Wem gehört FTI? Eigentümer und Struktur 2026

Wem gehört FTI

FTI gehört heute niemandem mehr im klassischen Sinn: Die Münchner FTI Touristik GmbH stellte am 3. Juni 2024 Insolvenzantrag und wird seither abgewickelt. Bis zur Pleite hielt die ägyptische Familie Sawiris über das Family Office Sostnt Luxembourg Sàrl 75,1 Prozent an der Konzernmutter FTI Finanzholding GmbH, die restlichen 24,9 Prozent lagen bei Gründer Dietmar Gunz und weiteren Altgesellschaftern. Ein im April 2024 verkündeter Einstieg des US-Investors Certares scheiterte; Stand 2026 sind Marken, Töchter und Hotels weitgehend verkauft.

Key Takeaways

  • Bis zur Insolvenz gehörte FTI zu 75,1 Prozent der Familie Sawiris (über Sostnt Luxembourg Sàrl) und zu 24,9 Prozent Gründer Dietmar Gunz sowie weiteren Altgesellschaftern.
  • Im April 2024 wollte ein Konsortium um Certares alle Anteile für einen Euro übernehmen und 125 Mio. Euro einbringen; der Deal wurde nie vollzogen.
  • Am 3. Juni 2024 stellte die FTI Touristik GmbH beim Amtsgericht München Insolvenzantrag; Insolvenzverwalter ist Axel Bierbach von der Kanzlei MHBK.
  • FTI erhielt in der Pandemie 595 Mio. Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds; der Bund rechnet mit rund 510 Mio. Euro Verlust.
  • Windrose ging an ASI Reisen, 5vorFlug an Urlaubsguru, die Marken „FTI“ und „FTI Touristik“ samt 185 Domains an eine Tochter von FTI Consulting.
  • Die Staatsanwaltschaft München stellte ihre Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung im Juni 2026 ein; die Gläubigerquote dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen.
NameFTI Touristik GmbH (FTI Group), in Insolvenz
Gegründet1983 als Frosch Touristik GmbH in München
SitzMünchen
BrancheReiseveranstalter, Hotellerie, Zielgebietsagenturen
EigentümerBis Juni 2024: Familie Sawiris 75,1 % (Sostnt Luxembourg Sàrl), Dietmar Gunz und Altgesellschafter 24,9 %; seit Juni 2024 Insolvenzverwaltung (Axel Bierbach)
Umsatz/Mitarbeiterrund 4,1 Mrd. Euro Umsatz (Geschäftsjahr 2022/23), rund 11.000 Mitarbeiter in über 110 Gesellschaften (2024)
GeschäftsführungZuletzt CEO Karl Markgraf (seit Juli 2023); seit Juni 2024 Insolvenzverwalter Axel Bierbach

Eigentümerstruktur im Detail

Wem gehört FTI? Eigentümerkette, Insolvenz und Kennzahlen der FTI Group, Stand 2026
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Operative Gesellschaft war die FTI Touristik GmbH, darüber stand die FTI Finanzholding GmbH als Konzernmutter. An dieser Holding hielt Samih Sawiris über sein Family Office Sostnt Luxembourg Sàrl seit April 2020 insgesamt 75,1 Prozent. Die Mehrheitsübernahme war mit einer Eigenkapitalerhöhung verbunden, die Voraussetzung für staatliche Garantien und Bankkredite war. Ende 2021 übergab Samih Sawiris die Betreuung des Engagements an seinen Sohn Naguib Samih Sawiris.

Die verbleibenden 24,9 Prozent lagen nach Branchenberichten beim Gründer Dietmar Gunz und weiteren Altgesellschaftern aus dem Management, darunter die langjährige Meeting-Point-Chefin Roula Jouny; eine genaue Aufteilung wurde nie veröffentlicht. Samih Sawiris ist als Gründer der Orascom Development Holding (El Gouna, Andermatt) bekannt; seine Vermögensbasis bilden Beteiligungen an Orascom-Gesellschaften, Hotels und Immobilienprojekten. Offizielle Zahlen zum Privatvermögen gibt es nicht, uamr.de nennt daher keine Beträge.

Am 16. April 2024 sollte sich diese Struktur komplett ändern: Ein Konsortium um den New Yorker Finanzinvestor Certares kündigte an, 100 Prozent der Anteile für einen Euro zu übernehmen, Schulden im dreistelligen Millionenbereich zu schultern und 125 Mio. Euro frisches Kapital einzubringen. Der Vollzug war für den Herbst geplant, doch FTI ging vorher das Geld aus, und die Bundesregierung lehnte weitere Hilfen ab. Seit dem Insolvenzantrag liegt die Verfügungsgewalt bei Insolvenzverwalter Axel Bierbach.

Geschichte und Herkunft

FTI wurde 1983 von Dietmar Gunz und Partnern als Frosch Touristik GmbH in München gegründet, zunächst als Malta-Spezialist. 1998 stieg der britische Veranstalter Airtours plc mit rund 30 Prozent ein und übernahm das Unternehmen 2000 vollständig; 2003 kaufte eine Investorengruppe um Gunz die Firma zurück, 2010 folgte die Umbenennung in FTI Touristik GmbH. 2014 stieg Samih Sawiris mit 33,66 Prozent ein, 2020 stockte er auf 75,1 Prozent auf.

Parallel wuchs der Konzern zum drittgrößten Reiseveranstalter Europas hinter TUI und DER Touristik. Dazu gehörten 5vorFlug (seit 1998), der Reisesender sonnenklar.TV (ab 2006), BigXtra Touristik, driveFTI, der Luxusveranstalter Windrose (seit 2017) sowie die Hotel- und Zielgebietssparte Meeting Point mit den Marken Labranda und Kairaba. Die Pandemie traf das Modell mit dünner Eigenkapitaldecke hart: 2020 wurde die Kreuzfahrtsparte aufgegeben, der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) stützte den Konzern mit 595 Mio. Euro.

Geschäftsmodell und Kennzahlen

FTI verdiente sein Geld mit Pauschal- und Bausteinreisen, Flugvermittlung, Mietwagen und eigener Hotellerie. Über Meeting Point International betrieb der Konzern 49 Zielgebietsagenturen in 17 Ländern, über die Meeting Point Hotelmanagement Holding rund 50 Hotels mit etwa 7.000 Beschäftigten in acht Ländern; die meisten Häuser waren gepachtet oder per Managementvertrag angebunden, nur sieben gehörten dem Konzern selbst.

Im Geschäftsjahr 2018/19 erzielte FTI rund 4,1 Mrd. Euro Umsatz mit acht Millionen Kunden; 2022/23 lag der Umsatz wieder bei rund 4,1 Mrd. Euro, allerdings erneut mit hohen Verlusten. Zum Insolvenzantrag beschäftigte der Konzern rund 11.000 Menschen in mehr als 110 Gesellschaften. Von den 595 Mio. Euro WSF-Hilfen waren bis dahin nur 93 Mio. Euro zurückgeflossen; laut Handelsblatt kalkuliert das Bundesfinanzministerium mit einem Ausfall von rund 510 Mio. Euro, fast der Hälfte der erwarteten Gesamtverluste des Fonds.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Das Amtsgericht München eröffnete Anfang September 2024 die Insolvenzverfahren über die FTI Touristik GmbH und die BigXtra Touristik GmbH; rund 700 Mitarbeitende der Zentrale erhielten die Kündigung. Seither wird der Konzern zerlegt: Die Raiffeisen Vertriebs GmbH übernahm den 50-Prozent-Anteil an der Reisebürokette TVG, der Innsbrucker Veranstalter ASI Reisen kaufte im August 2024 Windrose, das Reiseportal Urlaubsguru erwarb 5vorFlug samt Markenrechten; der FTI Ticketshop wurde liquidiert.

Im Dezember 2024 verkaufte Bierbach 46 Marken, darunter „FTI“ und „FTI Touristik“, sowie 185 Domains einschließlich FTI.com an eine Tochter des US-Beratungskonzerns FTI Consulting; der Name FTI ist damit aus der Touristik verschwunden. Im Hotelbereich wurden bis Mitte 2025 fünf der sieben konzerneigenen Hotels in Italien, Griechenland, Malta und der Türkei sowie zwei gepachtete Häuser in Kroatien verkauft; der Komplex Stella Canaris auf Fuerteventura soll erst 2026 oder 2027 verwertet werden.

Bis Mai 2025 hatten über 73.000 Gläubiger knapp 980 Mio. Euro angemeldet; die Quote dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen. Pauschalreisende wurden über den Deutschen Reisesicherungsfonds entschädigt, der bis Mai 2025 rund 245 Mio. Euro ausgezahlt hatte. Die Staatsanwaltschaft München prüfte nach mehreren Anzeigen den Anfangsverdacht der Insolvenzverschleppung und des Eingehungsbetrugs und stellte das Vorermittlungsverfahren im Juni 2026 mangels ausreichender Hinweise ein.

FAQ

Wem gehört FTI? Bis Juni 2024 hielt die Familie Sawiris über Sostnt Luxembourg Sàrl 75,1 Prozent, die übrigen 24,9 Prozent lagen bei Gründer Dietmar Gunz und weiteren Altgesellschaftern. Seither verfügt Insolvenzverwalter Axel Bierbach über das Unternehmen, das abgewickelt wird.

Gibt es FTI 2026 noch? Als Reiseveranstalter nicht mehr. Die FTI Touristik GmbH wird abgewickelt, die Markenrechte an „FTI“ liegen seit Dezember 2024 bei einer Tochter des US-Beratungsunternehmens FTI Consulting.

Was wurde aus dem Certares-Deal? Certares hatte am 16. April 2024 die Übernahme aller Anteile für einen Euro und 125 Mio. Euro frisches Kapital angekündigt. Der für den Herbst geplante Vollzug kam nicht zustande, weil FTI vorher zahlungsunfähig wurde.

Wie viel Staatshilfe hat FTI erhalten? 595 Mio. Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds, von denen nur 93 Mio. Euro zurückgezahlt wurden; der Bund rechnet mit rund 510 Mio. Euro Verlust.

Was ist aus 5vorFlug, Windrose und BigXtra geworden? 5vorFlug gehört seit August 2024 dem Reiseportal Urlaubsguru, Windrose dem österreichischen Veranstalter ASI Reisen. BigXtra Touristik wurde nicht verkauft, sondern ist wie die FTI Touristik GmbH im Insolvenzverfahren.

Fazit

Die Frage „Wem gehört FTI?“ hat seit Juni 2024 eine ernüchternde Antwort: formal weiterhin der Familie Sawiris und den Altgesellschaftern um Dietmar Gunz, wirtschaftlich aber dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern. Der einst drittgrößte Reiseveranstalter Europas ist in seine Einzelteile zerlegt worden – von der Marke über die Töchter bis zu den Hotels.

Offen bleiben 2026 die Nachwehen: eine Quote im einstelligen Prozentbereich für über 73.000 Gläubiger und ein Ausfall von rund 510 Mio. Euro für den Steuerzahler. Strafrechtliche Konsequenzen für das frühere Management wird es nach der Einstellung der Ermittlungen nicht geben.