Wem gehört Leica? Kaufmann, Blackstone und der Verkaufsprozess 2026

Wem gehört Leica

Die Leica Camera AG aus Wetzlar ist einer der bekanntesten Kamerahersteller der Welt und seit 2012 nicht mehr börsennotiert. Stand September 2026 gehört das Unternehmen zwei Eigentümern: der ACM Projektentwicklung GmbH des österreichischen Unternehmers Andreas Kaufmann mit rund 55 Prozent und dem US-Finanzinvestor Blackstone mit rund 45 Prozent, gehalten über eine gemeinsame Holdinggesellschaft (Angaben laut Bloomberg, Januar und Mai 2026, sowie Blackstone-Pressemitteilung 2011). Diese Struktur steht vor einer Veränderung: Seit Januar 2026 prüfen die Eigentümer laut Bloomberg den Verkauf einer Kontrollmehrheit auf Basis einer Bewertung von rund einer Milliarde Euro, und seit Mai 2026 gilt die chinesische Beteiligungsgesellschaft HongShan (HSG, früher Sequoia Capital China) als führender Bieter. Ein Abschluss war bis Mitte September 2026 nicht bekannt.

Key Takeaways

  • Die Wurzeln reichen bis 1849 (Optisches Institut in Wetzlar) und zum Leitz-Konzern zurück; die Leica I kam 1925 auf den Markt.
  • 1996 ging die Leica Camera AG an die Börse, 2000 stieg Hermès mit 31,5 Prozent ein, ab 2004 übernahm Andreas Kaufmann mit seiner ACM Projektentwicklung GmbH schrittweise die Kontrolle.
  • Im Oktober 2011 kaufte Blackstone einen Anteil von 44 Prozent (heute rund 45 Prozent); 2012 wurde Leica von der Börse genommen.
  • Umsatz im Geschäftsjahr 2024/25 (bis 31. März 2025): 596 Millionen Euro, plus 7,6 Prozent, das vierte Rekordjahr in Folge; rund 2.300 Beschäftigte weltweit.
  • Seit 1. April 2026 ist Andreas Voll Vorstandsvorsitzender; er folgte auf Matthias Harsch, der Leica seit 2017 geführt hatte.
  • Bloomberg berichtete im Januar 2026 über Verkaufsüberlegungen und im Mai 2026 über fortgeschrittene Gespräche mit HSG; Leica kommentiert die Berichte nicht.
  • Neben Kameras und Objektiven wächst Leica mit Smartphone-Kooperationen (Xiaomi, Leitz Phone), Laser-TVs, Sportoptik und einer Kamera-App.
NameLeica Camera AG
Gegründet1849 (Optisches Institut Wetzlar); 1869 Ernst Leitz; 1986 Umfirmierung auf Leica; 1996 Börsengang der Leica Camera AG
SitzLeitz-Park, Wetzlar (Hessen)
BrancheKameras, Objektive, Sportoptik, Projektoren, Lizenzgeschäft
EigentümerACM Projektentwicklung GmbH (Andreas Kaufmann) ca. 55 Prozent, Blackstone ca. 45 Prozent, laut Bloomberg; Verkaufsprozess läuft; Stand September 2026
FührungAndreas Voll (Vorstandsvorsitzender seit 1. April 2026); Andreas Kaufmann (Aufsichtsratsvorsitzender)
Umsatz / Mitarbeiter596 Mio. Euro (GJ 2024/25, Unternehmensangabe); rund 2.300 Beschäftigte (hessenschau, 2026)

Geschichte: Von Leitz zur Leica

Leica ist die Abkürzung von „Leitz Camera“. Das Unternehmen geht auf das 1849 in Wetzlar gegründete Optische Institut von Carl Kellner zurück, das Ernst Leitz 1869 übernahm und zu einem der führenden Mikroskophersteller ausbaute. Der Konstrukteur Oskar Barnack entwickelte dort ab 1914 eine Kleinbildkamera für 35-Millimeter-Kinofilm, die „Ur-Leica“. Ernst Leitz II gab 1924 die Serienfertigung frei; die Leica I kam 1925 auf den Markt und begründete die Kleinbildfotografie. Mit der M3 von 1954 erreichte Leitz die Marke von einer Million produzierter Kameras.

Die Konzerngeschichte der Familie Leitz endete in den 1980er-Jahren. 1986 firmierte das Kamerageschäft in Leica um, aus dem Leitz-Verbund gingen drei eigenständige Unternehmen hervor: Leica Camera, Leica Microsystems und Leica Geosystems, die heute keine gemeinsamen Eigentümer mehr haben. Ende der 1980er-Jahre kam die Schweizer Wild Heerbrugg als Eigentümerin hinzu, 1988 zog die Kamerafertigung von Wetzlar nach Solms. 1996 ging die Leica Camera AG an die Frankfurter Börse. Der Luxuskonzern Hermès erwarb im Dezember 2000 über ein öffentliches Angebot 31,5 Prozent der Aktien, doch die Digitalisierung der Fotografie brachte Leica in den frühen 2000er-Jahren in eine existenzbedrohende Krise.

Eigentümerstruktur im Detail: Kaufmann, Blackstone und der laufende Verkaufsprozess

Der Retter kam aus Österreich. Ab 2004 stieg die ACM Projektentwicklung GmbH der Salzburger Unternehmerfamilie Kaufmann bei Leica ein, 2006 übernahm Andreas Kaufmann den Hermès-Anteil und wurde Mehrheitsaktionär. Er finanzierte laut Wikipedia die Entwicklung der digitalen M-Modelle mit, holte den Sitz 2014 in den neu gebauten Leitz-Park nach Wetzlar zurück und führte das Unternehmen bis 2010 zurück in die Gewinnzone. Kaufmann ist bis heute Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Am 19. Oktober 2011 gab Blackstone bekannt, indirekt über eine Holdinggesellschaft eine Minderheitsbeteiligung von 44 Prozent an der Leica Camera AG zu erwerben; die ACM Projektentwicklung GmbH blieb Mehrheitseigentümerin. Kaufmann erklärte damals, ACM habe „keine Pläne, weitere Anteile zu verkaufen“. Das frische Kapital sollte die internationale Expansion mit eigenen Leica Stores in Asien, Südamerika und dem Nahen Osten finanzieren. 2012 folgte der Rückzug von der Börse. Seither ist Leica ein privat gehaltenes Unternehmen, dessen Anteile Bloomberg zuletzt mit rund 55 Prozent (Kaufmann/ACM) und rund 45 Prozent (Blackstone) angab.

Am 23. Januar 2026 berichtete Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise, die Eigentümer prüften den Verkauf einer Kontrollmehrheit; genannt wurde eine Bewertung von rund einer Milliarde Euro (etwa 1,2 Milliarden US-Dollar). Als Interessenten wurden die chinesische HongShan Capital Group (HSG, die frühere Sequoia Capital China) und der schwedische Finanzinvestor Altor Equity Partners genannt. Am 29. Mai 2026 legte Bloomberg nach: HSG führe fortgeschrittene Verhandlungen über den Blackstone-Anteil und könne anschließend auch den Kaufmann-Anteil übernehmen; ein späterer Börsengang wurde als Option beschrieben. Leica lehnte eine Stellungnahme ab, die beteiligten Parteien äußerten sich nicht. Bis Mitte September 2026 gab es keine offizielle Mitteilung über einen Abschluss; die Eigentümerstruktur ist daher formal unverändert, aber im Umbruch.

Geschäftsmodell und Zahlen

Leica ist ein Premiumhersteller mit hoher Fertigungstiefe: Die M-Messsucherkameras, die Q-Kompaktkameras mit Festbrennweite, das spiegellose SL-System und das Mittelformat-S-System werden mit den zugehörigen Objektiven in Wetzlar und im portugiesischen Werk Vila Nova de Famalicão (seit 1973) gefertigt. Dazu kommen Ferngläser, Spektive und Zielfernrohre für die Sportoptik. Vertrieben wird zunehmend über eigene Leica Stores, laut hessenschau waren es Ende 2024 rund 120 weltweit, zuletzt kamen Wuhan, Tokio und Seoul hinzu.

Ein zweites Standbein ist das Lizenz- und Kooperationsgeschäft. Seit 2002 arbeitet Leica mit Panasonic zusammen, ab 2016 lieferte das Unternehmen die Kameraabstimmung für Huawei-Smartphones, seit 2022 für Xiaomi; die Leitz-Phone-Modelle entstehen mit SoftBank für Japan. Mit Hisense entwickelte Leica den Laser-TV Cine 1, 2024 folgte der Miniprojektor Cine Play 1. Die Leica-LUX-App, hervorgegangen aus der Übernahme des norwegischen Start-ups Fjorden, wurde laut Unternehmen mehr als eine Million Mal heruntergeladen. Die Umsatzentwicklung belegt den Erfolg: 2010/11 lag der Umsatz bei rund 249 Millionen Euro, im Geschäftsjahr 2023/24 bei 554 Millionen Euro und 2024/25 bei 596 Millionen Euro, dem vierten Rekord in Folge. Deutschland wuchs zuletzt um 11,4 Prozent, Asien um 7,3 Prozent, das Onlinegeschäft um 12,5 Prozent (photoscala, Oktober 2025). Gewinnzahlen veröffentlicht Leica nicht.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026: Neuer Chef, alte Frage nach dem Eigentümer

2025 feierte Leica 100 Jahre Leica I und meldete für das Geschäftsjahr 2024/25 erneut Rekordzahlen. Zum 31. März 2026 endete die Amtszeit von Matthias Harsch, der den Vorstandsvorsitz seit 2017 innehatte und in dieser Zeit mehrere Umsatzrekorde erzielte. Sein Nachfolger seit 1. April 2026 ist Andreas Voll, zuvor operativ verantwortlich beim Schweizer Uhrenhersteller IWC. Aufsichtsratschef Kaufmann bezeichnete ihn laut hessenschau als „versierten Allrounder“, der die Premiummarke nach außen vertreten könne. Kurz zuvor, Ende Februar 2026, hatte Leica das Leitz Phone in Japan neu aufgelegt.

Die entscheidende Frage des Jahres 2026 bleibt jedoch die Eigentümerfrage. Blackstone hält seine Beteiligung seit fast 15 Jahren, deutlich länger als für Finanzinvestoren üblich; laut Bloomberg wurde ein Ausstieg bereits 2017 geprüft. Ein Verkauf an HSG würde Leica erstmals einen Eigentümer aus China geben, dem wichtigsten Wachstumsmarkt des Unternehmens. Ob Andreas Kaufmann seinen Anteil ebenfalls abgibt oder als Mehrheitsaktionär bleibt, ist offen. uamr.de wird diesen Beitrag aktualisieren, sobald eine offizielle Mitteilung vorliegt.

FAQ

Wem gehört Leica? Stand September 2026 hält die ACM Projektentwicklung GmbH von Andreas Kaufmann rund 55 Prozent und Blackstone rund 45 Prozent der Leica Camera AG (laut Bloomberg). Ein Verkaufsprozess läuft, HSG gilt als führender Bieter.

Ist Leica ein chinesisches Unternehmen? Nein. Leica ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Wetzlar und Eigentümern aus Österreich und den USA. Ein möglicher Einstieg der chinesischen HongShan Capital Group wurde bis September 2026 nicht offiziell bestätigt.

Ist Leica an der Börse? Nicht mehr. Die Leica Camera AG war von 1996 bis 2012 in Frankfurt notiert und wurde nach dem Einstieg von Blackstone von der Börse genommen.

Wer führt Leica? Vorstandsvorsitzender ist seit 1. April 2026 Andreas Voll. Andreas Kaufmann ist Aufsichtsratsvorsitzender und über ACM Mehrheitseigentümer.

Gehören Leica Microsystems und Leica Geosystems auch dazu? Nein. Die drei Leica-Unternehmen wurden in den 1980er- und 1990er-Jahren getrennt. Leica Microsystems gehört zum US-Konzern Danaher, Leica Geosystems zum schwedischen Hexagon-Konzern; beide teilen mit der Leica Camera AG nur die Herkunft aus dem Leitz-Konzern.

Fazit

Leica hat in zwei Jahrzehnten unter Andreas Kaufmann den Weg vom Sanierungsfall zur wachsenden Luxusmarke mit fast 600 Millionen Euro Umsatz geschafft. Die Eigentümerstruktur aus Familienholding und Finanzinvestor war dafür lange stabil. Mit dem 2026 angelaufenen Verkaufsprozess steht der größte Eigentümerwechsel seit 2004 bevor. Solange keine offizielle Mitteilung vorliegt, gilt: Leica gehört Kaufmanns ACM und Blackstone, und die Zukunft wird in Wetzlar, New York und möglicherweise Peking entschieden.