
Granini ist eine der bekanntesten Fruchtsaftmarken Europas – und gehört seit 1994 zur Eckes-Granini Group GmbH in Nieder-Olm bei Mainz. Dahinter steht die Eckes AG, eine Finanzholding im vollständigen Besitz der Unternehmerfamilie Eckes-Chantré. Die Gruppe ist nicht börsennotiert, erzielte 2023 einen Umsatz von 983 Mio. Euro und überschritt laut „Lebensmittel Zeitung“ 2024 erstmals die Umsatzmilliarde. Seit Januar 2024 führt Lars Wagener das Unternehmen als CEO.
Key Takeaways
- Granini gehört der Eckes-Granini Group GmbH in Nieder-Olm; deren Muttergesellschaft ist die Eckes AG, eine Finanzholding im Familienbesitz.
- Eckes übernahm 1994 zunächst 74 Prozent der Marke von der Melitta-Gruppe und 2006 die restlichen 26 Prozent.
- Eigentümer sind die Familienstämme Harald Eckes-Chantré (zwei Drittel) und Heidrun Eckes-Chantré (ein Drittel), letzte öffentliche Angabe 2014.
- Umsatz 2023: 983 Mio. Euro bei 1.636 Vollzeitstellen; 2024 erstmals über 1 Mrd. Euro, bei rückläufigem Absatz.
- Zum Portfolio gehören neben Granini unter anderem hohes C, Pago, Joker, Rynkeby, God Morgon, Brämhults, Marli, SIÓ und YO.
- CEO ist seit 1. Januar 2024 Lars Wagener; das Deutschlandgeschäft leitet seit Januar 2025 Guy Tiebackx.
- 2024 stockte die Gruppe ihre Beteiligung an true fruits auf 67 Prozent auf und übernahm den Konzentrathersteller Jobmann.
| Name | Eckes-Granini Group GmbH (Marke Granini) |
|---|---|
| Gegründet | Marke Granini 1964 in Bielefeld; Eckes 1857 in Nieder-Olm; Eckes-Granini 1994 |
| Sitz | Nieder-Olm, Rheinland-Pfalz |
| Eigentümer | Eckes AG (Finanzholding), vollständig im Besitz der Familie Eckes-Chantré |
| Geschäftsführung | Lars Wagener (CEO), Sidney Coffeng (CFO), German Heil (COO); Deutschland: Guy Tiebackx |
| Branche | Fruchtsäfte, Nektare, Fruchtsaftgetränke, Sirupe, Shots |
| Umsatz | 983 Mio. Euro (2023); 2024 erstmals über 1 Mrd. Euro |
| Mitarbeiter | 1.636 Vollzeitstellen (2023); rund 550 in Deutschland |
Geschichte und Herkunft
Die Marke Granini ist jünger als ihr heutiger Eigentümer. Gegründet wurde das Unternehmen 1964 in Bielefeld von Heinz Schürmann; der Name leitet sich vom italienischen „grano“ für Korn ab. Bereits 1967 kam Granini zur Melitta-Gruppe und wuchs dort rasant: 1973 lag der Umsatz bei 100 Mio. DM, 1989 bei 500 Mio. DM. Die Noppenflasche wurde zum Markenzeichen.
Die Wurzeln des Eigentümers reichen weiter zurück: 1857 gründete Peter Eckes in Nieder-Olm eine Brennerei für Obst- und Weinrückstände. Fruchtsaft kam 1936 hinzu, 1958 brachte Eckes mit hohes C den ersten trinkfertigen Orangensaft in Flaschen auf den Markt. 1991 wurde Eckes zur Aktiengesellschaft.
Der entscheidende Schritt folgte 1994: Eckes übernahm 74 Prozent von Granini aus der Melitta-Gruppe und bündelte das Saftgeschäft in der Eckes-Granini GmbH & Co. KG, an der Melitta 26 Prozent behielt – bis Ende 2006. Parallel trennte sich die Familie vom Spirituosengeschäft: Das deutsche Geschäft ging 2006 an Rotkäppchen-Mumm, die Auslandstöchter 2007 an den US-Investor Oaktree. Seitdem konzentriert sich die Gruppe ausschließlich auf fruchtbasierte Getränke.
Eigentümerstruktur im Detail

Die Eigentümerkette ist dreistufig. An der Spitze steht die Eckes AG in Nieder-Olm, seit 2004 eine reine Finanzholding. Ihr gehört die Eckes-Granini Group GmbH, die das operative Geschäft mit allen Landesgesellschaften führt – darunter die Eckes-Granini Deutschland GmbH mit den Marken hohes C, Granini, Die Limo und YO. Granini selbst ist keine eigenständige Gesellschaft, sondern eine Marke der Gruppe.
Die Anteile an der Eckes AG liegen vollständig bei der Familie, inzwischen in sechster Generation. Nach den letzten öffentlich bekannten Angaben zur Hauptversammlung 2014 hält der Familienstamm von Harald Eckes-Chantré zwei Drittel, der Stamm von Heidrun Eckes-Chantré ein Drittel. Beide Stämme sind im Aufsichtsrat vertreten: Christina Oelbermann (Tochter Haralds) seit 2012 und Kim Tabet (Tochter Heidruns) seit 2014. Aufsichtsratsvorsitzender war 2023 Reiner Strecker. Aktuellere Anteilsquoten veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Die Familie Harald Eckes-Chantré ist zudem Mehrheitseignerin der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien – eine separate Beteiligung, die nicht zur Eckes-Granini Group gehört. Granini selbst gehört damit über Group und Eckes AG ausschließlich der Familie Eckes-Chantré, ohne Fremdinvestoren und ohne Börsennotierung.
Marken, Märkte und Kennzahlen
Granini ist die Premiummarke der Gruppe und ihr größter Umsatzbringer: 2022 entfielen 22 Prozent des Gruppenumsatzes auf Granini und 18 Prozent auf hohes C; weitere wichtige Marken sind Joker (Frankreich), God Morgon und Rynkeby (Skandinavien) sowie Pago (Österreich). Wichtigste Märkte waren 2022 Deutschland mit 28 Prozent und Frankreich mit 21 Prozent des Umsatzes. Eigene Landesgesellschaften bestehen in zehn europäischen Ländern, über Vertriebspartner sind die Produkte in mehr als 80 Ländern erhältlich.
Die Umsatzentwicklung verlief wellenförmig: 921 Mio. Euro 2019, 873 Mio. Euro 2020, 856 Mio. Euro 2021, dann 917 Mio. Euro 2022 (plus 7,1 Prozent bei 808 Mio. Litern Absatz) und 983 Mio. Euro 2023 bei 1.636 Vollzeitstellen. Das EBIT war 2022 laut „Lebensmittel Praxis“ auf rund 2 Mio. Euro eingebrochen und erholte sich 2023 deutlich. In Deutschland arbeiten rund 550 Beschäftigte in Nieder-Olm, Bröl bei Hennef und Bad Fallingbostel.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
Zum 1. Januar 2024 übernahm Lars Wagener, zuvor CEO der Laurens Spethmann Holding, die Führung von Tim Berger, der auf eigenen Wunsch ausschied. Der Vorstand wurde von fünf auf drei Mitglieder verkleinert: Wagener, Finanzchef Sidney Coffeng und German Heil für Supply Chain, Forschung und Qualität. Das Deutschlandgeschäft leitet seit Januar 2025 der Belgier Guy Tiebackx, zuvor Deutschlandchef des Fruchtverarbeiters Andros.
Strategisch setzte die Gruppe auf Zukäufe: Im Juni 2024 stockte sie ihre seit 2018 bestehende Beteiligung am Bonner Smoothie-Hersteller true fruits von 37 auf 67 Prozent auf. Im Dezember 2024 folgte die vollständige Übernahme des Konzentratspezialisten Wolfgang Jobmann aus Reinbek bei Hamburg (Marken Oranka und Frisco); der Kaufpreis wurde nicht genannt. Beide Zukäufe trugen laut „Lebensmittel Zeitung“ dazu bei, dass der Umsatz 2024 erstmals die Milliardengrenze überschritt – bei deutlich rückläufigem Absatz, weil Verbraucher die teurer gewordenen Säfte mieden.
Belastet hat die Marke ein Rezepturstreit: Im Frühjahr 2024 ersetzte Granini seinen Orangensaft im deutschen Handel ohne Ankündigung durch einen Nektar mit 50 Prozent Fruchtanteil bei gleichem Preis. Die Verbraucherzentrale Hamburg kürte „Granini Trinkgenuss Orange“ dafür Anfang 2025 zur „Mogelpackung des Jahres 2024“; Tiebackx verteidigte den Schritt als Preisinstrument angesichts fast verdreifachter Rohstoffpreise. Nach der besseren Ernte in Brasilien senkte Eckes-Granini im Januar 2026 die Preisempfehlung für hohes C Orangensaft von 3,99 auf 2,99 Euro. Im Werk Bröl entsteht eine neue PET-Abfüllanlage für 2027; Werksschließungen sind nicht bekannt. Da der Pro-Kopf-Verbrauch von Saft in Deutschland 2025 auf 22,5 Liter sank, baut die Gruppe das Geschäft mit Shots, Sirupen und Limonaden aus, hierzulande bereits rund 25 Prozent des Geschäfts.
FAQ
Wem gehört Granini? Granini ist eine Marke der Eckes-Granini Group GmbH in Nieder-Olm. Diese gehört der Eckes AG, einer Finanzholding, die vollständig im Besitz der Familie Eckes-Chantré ist.
Ist Granini börsennotiert? Nein. Weder die Eckes-Granini Group noch die Eckes AG sind an der Börse gelistet.
Seit wann gehört Granini zu Eckes? Seit 1994, als Eckes 74 Prozent von der Melitta-Gruppe übernahm. Die restlichen 26 Prozent folgten Ende 2006.
Wer führt Eckes-Granini aktuell? CEO ist seit Januar 2024 Lars Wagener, gemeinsam mit CFO Sidney Coffeng und COO German Heil. Geschäftsführer in Deutschland ist seit Januar 2025 Guy Tiebackx.
Wie viel Umsatz macht Eckes-Granini? 2023 lag der Umsatz bei 983 Mio. Euro, 2024 überschritt die Gruppe laut „Lebensmittel Zeitung“ erstmals die Milliardengrenze.
Fazit
Granini ist ein klassischer Fall eines deutschen Familienunternehmens: Die Marke aus Bielefeld gehört seit über 30 Jahren zur Eckes-Granini Group, und über die Eckes AG kontrolliert die Familie Eckes-Chantré in sechster Generation sämtliche Anteile. Wirtschaftlich steht die Gruppe 2026 an einem Wendepunkt: Der Umsatz hat die Milliarde überschritten, doch das Wachstum kam aus Zukäufen und Preiserhöhungen, während der Absatz sinkt. Ob der Umbau in Richtung Shots, Sirupe und Funktionsgetränke unter CEO Lars Wagener gelingt, entscheidet über die kommenden Jahre.
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