Kurze Antwort: Der Sportwagenhersteller gehört mehrheitlich der Volkswagen AG – 75,4 Prozent des Grundkapitals, Stand 31. Dezember 2025. Die Familien Porsche und Piëch halten über die Porsche Automobil Holding SE 12,5 Prozent des Kapitals und 25 Prozent plus eine Aktie der Stammaktien. Das ist eine Sperrminorität, keine Kontrolle: Die Volkswagen AG beherrscht die Porsche AG.
Zwei Gesellschaften, eine Adresse
Fast alle Missverständnisse zu dieser Frage entstehen, weil zwei verschiedene Unternehmen am selben Ort sitzen – Porscheplatz 1, 70435 Stuttgart.
| Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG | Porsche Automobil Holding SE | |
|---|---|---|
| Was | Sportwagenhersteller, Zuffenhausen | Beteiligungsholding der Familien |
| Kürzel | P911 | PAH3 |
| Gehört | mehrheitlich der Volkswagen AG | den Familien Porsche und Piëch |
| Hält | das operative Sportwagengeschäft | die VW-Stimmrechtsmehrheit |
Die Porsche AG
- Firma: Dr. Ing. h.c. F. Porsche Aktiengesellschaft
- Registergericht: Amtsgericht Stuttgart, HRB 730623
- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE 147 799 625
- Grundkapital: 911.000.000 Euro, eingeteilt in 455.500.000 nicht börsennotierte Stammaktien und 455.500.000 börsennotierte, stimmrechtslose Vorzugsaktien
- Börsennotierte Aktie: ISIN DE000PAG9113, WKN PAG911, Ticker P911
Der Platzierungspreis wurde am 28. September 2022 auf 82,50 Euro je Vorzugsaktie festgelegt – das obere Ende der Spanne. Die Erstnotiz erfolgte am 29. September 2022 im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Platziert wurden 113.875.000 Vorzugsaktien, entsprechend 12,5 Prozent des Grundkapitals.
Ein häufig übersehener Punkt: Porsche ist kein DAX-Konzern mehr. Nach der Aufnahme im Dezember 2022 heißt es im Geschäftsbericht 2025: „Im September 2025 passte die Deutsche Börse die Zusammensetzung der deutschen Aktienindizes an. In diesem Zuge wechselte die Porsche AG vom DAX in den MDAX.“ Grundlage war die Streubesitz-Marktkapitalisierung.
Die Aktionärsstruktur
Stand 31. Dezember 2025, nach Aktiengattung getrennt:
| Gattung | Volkswagen AG | Porsche SE | Streubesitz |
|---|---|---|---|
| Stammaktien (stimmberechtigt) | 75,0 % abzüglich einer Aktie | 25,0 % zuzüglich einer Aktie | 0 % |
| Vorzugsaktien (stimmrechtslos) | rund 75,8 % | 0 % | rund 24,2 % |
Bezogen auf das gesamte Grundkapital: Volkswagen AG 75,4 Prozent (mittelbar über die Porsche Holding Stuttgart GmbH), Porsche SE 12,5 Prozent, institutionelle Investoren und Privatanleger 12,1 Prozent.
Was die 25 Prozent plus eine Aktie bedeuten – und was nicht: Da die Vorzugsaktien kein Stimmrecht haben, liegen alle Stimmrechte bei den Stammaktien. Die Porsche SE hält damit eine Sperrminorität. Sie verschafft aber keine Kontrolle. Der Halbjahresfinanzbericht 2026 der Porsche AG stellt ausdrücklich fest, dass die Letztentscheidungsrechte der von der Volkswagen AG bestimmten Anteilseignervertreter „weiterhin zur Beherrschung der Porsche AG durch die Volkswagen AG (faktischer Konzern)“ führen. Die Veräußerung dieser Stammaktien durch die Porsche SE unterliegt bis 2027 Beschränkungen.
Ein Detail, das im Netz falsch zitiert wird: Im Geschäftsbericht der Porsche AG sind Stimmrechtsmitteilungen abgedruckt, in denen einzelnen Personen aus dem Familienkreis jeweils 100,00 Prozent der Stimmrechte an der Porsche AG zugerechnet werden. Das ist eine rein rechtstechnische Zurechnung nach § 34 WpHG entlang der Beteiligungskette – kein wirtschaftliches Eigentum. Die Mitteilenden schreiben selbst, das Überschreiten der Schwellen sei „nicht auf einen Erwerb von Aktien zurückzuführen, sondern auf eine erstmalige Zurechnung von Stimmrechten“.
Die Porsche SE
- Firma: Porsche Automobil Holding SE, Rechtsform Europäische Gesellschaft
- Registergericht: Amtsgericht Stuttgart, HRB 724512, USt-IdNr. DE814936756
- ISIN DE000PAH0038, Handelssegment General Standard
- Gezeichnetes Kapital: 306.250.000 Euro, je 153.125.000 Stamm- und Vorzugsaktien
- Rund 50 Mitarbeitende zum Jahresende 2025
Die Stammaktien der Porsche SE werden zu 100 Prozent gehalten – im Geschäftsbericht 2025 heißt es: „Die Stammaktien werden, soweit dies der Porsche SE bekannt ist, mittelbar ausschließlich von Mitgliedern der Familien Porsche und Piëch gehalten.“ Börsennotiert sind nur die stimmrechtslosen Vorzugsaktien. Deren Eigentümer verteilen sich auf 41 Prozent ausländische institutionelle Anleger, 4 Prozent inländische institutionelle Anleger und 55 Prozent Privataktionäre und Weitere.
Die Beteiligung an Volkswagen – und hier liegt der Kern der ganzen Konstruktion – beträgt zum 30. Juni 2026:
- 53,3 Prozent der Stimmrechte (VW-Stammaktien)
- 31,9 Prozent des gezeichneten Kapitals
Der VW-Geschäftsbericht 2025 bestätigt dieselben Werte und nennt als weitere Stimmrechtsinhaber das Land Niedersachsen mit 20,0 Prozent und die Qatar Holding LLC mit 17,0 Prozent.
Auch diese Mehrheit ist begrenzt: Die Hauptversammlung der Volkswagen AG beschloss am 3. Dezember 2009 Entsendungsrechte für das Land Niedersachsen. Der Porsche-Halbjahresbericht formuliert die Folge so: Die Porsche SE kann „trotz der Mehrheit der Stimmrechte an der Volkswagen AG nicht die Mehrheit der Mitglieder im Aufsichtsrat der Volkswagen AG bestellen, solange dem Land Niedersachsen mindestens 15 % der Stammaktien gehören“.
Die Führung
Vorstandsvorsitzender der Porsche AG ist seit dem 1. Januar 2026 Dr. Michael Leiters. Die Doppelrolle von Oliver Blume, der bis zum 31. Dezember 2025 sowohl den VW-Konzern als auch Porsche führte, ist damit beendet; Blume bleibt VW-Konzernchef.
Weitere Vorstandsmitglieder: Dr. Michael Steiner (stellvertretender Vorsitzender, Forschung und Entwicklung), Matthias Becker (Vertrieb und Marketing), Dr. Jochen Breckner (Finanzen und IT), Albrecht Reimold (Produktion und Logistik), Vera Schalwig (Personal) und Joachim Scharnagl (Beschaffung). Das Ressort Car-IT wurde zum 1. Juli 2026 in Forschung und Entwicklung integriert.
Aufsichtsratsvorsitzender ist Dr. Wolfgang Porsche – und zwar bei beiden Gesellschaften. Der Vorstand der Porsche SE besteht aus Hans Dieter Pötsch (Vorsitzender), Dr. Manfred Döss und Dr. Johannes Lattwein.
Historie
- 1931: Ferdinand Porsche gründet das Porsche-Konstruktionsbüro.
- 8. Juni 1948: Der von Ferry Porsche entwickelte 356 „Nr. 1“ Roadster erhält in Gmünd in Kärnten die allgemeine Betriebserlaubnis. Porsche bezeichnet dieses Datum selbst als Geburtsstunde der Marke.
- 2008: Beteiligungsaufbau der Porsche SE an der Volkswagen AG – bis heute Gegenstand von Schadensersatzklagen. Das Oberlandesgericht Celle wies im September 2022 im Musterverfahren sämtliche Feststellungsziele zurück beziehungsweise erklärte sie für gegenstandslos.
- 2009: Grundlagenvereinbarung zwischen Porsche SE und Volkswagen AG mit wechselseitigen Optionen.
- 1. August 2012: Einbringung des operativen Holding-Geschäftsbetriebs der Porsche SE in die Volkswagen AG. Ab hier hält die VW AG über die Porsche Holding Stuttgart GmbH 100 Prozent der Porsche AG. Ausgenommen von der Einbringung war die Beteiligung an der Volkswagen AG selbst – deshalb blieb die Porsche SE als VW-Großaktionärin bestehen.
- 29. September 2022: Börsengang der Porsche AG; die Porsche SE erwirbt 25 Prozent plus eine Stammaktie von der Volkswagen AG.
- September 2025: Abstieg vom DAX in den MDAX.
Was zur Porsche AG gehört
Aus der Anteilsbesitzliste zum 31. Dezember 2025:
- Porsche Deutschland GmbH, Bietigheim-Bissingen – 100 Prozent
- Porsche Financial Services GmbH, Bietigheim-Bissingen – 100 Prozent
- Porsche Engineering Group GmbH, Weissach – 100 Prozent
- MHP Management- und IT-Beratung GmbH, Ludwigsburg – 100 Prozent
- Porsche Design GmbH, Zell am See (Österreich) – 100 Prozent. Sie betreibt laut eigenem Impressum auch das Studio F. A. Porsche.
- Porsche Consulting GmbH, Porsche Digital GmbH, Porsche Lifestyle, Cellforce Group GmbH – jeweils 100 Prozent
- Manthey Racing GmbH, Meuspath – 51 Prozent
- Nardò Technical Center S.r.l. (Italien) – 100 Prozent
Beteiligungen nach der Equity-Methode: Bertrandt AG (28,97 Prozent), VARTA AG (32 Prozent), IONITY (rund 15 Prozent), HIF Global (rund 10,9 Prozent).
Rimac und Bugatti werden verkauft. Der Halbjahresfinanzbericht 2026 hält fest, dass die Aufsichtsräte der Porsche AG und der Volkswagen AG im März 2026 die Veräußerung der Anteile an der Rimac Group, der Bugatti Rimac und der Bugatti International Holding freigegeben haben; der Verkaufsvertrag wurde im April 2026 geschlossen. Die Vermögenswerte sind seit dem 31. März 2026 als zur Veräußerung gehalten klassifiziert und zum 30. Juni 2026 mit 411 Millionen Euro bewertet. Der Käufer wird im Bericht nicht genannt.
Häufige Falschannahmen
- „Porsche gehört der Familie Porsche.“ Für den Sportwagenhersteller falsch. Er gehört zu 75,4 Prozent des Kapitals der Volkswagen AG. Die Familien halten 100 Prozent der Stammaktien der Porsche SE – und die hält nur 12,5 Prozent des Kapitals der Porsche AG.
- „Porsche gehört VW“ und „VW gehört Porsche“ – beides ist gleichzeitig richtig, sobald man die zwei Gesellschaften trennt.
- „Porsche ist seit 2022 unabhängig.“ Nein. Der Börsengang betraf nur stimmrechtslose Vorzugsaktien.
- „Wer Porsche-Aktien kauft, bekommt Stimmrechte.“ Nein – weder bei P911 noch bei PAH3.
- „Porsche ist ein DAX-Konzern.“ Seit September 2025 nicht mehr.
- „Oliver Blume ist Porsche-Chef.“ Überholt seit dem 1. Januar 2026.
Was sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen lässt
- Die ISIN der Porsche-AG-Stammaktien – sie sind nicht börsennotiert
- Das exakte Wirksamkeitsdatum des DAX-MDAX-Wechsels der Porsche AG im September 2025
- Ob und wann die Porsche SE selbst vom DAX in den MDAX gewechselt ist – der Geschäftsbericht 2025 nennt DAX, die aktuelle Investor-Relations-Seite MDAX
- Die Aufteilung des Porsche-SE-Stammaktienbesitzes auf einzelne Familienmitglieder oder Familienstämme
- Käufer und Kaufpreis der Rimac- und Bugatti-Transaktion sowie deren Vollzugsstand
- Die vollständigen Aufsichtsratslisten beider Gesellschaften mit Stand 2026
- Die dramaturgischen Details des Übernahmeversuchs 2005 bis 2009 – Optionsstrategie, Kursentwicklung im Oktober 2008, angestrebte Beteiligungsquote. Belegt sind aus den Geschäftsberichten nur der Beteiligungsaufbau 2008, die Grundlagenvereinbarung 2009 und die Einbringung 2012.
- Vermögen der Familien, Vorstandsvergütungen und geschätzte Firmenwerte – hier bewusst ausgeklammert
Quellen
- Porsche AG Investor Relations – Aktionärsstruktur (Stichtag 31.12.2025)
- Porsche AG – Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2025 (Aktionärsstruktur, MDAX-Wechsel, Anteilsbesitzliste)
- Porsche AG – Halbjahresfinanzbericht 2026 (CEO-Wechsel, Rimac-Veräußerung, Beherrschungsverhältnis)
- Impressum Porsche AG (HRB 730623, USt-IdNr., Vorstand, Aufsichtsratsvorsitzender)
- Porsche Automobil Holding SE – Geschäftsbericht 2025 (Aktionärsstruktur, VW-Beteiligung, Einbringung 2012)
- Impressum Porsche Automobil Holding SE (HRB 724512, USt-IdNr., Vorstand)
- Porsche SE – Die Aktie
- Porsche Newsroom – Börsengang am 29. September 2022
- Impressum Studio F. A. Porsche (betrieben von der Porsche Design GmbH)
- Volkswagen AG – Geschäftsbericht 2025 (Aktionärsstruktur, Gegenbestätigung)
Stand: 26. August 2026. Alle Angaben stammen aus den oben verlinkten Quellen.