Die Antwort auf „Wem gehört Esprit?“ ist seit 2024 zweigeteilt. Die Markenrechte für Europa liegen seit Oktober 2024 bei der Deichmann-Tochter Fasbra SE, die Bekleidungslizenz ging an die Theia Brands Group. Die Esprit Holdings Ltd. ist weiterhin in Hongkong börsennotiert, hält die Markenrechte außerhalb Europas und lebt nach der Insolvenz ihrer europäischen Gesellschaften von Lizenzeinnahmen. Größte Aktionärin ist laut Geschäftsbericht 2025 die Hongkonger Investorin Karen Lo Ki Yan mit 28,23 Prozent, unter anderem über ihre Gesellschaft North Point Talent.
Key Takeaways
- Esprit wurde 1968 von Susie und Doug Tompkins in San Francisco gegründet; ab 1976 baute Jürgen Friedrich das Europageschäft mit Zentrale in Ratingen auf.
- Die Esprit Holdings Ltd. ist seit 1993 in Hongkong börsennotiert; größte Aktionärin ist Karen Lo Ki Yan mit 28,23 Prozent (Stand Ende 2025).
- Im Mai 2024 beantragten sieben deutsche Esprit-Gesellschaften die Insolvenz in Eigenverwaltung; alle 56 deutschen Filialen schlossen bis Ende Januar 2025.
- Nicht Alteri/CBR, sondern der Schuhhändler Deichmann erwarb im Oktober 2024 über Fasbra SE die europäischen Markenrechte; die Bekleidungslizenz ging an die Theia Brands Group.
- Der Konzernumsatz fiel von 5,912 Milliarden HK-Dollar (2023) auf 1,593 Milliarden HK-Dollar (2024) und im reinen Lizenzgeschäft auf rund 20 Millionen HK-Dollar (2025).
- Im September 2026 erhielt die Holding eine Zahlungsaufforderung aus einem Schiedsspruch, die in einen Liquidationsantrag münden könnte.
| Name | Esprit Holdings Ltd. (Marke Esprit) |
| Gegründet | 1968 in San Francisco durch Susie und Doug Tompkins |
| Sitz | Hongkong (Gesellschaft nach Bermuda-Recht); frühere Europazentrale Ratingen |
| Eigentümer | Börsennotiert in Hongkong; Karen Lo Ki Yan 28,23 % (davon North Point Talent Ltd. 12,89 %), Rest Streubesitz; Markenrechte Europa bei Fasbra SE (Deichmann) |
| Branche | Mode, Markenlizenzierung |
| Umsatz | 2023: 5,912 Mrd. HK$; 2024: 1,593 Mrd. HK$; 2025: rund 20 Mio. HK$ (nur Lizenzgeschäft) |
| Mitarbeiter | rund 31 Vollzeitkräfte (31. Dezember 2025) |
| Führung | Bradley Stephen Wright (Chairman seit September 2026), Benny Kwong Kai Sing (Managing Director) |
Geschichte und Herkunft
Das Ehepaar Susie und Doug Tompkins begann 1968 in San Francisco, Kleidung aus einem VW-Bus heraus zu verkaufen. Bereits 1970 wurde der Hongkonger Unternehmer Michael Ying Beschaffungsagent der Marke – der Grundstein für die spätere Verlagerung nach Asien. Nach Europa kam Esprit 1976 durch den Düsseldorfer Unternehmer Jürgen Friedrich; die Europazentrale entstand in Ratingen bei Düsseldorf, 1986 eröffnete das erste deutsche Geschäft in Köln.
Mit dem Börsengang in Hongkong 1993 zogen sich die Gründer zurück und verkauften ihre Anteile an die von Michael Ying geführte Esprit Far East. Unter dem deutschen Manager Heinz Krogner wuchs Esprit in den 2000er Jahren zu einem Konzern mit mehr als 3 Milliarden Euro Umsatz; die Aktie erreichte im September 2007 mit 111 Hongkong-Dollar ihren Höchststand. Im März 2020 rettete sich das Deutschlandgeschäft erstmals in ein Schutzschirmverfahren, rund die Hälfte der etwa 100 deutschen Filialen wurde geschlossen.
Eigentümerstruktur im Detail

Die Esprit Holdings Ltd. ist eine nach Bermuda-Recht gegründete Gesellschaft mit Sitz in Hongkong. Größte Anteilseignerin ist die Investorin Karen Lo Ki Yan, eine Nachfahrin des Gründers des Getränkekonzerns Vitasoy. Sie ist seit Juli 2020 größte Aktionärin, wie die Hongkonger Zeitung The Standard berichtete.
Laut Geschäftsbericht 2025 hielt Karen Lo zum 31. Dezember 2025 insgesamt 28,23 Prozent des Grundkapitals: 42,56 Millionen Aktien direkt und 37,35 Millionen Aktien über von ihr kontrollierte Gesellschaften, allen voran North Point Talent Limited mit 12,89 Prozent, deren alleinige Gesellschafterin sie ist. Weitere meldepflichtige Aktionäre über 5 Prozent führt der Geschäftsbericht nicht auf; rund 72 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz. Nach einer Zusammenlegung von jeweils zehn Aktien zu einer im August 2025 sind rund 283 Millionen Aktien ausgegeben.
Davon zu trennen ist die Frage, wem die Marke in Europa gehört. Im Oktober 2024 übertrug Esprit sämtliche für das europäische Modegeschäft nötigen Markenrechte, Domains und Social-Media-Konten an die Fasbra SE, eine hundertprozentige Tochter der Essener Deichmann SE. Deichmann zahlte einen nicht veröffentlichten Betrag an die insolventen deutschen Gesellschaften; zudem erhält die Holding zehn Geschäftsjahre lang 25 Prozent des Nettoertrags, den Fasbra mit dem Esprit-Modegeschäft in Europa erzielt. Alle Markenrechte außerhalb Europas verblieben in Hongkong.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Mitte Mai 2024 stellten die Esprit Europe GmbH und sechs weitere deutsche Gesellschaften Insolvenzanträge in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Düsseldorf; Sachwalter wurde Lucas Flöther, das Verfahren wurde am 1. August 2024 eröffnet. Zunächst hatten die Gläubigerausschüsse dem Angebot des britischen Investors Alteri Partners und dessen Modegruppe CBR (Street One, Cecil) zugestimmt, den Zuschlag erhielt am 22. Oktober 2024 jedoch Deichmann. Alle 56 deutschen Filialen schlossen bis zum 31. Januar 2025, rund 1.300 Beschäftigte verloren ihre Stellen, die Zentrale in Ratingen wurde im November 2024 geräumt.
Deichmann konzentriert sich auf Esprit-Schuhe, die ab Herbst/Winter 2026 wieder im Großhandel angeboten werden sollen, wie die TextilWirtschaft im Oktober 2025 berichtete. Die Bekleidungslizenz reichte Deichmann an die zuvor unbekannte Theia Brands Group weiter. Branchenmedien berichteten Anfang 2025 über offene Fragen zu Struktur und Hintermännern des Lizenznehmers und über einen Neustart, der frühestens 2026 erwartet wurde. Ob Esprit-Bekleidung inzwischen wieder in Europa vertrieben wird, ist öffentlich nicht belastbar dokumentiert.
Auch die Holding kommt nicht zur Ruhe. Wegen des verspäteten Jahresabschlusses 2024 war die Aktie vom 1. April bis zum 2. Juli 2025 vom Handel ausgesetzt. Am 19. Dezember 2025 traten Chairwoman Christin Su Yi Chiu und CEO William Pak zurück; seit September 2026 führt Bradley Stephen Wright als Chairman, Benny Kwong Kai Sing als Managing Director. Im Januar 2026 reichte der Insolvenzverwalter der Esprit Europe in Amsterdam Klage ein, weil er Vermögensübertragungen vor der Insolvenz anficht. Im Juli 2026 verurteilte ein Schiedsgericht die Holding zur Zahlung von rund 3,9 Millionen US-Dollar an eine Anwaltskanzlei; am 16. September 2026 folgte eine Zahlungsaufforderung, bei deren Nichterfüllung ein Liquidationsantrag droht.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Esprit Holdings hat sich vom Einzelhändler zum reinen Markenverwalter gewandelt; die Erlöse stammen laut Geschäftsbericht 2025 ausschließlich aus Lizenzgebühren. Für Greater China wurde 2025 ein Lizenzvertrag geschlossen, der Partner eröffnete im November 2025 einen Flagship-Store in Hongkong; in Nordamerika ist eine Herbstkollektion 2026 geplant.
2023 setzte der Konzern noch 5,912 Milliarden HK-Dollar (umgerechnet rund 700 Millionen Euro) um, 2024 nach der Entkonsolidierung der insolventen Gesellschaften 1,593 Milliarden HK-Dollar. Für 2025 wies die Holding aus dem Lizenzgeschäft rund 20 Millionen HK-Dollar aus. Der Nettoverlust sank von 2,339 Milliarden HK-Dollar (2023) über 1,227 Milliarden (2024) auf rund 21 Millionen HK-Dollar (2025). Im ersten Halbjahr 2026 fiel trotz steigender Lizenzerlöse erneut ein Verlust von rund 88 Millionen HK-Dollar an.
FAQ
Wem gehört Esprit heute? Die Esprit Holdings Ltd. ist börsennotiert; größte Aktionärin ist Karen Lo Ki Yan mit 28,23 Prozent (Stand Ende 2025). Die Markenrechte für Europa gehören seit Oktober 2024 der Deichmann-Tochter Fasbra SE.
Ist Esprit insolvent? Die europäischen Gesellschaften, darunter die Esprit Europe GmbH in Ratingen, stellten im Mai 2024 Insolvenzanträge und wurden abgewickelt. Die Holding in Hongkong ist nicht insolvent, erhielt aber im September 2026 eine Zahlungsaufforderung, die in einen Liquidationsantrag münden kann.
Hat Alteri Partners Esprit gekauft? Nein. Dem Angebot von Alteri und der CBR Fashion Group hatten die Gläubigerausschüsse im August 2024 zwar zugestimmt, den bindenden Vertrag schloss im Oktober 2024 jedoch Deichmann.
Gibt es noch Esprit-Läden in Deutschland? Nein. Die letzten der 56 eigenen Filialen schlossen am 31. Januar 2025. Esprit-Schuhe sollen ab Herbst/Winter 2026 über den Großhandel zurückkehren.
Wer hat Esprit gegründet? Susie und Doug Tompkins gründeten die Marke 1968 in San Francisco. Das Europageschäft baute ab 1976 der Düsseldorfer Jürgen Friedrich auf.
Fazit
Esprit ist heute zwei Dinge: eine Hongkonger Holding mit rund 30 Beschäftigten, die von Lizenzgebühren lebt und von Karen Lo als größter Aktionärin geprägt wird, und ein europäisches Markenrecht im Besitz des Schuhhändlers Deichmann. Das Modegeschäft in Ratingen existiert nicht mehr; ob die Marke in Europa ein Comeback erlebt und die Holding ihre Rechtsstreitigkeiten übersteht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
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