Eine MorphoSys-Dividende gibt es nicht mehr – und hat es auch nie gegeben. Das Biotechunternehmen aus Planegg bei München wurde 2024 vom Schweizer Pharmakonzern Novartis für 68,00 Euro je Aktie übernommen; im Oktober 2024 folgten Squeeze-out und Verschmelzung auf die Novartis BidCo Germany AG, womit die MorphoSys AG als eigenständige Gesellschaft erloschen ist. Die ehemaligen Aktionäre haben die Barabfindung von 68,00 Euro je Aktie erhalten; ob dieser Betrag angemessen war, prüft das Landgericht München I in einem Spruchverfahren, dessen mündliche Verhandlung für den 29. Oktober 2026 angesetzt ist. Stand der Angaben: September 2026.
Key Takeaways
- MorphoSys hat in seiner gesamten Börsengeschichte seit 1999 keine Dividende gezahlt; alle Gewinne beziehungsweise Verluste wurden vorgetragen.
- Novartis-Übernahmeangebot 2024: 68,00 Euro je Aktie in bar, Gesamtwert rund 2,7 Milliarden Euro, Annahmequote rund 91,04 Prozent bei Vollzug Ende Mai 2024.
- Delisting von der Frankfurter Börse und der Nasdaq im dritten Quartal 2024.
- Die Hauptversammlung vom 27. August 2024 beschloss den verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out zu 68,00 Euro je Aktie; wirksam mit Eintragung der Verschmelzung am 15. Oktober 2024.
- Spruchverfahren beim Landgericht München I (Az. 5 HK O 179/25) mit 26 Antragstellern; Verhandlungstermin 29. Oktober 2026.
- Nachfolge-Aktie ist Novartis (CHF-Dividende, zuletzt 3,70 CHF je Aktie für 2025).
Dividende im Überblick
| Unternehmen | MorphoSys AG, Planegg (erloschen, verschmolzen auf Novartis BidCo Germany AG) |
| ISIN | DE0006632003 (ehemalige Aktie, nicht mehr handelbar) |
| Dividende GJ 2025 (Zahlung 2026) | Keine – Gesellschaft existiert nicht mehr |
| Vorjahr (GJ 2024) | Keine |
| Hauptversammlung 2026 | Keine; letzte Hauptversammlung am 27. August 2024 (Squeeze-out-Beschluss) |
| Zahltag | entfällt; Barabfindung 68,00 Euro je Aktie nach dem 15. Oktober 2024 |
| Ausschüttungspolitik | Nie eine Dividende gezahlt; Forschungsunternehmen mit Verlusten |
| Quelle | Bekanntmachungen zum Squeeze-out und Spruchverfahren (spruchverfahren.blogspot.com), Novartis-Mitteilungen 2024 |
Was ist passiert: Die Übernahme durch Novartis
MorphoSys war jahrzehntelang eines der bekanntesten deutschen Biotechunternehmen, zeitweise im MDAX und TecDAX. Nach dem teuren Kauf der US-Firma Constellation Pharmaceuticals 2021 und enttäuschenden Umsätzen mit dem Lymphom-Medikament Monjuvi (Tafasitamab) geriet die Aktie unter Druck. Am 5. Februar 2024 kündigte Novartis ein Übernahmeangebot über 68,00 Euro je Aktie in bar an, was das Unternehmen mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertete. Im Zentrum stand der Wirkstoff Pelabresib gegen Myelofibrose. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützten das Angebot; bei Vollzug am 30. Mai 2024 hielt Novartis rund 91,04 Prozent der Aktien.
Damit war die Schwelle von 90 Prozent überschritten, die für einen verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out nach Paragraf 62 Umwandlungsgesetz erforderlich ist. Die ordentliche Hauptversammlung am 27. August 2024 – die letzte in der Geschichte von MorphoSys – beschloss die Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre auf die Novartis BidCo Germany AG gegen eine Barabfindung von 68,00 Euro je Aktie. Der Übertragungsbeschluss wurde am 14. Oktober 2024 in das Handelsregister von MorphoSys eingetragen, die Verschmelzung am 15. Oktober 2024 in das Register der aufnehmenden Gesellschaft. Mit diesem Tag gingen alle verbliebenen Aktien auf Novartis über, die MorphoSys AG erlosch. Bereits im dritten Quartal 2024 waren die Aktien von der Frankfurter Börse und die American Depositary Shares von der Nasdaq genommen worden; der letzte Nasdaq-Handelstag war Anfang August 2024.
Dividendenhistorie MorphoSys (2020–2026)
MorphoSys hat seit dem Börsengang 1999 nie eine Dividende ausgeschüttet. Als forschendes Biotechunternehmen investierte es Lizenzerlöse und Kapitalerhöhungen in die eigene Pipeline und schrieb in den meisten Jahren Verluste. Die Tabelle dient nur der Vollständigkeit.
| Geschäftsjahr | Dividende je Aktie | Veränderung |
| 2020 | 0,00 Euro | – |
| 2021 | 0,00 Euro | – |
| 2022 | 0,00 Euro | – |
| 2023 | 0,00 Euro | – |
| 2024 | Squeeze-out: Barabfindung 68,00 Euro je Aktie | – |
| 2025/2026 | Gesellschaft erloschen | – |
Was das für Aktionäre bedeutet
Wer das Angebot angenommen hat, erhielt 68,00 Euro je Aktie im Frühjahr 2024. Wer nicht angedient hat, bekam denselben Betrag als Barabfindung nach dem Wirksamwerden des Squeeze-outs im Oktober 2024, automatisch über die Depotbank. Die Abfindung ist ab dem Squeeze-out-Beschluss gesetzlich mit fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz zu verzinsen. Steuerlich gilt sowohl die Annahme des Angebots als auch die Abfindung als Veräußerung der Aktien: Ein Gewinn gegenüber dem Einstandskurs unterliegt der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, ein Verlust – für viele Anleger, die zu Kursen von über 100 Euro gekauft hatten, der Regelfall – kann mit Aktiengewinnen verrechnet werden.
Offen ist noch die Höhe: 26 ehemalige Aktionäre haben beim Landgericht München I ein Spruchverfahren (Az. 5 HK O 179/25) eingeleitet, um die Angemessenheit der 68,00 Euro überprüfen zu lassen; erster Antragseingang war laut Verfahrensberichten der 6. Februar 2025, die mündliche Verhandlung ist auf den 29. Oktober 2026 terminiert. Setzt das Gericht eine höhere Abfindung fest, profitieren davon alle ausgeschiedenen Aktionäre, die die Abfindung erhalten haben – nicht nur die Antragsteller. Eine Nachzahlung würde ebenfalls verzinst und über die damalige Depotbank abgewickelt. Ein Ergebnis ist im September 2026 noch nicht absehbar; solche Verfahren dauern häufig mehrere Jahre.
Nachfolge-Aktie: Novartis und ihre Dividende
Eine Umtauschmöglichkeit in Novartis-Aktien gab es nicht, das Angebot war ein reines Barangebot. Wer nach der Übernahme im Pharmasektor investiert bleiben will, landet aber naturgemäß bei Novartis (ISIN CH0012005267), in deren Onkologie-Pipeline das ehemalige MorphoSys-Programm Pelabresib aufgegangen ist. Novartis zahlt eine jährliche Dividende in Schweizer Franken: Laut Dividendenübersicht auf aktien.guide waren es 3,50 CHF für 2024 (Zahlung März 2025) und 3,70 CHF für 2025 (Zahlung 12. März 2026); das Unternehmen hat die Dividende seit 25 Jahren jedes Jahr erhöht. Für deutsche Anleger gilt dabei die Schweizer Verrechnungssteuer von 35 Prozent, von der 15 Prozentpunkte auf die Abgeltungsteuer angerechnet und 20 Prozentpunkte bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung zurückgefordert werden können.
Ausblick 2027
Für MorphoSys selbst gibt es keinen Ausblick mehr. Relevant bleibt für Altaktionäre allein das Spruchverfahren: Nach der Verhandlung im Oktober 2026 könnte das Landgericht München I 2027 entscheiden oder einen Sachverständigen bestellen, was das Verfahren verlängern würde. Die Novartis-Dividende für 2026 wird voraussichtlich im Februar 2027 vorgeschlagen und im März 2027 nach der Generalversammlung gezahlt; eine Prognose dazu hat Novartis nicht veröffentlicht.
FAQ
Zahlt MorphoSys 2026 eine Dividende? Nein. Die MorphoSys AG ist seit dem 15. Oktober 2024 auf die Novartis BidCo Germany AG verschmolzen und existiert nicht mehr. Eine Dividende hat sie auch vorher nie gezahlt.
Wie viel haben Aktionäre bei der Übernahme erhalten? 68,00 Euro je Aktie in bar – sowohl im Übernahmeangebot 2024 als auch als Barabfindung im Squeeze-out.
Kann die Abfindung noch steigen? Ja, falls das Landgericht München I im Spruchverfahren 5 HK O 179/25 eine höhere Abfindung festsetzt. Die Verhandlung ist für den 29. Oktober 2026 angesetzt; eine Nachbesserung käme allen abgefundenen Aktionären zugute.
Gab es Novartis-Aktien im Tausch? Nein, das Angebot war ein reines Barangebot. Wer Novartis-Aktien halten will, muss sie separat kaufen.
Wie wird die Abfindung besteuert? Wie ein Aktienverkauf: Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer, Verluste können mit Aktiengewinnen verrechnet werden.
Fazit
MorphoSys war nie eine Dividendenaktie und ist seit Oktober 2024 keine Aktie mehr: Novartis hat das Unternehmen für 68,00 Euro je Aktie übernommen, die Minderheitsaktionäre per Squeeze-out abgefunden und die Gesellschaft verschmolzen. Für ehemalige Anleger bleibt nur das laufende Spruchverfahren als mögliche Quelle einer Nachbesserung. Wer den Pharmasektor mit Dividende im Depot behalten will, findet bei der Nachfolgerin Novartis eine seit Jahrzehnten steigende Ausschüttung in Franken. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.
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