Wem gehört Netto? Die beiden Ketten unterschieden

Wem gehört Netto

Kurze Antwort: Es gibt in Deutschland zwei voneinander unabhängige Netto-Unternehmen. Der gelb-rote Netto Marken-Discount (ohne Hund) gehört seit 2005 zum EDEKA-Verbund und seit 2021 vollständig. Das gelb-schwarze Netto mit dem Scottish Terrier gehört zur dänischen Salling Group – und die gehört zu 100 Prozent zwei dänischen Stiftungen.

Die beiden auf einen Blick

Netto Marken-Discount Netto (Salling)
Logo gelb-rot, kein Hund gelb-schwarz, Scottie
Spitzname „Netto-Süd“ „Netto-Nord“, „Netto Stavenhagen“
Sitz Maxhütte-Haidhof (Bayern) Stavenhagen (M-V), Verwaltung Berlin
Register AG Amberg HRA 1747 AG Neubrandenburg HRA 2335
Eigentümer EDEKA-Verbund, Hamburg Salling Group A/S, Dänemark
Filialen 4.433 (2025) 338 (Juli 2026)

Netto selbst schreibt in seiner Kunden-FAQ: „Es existieren in Deutschland zwei voneinander unabhängig und eigenständig agierende Unternehmen.“

Netto Marken-Discount

  • Firmierung: Netto Marken-Discount Stiftung & Co. KG
  • Anschrift: Industriepark Ponholz 1, 93142 Maxhütte-Haidhof
  • Registergericht: Amtsgericht Amberg, HRA 1747
  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE 133822409
  • Geschäftsleitung: Tino Bummel, Ingo Elbs, Claus Leitl, Marco Pietsch, Martin Schnellinger

Den Online-Shop betreibt eine zweite Gesellschaft: die NeS GmbH, Amtsgericht Amberg HRB 7213.

Was „Stiftung & Co. KG“ bedeutet

Eine Kommanditgesellschaft hat einen persönlich haftenden Gesellschafter (den Komplementär) und Kommanditisten, die nur mit ihrer Einlage haften. Der Komplementär muss keine natürliche Person sein – daher die geläufige GmbH & Co. KG. Bei einer Stiftung & Co. KG ist der Komplementär eine rechtsfähige Stiftung. Der Effekt: Die unbeschränkte Haftung trifft weder eine Person noch eine Kapitalgesellschaft mit Anteilseignern, sondern eine Stiftung, die keine Eigentümer hat, sondern nur einen Zweck und Organe. Anteile an einer Stiftung kann man nicht kaufen – die Konstruktion ist damit übernahmeresistent.

Persönlich haftende Gesellschafterin ist laut Impressum die EDEKA ZENTRALE Handels Stiftung, Hamburg, deren Vorstand aus Markus Mosa (Vorsitzender), Peter Keitel und Mario Slunitschek besteht – personengleich mit dem Vorstand der EDEKA-Zentrale. Die Umfirmierung von der früheren „AG & Co. KG“ ist über eine Registerbekanntmachung vom 5. Februar 2021 datierbar.

Der EDEKA-Verbund und die Frage, wem er selbst gehört

EDEKA beschreibt seine Struktur so: „Der mittelständisch und genossenschaftlich geprägte EDEKA-Verbund lebt von dem erfolgreichen Zusammenspiel dreier Stufen: der Kaufleute vor Ort, der sechs regionalen Großhandelsbetriebe sowie der EDEKA-Zentrale in Hamburg.“

Der entscheidende Satz für die Eigentümerfrage lautet: „Die meisten EDEKA-Kaufleute sind als Unternehmer Mitglied in einer der neun Regionalgenossenschaften. Diese halten jeweils 50 Prozent der Anteile an den sechs Regionalgesellschaften … Die anderen 50 Prozent werden von der EDEKA-Zentrale gehalten, deren Anteile wiederum von den Genossenschaften gehalten werden.“

Am Ende der Kette steht also keine Familie, kein Investor und keine Börse, sondern ein geschlossener genossenschaftlicher Kreislauf: EDEKA gehört seinen Kaufleuten. Netto Marken-Discount gehört damit mittelbar diesem Verbund. Die Muttergesellschaft ist die EDEKA ZENTRALE Stiftung & Co. KG, New-York-Ring 6, 22297 Hamburg, Amtsgericht Hamburg HRA 96305.

Zahlen 2025 nach EDEKA-Angaben: Netto Marken-Discount erzielte 17,9 Milliarden Euro Umsatz (plus 1,6 Prozent) mit 4.433 Filialen und 89.000 Mitarbeitenden; der Gesamtverbund kam auf 77,3 Milliarden Euro und 417.500 Mitarbeitende.

Historie

  • 1928: Michael Schels gründet in Regensburg einen Lebensmittelgroßhandel. Die Registerhistorie führt die Altfirmierung „Michael Schels & Sohn“.
  • 1971: Erste eigene Einzelhandelsfiliale unter dem Namen SuDi in Beilngries.
  • 1983: Erste Netto-Filiale in Regensburg; die rund 50 SuDi-Märkte werden bis 1990 umgestellt.
  • November 2004: Übernahme durch eine Tochter des französischen Spar-Hauptaktionärs ITM (Intermarché).
  • April 2005: ITM zieht sich aus Deutschland zurück und verkauft das Spar-und-Netto-Paket an EDEKA. Das ist der eigentliche Eigentümerwechsel.
  • Dezember 2008: Das Bundeskartellamt gibt die Übernahme der Plus-Märkte von Tengelmann unter Auflagen frei; 379 Filialen müssen an Wettbewerber abgegeben werden.
  • 1. Januar 2009: Plus gehört zu Netto. Bis Mitte 2010 werden rund 2.300 Plus-Märkte integriert – aus dem bayerischen Regionaldiscounter wird ein bundesweiter Anbieter. Tengelmann erhält im Gegenzug eine Beteiligung an Netto.
  • 1. Januar 2021: EDEKA übernimmt die restliche Tengelmann-Beteiligung und ist seither alleiniger Eigentümer. Registerseitig sichtbar am 8. Januar 2021 (Kommanditistenwechsel) und 5. Februar 2021 (Umfirmierung).
  • 1. Januar 2025: Wechsel des Bonusprogramms von DeutschlandCard zu PAYBACK, EDEKA-weit.

Netto mit dem Hund

  • Firmierung: Netto ApS & Co. KG
  • Sitz: Preetzer Straße 22, 17153 Stavenhagen (Mecklenburg-Vorpommern), Verwaltung in Berlin
  • Registergericht: Amtsgericht Neubrandenburg, HRA 2335
  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE 291493807
  • Persönlich haftende Gesellschafterin: Dansk Netto Deutschland ApS, Brabrand/Dänemark, CVR-Nr. 35417362
  • Geschäftsführung: Torben Godskesen, Michael Linander, Thomas Børglum Jensen
  • Gesellschafter laut Registerbekanntmachungen: Salling Group A/S und NETTO Supermarkt GmbH

„ApS“ ist die dänische Entsprechung der GmbH – „ApS & Co. KG“ also die dänische Variante der GmbH & Co. KG.

Die Salling Group und die Stiftungen

Die Salling Group A/S sitzt in Brabrand bei Aarhus und hieß bis zum 1. Juni 2018 Dansk Supermarked A/S. Vorstandsvorsitzender ist Anders Hagh.

Auf der eigenen Website steht der entscheidende Satz: „Salling Group is 100% owned by the Salling Foundations.“ Das sind zwei dänische Stiftungen – Købmand Herman Sallings Fond und Købmand Ferdinand Sallings Mindefond. Die Stiftungen selbst formulieren es so: „Salling Fondene er eneejer af Danmarks største detailhandelsvirksomhed, Salling Group“ – alleiniger Eigentümer.

Der Stiftungszweck ist zweigeteilt: das Betreiben der Salling Group und die Ausschüttung für „art, culture, sport, church, education and charitable purposes“. 2024 waren es 221 Spenden über 226 Millionen dänische Kronen; kumuliert seit 2012 rund 2,3 Milliarden Kronen.

Damit gilt für beide Nettos dieselbe Pointe mit umgekehrtem Vorzeichen: Der eine gehört über eine Stiftungskonstruktion einem deutschen Genossenschaftsverbund, der andere über eine Stiftungskonstruktion zwei dänischen ausschüttenden Stiftungen. Kein Börsengang, kein Investor, kein Einzelmilliardär.

Was sonst zur Salling Group gehört

Stand 31. Dezember 2025: insgesamt 2.138 Filialen, 69.823 Mitarbeitende, Umsatz 83.168 Millionen dänische Kronen.

  • Netto – Dänemark 578, Deutschland 341, Polen 695 Filialen
  • Bilka (SB-Warenhaus, Dänemark, 19), føtex (Supermarkt, 119), Salling (Kaufhaus, 2), BR (Spielwaren, 31)
  • Rimi – Estland 83, Lettland 145, Litauen 87 Filialen. Die Übernahme von Rimi Baltic wurde im März 2025 vereinbart, von der EU-Kommission am 5. Mai 2025 genehmigt und am 2. Juni 2025 vollzogen.
  • Franchise-Betriebe in Dänemark: Starbucks (16), Carl’s Jr. (15), Matinique (4), HUGO BOSS (4)

Basalt gehört nicht mehr dazu: Die Kette wurde ab Oktober 2022 mit zehn Standorten eröffnet und im Juni 2023 wieder geschlossen; einige Filialen liefen als Netto weiter.

Historie

  • 1906: Ferdinand Salling eröffnet ein Textilgeschäft in Aarhus. 1948 folgt das erste Salling-Kaufhaus.
  • 1960: Herman Salling eröffnet den ersten føtex-Supermarkt.
  • 1964: A. P. Møller steigt mit 50 Prozent ein; das Unternehmen wird in Dansk Supermarked umbenannt.
  • 1. April 1981: Erster Netto-Markt in Kopenhagen – als Reaktion auf den Markteintritt von Aldi in Dänemark. Das Markenzeichen, ein schwarzer Scottish Terrier, stammt vom dänischen Werbefachmann Peter Hiort.
  • 14. September 1990: Erste deutsche Netto-Filiale in Anklam.
  • 1992: Joint Venture mit Spar Deutschland; operative Führung bei Dansk Supermarked.
  • 31. Dezember 2012: EDEKA verkauft seine Beteiligung an Netto Stavenhagen an den Mehrheitseigner Dansk Supermarked. Damit endet die einzige Eigentumsüberschneidung zwischen den beiden Nettos.
  • September 2013: Ausgliederung des operativen Geschäfts auf die neu gegründete Netto ApS & Co. KG.
  • 2014 und Ende 2017: Ausstieg von A.P. Møller-Mærsk in zwei Schritten – zunächst 49 Prozent, dann die verbleibenden 19 Prozent. Seither halten die Stiftungen 100 Prozent.
  • 1. Juni 2018: Umbenennung in Salling Group.
  • 2020: Übernahme des Polengeschäfts von Tesco (rund 300 Läden).

Aktueller Stand in Deutschland

Die Filialzahl ist leicht rückläufig: 344 (Ende 2023), 341 (31. Dezember 2025), 338 (8. Juli 2026). Rund 6.000 Mitarbeitende, zwei Distributionszentren in Stavenhagen und Wustermark, Vertriebsgebiet Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Für einen Verkauf oder Rückzug gibt es keine Belege. Die dokumentierten Signale weisen in die Gegenrichtung: Im Oktober 2024 kündigte das Unternehmen an, alle deutschen Filialen bis 2028 zu modernisieren – „eine zusätzliche Milliardeninvestition in die Entwicklung des Filialnetzes“; Vorstandschef Anders Hagh: „Wir haben weiterhin große Ambitionen in Deutschland.“ Im August 2025 trat mit Michael Linander ein neuer Deutschland-CEO an.

Die einzige strukturelle Veränderung 2026: Am 8. Juli 2026 gaben Netto ApS und die Einkaufskooperation RTG Retail Trade Group bekannt, dass Netto die Kooperation zum Jahresende 2026 verlässt – „auf eigenen Wunsch und im besten gegenseitigen Einvernehmen“. Netto verhandelt künftig eigenständig mit Lieferanten.

Häufige Falschannahmen

  • „Netto ist Netto.“ Zwei rechtlich, wirtschaftlich und eigentümerseitig getrennte Unternehmen mit verschiedenen Registergerichten und verschiedenen Müttern in verschiedenen Ländern.
  • „Netto gehört Aldi.“ Für beide falsch. Historisch pikant: Netto mit dem Hund wurde 1981 gerade als Reaktion auf Aldis Markteintritt in Dänemark gegründet.
  • „Netto gehört Lidl.“ Für beide falsch. Lidl gehört zur Schwarz Gruppe.
  • „EDEKA gehört auch das Netto mit dem Hund.“ Das war von 2005 bis Ende 2012 teilweise richtig – EDEKA war rein finanziell beteiligt und verkaufte zum 31. Dezember 2012. Genau diese sieben Jahre Überschneidung erklären, warum sich die Verwechslung so hält.
  • „Netto Marken-Discount gehört Tengelmann.“ Falsch seit dem 1. Januar 2021.
  • „Netto Marken-Discount wurde von EDEKA gegründet.“ Nein – 1928 von Michael Schels in Regensburg. EDEKA kam 2005 dazu.

Was sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen lässt

  • Wie sich die 100 Prozent an der Salling Group auf die beiden Stiftungen verteilen
  • Die Anteilsprozente der Kommanditisten bei Netto Marken-Discount – die Registerbekanntmachungen nennen Namen, aber keine Quoten
  • Die Höhe der früheren Tengelmann-Beteiligung (die kursierenden zehn Prozent stammen aus der Fachpresse, nicht aus dem Register)
  • Die Höhe der früheren EDEKA-Beteiligung an Netto Nord zwischen 2005 und 2012
  • Der Einzelumsatz der Netto ApS & Co. KG in Deutschland – die Salling Group weist Deutschland nicht separat aus
  • Ob heute eine oder zwei persönlich haftende Gesellschafterinnen bei Netto Marken-Discount eingetragen sind – Impressum und Registerbekanntmachung weichen ab
  • Vermögensangaben zu den Familien Salling oder zu EDEKA-Kaufleuten sowie Geschäftsführergehälter – hier bewusst ausgeklammert

Quellen

Stand: 26. August 2026. Alle Angaben stammen aus den oben verlinkten Quellen.