
Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der deutsche Windenergiemarkt so kräftig wie selten zuvor – und verfehlt trotzdem sein gesetzliches Ausbauziel für das laufende Jahr. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich nicht mit fehlenden Turbinen erklären, sondern mit einem Netz, das mit dem Zubau nicht Schritt hält.
Ein starkes Halbjahr, ein verfehltes Ziel
Onshore wurden zwischen Januar und Juni 2026 laut Bundesverband WindEnergie und VDMA Power Systems 2.363 Megawatt neu installiert, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Offshore kam nach Branchenangaben sogar ein regelrechtes Comeback hinzu: 1.077 Megawatt aus 84 Turbinen speisten erstmals seit über einem Jahr wieder in nennenswertem Umfang neu ins Netz ein, größtenteils aus den weit fortgeschrittenen Windparks Borkum Riffgrund 3 und EnBW He Dreiht – ein deutlicher Kontrast zum ersten Halbjahr 2025, in dem praktisch keine Offshore-Anlage neu ans Netz ging. Insgesamt standen zum 30. Juni 2026 rund 70 Gigawatt Windkraft an Land in Betrieb. Das gesetzlich vorgesehene Ziel für Ende 2026 liegt bei 84 Gigawatt. Schon Ende 2025 hatte die installierte Onshore-Leistung laut Bundesnetzagentur mit 68,1 Gigawatt deutlich hinter dem für dieses Zwischenjahr veranschlagten Ausbaupfad gelegen.
Woran es hakt, ist unter Branchenkennern längst kein Geheimnis mehr: Es sind nicht die Turbinen, sondern die Netzanschlüsse. Ganze Regionen bauen mehr Erzeugungskapazität, als ihr lokales Netz derzeit aufnehmen kann.
Was ein Netzengpass für Investoren konkret bedeutet
Die von der Bundesregierung im Sommer 2026 auf den Weg gebrachte Reform aus EEG-Novelle und Netzanschlusspaket verschärft diese Frage zusätzlich. In sogenannten Engpassgebieten – Regionen, in denen mehr als fünf Prozent der im Vorjahr erzeugten Strommenge nicht ins Netz eingespeist werden konnte – erhalten neue Erneuerbaren-Projekte künftig nur noch dann einen sofortigen Netzanschluss, wenn sie für bis zu sechs Jahre auf eine Entschädigung für abgeregelten Strom verzichten. Clean Energy Wire ordnet das als deutliche Abschwächung gegenüber dem ursprünglichen Entwurf ein, der noch eine Drei-Prozent-Schwelle und einen zehnjährigen Verzicht vorsah. BWE und VDMA kritisieren den vom Bundeskabinett bereits verabschiedeten Entwurf dennoch scharf und fordern Nachbesserungen im weiteren parlamentarischen Verfahren, insbesondere einen schnelleren Verteilnetzausbau.
Für Projektentwickler bedeutet das im Kern: Eine Turbine, die für maximale Spitzenleistung ausgelegt ist, überschreitet an einem kapazitätsbeschränkten Netzknoten regelmäßig dessen Aufnahmefähigkeit – mit der Folge, dass ein Teil der erzeugten Energie ungenutzt bliebe oder künftig ohne Entschädigung abgeregelt werden müsste.
Grundlastoptimierte Turbinen als Antwort auf das Netzproblem
Genau an diesem Punkt setzt die Beteiligung von DN Group AG an der WindWise GmbH an. Am 24. März 2026 erwarb CEO Ole Nixdorff im Rahmen einer Kapitalerhöhung 20 Prozent an dem Unternehmen, das mit seiner patentierten maxcap-Technologie einen anderen technischen Ansatz verfolgt als konventionelle Anlagen. Statt auf maximale Erzeugung bei Starkwind zu optimieren, halten maxcap-Turbinen ihre Leistung über ein breiteres Spektrum von Windgeschwindigkeiten konstant und erreichen dabei über 4.000 Volllaststunden pro Jahr. Zum Vergleich: Deutsche Onshore-Windanlagen kamen 2025 im Schnitt auf 1.759 Volllaststunden, wie eine Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigt.
Der Unterschied lässt sich an einem einfachen Beispiel greifbar machen: Eine 5-Megawatt-Turbine an einem Netzknoten, der nur 2 Megawatt aufnehmen kann, würde ihre überschüssige Erzeugung verschwenden und unter der neuen Regelung Entschädigungsverluste riskieren. Eine grundlastoptimierte Turbine am selben Standort erzeugt dagegen konstant innerhalb des 2-Megawatt-Limits und erwirtschaftet rund um die Uhr Erlöse, ohne die Netzkapazität je zu überschreiten. Die eine Technologie kämpft gegen das Netz, die andere arbeitet mit ihm.
„Wir investieren nur in Unternehmen, bei denen klar erkennbar ist, dass sie zum ökologischen oder sozialen Fortschritt beitragen“, erklärt Nixdorff. WindWise plant bis 2030 mehr als 100 Turbineninstallationen an dezentralen Standorten, an denen konventionelle Windparks bislang keinen wirtschaftlich tragfähigen Netzzugang erhalten – Standorte, die viele andere Investoren aufgrund ihrer Netzbeschränkung meiden, weil sich die Rechnung mit Standardturbinen schlicht nicht ausgeht. „Wir wählen sehr bewusst und mit Bedacht die Unternehmen aus, an denen wir uns beteiligen, damit wir Impact und Rendite möglichst optimal miteinander verbinden können“, fasst Nixdorff die Logik hinter der Beteiligung zusammen.
Ob sich der Zubaupfad bis Jahresende beschleunigt oder die Lücke zum 84-Gigawatt-Ziel bestehen bleibt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell Netzausbau und Reformverfahren vorankommen. An dieser Stelle setzt DN Group AG mit ihrer Beteiligung an WindWise an: nicht auf einen saubereren Netzausbau zu warten, sondern Standorte wirtschaftlich zu erschließen, die genau wegen der bestehenden Engpässe bislang unbebaut geblieben sind.
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