
Die Tankstellenmarke JET gehört in Deutschland und Österreich seit dem 1. Dezember 2025 mehrheitlich zwei Finanzinvestoren: Ein Konsortium aus Energy Equation Partners (EEP) und dem New Yorker Infrastrukturinvestor Stonepeak hält 65 Prozent an der JET Tankstellen Deutschland GmbH mit Sitz in Hamburg. Der bisherige Alleineigentümer Phillips 66 aus Houston bleibt mit 35 Prozent als nicht operativer Partner beteiligt. Die Transaktion bewertete das Geschäft mit rund 970 Standorten mit einem Unternehmenswert von etwa 2,5 Milliarden Euro. Damit endet eine über 60-jährige Ära, in der JET zu Conoco, ConocoPhillips und zuletzt Phillips 66 gehörte.
Key Takeaways
- Seit dem 1. Dezember 2025 halten Energy Equation Partners und Stonepeak gemeinsam 65 Prozent an JET Deutschland und Österreich, Phillips 66 behält 35 Prozent.
- Der Unternehmenswert lag bei rund 2,5 Milliarden Euro; Phillips 66 erhielt beim Abschluss etwa 1,5 Milliarden Euro vor Steuern.
- Bei der Einigung im Mai 2025 umfasste das Netz 970 Standorte in beiden Ländern, davon 843 unter der Marke JET.
- Die Marke entstand 1953 im englischen Rotherham; der Name geht auf das Kennzeichen „JET 855″ des ersten Tankwagens von Gründer Bill Roberts zurück.
- 1961 übernahm der US-Ölkonzern Conoco die britische Jet Petroleum, Anfang der 1960er-Jahre kam die Marke nach Deutschland.
- Phillips 66 entstand am 1. Mai 2012 durch Abspaltung von ConocoPhillips und erzielte 2025 einen Umsatz von rund 132,4 Milliarden US-Dollar.
- Phillips 66 bleibt über seine Beteiligung von 18,75 Prozent an der Karlsruher MiRO-Raffinerie Kraftstofflieferant des neuen Joint Ventures.
| Name | JET Tankstellen Deutschland GmbH (Marke JET) |
|---|---|
| Gegründet | 1953 (Marke, Rotherham/England); Anfang der 1960er-Jahre Markteintritt in Deutschland |
| Hauptsitz | Hamburg |
| Branche | Tankstellen, Kraftstoffhandel |
| Eigentümer | 65 % Konsortium aus Energy Equation Partners und Stonepeak, 35 % Phillips 66 (seit 1. Dezember 2025) |
| Umsatz | JET Deutschland: nicht öffentlich ausgewiesen; Phillips 66 (Konzern): rund 132,4 Mrd. US-Dollar (Geschäftsjahr 2025) |
| Mitarbeiter | JET Deutschland: nicht öffentlich ausgewiesen; Phillips 66: rund 12.600 (Stand 31. Dezember 2025) |
Geschichte und Herkunft
Die Wurzeln von JET liegen in Nordengland. 1953 benutzte der Brite Bill Roberts in Rotherham (Yorkshire) erstmals den Namen „Jet“ für sein Tankstellenunternehmen, 1954 folgte die Gründung der Jet Petroleum. Der Markenname stammt vom Kennzeichen seines ersten Tankwagens, „JET 855″. Die erste Station bot außer dem Tanken keinerlei Service – aus dieser Sparsamkeit entwickelte sich die Discount-Strategie, die die Marke bis heute prägt.
1961 übernahm der US-Ölkonzern Conoco die Jet Petroleum; Anfang der 1960er-Jahre erschien JET auch an deutschen Straßen, positioniert als günstiger Markenkraftstoff. Mitte der 1980er-Jahre hielt die Marke laut Wikipedia rund fünf Prozent des deutschen Kraftstoffgeschäfts, 2010 etwa zehn Prozent. 2002 fusionierte Conoco mit Phillips Petroleum zu ConocoPhillips, das anschließend das europäische JET-Netz verkleinerte: 2006 gingen 377 Stationen in sieben Ländern an Lukoil, 2007 übernahm Statoil die Standorte in Skandinavien. Übrig blieben Großbritannien, Deutschland und Österreich.
Eigentümerstruktur im Detail

Am 1. Mai 2012 spaltete ConocoPhillips sein Downstream-Geschäft als eigenständige, an der New Yorker Börse notierte Gesellschaft Phillips 66 ab. Seitdem gehörte die JET Tankstellen Deutschland GmbH vollständig zu Phillips 66 mit Sitz in Houston, Texas – bis Ende 2025.
Am 16. Mai 2025 gab Phillips 66 die Einigung mit dem Konsortium aus Energy Equation Partners und Stonepeak bekannt, am 1. Dezember 2025 wurde sie vollzogen. Das Konsortium übernahm 65 Prozent; die restlichen 35 Prozent hält Phillips 66 laut Geschäftsbericht 2025 als nicht operativen Anteil über die neu gegründete JET Management Holding GmbH & Co. KG. Der Unternehmenswert von rund 2,5 Milliarden Euro entsprach dem 9,1-Fachen des für 2025 erwarteten EBITDA.
Stonepeak ist ein Infrastrukturinvestor mit Sitz in New York und rund 80 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen. Energy Equation Partners wird von Managing Partner Javed Ahmed geführt und hat laut Mitteilung Erfahrung im Tankstellengeschäft. Wie sich die 65 Prozent zwischen beiden Partnern aufteilen, ist nicht öffentlich bekannt.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Ende April 2024 machte Phillips 66 öffentlich, dass das Geschäft in Deutschland und Österreich zur Disposition steht – damals 815 Standorte in Deutschland und laut Standard 162 in Österreich. Konzernchef Mark Lashier verwies auf den Plan, sich von Vermögenswerten außerhalb des Kerngeschäfts zu trennen. Im Hintergrund stand der Druck des aktivistischen Investors Elliott, der im Mai 2025 zwei Sitze im Verwaltungsrat von Phillips 66 gewann.
Mit dem Abschluss am 1. Dezember 2025 wechselte auch die Führung in Hamburg: Rob Nijst übernahm als Interims-Geschäftsführer von Georg Ober, der als Vertreter von Phillips 66 in den Beirat des Joint Ventures wechselte. Phillips 66 verbuchte aus der Transaktion im vierten Quartal 2025 einen Vorsteuergewinn von rund zwei Milliarden US-Dollar. Die neuen Eigentümer kündigten an, Stationsnetz und Markenbekanntheit auszubauen; Stand November 2026 firmieren die Stationen weiterhin unter JET, eine Umbenennung ist nicht öffentlich bekannt.
Geschäftsmodell und Kennzahlen
JET bleibt ein Discounter ohne Premiumkraftstoffe; die Shops betreibt die Edeka-Tochter Spar als „Spar Express“. Zum Netz gehören laut Wikipedia (Stand Ende 2022) rund 180 Supermarkt-Tankstellen ohne JET-Auftritt sowie 15 an Aral verpachtete Autobahntankstellen. Im März 2021 lag JET mit 843 Stationen auf Rang sechs des deutschen Marktes.
Eigene Umsatz- und Mitarbeiterzahlen für JET Deutschland veröffentlichen weder der alte noch die neuen Eigentümer. Belastbar sind die Konzernzahlen von Phillips 66: Umsatz 2025 rund 132,4 Milliarden US-Dollar (2024: 143,2 Milliarden), Nettogewinn 4,4 Milliarden US-Dollar, etwa 12.600 Beschäftigte zum 31. Dezember 2025 und zehn Raffinerien in den USA und Europa. Die deutschen JET-Stationen werden weiterhin aus der Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe versorgt, Deutschlands größter Raffinerie, an der Phillips 66 18,75 Prozent hält; dafür wurde ein mehrjähriger Liefervertrag geschlossen.
Marke und Marktposition
Von 2006 bis 2022 warb JET mit Comicfiguren von Rötger „Brösel“ Feldmann und dem Slogan „Schlauer ist das“. In Österreich zählte JET laut Standard 2024 zu den fünf größten Betreibern. International ist die Marke nur noch in drei Ländern präsent: Deutschland und Österreich unter dem Joint Venture sowie Großbritannien, wo Phillips 66 Ende 2025 rund 320 überwiegend händlergeführte JET-Standorte zählte – diese waren nicht Teil des Verkaufs.
FAQ
Wem gehört JET heute? Seit dem 1. Dezember 2025 gehören 65 Prozent der JET Tankstellen Deutschland GmbH einem Konsortium aus Energy Equation Partners und Stonepeak. Phillips 66 hält 35 Prozent als nicht operativer Partner.
Ist JET noch ein amerikanisches Unternehmen? Nur noch teilweise. Phillips 66 aus Houston hält 35 Prozent, die operative Führung liegt beim Investorenkonsortium um Stonepeak und EEP.
Wie viele JET-Tankstellen gibt es? Im Mai 2025 umfasste das Netz in Deutschland und Österreich 970 Standorte, davon 843 unter der Marke JET. Zum 31. Dezember 2025 nannte Phillips 66 rund 960 Standorte; in Großbritannien kommen rund 320 hinzu.
Was hat der Verkauf von JET gekostet? Der Unternehmenswert des deutsch-österreichischen Geschäfts wurde mit rund 2,5 Milliarden Euro angesetzt. Für seine 65 Prozent erhielt Phillips 66 beim Abschluss etwa 1,5 Milliarden Euro vor Steuern.
Woher kommt der Name JET? Gründer Bill Roberts benannte sein Unternehmen 1953 nach dem Kennzeichen seines ersten Tankwagens, „JET 855″. Die erste Station stand im englischen Rotherham.
Wird JET umbenannt? Eine Umbenennung ist bislang nicht angekündigt. Die neuen Eigentümer wollen Netz und Markenbekanntheit ausbauen; die Kraftstoffe kommen weiterhin aus der MiRO-Raffinerie in Karlsruhe.
Fazit
Die Frage „Wem gehört JET?“ hat seit Dezember 2025 eine neue Antwort: nicht mehr allein Phillips 66, sondern mehrheitlich die Finanzinvestoren Energy Equation Partners und Stonepeak, während der US-Konzern mit 35 Prozent und einem Liefervertrag über die MiRO-Raffinerie verbunden bleibt. Für Autofahrer ändert sich zunächst wenig, denn Marke und Discount-Strategie bleiben bestehen. Entscheidend wird sein, ob die neuen Eigentümer das Netz wie angekündigt ausbauen oder mittelfristig einen Weiterverkauf anstreben.