Kurze Antwort: Villeroy & Boch gehört bei den Stimmen vollständig den Gründerfamilien Villeroy und von Boch. Ihnen gehören alle 14.044.800 Stammaktien – und die sind nicht börsennotiert. An der Börse gehandelt wird ausschließlich die stimmrechtslose Vorzugsaktie.
Die Gesellschaft
- Firma: Villeroy & Boch Aktiengesellschaft (keine SE – die Satzung in der Fassung der Hauptversammlung vom 08.05.2026 nennt ausdrücklich die AG)
- Sitz: Saaruferstraße 1–3, 66693 Mettlach (Saar)
- Register: Amtsgericht Saarbrücken, HRB 63610
- Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE 137917938
- Börsensegment: Prime Standard der Deutsche Börse AG, Kürzel VIB3
Vorstand (Stand 26.08.2026): Georg Lörz als Sprecher (Bath & Wellness), Dr. Peter Domma (Dining & Lifestyle, Digitalisierung), Esther Jehle (HR, Bath & Wellness Operations), Dr. Markus Warncke (Finanzen). Gabi Schupp, bis dahin Vorstandsvorsitzende, schied zum 31.05.2026 aus; der Vorstand wurde danach auf vier Mitglieder ohne Vorsitz, aber mit Sprecher neu aufgestellt.
Aufsichtsratsvorsitzender: Andreas Schmid. Dem Gremium gehören unter anderem François Villeroy de Galhau und Dominique Villeroy de Galhau an.
Zwei Aktiengattungen, nur eine an der Börse
Das Grundkapital von 71.909.376 Euro teilt sich exakt hälftig:
| Gattung | Anzahl | Stimmrecht | Börse |
|---|---|---|---|
| Stammaktien (WKN 765720) | 14.044.800 | je eine Stimme | nicht notiert |
| Vorzugsaktien (WKN 765723) | 14.044.800 | stimmrechtslos | Prime Standard |
Damit gibt es insgesamt 14.044.800 Stimmrechte – sämtlich aus Stammaktien. Und zu denen schreibt Villeroy & Boch auf der eigenen Investor-Relations-Seite wörtlich: Die Stammaktien „sind nicht an der Börse notiert und befinden sich im Besitz der Gründerfamilien“.
Rechnerisch bedeutet das: 100 Prozent der Stimmrechte, entsprechend 50 Prozent des gezeichneten Kapitals, bei den Familien.
Die Vorzugsaktie wird dafür bei der Dividende bevorzugt: Sie erhält je Aktie 0,05 Euro mehr, mindestens aber 0,13 Euro.
Die Vorzugsaktionäre
Der Geschäftsbericht 2024 weist zum Stichtag 31.12.2024 aus: 90 Prozent Streubesitz, 10 Prozent eigene Aktien der Villeroy & Boch AG. Zum 30.06.2026 hielt die Gesellschaft 1.316.278 eigene Vorzugsaktien – rund 9,4 Prozent der Vorzugsaktien und rund 4,7 Prozent des Grundkapitals.
Wichtig für die Einordnung: Diese 90 Prozent Streubesitz beziehen sich ausschließlich auf die Vorzugsaktien. Bezogen auf das gesamte Grundkapital sind es rund 45 Prozent.
Ein bemerkenswerter Satz aus dem Geschäftsbericht
Im Geschäftsbericht 2023 erklärt das Unternehmen zur Unabhängigkeit des Aufsichtsrats: „Die Gesellschaft hat keine/n kontrollierende/n Aktionär:in im Sinne des DCGK. Sie weist aber darauf hin, dass dem Aufsichtsrat neben anderen Vertreter:innen auch Mitglieder der Gründerfamilien Villeroy und von Boch angehören.“
Das ist kein Widerspruch zum Familienbesitz der Stammaktien, sondern eine Aussage über die Struktur: Die Familien sind viele, kein Einzelner kontrolliert.
Fast 280 Jahre Firmengeschichte
- 1748: François Boch gründet die Manufaktur in Audun-le-Tiche, Lothringen.
- 1791: Nicolas Villeroy gründet die Steingutfabrik in Wallerfangen.
- 1836: Zusammenschluss zu „Villeroy & Boch“.
- 1990: Börsengang mit der Notierung der Vorzugsaktien.
- 2006/2007: Ausgliederung des Fliesengeschäfts und Verkauf der Mehrheit an Eczacıbaşı/VitrA; in den Folgejahren weitere Aufstockungen des Käuferanteils. Diese Angaben stammen aus einer Sekundärquelle und sind nicht primärquellenverifiziert.
- September 2023 bis Februar 2024: Übernahme von Ideal Standard. Die Kaufverträge wurden im September 2023 unterzeichnet, der Vollzug erfolgte Ende Februar 2024; ab dem 01.08.2024 wurde der Bereich Bad & Wellness mit Ideal Standard zusammengeführt.
Kein Kontrollwechsel, kein Delisting
In den geprüften Primärquellen findet sich kein Hinweis auf ein Übernahmeangebot, einen Squeeze-out, ein Delisting oder einen Rechtsformwechsel. Die einzigen Ad-hoc-Mitteilungen der Jahre 2024 bis 2026 betreffen Vorstandsressorts und das Ausscheiden von Gabi Schupp. Der Zwischenbericht zum 30.06.2026 weist unveränderte Wertpapierkennnummern und die fortbestehende Notierung im Prime Standard aus.
Was sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen lässt
- Wie sich der Stammaktienbestand auf einzelne Familienstämme oder Personen verteilt. Eine ausdrückliche Bestätigung „100 Prozent“ veröffentlicht das Unternehmen ebenfalls nicht – nur die zitierte Formulierung.
- Ob und in welcher Höhe Familienmitglieder zusätzlich Vorzugsaktien halten.
- Namentliche Großaktionäre im Vorzugs-Streubesitz. Für 2025 und 2026 sind keine Stimmrechtsbekanntmachungen veröffentlicht – systematisch plausibel, weil stimmrechtslose Aktien in der Regel keine Meldepflicht auslösen.
- Eine Free-Float-Quote nach Definition der Deutschen Börse.
Quellen
- Impressum Villeroy & Boch – villeroyboch-group.com
- Satzung der Villeroy & Boch AG, Fassung HV 08.05.2026 (PDF) – villeroyboch-group.com
- Investor Relations, Die Aktie / Vorzugsaktie – villeroyboch-group.com
- Geschäftsbericht 2024 (PDF) – villeroyboch-group.com
- Zwischenbericht Q2/2026 (PDF) – villeroyboch-group.com
Stand: 26. August 2026. Alle Angaben stammen aus den oben verlinkten Quellen.