Wem gehört Aprilia? Eigentümer, Aktionäre und Struktur

Wem gehört Aprilia

Aprilia gehört seit Ende 2004 vollständig zur börsennotierten Piaggio & C. S.p.A. aus Pontedera. Piaggio wiederum wird von der Holding IMMSI S.p.A. kontrolliert, die zum Jahresende 2025 50,57 Prozent der Aktien hielt und der Familie Colaninno zuzurechnen ist. Die 1945 von Alberto Beggio in Noale gegründete Marke ist heute die sportliche Speerspitze eines Konzerns, der 2025 rund 1,5 Milliarden Euro umsetzte.

Key Takeaways

  • Aprilia ist seit dem 28. Dezember 2004 eine hundertprozentige Marke der Piaggio & C. S.p.A. und kein eigenständiges Unternehmen mehr.
  • Piaggio wird von der IMMSI S.p.A. beherrscht, die zum 31. Dezember 2025 50,57 Prozent des Grundkapitals hielt; hinter IMMSI steht über die Omniaholding S.p.A. die Familie Colaninno.
  • Nach dem Tod von Roberto Colaninno im August 2023 führen seine Söhne den Konzern: Matteo Colaninno als Executive Chairman und Michele Colaninno als CEO.
  • Die Piaggio-Gruppe erzielte 2025 einen Nettoumsatz von 1.501,9 Millionen Euro (minus 11,7 Prozent) und einen Nettogewinn von 34 Millionen Euro.
  • Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz auf 880,1 Millionen Euro, und die EBITDA-Marge erreichte mit 17,7 Prozent einen Rekordwert.
  • Im MotoGP-Werksteam fahren Marco Bezzecchi (WM-Dritter 2025) und Jorge Martín, dessen Vertragsstreit im Sommer 2025 mit seinem Verbleib bei Aprilia endete.
NameAprilia (Marke der Piaggio & C. S.p.A.)
Gegründet1945 von Alberto Beggio in Noale (Italien)
SitzNoale, Provinz Venedig (Marke); Pontedera (Konzern)
BrancheMotorräder, Roller, Rennsport
Eigentümer100 % Piaggio & C. S.p.A.; diese zu 50,57 % im Besitz der IMMSI S.p.A. (Familie Colaninno), Rest Streubesitz an der Euronext Milan
FührungMatteo Colaninno (Executive Chairman Piaggio), Michele Colaninno (CEO Piaggio), Massimo Rivola (CEO Aprilia Racing)
Umsatz / MitarbeiterPiaggio-Gruppe 2025: 1.501,9 Mio. Euro Umsatz, 445.200 Fahrzeuge; 5.795 Beschäftigte (30. Juni 2025)

Vom Fahrradbauer zum Weltmeister: Die Geschichte von Aprilia

Cavaliere Alberto Beggio gründete Aprilia 1945 in Noale bei Venedig als Fahrradfabrik. Ende der 1960er Jahre übernahm sein Sohn Ivano Beggio die Führung und baute ein erstes 50-Kubik-Motorrad; es folgten Mopeds, Motocross-Maschinen und ab 1986 die Reiseenduro Tuareg. Beggio machte Aprilia zur Rennsportmacht: 1987 gelang der erste Grand-Prix-Sieg, danach folgten zehn WM-Titel in der 125er- und neun in der 250er-Klasse, unter anderem mit Valentino Rossi und Max Biaggi. Bis Oktober 2025 zählte die Marke 54 Weltmeistertitel. Im Jahr 2000 kaufte Aprilia selbst Moto Guzzi und Laverda.

Die Expansion überforderte das Familienunternehmen finanziell. Nach einer Krise musste Beggio 2004 verkaufen; am 28. Dezember 2004 schloss Piaggio die Übernahme ab. Der Deal umfasste eine Kapitalerhöhung von 50 Millionen Euro, die Übernahme von 98 Millionen Euro Bankschulden und die Rückzahlung einer 100-Millionen-Euro-Anleihe. Mit Aprilia kamen Moto Guzzi und Laverda zu Piaggio. Beggio blieb Ehrenpräsident und starb im März 2018.

Die Eigentümerstruktur im Detail: Piaggio, IMMSI und die Colaninnos

Aprilia ist heute eine Marke innerhalb der Piaggio & C. S.p.A. Der 1884 gegründete Konzern aus Pontedera ist seit 2006 an der Mailänder Börse (heute Euronext Milan) notiert; das Grundkapital ist in 354.632.049 Stammaktien aufgeteilt. Zum Konzern gehören neben Aprilia die Marken Piaggio, Vespa, Moto Guzzi, Derbi und Gilera sowie das Nutzfahrzeuggeschäft.

Kontrolliert wird Piaggio von der ebenfalls börsennotierten IMMSI S.p.A., die zum 31. Dezember 2025 laut Corporate-Governance-Bericht 50,57 Prozent der Aktien und Stimmrechte hielt. IMMSI selbst wird über die Omniaholding S.p.A. von der Familie Colaninno gesteuert. Die übrigen knapp 49,5 Prozent der Piaggio-Aktien befinden sich im Streubesitz.

Architekt dieser Struktur war Roberto Colaninno. Am 23. Oktober 2003 stieg IMMSI beim verschuldeten Piaggio ein, sanierte ihn und kaufte ein Jahr später Aprilia. Colaninno führte Piaggio bis zu seinem Tod am 18. August 2023. Die Nachfolge blieb in der Familie: Sohn Matteo Colaninno ist geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender, Sohn Michele Colaninno CEO. Beide wurden am 22. April 2024 für drei Jahre bis zur Hauptversammlung über das Geschäftsjahr 2026 bestätigt.

Geschäftsmodell und Zahlen: Aprilias Rolle im Piaggio-Konzern

Piaggio weist keine separaten Umsatzzahlen für Aprilia aus. 2025 erwirtschaftete der Konzern einen Nettoumsatz von 1.501,9 Millionen Euro, ein Rückgang von 11,7 Prozent. Das EBITDA lag bei 250,8 Millionen Euro, der Nettogewinn bei 34 Millionen Euro, fast eine Halbierung. Von 445.200 verkauften Fahrzeugen waren 329.000 Zweiräder. CEO Michele Colaninno sprach von einem „komplexen Jahr“ mit neuen Zöllen und Währungsschwankungen. Zum 30. Juni 2025 beschäftigte der Konzern 5.795 Mitarbeiter, davon 3.194 in Italien.

Aprilia behauptete sich gut: Die Marke war 2025 mit 13 Prozent Segmentanteil die meistverkaufte europäische Marke bei vollverkleideten Sportmotorrädern, in den USA wuchs der Absatz um 30 Prozent. Die Palette reicht von der RS 125 über RS 457, Tuono 457, RS 660 und Tuareg 660 bis zu RSV4 und Tuono V4. Die großen Modelle entstehen in Noale und Scorzè, die seit Ende 2023 gebaute 457er-Reihe im indischen Werk Baramati.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026: Erholung, Rekordmarge und MotoGP-Titelkampf

Im ersten Halbjahr 2026 kehrte Piaggio auf den Wachstumspfad zurück: Der Umsatz stieg zu konstanten Wechselkursen um 3,2 Prozent auf 880,1 Millionen Euro, der Absatz um 8,5 Prozent auf 258.700 Fahrzeuge, und die EBITDA-Marge erreichte mit 17,7 Prozent den besten Wert der Unternehmensgeschichte. Die Nettoverschuldung sank auf 481,7 Millionen Euro, Aprilia steigerte Absatz und Umsatz. Die Zwischendividende wurde von 4 auf 5,7 Cent je Aktie erhöht, Moto Guzzi eröffnete im September 2026 eine neue Fabrik in Mandello del Lario.

Sportlich erlebt Aprilia seine erfolgreichste MotoGP-Phase. Marco Bezzecchi gewann 2025 drei Rennen und wurde WM-Dritter. Teamkollege Jorge Martín, als Weltmeister von Ducati gekommen, fiel monatelang verletzt aus und wollte im Sommer 2025 über eine Ausstiegsklausel zu Honda wechseln. Aprilia unter Rennchef Massimo Rivola hielt die Klausel für unwirksam, weil Martín keines der ersten sechs Rennen bestritten hatte; im Juli 2025 verzichtete Martín auf den Ausstieg. 2026 kämpften beide zeitweise um die WM-Führung. Bezzecchi hat um mindestens zwei Jahre verlängert, Martín wird voraussichtlich zu Yamaha wechseln.

Die Eigentümer: Worauf die Vermögensbasis der Familie Colaninno beruht

Das Vermögen der Familie Colaninno gründet sich auf der Beteiligungskette Omniaholding, IMMSI und Piaggio. Roberto Colaninno hatte seinen Aufstieg mit dem Autozulieferer Sogefi begonnen und später Olivetti geführt; mit dem Einstieg bei Piaggio 2003 und dem Kauf von Aprilia 2004 schuf er das Industrievermögen der Familie, das im Kern aus der Mehrheitsbeteiligung an Piaggio besteht. Offizielle Zahlen zum Privatvermögen existieren nicht; uamr.de nennt keine Beträge.

FAQ

Wem gehört Aprilia heute? Aprilia gehört zu 100 Prozent der Piaggio & C. S.p.A. Diese wird mit 50,57 Prozent von der IMMSI S.p.A. kontrolliert, hinter der die Familie Colaninno steht.

Seit wann gehört Aprilia zu Piaggio? Piaggio schloss die Übernahme am 28. Dezember 2004 ab. Damals gingen auch Moto Guzzi und Laverda, die Aprilia 2000 gekauft hatte, an Piaggio über.

Wer führt Aprilia und Piaggio? Matteo Colaninno ist Executive Chairman, sein Bruder Michele Colaninno CEO der Piaggio-Gruppe. Aprilia Racing leitet Massimo Rivola.

Ist Aprilia an der Börse? Nicht direkt. Die Muttergesellschaft Piaggio ist seit 2006 an der Euronext Milan notiert; rund 49,5 Prozent der Aktien sind im Streubesitz.

Wo werden Aprilia-Motorräder gebaut? Die großen Modelle wie die RSV4 in Noale und Scorzè bei Venedig, die Einstiegsmodelle RS 457 und Tuono 457 im Piaggio-Werk Baramati in Indien.

Fazit

Aprilia ist seit über zwei Jahrzehnten Teil der Piaggio-Gruppe und damit letztlich ein Unternehmen der Familie Colaninno, die den Konzern über IMMSI mit gut der Hälfte der Aktien kontrolliert. Der Generationswechsel nach dem Tod von Roberto Colaninno ist vollzogen, die Zahlen zeigen 2026 wieder nach oben. Sportlich wie wirtschaftlich ist die Marke aus Noale so stark positioniert wie selten zuvor.