Wem gehört die Antarktis? Souveränität, Vertrag und Gebietsansprüche

Wem gehört Antarktis

Die Antarktis gehört niemandem – und zugleich beanspruchen sieben Staaten Teile des Kontinents für sich. Möglich macht diesen Widerspruch der Antarktisvertrag von 1959, der alle Gebietsansprüche einfriert, den Kontinent südlich des 60. Breitengrads der friedlichen Nutzung und der Forschung vorbehält und Rohstoffabbau untersagt. Stand September 2026 gehören dem Vertrag laut Auswärtigem Amt 58 Staaten an, von denen 29 als Konsultativstaaten mitentscheiden. Klimawandel, Tourismus und geopolitische Rivalitäten setzen das Vertragssystem zunehmend unter Druck.

Key Takeaways

  • Kein Staat besitzt die Antarktis; der Antarktisvertrag vom 1. Dezember 1959 friert alle Gebietsansprüche in Artikel IV ein.
  • Der Vertrag trat am 23. Juni 1961 in Kraft und zählt laut Auswärtigem Amt 58 Vertragsstaaten, darunter 29 stimmberechtigte Konsultativstaaten.
  • Sieben Staaten erheben Gebietsansprüche: Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Neuseeland, Norwegen und das Vereinigte Königreich.
  • Das Madrider Umweltschutzprotokoll von 1991 ist seit 1998 in Kraft und verbietet jeglichen Bergbau; eine Überprüfung ist frühestens 2048 möglich.
  • Der Kontinent umfasst laut Wikipedia rund 14 Millionen Quadratkilometer und hat keine Zivilbevölkerung, nur etwa 4.000 Forschende im Sommer und 1.000 im Winter.
  • Laut IAATO besuchten in der Saison 2024/25 insgesamt 118.491 Touristen die Antarktis, fünf Prozent weniger als im Vorjahr.
  • Das 48. Konsultativtreffen tagte im Mai 2026 in Hiroshima, während US-Budgetkürzungen und Chinas Ausbau auf fünf Stationen die Machtbalance verschieben.
NameAntarktis (Antarktika)
Flächerund 14 Millionen Quadratkilometer, fast 40-mal so groß wie Deutschland
Bevölkerungkeine dauerhafte Zivilbevölkerung; rund 82 Forschungsstationen, davon 37 ganzjährig besetzt
RechtsgrundlageAntarktisvertrag, unterzeichnet am 1. Dezember 1959 in Washington, in Kraft seit 23. Juni 1961
Vertragsstaaten58 Staaten, davon 29 Konsultativstaaten mit Stimmrecht (Stand Auswärtiges Amt 2025)
Gebietsansprüche7 Staaten: Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Neuseeland, Norwegen, Vereinigtes Königreich
UmweltschutzMadrider Protokoll 1991, in Kraft seit 14. Januar 1998, Bergbauverbot
SekretariatBuenos Aires, Argentinien (seit September 2004)

Geschichte: Vom Wettlauf um Sektoren zum Vertrag von 1959

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts steckten sieben Staaten kuchenstückartige Sektoren ab, die vom Südpol bis zum 60. Breitengrad reichen. Bis 1946 blieb nur der Sektor zwischen 90 und 150 Grad West unbeansprucht. Die Ansprüche Argentiniens, Chiles und Großbritanniens überlappen sich auf der Antarktischen Halbinsel, was die Rivalen bis heute gegenseitig nicht anerkennen.

Den Ausweg brachte die Wissenschaft. Während des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 betrieben Forscher laut Wikipedia rund 40 Stationen auf dem Festland und 20 auf den Inseln. Auf dieser Kooperation baute der Antarktisvertrag auf, den zwölf Staaten am 1. Dezember 1959 in Washington unterzeichneten – darunter die USA, die Sowjetunion und alle sieben Anspruchsstaaten. Am 23. Juni 1961 trat er in Kraft. Die Bundesrepublik Deutschland folgte 1979 und besitzt heute Konsultativstatus.

Wem gehört die Antarktis heute?

Die juristisch korrekte Antwort lautet: niemandem. Artikel IV des Antarktisvertrags legt fest, dass bestehende Ansprüche weder anerkannt noch bestritten werden und keine neuen Ansprüche erhoben werden dürfen, solange der Vertrag gilt. Die sieben Anspruchsstaaten halten an ihren Sektoren fest – Argentinien beziffert seine „Antártida Argentina“ laut Wikipedia auf 1.231.064 Quadratkilometer –, international durchsetzen können sie diese Ansprüche jedoch nicht. Die USA und Russland erkennen die Sektoren nicht an, behalten sich aber ausdrücklich eigene Ansprüche vor.

Praktisch wird der Kontinent von den Konsultativstaaten gemeinsam verwaltet. Nur sie entscheiden bei den jährlichen Antarktis-Konsultativtreffen (ATCM) mit Stimmrecht, und jeder Beschluss braucht Konsens. Laut Auswärtigem Amt sind das derzeit 29 der 58 Vertragsstaaten. Konsultativstatus erhält nur, wer substanzielle Forschung betreibt – Deutschland etwa mit der seit 2009 laufenden Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts.

Das Antarktische Vertragssystem: Regeln, Protokolle und Sekretariat

Der Vertrag verbietet militärische Übungen und Atomwaffentests und garantiert Forschungsfreiheit sowie Inspektionsrechte. Das Umweltschutzprotokoll, 1991 in Madrid unterzeichnet und seit dem 14. Januar 1998 in Kraft, untersagt jeglichen Rohstoffabbau. Eine Überprüfung ist frühestens 50 Jahre nach Inkrafttreten möglich, also 2048 – das Verbot „läuft“ also nicht automatisch aus.

Seit September 2004 unterstützt ein ständiges Sekretariat in Buenos Aires die Vertragsstaaten. Laut Wikipedia haben die Konsultativtreffen mehr als 200 Empfehlungen und Maßnahmen verabschiedet; laut Auswärtigem Amt gehören zum Vertragssystem zudem vier Zusatzverträge.

Zahlen zu Fläche, Bevölkerung und Tourismus

Mit rund 14 Millionen Quadratkilometern ist die Antarktis laut Wikipedia fast 40-mal so groß wie Deutschland; nur etwa 280.000 Quadratkilometer sind eisfrei. Das bis zu 4.500 Meter dicke Eis birgt rund 70 Prozent der weltweiten Süßwasserreserven. Eine Zivilbevölkerung gibt es nicht: Im Südsommer halten sich etwa 4.000 Menschen auf den rund 82 Forschungsstationen auf, im Winter etwa 1.000.

Deutlich mehr Menschen kommen als Touristen. Laut dem Branchenverband IAATO reisten in der Saison 2024/25 insgesamt 118.491 Besucher in die Antarktis, nach 122.072 in der Saison 2023/24 – ein Rückgang um fünf Prozent, aber erneut mehr als 100.000 Gäste. 98 Prozent der Reisen konzentrieren sich auf die Antarktische Halbinsel.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Das 47. Konsultativtreffen fand vom 23. Juni bis 3. Juli 2025 in Mailand statt, das 48. vom 11. bis 21. Mai 2026 in Hiroshima. Laut japanischem Außenministerium nahmen dort über 400 Vertreter aus 44 Ländern teil; sie wiesen zwei neue Schutzgebiete aus und einigten sich auf Maßnahmen für den Kaiserpinguin, dessen Lebensraum durch schwindendes Meereis bedroht ist. Die Umweltkoalition ASOC kritisierte, dass der Status als „besonders geschützte Art“ an einer kleinen Minderheit von Staaten scheiterte und ein verbindliches Regelwerk für den Tourismus weiter fehlt.

Laut dem National Snow and Ice Data Center erreichte das antarktische Meereis am 1. März 2025 mit 1,98 Millionen Quadratkilometern das zweitniedrigste Minimum seit Beginn der Satellitenmessungen; der Rekord von 2023 lag bei rund 1,79 Millionen Quadratkilometern. Gleichzeitig verschiebt sich das geopolitische Gewicht: Wie ABC News im August 2025 berichtete, sieht der US-Haushaltsentwurf für 2026 eine Kürzung des NSF-Budgets um 55 Prozent vor, und der Pachtvertrag für den Forschungseisbrecher Nathaniel B. Palmer wurde beendet. China betreibt fünf Stationen, plant eine sechste und hat die USA bei der Zahl antarktischer Fachpublikationen erstmals überholt; Russland modernisiert Stationen und baut eine Landebahn.

FAQ

Wem gehört die Antarktis rechtlich?
Keinem Staat. Der Antarktisvertrag friert alle Gebietsansprüche ein und verbietet neue; der Kontinent wird von den Konsultativstaaten gemeinsam verwaltet.

Welche Länder beanspruchen Teile der Antarktis?
Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Neuseeland, Norwegen und das Vereinigte Königreich. Drei dieser Ansprüche überschneiden sich.

Wie viele Staaten sind dem Antarktisvertrag beigetreten?
Laut Auswärtigem Amt 58 Staaten, davon 29 Konsultativstaaten mit Stimmrecht. Deutschland ist seit 1979 Mitglied.

Darf in der Antarktis nach Rohstoffen gebohrt werden?
Nein. Das Madrider Umweltschutzprotokoll verbietet seit 1998 jeglichen Bergbau; eine Überprüfung ist frühestens 2048 möglich.

Wie viele Menschen leben in der Antarktis?
Es gibt keine Zivilbevölkerung. Im Sommer arbeiten rund 4.000 Menschen auf Forschungsstationen, im Winter etwa 1.000.

Wo tagte das letzte Antarktis-Konsultativtreffen?
Das 47. Treffen fand 2025 in Mailand statt, das 48. im Mai 2026 in Hiroshima.

Fazit

Die Antarktis ist das seltene Beispiel eines Kontinents, der keinem Staat gehört und dennoch seit über 60 Jahren stabil verwaltet wird. Der Antarktisvertrag hat die Sektorenansprüche eingefroren, ohne sie zu lösen, und mit dem Madrider Protokoll den Rohstoffabbau bis mindestens 2048 ausgeschlossen.

Ob es die kommenden Jahrzehnte überdauert, ist offen. Schwindendes Meereis, mehr als 100.000 Touristen pro Saison und die wachsende Präsenz Chinas und Russlands bei gleichzeitigen US-Kürzungen verändern die Kräfteverhältnisse. Der Konsenszwang, der das System bislang schützte, könnte zur Bremse werden, wenn Schutzmaßnahmen an einzelnen Staaten scheitern – wie 2026 beim Kaiserpinguin.