Atomic, der nach eigenen Angaben größte Skihersteller der Welt mit Sitz in Altenmarkt im Pongau, gehört seit November 1994 zum finnischen Sportartikelkonzern Amer Sports. Dieser wird seit 2019 von einem Konsortium um den chinesischen Sportartikelriesen Anta Sports kontrolliert und ist seit Februar 2024 an der New Yorker Börse notiert. Atomic meldete für 2025 mit mehr als 300 Millionen Euro das umsatzstärkste Jahr seiner Geschichte, Amer Sports steigerte den Konzernumsatz 2025 um 27 Prozent auf rund 6,57 Milliarden US-Dollar.
Key Takeaways
- Atomic wurde 1955 von Alois Rohrmoser in Wagrain gegründet; seit 1971 ist Altenmarkt im Pongau Hauptstandort und Produktionszentrale.
- Nach dem Konkurs 1994 übernahm der finnische Amer-Konzern die Marke für 918,7 Millionen Schilling (rund 66,8 Millionen Euro).
- Amer Sports wurde 2019 für rund 4,6 Milliarden Euro von einem Konsortium aus Anta Sports, FountainVest, Anamered Investments (Chip Wilson) und Tencent übernommen.
- Seit dem Börsengang an der NYSE im Februar 2024 ist Amer Sports wieder öffentlich gehandelt; Anta bleibt mit deutlich über 40 Prozent größter Aktionär.
- Atomic erzielte 2025 laut Geschäftsführer Wolfgang Mayrhofer erstmals mehr als 300 Millionen Euro Umsatz; 2018 waren es 200 Millionen Euro.
- Im März 2026 eröffnete Atomic in Altenmarkt ein neues Bürogebäude mit 1.500 Quadratmetern – ein Bekenntnis zum österreichischen Standort.
| Name | Atomic Austria GmbH |
| Gegründet | 1955 von Alois Rohrmoser in Wagrain (Salzburg) |
| Sitz | Altenmarkt im Pongau, Österreich |
| Branche | Wintersportausrüstung (Ski, Skischuhe, Bindungen, Helme, Stöcke, Brillen) |
| Eigentümer | Amer Sports, Inc. (seit 1994); größter Aktionär von Amer Sports ist Anta Sports (China), daneben Anamered Investments (Chip Wilson), FountainVest Partners, Tencent und Streubesitz an der NYSE |
| Führung | Wolfgang Mayrhofer (Geschäftsführer/Präsident Atomic); James Zheng (CEO Amer Sports) |
| Umsatz / Mitarbeiter | Atomic: über 300 Mio. Euro (2025), rund 750 bis 1.000 Beschäftigte je nach Quelle; Amer Sports: 6,57 Mrd. US-Dollar (2025), rund 13.400 Beschäftigte (2024) |
Herkunft: Von Wagrain zur größten Skifabrik der Welt
Die Geschichte von Atomic beginnt 1955 im Salzburger Wagrain, wo Alois Rohrmoser im ersten Jahr gerade einmal 40 Paar Ski fertigte. Bis 1969 wuchs die Jahresproduktion auf 72.000 Paar. 1971 errichtete Rohrmoser das große Werk in Altenmarkt im Pongau, das bis heute Zentrale und wichtigste Produktionsstätte ist.
In der Saison 1991/92 erreichte die Produktion mit rund 831.000 Paar Ski ihren Höhepunkt. Doch der teure Umstieg auf die Schalenskitechnologie und der verpasste Snowboard-Boom brachten das Unternehmen in Bedrängnis. Im September 1994 folgte der Konkurs – das Ende der Ära Rohrmoser.
Eigentümerstruktur im Detail: Amer Sports und das Anta-Konsortium
Im November 1994 übernahm der finnische Amer-Konzern die insolvente Skifabrik für 918,7 Millionen Schilling, umgerechnet rund 66,8 Millionen Euro. Amer Sports mit Sitz in Helsinki kaufte später unter anderem Salomon, Wilson, Arc’teryx, Peak Performance und Armada hinzu; Atomic wurde zur Kernmarke für Wintersportausrüstung.
Der entscheidende Einschnitt kam 2018/2019 mit einem Übernahmeangebot über rund 4,6 Milliarden Euro für den damals in Helsinki notierten Konzern. Dahinter standen der chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports als Anker, der Private-Equity-Investor FountainVest Partners, die Investmentgesellschaft Anamered des Lululemon-Gründers Chip Wilson sowie der Internetkonzern Tencent. 2019 wurde die Übernahme abgeschlossen und Amer Sports von der Börse genommen.
Im Februar 2024 kehrte Amer Sports an den Kapitalmarkt zurück, diesmal an die New York Stock Exchange unter dem Kürzel „AS“; der Börsengang brachte rund 1,4 Milliarden US-Dollar ein. Die Alteigentümer blieben an Bord, reduzierten ihre Anteile seither aber teilweise: FountainVest platzierte im Mai 2025 Aktien im Wert von rund 1,32 Milliarden US-Dollar und senkte seine Beteiligung von 12,5 auf etwa 6 Prozent, Chip Wilson verkaufte im August 2025 ein Paket im Wert von knapp 160 Millionen US-Dollar, hält laut Medienberichten aber weiterhin rund 16 bis 18 Prozent. Anta Sports bleibt mit deutlich über 40 Prozent der mit Abstand größte Aktionär und faktische Kontrolleur, Tencent ist mit einem einstelligen Prozentanteil beteiligt.
Geschäftszahlen und Marktposition
Atomic veröffentlicht als GmbH keine eigenen Detailzahlen; die Marke geht im Amer-Segment „Outdoor Performance“ auf, das vor allem Salomon umfasst. Geschäftsführer Wolfgang Mayrhofer nannte jedoch im März 2026 einen Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro für 2025 – das beste Jahr der Firmengeschichte. 2018 lag der Umsatz noch bei 200 Millionen Euro. Atomic bezeichnet sich als größten Skihersteller der Welt nach Stückzahlen und ist laut Salzburger Nachrichten der drittgrößte Arbeitgeber im Bezirk.
Beim Mutterkonzern läuft es ebenfalls rund. Amer Sports steigerte den Umsatz 2025 um 27 Prozent auf 6,57 Milliarden US-Dollar, der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn lag bei 427 Millionen US-Dollar, die bereinigte operative Marge bei 12,8 Prozent. Das Segment Outdoor Performance wuchs um 31 Prozent auf 2,4 Milliarden US-Dollar; größter Gewinnbringer bleibt Arc’teryx mit 2,86 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
2025 feierte Atomic sein 70-jähriges Bestehen, passend zur Alpinen Ski-WM in Saalbach-Hinterglemm, bei der Athleten auf Atomic-Ski vier Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille holten – allen voran Mikaela Shiffrin. Im Juli 2025 begann der Bau eines zweistöckigen Bürogebäudes mit 1.500 Quadratmetern in Altenmarkt, das im März 2026 mit Ski-Legenden wie Hermann Maier und Michael Walchhofer eröffnet wurde. Amer Sports nannte die Investition ein „starkes Signal für den Standort Altenmarkt“.
Im Mai 2026 strukturierte Atomic seine Vertriebs- und Marketingorganisation neu und ernannte sechs Direktoren unter den Vizepräsidenten Christian Haitzmann (Commercial) und James Fairbank (Marketing). Auf Konzernebene meldete Amer Sports im August 2026 für das zweite Quartal ein Umsatzplus von 32 Prozent auf 1,63 Milliarden US-Dollar und hob die Jahresprognose auf rund 24 Prozent Wachstum an; das Segment Outdoor Performance wuchs um 37 Prozent, wobei der Konzern ausdrücklich die gute Entwicklung bei Atomic und Wintersportausrüstung hervorhob.
Marken und Menschen hinter Atomic
An der Spitze von Atomic steht seit vielen Jahren Wolfgang Mayrhofer. Er verantwortete bereits 2019 ein Investitionsprogramm von 20 Millionen Euro für ein neues Logistikzentrum und Produktinnovationen und erklärte damals, der Standort Österreich sei „absolut langfristig abgesichert“. Konzernchef von Amer Sports ist James Zheng. Das Portfolio reicht von Alpin-, Renn- und Tourenski über Skischuhe, Bindungen und Helme bis zur Langlaufausrüstung; rund 50 Weltcup-Athleten fahren auf Atomic, darunter Mikaela Shiffrin.
FAQ
Wem gehört Atomic heute? Atomic ist eine Tochter von Amer Sports, Inc. Deren größter Aktionär ist der chinesische Konzern Anta Sports, daneben halten Anamered Investments (Chip Wilson), FountainVest, Tencent und Börsenanleger Anteile.
Ist Atomic noch ein österreichisches Unternehmen? Rechtlich ist die Atomic Austria GmbH eine österreichische Gesellschaft mit Sitz in Altenmarkt, wo entwickelt und produziert wird. Die Eigentümerkette führt jedoch über Finnland nach China, die Aktien werden in New York gehandelt.
Wann und warum wurde Atomic verkauft? Nach dem Konkurs im September 1994 kaufte der finnische Amer-Konzern die Firma im November 1994 für 918,7 Millionen Schilling. Auslöser waren Probleme beim Technologiewechsel zum Schalenski und der verpasste Snowboard-Markt.
Welche Marken gehören zum selben Konzern wie Atomic? Amer Sports führt unter anderem Salomon, Arc’teryx, Wilson, Louisville Slugger, DeMarini, Peak Performance und Armada. Suunto und Precor wurden verkauft.
Wie viele Mitarbeiter hat Atomic? Die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen rund 750 und 1.000 Beschäftigten; Atomic selbst sprach 2025 von etwa 1.000 Mitarbeitern, Branchenmedien nennen rund 750.
Fazit
Atomic ist ein Paradebeispiel für eine österreichische Traditionsmarke im globalen Eigentümergeflecht: Produziert wird im Pongau, geführt aus Helsinki, kontrolliert aus China, gehandelt in New York. Für Altenmarkt hat sich das bislang ausgezahlt – Rekordumsatz 2025, neue Investitionen 2026 und ein Mutterkonzern mit über 30 Prozent Wachstum. Solange Anta Sports als Ankeraktionär an der Wintersportsparte festhält, dürfte sich an der Eigentümerstruktur kurzfristig wenig ändern.