Thomas Rabe. Ihr Kapital liegt zu 80,9 Prozent indirekt bei Stiftungen – der Bertelsmann Stiftung, der Reinhard Mohn Stiftung sowie der BVG-Familienstiftung und der BVG-Stiftung – und zu 19,1 Prozent bei der Familie Mohn. Sämtliche Stimmrechte kontrolliert die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH (BVG). Bertelsmann ist nicht börsennotiert.

Der große Umbau 2023

Gut ein Jahr nach der Übernahme zog RTL Deutschland die Reißleine. Im Februar 2023 kündigte das Management an, 23 Zeitschriftentitel einzustellen oder zu verkaufen und rund 700 Stellen abzubauen, vor allem in Verwaltung und Vermarktung. Zugleich kündigte RTL 80 Mio. Euro Investitionen in die Kernmarken an.

Verkauft wurden unter anderem „Business Punk“ an die Weimer Media Group und „11 Freunde“ an die Spiegel-Gruppe, „Beef!“ wurde eingestellt, „art“ blieb mangels Käufer im Portfolio, und die geplante Einstellung von „Geo Epoche“ nahm RTL nach Protesten zurück. Der Name verschwand vom Pressehaus am Baumwall; die Belegschaft zog bis 2025 in die HafenCity.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Am 24. März 2025 folgte der Schlussakt. RTL-Deutschland-Chef Stephan Schmitter verkündete den Verkauf von „Brigitte“, „Gala“ und „Eltern“ an die Funke Mediengruppe; rund 300 Beschäftigte wechselten mit. „Geolino“, „Geolino mini“ und „art“ wanderten zu stern+ bei RTL News, „Schöner Wohnen“, „Couch“ und „Häuser“ zu RTL Consumer Products. Seit dem 1. April 2025 führt DPV-Chef Christian Behr die Restgesellschaft. Das Bundeskartellamt gab die Übernahme am 20. August 2025 frei; entscheidend war, dass die Anzeigenvermarktung bei der RTL-Tochter Ad Alliance verbleibt.

Im RTL-Geschäftsbericht 2025 taucht der Verkauf des Verlagsgeschäfts „G+J Women, People & Family“ als Sondereffekt von 43 Mio. Euro auf. Die RTL Group erzielte 2024 einen Umsatz von 6,254 Mrd. Euro und 2025 rund 6,018 Mrd. Euro bei einem Adjusted EBITA von 661 Mio. Euro.

Unter dem Programm „SHINE 2030″ setzt der Konzern auf Streaming statt Print: RTL+ zählte Ende 2025 rund 7,0 Mio. zahlende Abonnenten in Deutschland, und am 1. Juni 2026 schloss die RTL Group die Übernahme von Sky Deutschland ab.

Was von Gruner + Jahr geblieben ist

Als Verlagsmarke ist Gruner + Jahr Stand 2026 praktisch aus dem Markt verschwunden. Die Gruner + Jahr Deutschland GmbH besteht als Gesellschaft im Konsolidierungskreis von Bertelsmann fort, hat aber keine eigenständige redaktionelle Rolle mehr. „Stern“, „Geo“ und „Capital“ laufen bei RTL News, die Wohnmarken bei RTL Consumer Products; Vermarktung und Vertrieb liegen bei Ad Alliance und Deutschem Pressevertrieb, beide RTL-Töchter.

„Brigitte“ und „Gala“ erscheinen seit 2025 bei Funke; die frühere G+J-Produktchefin Carina Laudage wechselte zum 1. Januar 2026 ebenfalls dorthin. Die französische Tochter Prisma Media hatte Bertelsmann schon zuvor an Vivendi verkauft.

FAQ

Wem gehört Gruner + Jahr heute? Seit dem 1. Januar 2022 zu 100 Prozent der RTL Deutschland GmbH, einer Tochter der börsennotierten RTL Group, an der Bertelsmann rund 75 Prozent hält.

Wem gehört Bertelsmann? Das Kapital liegt zu 80,9 Prozent bei Stiftungen, vor allem der Bertelsmann Stiftung, und zu 19,1 Prozent bei der Familie Mohn. Die Stimmrechte bündelt die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft.

Wer hat Gruner + Jahr gegründet? Richard Gruner, John Jahr und Gerd Bucerius im Jahr 1965. Bertelsmann stieg 1969 ein, wurde 1973 Mehrheitseigner und übernahm 2014 die letzten Anteile der Jahr-Familie.

Gehört „Brigitte“ noch zu Gruner + Jahr? Nein. „Brigitte“, „Gala“ und „Eltern“ wurden im März 2025 an die Funke Mediengruppe verkauft; das Bundeskartellamt gab die Übernahme im August 2025 frei.

Existiert Gruner + Jahr 2026 überhaupt noch? Als Gesellschaft ja, als eigenständiger Verlag nein. Die Gruner + Jahr Deutschland GmbH wird von Christian Behr geführt, die Titel sind in RTL News und RTL Consumer Products aufgegangen.

Fazit

Die Frage „Wem gehört Gruner + Jahr?“ lässt sich 2026 klar beantworten: zu 100 Prozent RTL Deutschland, dahinter die RTL Group und letztlich Bertelsmann, dessen Kapital zu gut vier Fünfteln bei Stiftungen und zu knapp einem Fünftel bei der Familie Mohn liegt.

Zwischen 2022 und 2025 hat RTL den einst größten Magazinverlag Europas zerlegt: 23 Titel gestrichen oder verkauft, 700 Stellen abgebaut, die Frauentitel an Funke abgegeben. Was bleibt, sind Marken wie „Stern“ und „Geo“ in einem Konzern, der seine Zukunft im Streaming sieht.