
Alipay gehört der Ant Group Co., Ltd. mit Sitz in Hangzhou, dem größten Fintech-Konzern Chinas. Größter Einzelaktionär der Ant Group ist die Alibaba Group mit rund 33 Prozent (Stand 2019, seither unverändert berichtet). Alibaba-Gründer Jack Ma, der bis Anfang 2023 über Holdinggesellschaften mehr als die Hälfte der Stimmrechte kontrollierte, gab die Kontrolle im Januar 2023 ab und hält seither nur noch 6,2 Prozent der Stimmrechte. Seit dem Umbau hat kein Aktionär mehr allein das Sagen; an der Spitze stehen Verwaltungsratschef Eric Jing und CEO Cyril Han.
Key Takeaways
- Alipay ist der Bezahldienst der Ant Group, die 2014 als Ant Financial aus Alibaba ausgegliedert und 2020 in Ant Group umbenannt wurde.
- Die Alibaba Group hält rund 33 Prozent an der Ant Group, erhalten im September 2019 im Tausch gegen eine Gewinnbeteiligung von 37,5 Prozent.
- Jack Ma kontrollierte über Hangzhou Yunbo mehr als 50 Prozent der Stimmrechte; im Januar 2023 sanken sie auf 6,2 Prozent.
- Der für November 2020 geplante Börsengang über 34,5 Milliarden US-Dollar wurde von den Behörden zwei Tage vor dem Termin gestoppt.
- Im Juli 2023 verhängten die Aufsichtsbehörden eine Strafe von 7,123 Milliarden Yuan (rund 985 Millionen US-Dollar).
- Seit dem 1. März 2025 ist Cyril Han CEO; Eric Jing wechselte auf den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden.
- 2026 baut Ant Alipay zur KI-Plattform um: „AI Wallet“, „Token Pay“ und der Agent „Ah Bao“ kamen zwischen Mai und August 2026 auf den Markt.
- Die Auslandstochter Ant International sammelte im Juli 2026 1,2 Milliarden US-Dollar ein und gilt als Kandidat für einen Börsengang in Hongkong.
| Unternehmen | Alipay (Bezahldienst der Ant Group Co., Ltd.) |
|---|---|
| Gegründet | Alipay 2004; Ant Financial am 23. Oktober 2014; Umbenennung in Ant Group am 13. Juli 2020 |
| Hauptsitz | Hangzhou (Bezirk Xihu), Volksrepublik China |
| Eigentümer | Ant Group; deren größter Aktionär ist die Alibaba Group mit rund 33 Prozent. Vor dem Umbau 2023 hielten zudem Hangzhou Junhan 29,86 % und Hangzhou Junao 20,66 %. Seit 2023 hat kein Aktionär die Kontrolle. |
| Branche | Fintech, mobile Zahlungen, Finanzdienstleistungen, KI |
| Führung | Eric Jing (Verwaltungsratsvorsitzender), Cyril Han (CEO seit März 2025), Liu Zheng (CFO) |
| Mitarbeiter / Umsatz | Umsatz 2019: 120,6 Milliarden Yuan, Nettogewinn 18,1 Milliarden Yuan (letzte veröffentlichte Gesamtzahlen aus dem Börsenprospekt); rund 16.660 Mitarbeiter (laut Wikipedia) |
Geschichte und Herkunft
Alipay entstand 2004 als Treuhand-Bezahldienst für die Alibaba-Handelsplattform Taobao: Das Geld des Käufers wurde erst freigegeben, wenn die Ware angekommen war. Aus dieser Funktion wuchs binnen weniger Jahre die größte Plattform für mobile und Online-Zahlungen der Welt. Am 23. Oktober 2014 wurde das Geschäft als Ant Financial Services Group von Alibaba getrennt; dazu gehörten neben Alipay der Geldmarktfonds Yu’e Bao und das Bonitätssystem Sesame Credit. Am 13. Juli 2020 folgte die Umbenennung in Ant Group Co., Ltd.
Im Herbst 2020 stand der Konzern vor dem größten Börsengang der Geschichte: eine Doppelnotierung in Shanghai und Hongkong mit einem Volumen von 34,5 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von rund 313 Milliarden US-Dollar. Anfang November 2020 stoppten die chinesischen Behörden das Vorhaben zwei Tage vor der Erstnotiz und verwiesen auf „wesentliche Probleme“ und Risiken für die Finanzstabilität. Es folgte eine mehrjährige Restrukturierung unter behördlicher Aufsicht.
Eigentümerstruktur im Detail
Die Ant Group ist nicht börsennotiert. Größter Aktionär ist die Alibaba Group mit rund 33 Prozent. Diesen Anteil erhielt Alibaba am 23. September 2019 als neu ausgegebene Aktien; im Gegenzug endete eine Vereinbarung, nach der Ant 37,5 Prozent seines Vorsteuergewinns an Alibaba abführen musste. Alibaba bilanziert die Beteiligung nach der Equity-Methode und weist seinen Gewinnanteil mit einem Quartal Verzögerung aus.
Vor dem Umbau 2023 lagen laut Wikipedia 32,65 Prozent bei Alibaba, 29,86 Prozent bei Hangzhou Junhan Investment und 20,66 Prozent bei Hangzhou Junao Investment. Über diese Vehikel und die dahinterstehende Hangzhou Yunbo kontrollierte Jack Ma mehr als 50 Prozent der Stimmrechte, obwohl er wirtschaftlich nur einen kleinen Anteil hielt.
Im Januar 2023 ordnete die Ant Group die Stimmrechte neu: Jack Mas Anteil sank auf 6,2 Prozent, und zehn Großaktionäre vereinbarten, künftig unabhängig voneinander statt als Block abzustimmen. Seither hält niemand die Kontrolle über den Konzern. Den Schlusspunkt setzte am 7. Juli 2023 eine Strafe von 7,123 Milliarden Yuan (rund 985 Millionen US-Dollar) wegen Verstößen bei Unternehmensführung, Zahlungsvorschriften, Verbraucherschutz und Geldwäscheprävention. Der Wettbewerber Tenpay von Tencent musste zeitgleich 2,99 Milliarden Yuan zahlen.
Führung und Strategie
Am 8. Dezember 2024 kündigte die Ant Group einen Führungswechsel an: Der bisherige Präsident und Finanzchef Cyril Han (Han Xinyi) übernahm zum 1. März 2025 den CEO-Posten, Eric Jing konzentriert sich seither auf den Vorsitz des Verwaltungsrats. Neuer Finanzchef wurde Liu Zheng, zuvor bei Alibaba und Cainiao. Han war 2014 als Investmentbanker zu Alipay gekommen und seit 2020 CFO.
Parallel wurde die Struktur umgebaut. Im März 2024 erhielten Ant International, die Datenbanksparte OceanBase und Ant Digital Technologies eigene Verwaltungsräte. Im Dezember 2024 teilte Ant das Alipay-Geschäft in eine Digital Payment Business Group für Zahlungsprodukte und eine Alipay Business Group für Nutzerwachstum und Werbung, jeweils mit rotierender Präsidentschaft. Strategisch setzt der Konzern auf künstliche Intelligenz: Die Forschungsausgaben stiegen von 21,19 Milliarden Yuan (2023) auf 35,03 Milliarden Yuan (2025). Hinzu kamen die Übernahme der Gesundheitsplattform Haodf.com im Januar 2025 und der Mehrheitskauf am Hongkonger Broker Bright Smart Securities im April 2025.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026
An der Eigentümerstruktur hat sich 2025 und 2026 nichts Wesentliches geändert. Für das Quartal bis 30. Juni 2026 verbuchte Alibaba einen Gewinnanteil aus der Ant Group von 1,563 Milliarden Yuan (rund 230 Millionen US-Dollar), im Jahresvergleich stabil, weil Bewertungsgewinne durch höhere Investitionen in neue Geschäftsfelder aufgezehrt wurden.
Bei Alipay dreht sich fast alles um KI-gestütztes Bezahlen. „Alipay AI Pay“ überschritt im Februar 2026 die Marke von 100 Millionen Nutzern. Am 26. Mai 2026 folgten „AI Wallet“, mit dem Nutzer Zahlungen ihrer KI-Agenten steuern, und „Token Pay“ für Abonnements und Token-Guthaben von KI-Anbietern wie MiniMax und Stepfun. Im Juni 2026 startete der Assistent „Ah Bao“ mit mehr als 10.000 angebundenen Alltagsdiensten, am 18. August 2026 eine Plattform für „Agentic Commerce“, über die Händler ihre Angebote für KI-Agenten öffnen. Medienberichten zufolge testet Ant zudem eine komplett KI-basierte Alipay-App ohne festen Starttermin.
International rückt Ant International in den Fokus. Die Tochter mit Sitz in Singapur, die Alipay+, WorldFirst und Antom betreibt, sammelte am 21. Juli 2026 1,2 Milliarden US-Dollar ein, unter anderem von Alibaba und der Ant Group. Ihr Umsatz lag 2025 bei 3,7 Milliarden US-Dollar (plus 25 Prozent). Ein Börsengang in Hongkong gilt als möglich, ist aber nicht bestätigt. Für die Ant Group selbst gab es laut Konzern im Dezember 2024 „keine unmittelbaren Pläne“ für eine Notierung.
Bedeutung für den Markt
Alipay verbindet nach Unternehmensangaben mehr als eine Milliarde Verbraucher mit über 80 Millionen Händlern in China. Ende 2023 entfielen 55 Prozent des chinesischen Marktes für mobile Zahlungen auf Alipay, 37 Prozent auf WeChat Pay von Tencent. Über Alipay+ sind zudem mehr als 50 ausländische Wallets angebunden.
Die Eigentümerfrage ist deshalb relevant, weil die Ant Group über Alipay die Zahlungsdaten eines großen Teils der chinesischen Bevölkerung verwaltet. Die Stimmrechtsreform 2023 hat den Konzern näher an die Vorstellungen der Regulierer gerückt, ohne dass der Staat Anteile übernommen hätte. Für Alibaba bleibt die Beteiligung ein spürbarer Ergebnisbeitrag, operativ übt der Konzern aber keinen Einfluss auf Alipay aus.
FAQ
Wem gehört Alipay? Alipay ist der Bezahldienst der Ant Group Co., Ltd. aus Hangzhou. Größter Aktionär ist die Alibaba Group mit rund 33 Prozent; kein Aktionär hält seit 2023 die Kontrolle.
Gehört Alipay noch Jack Ma? Nein. Jack Ma kontrollierte bis Anfang 2023 mehr als 50 Prozent der Stimmrechte, seit dem Umbau im Januar 2023 nur noch 6,2 Prozent.
Wie groß ist der Anteil von Alibaba an der Ant Group? Alibaba hält seit September 2019 rund 33 Prozent. Der Anteil ersetzte eine Gewinnbeteiligung von 37,5 Prozent.
Warum wurde der Börsengang 2020 gestoppt? Die Behörden setzten die Notierung im November 2020 kurz vor dem Termin aus und verwiesen auf regulatorische Probleme und Risiken für die Finanzstabilität. 2023 zahlte Ant eine Strafe von 7,123 Milliarden Yuan.
Wer führt die Ant Group heute? Seit dem 1. März 2025 ist Cyril Han (Han Xinyi) CEO. Eric Jing ist Verwaltungsratsvorsitzender, Liu Zheng Finanzchef.
Ist die Ant Group börsennotiert? Nein. Im Dezember 2024 nannte der Konzern keine unmittelbaren Pläne. Für die Tochter Ant International gilt eine Notierung in Hongkong als möglich.
Fazit
Alipay gehört der Ant Group, an der Alibaba rund ein Drittel hält, ohne sie zu kontrollieren. Seit der Stimmrechtsreform 2023 ist die Macht auf mehrere Aktionäre verteilt, Jack Ma spielt als Eigentümer nur noch eine Nebenrolle. Unter Eric Jing und Cyril Han baut der Konzern Alipay 2026 zur KI-Plattform um, während Ant International mit frischem Kapital auf einen Börsengang zusteuert. Die Antwort auf die Eigentümerfrage liegt damit weniger bei einer Person als in einer bewusst breit gestreuten Struktur unter regulatorischer Aufsicht.
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