
Braun ist eine der bekanntesten deutschen Marken für Elektrogeräte, doch ein eigenständiges Unternehmen dieses Namens gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr. Stand September 2026 gehört die Marke Braun dem börsennotierten US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G), der sie 2005 mit der Übernahme von Gillette erwarb. P&G nutzt Braun selbst für Rasierer, Trimmer und Epilierer, während Haushalts- und Küchengeräte seit 2012 unter einer unbefristeten Lizenz von De’Longhi stammen. Nach öffentlichem Kenntnisstand gab es 2025 und 2026 keinen Eigentümerwechsel; stattdessen hat P&G im Juli 2026 mit dem Rasierer „NEVO“ eine neue Produktgeneration vorgestellt.
Key Takeaways
- Die Marke Braun gehört seit 2005 Procter & Gamble, das damals den Braun-Eigentümer Gillette für rund 57 Milliarden US-Dollar übernahm.
- Gegründet wurde Braun 1921 von Max Braun in Frankfurt-Bockenheim; nach seinem Tod 1951 führten die Söhne Artur und Erwin Braun das Unternehmen.
- 1967 übernahm Gillette die Mehrheit an der Braun AG, 1984 wurde Braun eine hundertprozentige Gillette-Tochter.
- Haushalts- und Küchengeräte der Marke Braun stammen seit 2012 von De’Longhi, das für die unbefristete Lizenz bis zu 214 Millionen Euro zahlte.
- Auch Fieberthermometer (Kaz/Helen of Troy, seit 2006), Uhren (Zeon) und Audio-Produkte (Comeback 2019 mit Pure) sind lizenziert.
- Rasierer und Epilierer entstehen weiterhin im Braun-Werk Walldürn mit rund 900 Beschäftigten; die frühere Braun GmbH heißt heute Procter & Gamble Service GmbH (Kronberg im Taunus).
- Verkaufsüberlegungen gab es 2014; Braun blieb im Konzern, und für 2025/2026 gibt es keine Anzeichen für einen Verkauf.
| Unternehmen | Braun (heute Marke von Procter & Gamble; deutsche Gesellschaft: Procter & Gamble Service GmbH, früher Braun GmbH) |
|---|---|
| Gegründet | 1921 in Frankfurt-Bockenheim |
| Gründer | Max Braun, Ingenieur aus Ostpreußen |
| Sitz | Kronberg im Taunus (Hessen) |
| Eigentümer (Stand 2026) | Procter & Gamble Co., Cincinnati (USA), börsennotiert; Haushaltsgeräte-Lizenz bei De’Longhi S.p.A. |
| Branche | Elektrische Körperpflegegeräte (Rasierer, Trimmer, Epilierer); lizenziert: Haushaltsgeräte, Gesundheitsgeräte, Uhren, Audio |
| Umsatz / Mitarbeiter | Braun-Zahlen werden von P&G nicht gesondert ausgewiesen. P&G gesamt: 87,0 Milliarden US-Dollar Nettoumsatz im Geschäftsjahr 2026 (bis Juni 2026). Werk Walldürn: rund 900 Beschäftigte. |
| Vermögensbasis der Eigentümer | Streubesitz der P&G-Aktionäre (überwiegend institutionelle Investoren und Fonds); keine Gründerfamilie mehr beteiligt |
Geschichte und Herkunft
Der Ingenieur Max Braun eröffnete 1921 in Frankfurt-Bockenheim eine Apparatebauwerkstatt für Radiobauteile. Später folgten Radios, Plattenspieler und ab den 1950er-Jahren elektrische Trockenrasierer. Als Max Braun 1951 starb, übernahmen seine Söhne Artur und Erwin Braun die Führung und richteten das Unternehmen auf funktionales Design aus. Dieter Rams leitete ab 1961 die Gestaltungsabteilung und prägte mit dem Leitsatz „Weniger, aber besser“ den Ruf von Braun als Design-Ikone.
Zum 1. Januar 1962 wurde das Familienunternehmen in die Braun AG umgewandelt; der technische Hauptsitz zog nach Kronberg im Taunus, produziert wurde in Walldürn (Rasierer, seit 1954) und Marktheidenfeld (Haushaltsgeräte, seit 1961). 1967 übernahm der US-Konzern Gillette die Aktienmehrheit an der Braun AG; die Übernahme bewegte sich laut Wikipedia im dreistelligen D-Mark-Millionenbereich. 1984 wurde Braun vollständig zur Gillette-Tochter. Randbereiche wie die Unterhaltungselektronik liefen 1991 aus.
Eigentümerstruktur im Detail

Der entscheidende Schnitt kam 2005: Procter & Gamble übernahm die Gillette Company für rund 57 Milliarden US-Dollar und damit auch Braun. Seitdem ist die Marke Teil des P&G-Segments Grooming, in dem auch Gillette und Venus geführt werden. Die frühere Braun GmbH wurde in Procter & Gamble Service GmbH umbenannt und sitzt weiterhin in Kronberg. Ein eigenständiger Braun-Konzern existiert nicht mehr.
De’Longhi und die Haushaltsgeräte
Im April 2012 vereinbarten P&G und De’Longhi eine unbefristete Lizenz für die Marke Braun bei Küchenkleingeräten, Bügelgeräten und ausgewählten Haushaltsgeräten. De’Longhi zahlte 50 Millionen Euro bei Abschluss, weitere 90 Millionen Euro (Barwert) in Jahresraten über 15 Jahre sowie eine erfolgsabhängige Komponente von bis zu 74 Millionen Euro. Das übernommene Geschäft erzielte damals rund 200 Millionen Euro Umsatz, vor allem in Europa. Die Marke blieb bei P&G; De’Longhi erhielt nur das dauerhafte Nutzungsrecht. Heute führt die De’Longhi Braun Household GmbH in Neu-Isenburg das Geschäft mit Stabmixern, Küchenmaschinen, Kaffeemaschinen, Toastern und Bügeleisen; nach eigenen Angaben ist Braun bei Stabmixern die weltweite Nummer eins.
Weitere Lizenzen: Gesundheit, Uhren, Audio
Bereits 2006 verkaufte P&G die Gesundheitssparte von Braun (Fieberthermometer, Blutdruckmessgeräte) an Kaz, heute Teil von Helen of Troy, verbunden mit einer Markenlizenz. Uhren, Wecker und Taschenrechner im Braun-Design stammen von der britischen Zeon Ltd. Im Audiobereich feierte Braun 2019 nach 28 Jahren Pause ein Comeback: Die britische Firma Pure entwickelte unter P&G-Lizenz die LE-Lautsprecherserie nach dem Vorbild der Rams-Entwürfe von 1959; den heutigen Braun-Audio-Shop betreibt laut Impressum die ATS trade&service GmbH aus Kundl (Österreich) unter P&G-Lizenz. Faustregel: Was rasiert, trimmt oder epiliert, kommt direkt von P&G; alle anderen Braun-Produkte stammen von Lizenznehmern.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Im Juni 2025 kündigte Procter & Gamble einen Konzernumbau an: Rund 7.000 Stellen, etwa 15 Prozent der Beschäftigten außerhalb der Produktion, sollen über zwei Jahre wegfallen, außerdem will sich der Konzern aus einzelnen Produktgruppen und Märkten zurückziehen. Braun wurde dabei nicht als Verkaufskandidat genannt. In Deutschland betreibt P&G neben Kronberg unter anderem die Werke Walldürn (Braun-Rasierer und Epilierer, rund 900 Beschäftigte) und Marktheidenfeld (Oral-B-Zahnbürsten, rund 1.800 Beschäftigte).
Operativ setzt P&G weiter auf die Marke: Am 2. Juli 2026 stellte Braun mit „NEVO“ eine komplett neu entwickelte Rasierergeneration mit Edelstahl-Unibody und adaptivem Prozessor vor, die seit August 2026 zu Preisen zwischen rund 790 und 870 Euro verkauft wird. Für das Geschäftsjahr 2026 (bis 30. Juni 2026) meldete P&G unter CEO Shailesh Jejurikar einen Nettoumsatz von 87,0 Milliarden US-Dollar, ein Plus von drei Prozent. Einen Eigentümerwechsel bei Braun gab es nach öffentlichem Kenntnisstand weder 2025 noch 2026.
Procter & Gamble Vermögen: Einnahmequellen und Vermögensbasis
Da Braun keiner Familie und keiner Einzelperson mehr gehört, stellt sich die Vermögensfrage anders als bei vielen Traditionsmarken. Eigentümer ist eine Aktiengesellschaft im Streubesitz: Die P&G-Aktie wird an der New Yorker Börse gehandelt, die größten Anteile halten institutionelle Investoren und Indexfonds. Die Vermögensbasis des Konzerns bilden seine Marken, darunter Ariel, Pampers, Oral-B, Gillette und Braun. Im Geschäftsjahr 2026 flossen über 15 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre zurück, davon 10,2 Milliarden als Dividende, die P&G im 70. Jahr in Folge erhöhte.
Wie viel Umsatz die Marke Braun beisteuert, weist P&G nicht aus; 2014 berichteten Medien von weniger als einer Milliarde US-Dollar im Jahr. Die Nachfahren des Gründers Max Braun sind seit dem Verkauf an Gillette nicht mehr beteiligt; zu ihrem Vermögen gibt es keine offiziellen Zahlen, und uamr.de nennt hierzu keine Beträge.
FAQ
Wem gehört Braun heute? Die Marke Braun gehört seit 2005 dem US-Konzern Procter & Gamble, der sie mit der Übernahme von Gillette erworben hat. Haushaltsgeräte unter dem Namen Braun stammen von De’Longhi, das seit 2012 eine unbefristete Lizenz besitzt.
Ist Braun noch ein deutsches Unternehmen? Die Marke ist deutschen Ursprungs und wird weiterhin in Kronberg im Taunus betreut, Rasierer und Epilierer entstehen im Werk Walldürn. Der Eigentümer ist jedoch seit 1967 amerikanisch: erst Gillette, seit 2005 Procter & Gamble.
Hat Braun etwas mit B. Braun Melsungen zu tun? Nein. B. Braun ist ein eigenständiger Medizintechnikkonzern in Familienbesitz mit Sitz in Melsungen und hat mit der Elektrogerätemarke Braun aus Kronberg nichts gemein.
Will Procter & Gamble Braun verkaufen? 2014 prüfte P&G im Zuge einer großen Portfoliobereinigung auch einen Verkauf von Braun, behielt die Marke aber. Beim Konzernumbau 2025 wurde Braun nicht als Verkaufskandidat genannt, und mit der Rasierergeneration NEVO investiert P&G 2026 weiter in die Marke.
Wer stellt Braun-Küchengeräte her? Stabmixer, Küchenmaschinen, Kaffeemaschinen und Bügeleisen der Marke Braun kommen von der De’Longhi-Gruppe, in Deutschland über die De’Longhi Braun Household GmbH in Neu-Isenburg. P&G bleibt Markeninhaber und erhält Lizenzzahlungen.
Welche Rolle spielte Dieter Rams? Dieter Rams kam 1955 zu Braun und leitete ab 1961 die Gestaltungsabteilung. Seine Entwürfe und sein Grundsatz „Weniger, aber besser“ machten Braun zum Synonym für funktionales Industriedesign.
Fazit
Braun ist heute ein Markenname mit mehreren Vätern: Eigentümer ist seit 2005 Procter & Gamble, das Rasierer, Trimmer und Epilierer selbst entwickelt und in Walldürn fertigt; Küchen- und Haushaltsgeräte kommen von De’Longhi, weitere Bereiche von Lizenzpartnern. Die Gründerfamilie ist seit 1967 nicht mehr beteiligt. Für 2025 und 2026 sind keine Eigentümerwechsel bekannt; mit der Neuvorstellung NEVO im Juli 2026 signalisiert P&G vielmehr, die Marke im Premiumsegment weiter auszubauen.
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