Erdinger Weißbräu aus Erding gilt als größte Weißbierbrauerei der Welt und ist nicht börsennotiert. Jahrzehntelang gehörte die Privatbrauerei Erdinger Weißbräu Werner Brombach GmbH ihrem Namensgeber allein. Im Mai 2025 übertrug Werner Brombach seine Anteile an die Werner Brombach-Familien-Stiftung; am 8. August 2026 starb der Brauereipatriarch im Alter von 86 Jahren. Das operative Geschäft führt seit 2022 Dr. Stefan Kreisz als Vorsitzender der Geschäftsführung.
Key Takeaways
- Erdinger Weißbräu ist eine Privatbrauerei in Erding und wird als größte Weißbierbrauerei der Welt bezeichnet.
- Seit dem 20. Mai 2025 hält die Werner Brombach-Familien-Stiftung die Anteile an der Brauerei, zuvor war Werner Brombach Alleingesellschafter.
- Werner Brombach starb am 8. August 2026 im Alter von 86 Jahren; er hatte das Unternehmen seit 1975 geführt.
- Die Geschäftsführung besteht aus Dr. Stefan Kreisz (Vorsitz), Dr. Stefan Huckemann, Wolfgang Kuffner und seit Juli 2026 Peter Jonas.
- Die Brauerei wurde 1886 erstmals erwähnt, 1935 kaufte Franz Brombach den Betrieb, 1990 fiel als erste Weißbierbrauerei die Marke von einer Million Hektolitern.
- Laut Die Deutsche Wirtschaft erzielte das Unternehmen 2023 einen Umsatz von rund 183,9 Millionen Euro mit etwa 500 Mitarbeitern.
- Erdinger exportiert in mehr als 100 Länder, produziert aber ausschließlich am Stammsitz in Erding.
| Name | Privatbrauerei Erdinger Weißbräu Werner Brombach GmbH |
| Gegründet | 1886 (erste Erwähnung); Umbenennung in Erdinger Weißbräu 1949 |
| Sitz | Erding, Bayern (einziger Produktionsstandort) |
| Eigentümer | Werner Brombach-Familien-Stiftung (seit 20. Mai 2025); zuvor Werner Brombach als Alleingesellschafter |
| Geschäftsführung | Dr. Stefan Kreisz (Vorsitz), Dr. Stefan Huckemann, Wolfgang Kuffner, Peter Jonas |
| Branche | Brauerei, Schwerpunkt Weißbier und alkoholfreie Biere |
| Umsatz / Mitarbeiter | rund 183,9 Millionen Euro (2023, laut Die Deutsche Wirtschaft); etwa 500 Beschäftigte |
| Ausstoß | rund 1,7 Millionen Hektoliter (2019); rund 1,5 Millionen Hektoliter (2020) |
Geschichte und Herkunft
Die Ursprünge der Brauerei reichen ins Jahr 1886 zurück, als eine Weißbierbrauerei in Erding erstmals erwähnt wurde. Der kleine Betrieb wechselte mehrfach den Besitzer, bis Franz Brombach ihn 1935 erwarb. 1949 gab er dem Unternehmen den bis heute gültigen Namen Erdinger Weißbräu. Noch 1965 produzierte die Brauerei lediglich rund 40.000 Hektoliter im Jahr.
1965 trat der Sohn Werner Brombach, ein ausgebildeter Diplom-Braumeister, in den elterlichen Betrieb ein; nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1975 die alleinige Leitung. Bereits 1977 lag der Ausstoß laut Unternehmensangaben bei rund 225.000 Hektolitern. 1983 ließ Brombach am Stadtrand von Erding eine komplett neue Brauerei errichten, die den Grundstein für das weitere Wachstum legte.
1990 durchbrach Erdinger als erste Weißbierbrauerei die Marke von einer Million Hektolitern. Werner Brombach gilt als Pionier, der bayerisches Weißbier als Marke über die Landesgrenzen hinaus etablierte. 1991 übernahm die Brauerei Fischer’s Stiftungsbräu; seit 2022 werden die untergärigen Spezialitäten unter der Marke Erdinger Brauhaus vertrieben.
Eigentümerstruktur im Detail

Rechtlich ist Erdinger als Privatbrauerei Erdinger Weißbräu Werner Brombach GmbH organisiert, eingetragen beim Amtsgericht München. Bis zum Frühjahr 2025 war Werner Brombach laut Unternehmensangaben alleiniger Gesellschafter; ein Börsengang oder der Einstieg eines Braukonzerns stand nie zur Debatte.
Mit Wirkung zum 20. Mai 2025 übertrug Werner Brombach seine Anteile an die Werner Brombach-Familien-Stiftung, wie die Getränke Zeitung und das Unternehmen berichteten. Laut Satzung soll die Stiftung Brombachs Qualitätsphilosophie, die Marke Erdinger und die Unternehmenswerte dauerhaft sichern; als Leitlinie wird die Strategie „Lebensfreude²“ mit der Vision „Erdinger schenkt Lebensfreude“ genannt. Brombach führte die Stiftung bis zu seinem Tod als alleiniger Vorstand, Walter Berizzi ist stellvertretender Stiftungsvorsitzender.
Wer nach Brombachs Tod die Stiftungsgremien besetzt und welche Rolle seine Tochter Claudia dabei spielt, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Fest steht: Die Anteile liegen zu 100 Prozent bei der Stiftung, das operative Geschäft bei einer vierköpfigen Geschäftsführung.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das prägende Ereignis der jüngeren Firmengeschichte ist der Tod von Werner Brombach am 8. August 2026. Der Ehrenbürger von Erding und Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse starb nach kurzer Krankheit. Geschäftsführer Stefan Kreisz sprach vom Verlust des Weißbier-Pioniers Deutschlands. Weil die Nachfolge über die Stiftung bereits 2025 geregelt war, hatte der Todesfall keine unmittelbaren Folgen für die Eigentümerstruktur.
Bereits 2022 hatte Brombach den Vorsitz der Geschäftsführung an Dr. Stefan Kreisz abgegeben. Seither wurde die Führung umgebaut: Wolfgang Kuffner verantwortet seit 2024 Marketing und Vertrieb in Deutschland und Österreich, der langjährige Vertriebschef Josef Westermeier schied Anfang 2025 aus, und zum 1. Juli 2026 rückte Peter Jonas als Geschäftsführer für Recht, Personal und Organisation auf. Dr. Stefan Huckemann leitet Finanzen, Verwaltung und IT.
Im Marketing löste Thomas Müller 2026 nach rund sechs Jahren Jürgen Klopp als Markenbotschafter ab. Produktseitig reagiert die Brauerei auf den Trend zu Hellem und Alkoholfreiem; im Februar 2025 kam „Erdinger Brauhaus Helles Alkoholfrei“ auf den Markt. Für die ersten neun Monate 2024 meldete Kreisz ein leichtes Wachstum, Ausstoßzahlen für 2025 hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
Erdinger braut ausschließlich in Erding und vergibt keine Braulizenzen. Das Sortiment umfasst rund ein Dutzend Weizenbiere, darunter Weißbier mit feiner Hefe, Dunkel, Kristall und den Weizenbock Pikantus. Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist das als isotonisches Sportgetränk positionierte Erdinger Alkoholfrei, das 2019 laut Branchenberichten rund 470.000 Hektoliter ausmachte. Der Export lag im selben Jahr bei rund 420.000 Hektolitern in mehr als 100 Ländern.
Vor der Corona-Pandemie produzierte die Brauerei rund 1,7 Millionen Hektoliter im Jahr; 2020 brach der Absatz nach Berichten der Abendzeitung um 12,3 Prozent auf rund 1,5 Millionen Hektoliter ein. Der Umsatz belief sich 2019 auf rund 192 Millionen Euro bei einem Gewinn von 6,5 Millionen Euro. Für 2023 weist das Ranking von Die Deutsche Wirtschaft rund 183,9 Millionen Euro Umsatz und etwa 500 Beschäftigte aus. 2018 investierte das Unternehmen rund 50 Millionen Euro in eine neue Abfüllanlage.
Bedeutung für den Markt
Erdinger erreicht im deutschen Handel eine gewichtete Distribution von rund 95 Prozent, ein Wert, den sonst nur nationale Pilsmarken schaffen. Mit einem Fanclub von laut Wikipedia mehr als 80.000 Mitgliedern und dem „Team Erdinger Alkoholfrei“ im Triathlon und Biathlon hat die Brauerei eine breite Markenbindung aufgebaut.
Zugleich steht das Kerngeschäft unter Druck: Der Anteil von Weißbier am deutschen Biermarkt ist laut Branchenberichten von über 8 Prozent auf rund 6 Prozent gesunken, während Helles seinen Anteil fast verdoppelt hat. Erdinger begegnet dem mit der Marke Erdinger Brauhaus, alkoholfreien Neuheiten und verstärktem Export.
FAQ
Wem gehört Erdinger Weißbräu heute? Seit dem 20. Mai 2025 hält die Werner Brombach-Familien-Stiftung die Anteile an der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu Werner Brombach GmbH. Zuvor war Werner Brombach alleiniger Gesellschafter.
Ist Erdinger an der Börse notiert? Nein. Erdinger ist eine unabhängige Privatbrauerei in Stiftungsbesitz.
Wer führt Erdinger nach dem Tod von Werner Brombach? Das operative Geschäft leitet Dr. Stefan Kreisz als Vorsitzender der Geschäftsführung, gemeinsam mit Dr. Stefan Huckemann, Wolfgang Kuffner und Peter Jonas.
Wann ist Werner Brombach gestorben? Werner Brombach starb am 8. August 2026 im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit.
Wie viel Bier produziert Erdinger? Vor der Pandemie lag der Ausstoß bei rund 1,7 Millionen Hektolitern (2019), 2020 waren es rund 1,5 Millionen Hektoliter. Neuere Zahlen hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.
Wo wird Erdinger Weißbier gebraut? Ausschließlich am Stammsitz in Erding bei München, von wo aus in mehr als 100 Länder exportiert wird.
Fazit
Erdinger Weißbräu bleibt auch nach dem Tod von Werner Brombach unabhängig: Die Anteile liegen seit 2025 bei der Werner Brombach-Familien-Stiftung, die Führung bei einem vierköpfigen Managementteam um Stefan Kreisz. Damit ist die größte Weißbierbrauerei der Welt vor Verkauf und Erbstreit geschützt, muss aber in einem schrumpfenden Weißbiermarkt beweisen, dass Helles, Alkoholfreies und Export den Rückgang im Kerngeschäft ausgleichen.