Aldi Nord gehört drei Familienstiftungen der Familie Albrecht: der Markus-Stiftung (61 Prozent), der Lukas-Stiftung (19,5 Prozent) und der Jakobus-Stiftung (19,5 Prozent) mit Sitz in Nortorf. Seit der Aufteilung des Albrecht-Imperiums 1961 ist die Essener Gruppe rechtlich von Aldi Süd getrennt. Nach jahrelangem Streit der Familienstämme wurde 2023 eine Holdingstruktur eingeführt, die Eigentum und Management trennt. 2025 setzte Aldi Nord mit über 90.000 Beschäftigten in acht Ländern mehr als 31 Milliarden Euro um; seit dem 1. Januar 2026 ist Nicolás de Lope CEO.
Key Takeaways
- Eigentümer von Aldi Nord sind die Markus-Stiftung (61 Prozent), die Lukas-Stiftung (19,5 Prozent) und die Jakobus-Stiftung (19,5 Prozent), die Theo Albrecht 1973 gründete.
- Begünstigte sind die Nachkommen Theo Albrechts, aufgeteilt in den Stamm von Theo Albrecht junior und den Stamm des 2012 verstorbenen Berthold Albrecht, dessen Witwe Babette Albrecht die Jakobus-Stiftung prägte.
- Nach jahrelangem Streit einigten sich beide Stämme 2023 auf eine Holding, die je zur Hälfte von den Stiftungen beider Linien getragen wird und das Einstimmigkeitsprinzip ablöst.
- Im Geschäftsjahr 2025 wuchs der Umsatz um 7,4 Prozent auf über 31 Milliarden Euro; die Zahl der Beschäftigten stieg auf mehr als 90.000 in 5.526 Filialen.
- Aldi Nord ist in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Portugal und Polen aktiv; das Dänemark-Geschäft wurde ab Dezember 2022 aufgegeben.
- Seit dem 1. Januar 2026 ist Nicolás de Lope CEO; sein Vorgänger Torsten Hufnagel führte das Unternehmen seit 2018.
| Name | Unternehmensgruppe Aldi Nord (Aldi Nord Holding Stiftung & Co. KG) |
| Gegründet | 1913 (Albrecht-Lebensmittelgeschäft in Essen), 1961 Aufteilung in Aldi Nord und Aldi Süd |
| Sitz | Essen, Nordrhein-Westfalen |
| Branche | Lebensmitteleinzelhandel (Discount) |
| Eigentümer | Markus-Stiftung 61 %, Lukas-Stiftung 19,5 %, Jakobus-Stiftung 19,5 % (Familie Albrecht) |
| Führung | Nicolás de Lope (CEO seit 1. Januar 2026), Marcus Droste (CFO), Felix Rottmann (Vorstand) |
| Umsatz / Mitarbeiter | über 31 Mrd. Euro / über 90.000 Beschäftigte, 5.526 Filialen (Geschäftsjahr 2025) |
Geschichte: Vom Essener Laden zum Aldi-Äquator
Die Wurzeln von Aldi liegen in einem 1913 in Essen eröffneten Lebensmittelgeschäft der Familie Albrecht. Nach dem Krieg bauten die Brüder Karl und Theo Albrecht daraus die erste Discount-Kette Deutschlands. 1961 teilten sie das Unternehmen: Theo Albrecht übernahm den Norden, Karl Albrecht den Süden. Als Grund gilt ein Streit über den Verkauf von Zigaretten.
Die Trennlinie heißt bis heute „Aldi-Äquator“ und verläuft vom Westmünsterland über Mülheim an der Ruhr, Siegen und Marburg bis nördlich von Fulda; die neuen Bundesländer gehören fast vollständig zu Aldi Nord. Auch im Ausland sind die Märkte aufgeteilt: Aldi Nord bedient Benelux, Frankreich, Spanien, Portugal und Polen, Aldi Süd unter anderem Großbritannien, Österreich und die USA. Ausnahme ist Trader Joe’s: Die US-Kette erwarb Theo Albrecht 1979, sie gehört zu 100 Prozent der Markus-Stiftung.
Eigentümerstruktur im Detail: Drei Stiftungen, zwei Familienstämme
Theo Albrecht regelte die Nachfolge 1973 über drei Stiftungen bürgerlichen Rechts in Nortorf. Die Markus-Stiftung hält 61 Prozent an Aldi Nord, Lukas- und Jakobus-Stiftung je 19,5 Prozent. Stiftungszweck ist, Zuwendungen an die Destinatäre zu leisten und die Unternehmensgruppe zu erhalten und auszubauen. Begünstigte sind die Nachkommen Theo Albrechts, der 2010 starb: der Stamm von Theo Albrecht junior (Lukas-Stiftung) und der Stamm seines 2012 verstorbenen Bruders Berthold, dessen Witwe Babette Albrecht mit ihren Kindern über die Jakobus-Stiftung beteiligt ist.
Weil Konzernentscheidungen einstimmig fallen mussten, konnte jede Seite die andere blockieren. Babette Albrecht stellte 2017 das Investitionsprogramm in Frage, die Jakobus-Stiftung stritt vor Gericht um eine Satzungsänderung von 2010, mit der Berthold Albrecht den Einfluss seiner Erben begrenzt hatte. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig bestätigte 2017 deren Gültigkeit.
Anfang 2023 verkündeten beide Stämme die Beilegung ihrer Rechtsstreitigkeiten. Kern ist eine Holding als Stiftung & Co. KG, die je zur Hälfte von den Stiftungen des Theo-Stamms und des Berthold-Stamms getragen wird. Im April 2023 wurden Aldi Nord Holding und Aldi Nord Deutschland als Führungsgesellschaften eingerichtet, Ende 2023 der Verwaltungsrat aufgelöst; Theo Albrecht junior zog sich in eine Gesellschafterrolle zurück. Für einen Verkauf der Jakobus-Anteile oder ein Ausscheiden Babette Albrechts gibt es keine Belege; die Quoten 61/19,5/19,5 Prozent gelten weiterhin.
Geschäftsmodell und Zahlen
Aldi Nord verfolgt das klassische Discount-Modell: rund 2.000 Artikel je Land, etwa 85 Prozent Eigenmarken, rund 20 Prozent Frischeanteil. Täglich kaufen über 4,5 Millionen Menschen in den Filialen ein. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Gruppenumsatz um 7,4 Prozent auf über 31 Milliarden Euro, flächenbereinigt um 5,6 Prozent. In Deutschland wuchs Aldi Nord mit 5,9 Prozent schneller als der Lebensmittelhandel insgesamt (3,4 Prozent). Zum Jahresende 2025 zählte die Gruppe 5.526 Filialen und über 90.000 Beschäftigte; rund 1,5 Milliarden Euro flossen in Expansion und Modernisierung.
Den Jahresfehlbetrag von 839 Millionen Euro für 2024 erklärt das Unternehmen fast vollständig mit nicht zahlungswirksamen Wertberichtigungen auf Standorte nach dem Wechsel auf IFRS; die Abschreibungen summierten sich auf 2,1 Milliarden Euro.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Der wichtigste Einschnitt ist der Führungswechsel: Im Oktober 2025 gab Aldi Nord bekannt, dass Torsten Hufnagel, seit 1997 im Unternehmen und seit 2018 CEO, aus persönlichen Gründen ausscheidet. Zum 1. Januar 2026 übernahm Nicolás de Lope, zuvor Landeschef in Polen, den Niederlanden und Deutschland. Felix Rottmann rückte in den Vorstand nach, Marcus Droste bleibt Finanzvorstand. Hufnagel hatte das Modernisierungsprogramm für rund 2.250 deutsche Filialen (5,2 Milliarden Euro) verantwortet sowie die Übernahme von rund 545 Leader-Price-Märkten in Frankreich für 717 Millionen Euro im Jahr 2020.
Frankreich war lange das Sorgenkind: Mit Preissenkungen, einem auf rund 50 Prozent erhöhten Eigenmarkenanteil und modernisierter Logistik reduzierte Aldi dort die Verluste deutlich und arbeitet wieder profitabel. Spanien war 2025 der Markt mit dem stärksten Filialwachstum. Zugleich rücken Aldi Nord und Aldi Süd näher zusammen: Beide kooperieren seit Jahren beim Einkauf und bei Eigenmarken; im Juni 2025 berichtete die WirtschaftsWoche über Gespräche der Eigentümerfamilien über eine gemeinsame Holding. Eine Fusion ist bislang nicht erfolgt.
Die Eigentümer: Vermögensbasis
Das Vermögen der Familie Albrecht beruht auf den Stiftungsbeteiligungen an Aldi Nord und Trader Joe’s sowie auf dem Immobilienbestand des Konzerns. Die Familie zählt zu den reichsten Deutschlands und wird in den Reichenlisten von Forbes und Manager Magazin geführt. Offizielle Zahlen zum Privatvermögen existieren nicht; uamr.de nennt keine Beträge.
FAQ
Wem gehört Aldi Nord heute? Aldi Nord gehört drei Familienstiftungen der Familie Albrecht: der Markus-Stiftung mit 61 Prozent sowie der Lukas- und der Jakobus-Stiftung mit je 19,5 Prozent. Begünstigte sind die Nachkommen des Gründers Theo Albrecht.
Was war der Stiftungsstreit bei Aldi Nord? Nach dem Tod Berthold Albrechts 2012 stritten seine Witwe Babette Albrecht (Jakobus-Stiftung) und Theo Albrecht junior über Einfluss, Ausschüttungen und Investitionen. 2023 einigten sich die Stämme auf eine paritätische Holding.
Wer führt Aldi Nord? Seit dem 1. Januar 2026 ist Nicolás de Lope CEO, Nachfolger von Torsten Hufnagel (CEO 2018 bis 2025). Finanzvorstand ist Marcus Droste.
Gehört Aldi Nord zu Aldi Süd? Nein. Seit 1961 sind beide rechtlich unabhängig: Aldi Nord gehört den Nachkommen Theo Albrechts, Aldi Süd denen Karl Albrechts. Sie kooperieren jedoch beim Einkauf und bei Eigenmarken.
Gehört Trader Joe’s zu Aldi Nord? Ja. Die US-Kette wurde 1979 von Theo Albrecht gekauft und gehört zu 100 Prozent der Markus-Stiftung, dem Mehrheitseigentümer von Aldi Nord.
Fazit
Aldi Nord bleibt ein Familienunternehmen, dessen Eigentum über drei Stiftungen bei den Nachkommen Theo Albrechts liegt. Die Holdingstruktur von 2023 hat den Machtkampf der Stämme beendet und das Management von den Eigentümern getrennt. Mit über 31 Milliarden Euro Umsatz und neuem CEO steht der Discounter stabil da; eine Annäherung an Aldi Süd bleibt die spannendste offene Frage.
Weiterlesen in Finanzen
- Wem gehört Alnatura? Eigentümer, Stiftung und Struktur
- Wem gehört Aprilia? Eigentümer, Aktionäre und Struktur
- Wem gehört die Allianz? Eigentümer, Aktionäre und Struktur
- Wem gehört Arsenal: Eigentümer des Fußballclubs
- Wem gehört Aldi Talk? Eigentümer, Betreiber und Struktur
- Wem gehört Asics? Eigentümer, Aktionäre und Struktur