Autodoc ist Europas größter Online-Händler für Autoersatzteile und gehört seit August 2026 wieder vollständig seinen drei Gründern Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel. Der US-Finanzinvestor Apollo, der im April 2024 eine Minderheitsbeteiligung übernommen hatte, ist ausgestiegen. Die Berliner Autodoc SE setzte 2025 rund 1,81 Milliarden Euro um, beschäftigt mehr als 5.500 Mitarbeiter und beliefert Kunden in 27 europäischen Ländern. Ein Börsengang wurde bereits zweimal abgesagt, bleibt aber laut Unternehmen eine Option.
Key Takeaways
- Autodoc gehört über die Beteiligungsgesellschaft AutoTech GmbH & Co. KG indirekt zu 100 Prozent den Gründern Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel.
- Apollo Global Management war von April 2024 bis August 2026 Minderheitsgesellschafter; der Einstieg basierte auf einer Unternehmensbewertung von 2,3 Milliarden Euro.
- Den Rückkauf finanzierten die Gründer mit einem Term Loan B über 530 Millionen Euro, der ersten institutionellen Kreditfinanzierung der Firmengeschichte.
- 2025 stieg der Umsatz um 16,3 Prozent auf 1.807,9 Millionen Euro, der Jahresüberschuss auf 58,8 Millionen Euro.
- Gegründet 2008 in Berlin-Weißensee, ist Autodoc seit 2021 Aktiengesellschaft und seit November 2022 Europäische Gesellschaft (SE) mit Sitz in Berlin.
- Börsengänge wurden 2021 und im Juni 2025 abgesagt; im Juli 2026 erklärte das Management, die neue Finanzierung stärke die Optionen für einen möglichen IPO.
- Operativ führen CEO Dmitri Zadorojnii und CFO Lennart Schmidt das Unternehmen, die Gründer sitzen im Aufsichtsrat.
| Name | Autodoc SE (Marke: AUTODOC) |
|---|---|
| Gründung | 1. Mai 2008 in Berlin, ursprünglich als E&S Pkwteile GmbH |
| Sitz | Berlin (Charlottenburg) |
| Eigentümer | Gründer Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel, indirekt zu 100 Prozent über die AutoTech GmbH & Co. KG |
| Branche | Online-Handel mit Kfz-Ersatzteilen und Zubehör (B2C und B2B) |
| Umsatz/Mitarbeiter | 1.807,9 Millionen Euro (2025); mehr als 5.500 Mitarbeiter in 13 Ländern |
| Management | CEO Dmitri Zadorojnii, CFO Lennart Schmidt |
| Muttergesellschaft | Autodoc Holding SE als Konzernobergesellschaft, vollständig im Besitz der Gründer-Beteiligungsgesellschaft |
Geschichte: Vom Berliner Start-up zum Milliardenkonzern
Autodoc wurde 2008 in Berlin-Weißensee von Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel gegründet, zunächst unter dem Namen E&S Pkwteile GmbH. Nach eigener Darstellung entstand die Idee, weil die Gründer selbst Schwierigkeiten hatten, Ersatzteile zu fairen Preisen zu bekommen. 2011 folgten Österreich und die Schweiz als erste Auslandsmärkte, 2012 Spanien, Italien, Großbritannien und Frankreich.
2013 führte Autodoc die Eigenmarke „Stark“ ein, 2016 folgte „Ridex“. 2018 ging das zentrale Logistikzentrum im polnischen Stettin mit rund 70.000 Quadratmetern in Betrieb. Seit 2020 ist Autodoc in 27 europäischen Ländern aktiv, 2021 wurde erstmals ein Umsatz von über einer Milliarde Euro erreicht. Weitere Logistikzentren entstanden in Cheb (Tschechien), Berlin, Gent (2025) und Manchester (2026).
Eigentümerstruktur: Wem gehört Autodoc?
Die Antwort auf die Frage „Wem gehört Autodoc?“ ist seit August 2026 wieder eindeutig: den drei Gründern. Erdle, Wegner und Kungel halten die Anteile indirekt über die AutoTech GmbH & Co. KG. Diese ist alleinige Eigentümerin der neu geschaffenen Autodoc Holding SE, die als Konzernobergesellschaft über der operativen Autodoc SE steht. Nach Angaben der englischsprachigen Wikipedia sind die Gründeranteile ungleich verteilt: Erdle und Wegner sollen jeweils 45 Prozent halten, Kungel 10 Prozent.
Sechzehn Jahre lang kam Autodoc ohne fremdes Eigenkapital aus. Das änderte sich im April 2024, als Fonds des US-Finanzinvestors Apollo Global Management eine Minderheitsbeteiligung übernahmen. Die Transaktion basierte auf einer Bewertung von 2,3 Milliarden Euro und machte Autodoc zum „Einhorn“. Apollo sollte das Unternehmen auf den Kapitalmarkt vorbereiten. Nachdem der Börsengang 2025 scheiterte, gingen die Gründer den umgekehrten Weg und kauften Apollo aus. Finanziert wurde dies über ein im Juli 2026 platziertes Term Loan B über 530 Millionen Euro sowie eine Kreditlinie über 50 Millionen Euro. Laut der beratenden Kanzlei A&O Shearman lag die Bewertung dabei bei rund vier Milliarden Euro. Am 19. August 2026 meldete Autodoc den Abschluss der Partnerschaft; die Gründer nannten es „einen stolzen und zutiefst bedeutungsvollen Moment“, wieder alleinige Eigentümer zu sein.
Börsengang: Zweimal abgesagt, weiter auf der Agenda
Ein erster Börsengang wurde 2021 abgebrochen. Der zweite Anlauf im Juni 2025 kam bis zur Zeichnungsfrist: Die Aktien sollten in einer Spanne von 58 bis 61 Euro angeboten werden, was einer Bewertung von rund 2,4 Milliarden Euro entsprach. Geplant war die Notierung im Prime Standard der Frankfurter Börse. Am 24. Juni 2025, einen Tag vor dem ersten Handelstag, zog Autodoc das Angebot zurück. CEO Zadorojnii verwies auf das Marktumfeld und die geopolitische Lage; Beobachter sprachen von zu geringer Nachfrage und einer den Eigentümern zu niedrigen Bewertung.
Vom Tisch ist das Thema nicht. Im Juli 2026 erklärte das Management, die Kreditfinanzierung stärke zugleich die „Optionen für einen möglichen Börsengang“. Auch zum Apollo-Ausstieg hieß es, ein IPO bleibe abhängig von den Marktbedingungen auf der Agenda. Ein konkreter Zeitplan ist nicht öffentlich bekannt.
Aktuelle Entwicklung 2025/2026: Rekordzahlen
Operativ läuft es unabhängig von den Börsenplänen gut. Für 2025 meldete Autodoc im März 2026 einen Umsatz von 1.807,9 Millionen Euro, ein Plus von 16,3 Prozent (2024: rund 1,56 Milliarden Euro). Das bereinigte EBITDA stieg auf 163,8 Millionen Euro, der Jahresüberschuss um 59,5 Prozent auf 58,8 Millionen Euro. Die aktiven Kunden wuchsen auf 9,3 Millionen, die Bestellungen auf 18,9 Millionen.
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Autodoc 1.003,4 Millionen Euro Umsatz (plus 12,8 Prozent), ein bereinigtes EBITDA von 91,9 Millionen Euro und ein Konzernergebnis von 48,0 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management ein Umsatzwachstum von 11 bis 16 Prozent und ein bereinigtes EBITDA zwischen 170 und 195 Millionen Euro. Investiert wird in das Werkstattgeschäft AUTODOC PRO, einen Marktplatz und die Logistik in Großbritannien und Tschechien.
Geschäftsmodell und Vermögensbasis der Gründer
Autodoc verkauft Ersatzteile für Pkw, Lkw und Motorräder über Online-Shops und Apps. Das Sortiment umfasst rund 7,8 Millionen Artikelnummern von etwa 2.700 Herstellern; von den Eigenmarken „Ridex“, „Stark“ und „goCORE“ wurden 2025 rund 17,7 Millionen Einheiten verkauft. Das Geschäft ist überwiegend B2C, das B2B-Segment mit AUTODOC PRO wächst jedoch deutlich.
Für die drei Gründer bildet die vollständige indirekte Beteiligung an Autodoc die zentrale Vermögensbasis. Offizielle Angaben zu ihrem persönlichen Vermögen existieren nicht, und uamr.de nennt hierzu keine Beträge. Die Unternehmensbewertungen von 2,3 Milliarden Euro (2024) und rund vier Milliarden Euro (2026) zeigen jedoch, dass Erdle, Wegner und Kungel zu den erfolgreichsten Berliner Unternehmern ihrer Generation zählen. Max Wegner, Jahrgang 1987, verantwortet Strategie und Geschäftsentwicklung; Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Alexei Kletenkov.
FAQ
Wem gehört Autodoc aktuell? Seit August 2026 wieder zu 100 Prozent den Gründern Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel, indirekt über die AutoTech GmbH & Co. KG und die Autodoc Holding SE.
Ist Apollo noch an Autodoc beteiligt? Nein. Apollo-Fonds waren von April 2024 bis August 2026 Minderheitsgesellschafter. Die Gründer kauften die Anteile zurück und finanzierten dies über ein Darlehen von 530 Millionen Euro.
Ist Autodoc börsennotiert? Nein. Börsengänge wurden 2021 und im Juni 2025 abgesagt. Ein späterer IPO bleibt möglich, ein Termin ist nicht bekannt.
Wo hat Autodoc seinen Sitz? Die Autodoc SE sitzt in Berlin-Charlottenburg. Das wichtigste Logistikzentrum liegt in Stettin (Polen), weitere Standorte gibt es unter anderem in Cheb, Gent, Manchester und Lissabon.
Wie viel Umsatz macht Autodoc? 2025 lag der Umsatz bei 1.807,9 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA bei 163,8 Millionen Euro. Für 2026 wird ein Wachstum von 11 bis 16 Prozent erwartet.
Wer führt Autodoc operativ? CEO ist Dmitri Zadorojnii, CFO Lennart Schmidt. Die Gründer sind nicht im Vorstand, sondern im Aufsichtsrat vertreten.
Fazit
Autodoc ist ein seltener Fall unter Deutschlands Internet-Milliardenunternehmen: ohne Wagniskapital groß geworden, nur gut zwei Jahre mit einem Finanzinvestor an Bord und heute wieder vollständig in Gründerhand. Der fremdfinanzierte Rückkauf von Apollo unterstreicht das Selbstbewusstsein von Erdle, Wegner und Kungel. Ob der dritte Anlauf an die Börse gelingt, bleibt die spannendste offene Frage rund um den Berliner Ersatzteilriesen.
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