
Leonhard Weiss zählt zu den größten Bauunternehmen Deutschlands – und gehört nach 125 Jahren noch immer vollständig den Nachfahren des Gründers. Die Leonhard Weiss GmbH & Co. KG mit Hauptsitzen in Satteldorf und Göppingen wird von drei Familienstämmen getragen, die aus der Gründerfamilie Weiß und der Familie Schmidt hervorgegangen sind. Mit rund 8.200 Beschäftigten und einer Bauleistung von 2,8 Mrd. Euro im Jahr 2025 ist das Unternehmen im Straßen- und Netzbau, Gleisinfrastrukturbau sowie Ingenieur- und Schlüsselfertigbau aktiv.
Key Takeaways
- Leonhard Weiss ist ein reines Familienunternehmen: Die Anteile liegen bei drei Familienstämmen, die auf Gründer Leonhard Weiß (1880–1938) zurückgehen.
- Gegründet 1900 in Göppingen als Gleisbaubetrieb; der zweite Standort Crailsheim entstand 1938 und zog 2001 nach Satteldorf.
- Drei Gesellschafter sitzen heute in der Geschäftsführung: Ralf Schmidt, Stefan Schmidt-Weiss und Alexander Weiss; Vorsitzender ist seit 2021 Marcus Herwarth.
- Ein Beirat mit Familien- und externen Mitgliedern entscheidet über Strategie, Besetzung der Geschäftsführung und größere Investitionen.
- Die Bauleistung stieg von rund 1,7 Mrd. Euro (2020) auf über 2,5 Mrd. Euro (2024) und 2,8 Mrd. Euro (2025).
- 2025 feierte die Gruppe ihr 125-jähriges Bestehen; 2026 folgte erstmals eine EcoVadis-Goldmedaille.
| Name | Leonhard Weiss GmbH & Co. KG (Kurzform LW) |
|---|---|
| Gegründet | 1900 in Göppingen durch den Bauingenieur Leonhard Weiß |
| Sitz | Satteldorf (Landkreis Schwäbisch Hall) und Göppingen, Baden-Württemberg |
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Branche | Bauwirtschaft: Straßen- und Netzbau, Gleisinfrastrukturbau, Ingenieur- und Schlüsselfertigbau |
| Eigentümer | Drei Familienstämme der Gründerfamilie (Gesellschafter mit den Namen Weiss, Schmidt und Schmidt-Weiss); keine externen Investoren |
| Umsatz/Mitarbeiter | Bauleistung 2,8 Mrd. Euro (2025); rund 8.200 Beschäftigte, über 30 Standorte und zehn Tochterunternehmen in Deutschland |
| Vermögensbasis | Operatives Baugeschäft, Rohstoffbeteiligungen (Kies, Asphalt, Beton), Maschinenpark, Betriebsimmobilien und Auslandstöchter |
Geschichte und Herkunft
Der Ursprung von Leonhard Weiss liegt im Gleisbau. Im Jahr 1900 erhielt der damals 20-jährige Bauingenieur Leonhard Weiß den Auftrag, einen rund zehn Kilometer langen Abschnitt der Härtsfeldbahn zwischen Aalen und Ballmertshofen zu bauen. Die erste Firmenzentrale war eine Mietwohnung in Göppingen; 1921 kaufte Weiß dort ein Gelände an der Fabrikstraße, bis heute der Kern des Göppinger Standorts.
Ende der 1920er Jahre eröffnete der Gründer in Crailsheim eine Niederlassung, um Nordostwürttemberg und Bayern zu erschließen. 1938 starb Leonhard Weiß. Seine Witwe Ottilie Weiss, Sohn Walter Weiss und Schwiegersohn Werner Schmidt senior führten das Unternehmen weiter – damit war die zweite Familie im Unternehmen verankert.
Über Jahrzehnte entwickelten sich Göppingen unter Walter Weiss und Crailsheim unter Werner Schmidt senior weitgehend getrennt; Mitte der 1960er Jahre stiegen die Enkel Ulrich Weiss und Werner Schmidt-Weiss ein. Erst 1998 wurden beide Standorte zu einem Unternehmen mit gemeinsamen Divisionen verschmolzen; 2001 zog der Crailsheimer Sitz ins benachbarte Satteldorf. 2015 überschritt die Gruppe erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro.
Eigentümerstruktur im Detail

Leonhard Weiss befindet sich vollständig in Familienbesitz. Die Anteile an der Leonhard Weiss GmbH & Co. KG verteilen sich auf drei Familienstämme, die alle auf den Gründer zurückgehen – über Sohn Walter Weiss und über Schwiegersohn Werner Schmidt senior. In der heutigen Gesellschafterriege finden sich entsprechend die Namen Weiss, Schmidt und Schmidt-Weiss. Bereits 2011 berichtete das Magazin „Wir“ von acht Gesellschaftern aus diesen drei Stämmen, darunter Gründerenkel Werner Schmidt-Weiss. Eine prozentuale Verteilung der Anteile veröffentlicht das Unternehmen nicht; externe Investoren oder Fonds sind nicht beteiligt.
Bis 1997 führten ausschließlich Mitglieder der Familien Weiss und Schmidt das Unternehmen. Mit der Fusion 1998 wurden erstmals drei familienfremde Geschäftsführer bestellt, darunter Dieter Straub und Volker Krauß, die später beide den Vorsitz übernahmen. Werner Schmidt-Weiss wurde damals Vorsitzender, Ulrich Weiss sein Stellvertreter. Heute sind drei Gesellschafter zugleich Geschäftsführer: Ralf Schmidt (Technologie), Stefan Schmidt-Weiss (Ressourcen und Beteiligungen) und Alexander Weiss (Personal und Kommunikation). Ulrich Weiss ist weiterhin als Gesellschafter aktiv und trat 2025 bei der Grundsteinlegung in Göppingen als Redner auf.
Über der Geschäftsführung steht ein Beirat, der die Interessen der Stämme ausgleicht. Nach Angaben von Werner Schmidt-Weiss gegenüber dem Magazin „Wir“ besteht er aus fünf Mitgliedern – zwei aus der Familie, drei familienfremde –, entscheidet mit Zweidrittelmehrheit und ist zuständig für Strategie, Personalentscheidungen auf Geschäftsführungsebene und Investitionen oberhalb einer festgelegten Schwelle. Familienmitglieder können nur mit Zustimmung des Beirats in die Geschäftsführung einrücken – das gilt ausdrücklich auch für die Kinder der Gesellschafter. Schmidt-Weiss nannte das Gremium „eine neutrale Instanz“.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Das Jahr 2025 stand im Zeichen des 125-jährigen Jubiläums. Für 2024 meldete die Gruppe eine Bauleistung von über 2,5 Mrd. Euro und rund 7.700 Beschäftigte. Zu den Referenzprojekten zählen der Wiederaufbau im Ahrtal seit 2023 und die Ende 2024 abgeschlossene Generalsanierung der Riedbahn, der damals größten Gleisbaustelle Deutschlands. Im Mai 2025 legte das Unternehmen in Göppingen den Grundstein für einen neuen Verwaltungsflügel („Y-Flügel“) und feierte die Fertigstellung eines Parkhauses sowie einer neuen Schalungshalle – zusammen ein Investitionsvolumen von 44 Mio. Euro.
Für das Geschäftsjahr 2025 weist Leonhard Weiss eine Bauleistung von 2,8 Mrd. Euro und rund 8.200 Mitarbeitende aus. 2026 erhielt die Gruppe die „Great Place To Work“-Zertifizierung, startete im Juli die Korridorsanierung der rechten Rheinstrecke und begrüßte im September 204 neue Auszubildende und dual Studierende. Im Oktober 2026 folgte erstmals eine Goldmedaille im EcoVadis-Nachhaltigkeitsrating mit 82 von 100 Punkten. Vorsitzender der Geschäftsführung ist weiterhin Marcus Herwarth, sein Stellvertreter Christian Ott.
Geschäftsfelder und Kennzahlen
Leonhard Weiss gliedert sich in drei operative Geschäftsbereiche. Der Straßen- und Netzbau umfasst Tiefbau, Freileitungs- und Netzbau sowie Bauwerksinstandsetzung. Der Gleisinfrastrukturbau – das Gründungsgeschäft – übernimmt Großprojekte wie die Riedbahn oder die Stuttgart-21-Baustellen in Bad Cannstatt. Der Ingenieur- und Schlüsselfertigbau steht für Brücken, Tunnel, Holzhybridbau und Generalunternehmerprojekte wie die 2026 begonnene Zentralklinik Ostfriesische Meere. Dazu kommen Beteiligungen in den Bereichen Kies, Asphalt und Beton.
Die Kennzahlen zeigen ein kontinuierliches Wachstum: 1998 lag der Umsatz nach Unternehmensangaben bei rund 300 Mio. Euro, 2011 bei 670 Mio. Euro mit 3.100 Beschäftigten. 2020 erreichte die Bauleistung 1,7 Mrd. Euro bei 6.024 Mitarbeitenden, 2024 über 2,5 Mrd. Euro und 2025 schließlich 2,8 Mrd. Euro mit rund 8.200 Beschäftigten. Neben den über 30 deutschen Standorten ist die Gruppe in Skandinavien, im Baltikum sowie in Mittel- und Osteuropa vertreten. Gewinnzahlen veröffentlicht die Familiengesellschaft nicht.
FAQ
Wem gehört Leonhard Weiss? Das Unternehmen gehört vollständig den Nachfahren des Gründers Leonhard Weiß. Die Anteile verteilen sich auf drei Familienstämme; externe Investoren gibt es nicht.
Ist Leonhard Weiss börsennotiert? Nein. Die Leonhard Weiss GmbH & Co. KG ist eine Personengesellschaft in Familienhand und nicht an der Börse gelistet.
Wer führt Leonhard Weiss heute? Vorsitzender der Geschäftsführung ist seit September 2021 Marcus Herwarth, Stellvertreter Christian Ott. Drei Gesellschafter sitzen in der Geschäftsführung, dazu Robert Kreß und Steffen Schönfeld.
Wie groß ist Leonhard Weiss? Für 2025 meldet die Gruppe eine Bauleistung von 2,8 Mrd. Euro und rund 8.200 Beschäftigte an über 30 Standorten in Deutschland.
Welche Rolle spielt der Beirat bei Leonhard Weiss? Der Beirat mit Familien- und externen Mitgliedern entscheidet über Strategie, größere Investitionen und die Besetzung der Geschäftsführung. Familienmitglieder können nur mit seiner Zustimmung in die Führung aufrücken.
Fazit
Leonhard Weiss ist ein seltenes Beispiel für einen Milliardenkonzern, der nach 125 Jahren komplett in Familienhand liegt. Drei Stämme der Gründerfamilie halten die Anteile, ein Beirat trennt Familie und Management, und die Führung teilen sich Gesellschafter und externe Manager. Mit einer Bauleistung von 2,8 Mrd. Euro und rund 8.200 Beschäftigten hat das Unternehmen aus Satteldorf und Göppingen 2025 und 2026 seine Position unter den größten deutschen Bauunternehmen ausgebaut – ohne Börse, ohne Investoren und mit einer Nachfolgeregelung, die die vierte Generation bereits in Verantwortung gebracht hat.
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