Wem gehört Langnese? Eigentümer, Struktur und Geschichte

Wem gehört Langnese

Langnese ist die bekannteste Eiscreme-Marke Deutschlands und war fast 90 Jahre lang Teil des Unilever-Konzerns. Stand September 2026 gehört sie der The Magnum Ice Cream Company N.V. mit Sitz in Amsterdam, die Unilever am 8. Dezember 2025 als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht hat. Unilever hält an der neuen Gesellschaft laut Börsenprospekt vom April 2026 noch rund 19,9 Prozent, der Rest ist breit gestreut. Nicht zu verwechseln ist die Eismarke mit Langnese Honig: Beide tragen denselben Namen, sind aber seit 1962 getrennte Unternehmen mit unterschiedlichen Eigentümern.

Key Takeaways

  • Die Marke Langnese geht auf eine 1888 in Hamburg gegründete Biskuitfabrik zurück; Speiseeis unter diesem Namen gibt es seit 1935.
  • 1936 kam Langnese zur Margarine-Verkaufs-Union und damit in den Unilever-Konzern; 1962 entstand die Langnese-Iglo GmbH.
  • Seit 1. Juli 2025 ist das Eisgeschäft von Unilever abgespalten; die The Magnum Ice Cream Company ist seit 8. Dezember 2025 in Amsterdam, London und New York notiert.
  • Größter Einzelaktionär ist Unilever mit 19,86 Prozent (Stand 30. März 2026), gefolgt von BlackRock mit rund 4,5 Prozent; Unilever will seine Anteile innerhalb von fünf Jahren abgeben.
  • In Deutschland firmiert das Unternehmen als Magnum ICC Germany GmbH in Hamburg; das Werk Heppenheim gilt laut Werksleitung als größte Eisfabrik Europas mit rund 600 Beschäftigten.
  • Langnese Honig gehört seit 2005 zur Fürsten-Reform-Gruppe und hat mit dem Eisgeschäft nichts zu tun.
NameLangnese (Marke); Eigentümer: The Magnum Ice Cream Company N.V.; deutsche Gesellschaft: Magnum ICC Germany GmbH
Gegründet1888 (Firma Langnese, Hamburg); Eismarke seit 1935; Magnum Ice Cream Company 2025
SitzAmsterdam (Konzern); Hamburg (Deutschland); Werk Heppenheim an der Bergstraße
BrancheSpeiseeis / Lebensmittel
EigentümerThe Magnum Ice Cream Company N.V., börsennotiert; Unilever 19,86 %, BlackRock 4,46 %, Goldman Sachs 3,80 %, Trian 3,69 %, übrige Streubesitz (Stand 30. März 2026, laut SEC-Prospekt)
FührungPeter ter Kulve (CEO), Jean-François van Boxmeer (Chair); Deutschland: Nikolaus Bernhard Huber, Theresia Stöbe (laut Impressum)
Umsatz / MitarbeiterKonzern: rund 7,9 Mrd. Euro (2025); 4,7 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2026; Marke Langnese: keine offiziellen Angaben

Geschichte: Von der Biskuitfabrik zum Herz-Logo

Der Name Langnese stammt von dem Hamburger Exportkaufmann Viktor Emil Heinrich Langnese, der 1888 in Hamburg eine Biskuitfabrik gründete. Laut Wikipedia erwarb der Kaufmann Karl Rolf Seyferth 1927 den Markennamen für 300 Reichsmark und nutzte ihn zunächst für Honig, ab 1935 auch für Speiseeis. Bereits 1936 verkaufte Seyferth das Eisgeschäft an die Margarine-Verkaufs-Union, die zum Unilever-Konzern gehörte; die Langnese-Eiskrem GmbH wurde eingetragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Unternehmen 1948 die Produktion wieder auf, und in den 1950er Jahren wurde Speiseeis zum Massenprodukt.

1960 verlagerte Langnese die Produktion in eine neue Fabrik in Heppenheim an der Bergstraße, die bis heute der wichtigste Standort ist. 1962 fusionierte das Unternehmen innerhalb des Unilever-Konzerns mit der Tiefkühlmarke Iglo zur Langnese-Iglo GmbH. Im selben Jahr wurde das Honiggeschäft als eigenständige Gesellschaft ausgegliedert und vom Oetker-Konzern übernommen. Seitdem existieren zwei Unternehmen mit demselben Namen, aber unterschiedlichen Produkten, Schriftzügen und Eigentümern. Das Stammwerk in Hamburg-Wandsbek wurde 1985 geschlossen; 2005 ging die Langnese-Iglo GmbH in der Unilever Deutschland GmbH auf, und das Iglo-Geschäft wurde 2006 an Finanzinvestoren verkauft.

In der Werbung prägten „Like Ice in the Sunshine“ (seit 1985) und „So schmeckt der Sommer“ (seit 1994) mehrere Generationen. International vertreibt Unilever die gleichen Produkte unter regionalen Namen wie Wall’s, Algida oder Ola, verbunden durch das gemeinsame Herz-Logo, die sogenannte Heartbrand. Marken wie Magnum, Cornetto, Solero oder Cremissimo laufen in Deutschland unter dem Langnese-Dach.

Eigentümerstruktur im Detail: Wem gehört Langnese?

Am 19. März 2024 kündigte Unilever an, sein gesamtes Eisgeschäft abzuspalten. Als Begründung nannte der Konzern die Besonderheiten der Kategorie: eine eigene Tiefkühl-Lieferkette und eine stärkere Saisonalität als bei den übrigen Sparten. Zum 1. Juli 2025 wurde das Geschäft als The Magnum Ice Cream Company (TMICC) operativ eigenständig, am 8. Dezember 2025 folgte die Notierung an der Euronext Amsterdam, der London Stock Exchange und der New York Stock Exchange unter dem Kürzel MICC. Unilever-Aktionäre erhielten laut den Fragen und Antworten des Konzerns für je fünf Unilever-Aktien eine TMICC-Aktie. Die Marktkapitalisierung lag am ersten Handelstag laut Reuters bei rund 7,8 Milliarden Euro.

Unilever behielt zunächst 19,9 Prozent der Anteile. Laut dem bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Prospekt vom 13. April 2026 hielt Unilever zum 30. März 2026 exakt 121.604.413 Aktien oder 19,86 Prozent von insgesamt 612.259.739 ausstehenden Aktien; diese Aktien wurden zum Weiterverkauf registriert. Unilever hat sich verpflichtet, den Bestand innerhalb von fünf Jahren nach der Abspaltung vollständig zu veräußern, und muss seine Stimmrechte aus steuerrechtlichen Gründen im Verhältnis zu den übrigen Aktionären ausüben. Weitere Aktionäre mit mehr als 3 Prozent waren laut demselben Prospekt BlackRock (4,46 Prozent), Goldman Sachs (3,80 Prozent), Trian Fund Management (3,69 Prozent), FIL Limited (3,25 Prozent), die Allan & Gill Gray Foundation (3,21 Prozent) und First Eagle (3,14 Prozent). Der Rest befindet sich im Streubesitz.

Geführt wird der Konzern von Peter ter Kulve als CEO, den Verwaltungsrat leitet der frühere Heineken-Chef Jean-François van Boxmeer. In Deutschland tritt das Unternehmen laut Impressum als Magnum ICC Germany GmbH mit Sitz Neue Burg 1 in Hamburg auf, eingetragen beim Amtsgericht Hamburg unter HRB 192056; Geschäftsführer sind Nikolaus Bernhard Huber und Theresia Stöbe. Die Marke Langnese ist damit vollständig aus dem Unilever-Konzern herausgelöst und gehört einem eigenständigen, breit gestreuten Börsenunternehmen.

Klar abzugrenzen ist davon Langnese Honig. Die Langnese Honig GmbH & Co. KG mit Sitz in Bargteheide bei Hamburg gehört laut Wikipedia seit dem 1. Oktober 2005 zur Fürsten-Reform-Gruppe, die sie vom Oetker-Konzern übernommen hat. Sie hat weder mit Unilever noch mit der Magnum Ice Cream Company Verbindungen; lediglich der Name stammt aus derselben Quelle.

Geschäftsmodell und Zahlen

Die Magnum Ice Cream Company ist laut Wikipedia mit einem Weltmarktanteil von rund 21 Prozent der größte Eishersteller der Welt und führt mehr als 50 Marken, darunter Magnum, Ben & Jerry’s, Cornetto, Breyers, Wall’s und die regionalen Heartbrand-Marken wie Langnese in Deutschland oder Algida in Osteuropa. 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von rund 7,9 Milliarden Euro, das Jahr war durch Abspaltungskosten von einem Nettoverlust geprägt. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz laut Halbjahresbericht bei 4,7 Milliarden Euro bei einem organischen Wachstum von 4,7 Prozent; das bereinigte EBITDA erreichte 880 Millionen Euro. In der Region Europa, zu der Deutschland gehört, wuchs der Umsatz organisch um 4,1 Prozent. Ein Produktivitätsprogramm soll mittelfristig 500 Millionen Euro einsparen.

Für Langnese in Deutschland veröffentlicht das Unternehmen keine eigenen Umsatzzahlen. Das Werk Heppenheim ist jedoch gut dokumentiert: Laut hessenschau vom Juli 2025 arbeiten dort rund 600 Beschäftigte, jährlich verlassen rund zwei Milliarden Eisverpackungen die Fabrik, in der Hochsaison bis zu 2.200 Stück pro Minute im Dreischichtbetrieb an sieben Tagen. Beliefert werden Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie weitere Exportmärkte. Werksleiter Guillaume Cuney bezeichnete Heppenheim als größtes Eiscremewerk Europas. Das Geschäft ist stark saisonal und wetterabhängig, ein wichtiger Vertriebskanal ist neben dem Lebensmittelhandel der Kiosk- und Gastronomieverkauf mit den bekannten Eiskarten.

Aktuelle Entwicklung 2025/2026

Der Börsengang verlief nüchtern: Die Aktie schloss laut Reuters am ersten Handelstag knapp über dem Referenzpreis von 12,80 Euro, Analysten hatten sich teils eine höhere Bewertung erhofft. Für 2026 ist keine Dividende geplant, weil die Kosten der Trennung von Unilever anfallen. Im September 2025 sorgte der Streit mit den Gründern von Ben & Jerry’s um die Unabhängigkeit der Marke für Schlagzeilen; Mitgründer Jerry Greenfield zog sich aus dem Unternehmen zurück.

In Deutschland investiert der neue Eigentümer in den Standort Heppenheim: Angekündigt wurde 2025 ein Betrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich für ein zweites Tiefkühl-Zentrallager, eine modernisierte Ammoniak-Kühlanlage mit rund 30 Prozent weniger Energieverbrauch und zusätzliche Produktionslinien. Im Frühjahr 2026 schloss der Konzern Zukäufe in Indien und Portugal ab, und für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Management ein organisches Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent. Der schrittweise Verkauf der Unilever-Anteile wird die Aktionärsstruktur in den kommenden Jahren weiter verändern.

FAQ

Wem gehört Langnese? Die Eismarke gehört der börsennotierten The Magnum Ice Cream Company N.V. in Amsterdam, die im Dezember 2025 von Unilever abgespalten wurde. Unilever hält noch rund 19,9 Prozent (Stand März 2026).

Gehört Langnese noch zu Unilever? Nur noch als Minderheitsbeteiligung. Unilever will seine verbliebenen Anteile innerhalb von fünf Jahren nach der Abspaltung vollständig verkaufen.

Ist Langnese Honig dasselbe Unternehmen wie Langnese Eis? Nein. Langnese Honig ist seit 1962 ein eigenständiges Unternehmen und gehört seit 2005 zur Fürsten-Reform-Gruppe in Bargteheide.

Wo wird Langnese-Eis produziert? Vor allem in Heppenheim an der Bergstraße in Hessen, wo rund 600 Beschäftigte jährlich rund zwei Milliarden Eisverpackungen herstellen.

Welche Marken gehören zur Magnum Ice Cream Company? Unter anderem Magnum, Ben & Jerry’s, Cornetto, Breyers, Wall’s sowie die Heartbrand-Marken wie Langnese, Algida und Ola.

Fazit

Langnese hat 2025 den größten Eigentümerwechsel seiner Geschichte erlebt: Nach fast 90 Jahren im Unilever-Konzern gehört die Marke heute zur eigenständigen, börsennotierten Magnum Ice Cream Company, an der Unilever nur noch eine schrumpfende Minderheit hält. Für die Produkte, das Herz-Logo und den Standort Heppenheim ändert sich zunächst wenig, doch das Unternehmen muss sich als reiner Eishersteller nun allein am Kapitalmarkt behaupten. Wer nach dem Honig fragt, muss dagegen bei der Fürsten-Reform-Gruppe suchen.