Wem gehört LVMH? Arnault, Dior und die Stimmrechte

Wem gehört LVMH

Kurze Antwort: LVMH wird von der Familie Arnault kontrolliert. Zum 31. Dezember 2025 hielt die Familiengruppe 49,77 Prozent des Kapitals und – dank des französischen Doppelstimmrechts für langfristig gehaltene Namensaktien – 65,89 Prozent der Stimmrechte. Der größte Teil davon läuft nicht direkt, sondern über die ebenfalls börsennotierte Holding Christian Dior SE.

Die Gesellschaft

  • Firmierung: LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton, Rechtsform Societas Europaea (SE) seit der Umwandlung am 27. Oktober 2014
  • Sitz: 22, avenue Montaigne, 75008 Paris
  • Handelsregister: 775 670 417 RCS Paris
  • Börse: Euronext Paris, ISIN FR0000121014
  • Indizes: CAC 40, DJ Euro Stoxx 50, MSCI Europe, FTSE Eurotop 100, Global Dow, FTSE4Good
  • Gegründet am 1. Januar 1923; Gesellschaftsdauer per Beschluss verlängert bis 31. Dezember 2115
  • Umsatz 2025: 80.807 Millionen Euro; 75 Maisons; Börsenwert zum 31.12.2025 nach eigener Angabe 321,0 Milliarden Euro

Das Doppelstimmrecht ist der Schlüssel: Nach der Satzung erhält jede voll eingezahlte Namensaktie, die seit mindestens drei Jahren ununterbrochen auf denselben Aktionär eingetragen ist, das doppelte Stimmrecht. Deshalb weichen Kapital- und Stimmrechtsanteile so stark voneinander ab – und deshalb reicht der Familie knapp die Hälfte des Kapitals für zwei Drittel der Stimmen.

Die Aktionärsstruktur

Stand 31. Dezember 2025 bei 497.686.940 Aktien und 743.547.834 ausübbaren Stimmrechten:

Aktionär Aktien Kapital Stimmrechte
Familiengruppe Arnault gesamt 247.694.473 49,77 % 65,89 %
davon Christian Dior SE 209.883.810 42,17 % 56,26 %
davon Familie und weitere Gesellschaften direkt 37.810.663 7,60 % 9,63 %
Streubesitz (ohne eigene Aktien) 248.696.539 49,97 % 34,11 %
Eigene Aktien (ohne Stimmrecht) 1.295.928 0,26 % –

Zur Einordnung die Entwicklung: Ende 2023 lag die Familiengruppe bei 48,60 Prozent Kapital und 64,33 Prozent Stimmrechten, Ende 2024 bei 49,00 und 64,81 Prozent.

Weitere belegte Angaben zum Stichtag: rund 900.000 Aktionäre; kein Aktionär außerhalb der Arnault-Gruppe hält fünf Prozent oder mehr; keine Aktionärsvereinbarung über 0,5 Prozent. Die Mitglieder von Executive Committee und Verwaltungsrat halten persönlich direkt 0,9 Prozent des Kapitals.

Die Beteiligungskette

Das offizielle Organigramm im Geschäftsbericht zeigt vier Stufen – und dieselbe Grafik findet sich identisch im Bericht der Christian Dior SE:

  1. Agache SCA – eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Kommanditisten sind Mitglieder der Arnault-Familiengruppe; Komplementäre sind Bernard Arnault und die Agache Commandité SAS. Bernard Arnault ist zugleich geschäftsführender Komplementär.
  2. Financière Agache SA – eine Tochter der Agache SCA. Sie hielt zum 31. Dezember 2025 exakt 173.288.273 Christian-Dior-Aktien, entsprechend 96,00 Prozent des Kapitals und 97,12 Prozent der Stimmrechte.
  3. Christian Dior SE – hält 42,17 Prozent des Kapitals und 56,26 Prozent der Stimmrechte von LVMH. Die Familiengruppe insgesamt hält an der Christian Dior SE 97,50 Prozent des Kapitals und 98,63 Prozent der Stimmrechte.
  4. LVMH SE

Christian Dior SE ist selbst börsennotiert – ISIN FR0000130403, Euronext Paris Compartiment A, Handelsregister 582 110 987 RCS Paris, Sitz 30, avenue Montaigne. Gegründet am 8. Oktober 1946. Nur rund 2,45 Prozent des Kapitals liegen im Streubesitz; lediglich 176 Namensaktionäre besaßen mindestens 100 Aktien.

Der Sonderfall Dior

Der Name steht für drei verschiedene Dinge, und ihre Verwechslung ist die häufigste Fehlerquelle:

  • Christian Dior SE ist die Holding über LVMH – keine Modemarke, sondern eine reine Beteiligungsgesellschaft.
  • Christian Dior Couture ist das operative Modehaus. Es gehört seit dem 3. Juli 2017 zu LVMH und wird im Segment Fashion & Leather Goods geführt. Vorher lag es innerhalb der Christian-Dior-Gruppe, aber außerhalb von LVMH.
  • Parfums Christian Dior gehört zu LVMH, aber zum Segment Perfumes & Cosmetics – ausdrücklich nicht zu Fashion & Leather Goods.

Vorsitzende von Christian Dior Couture ist seit Februar 2023 Delphine Arnault. CEO und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Christian Dior SE ist seit Dezember 2022 Antoine Arnault; Verwaltungsratsvorsitzender ist Bernard Arnault.

Die Führung

Bernard Arnault, geboren am 5. März 1949, ist seit Januar 1989 Präsident und Generaldirektor (Chairman & CEO) von LVMH. Der Verwaltungsrat beschloss am 17. April 2025, die Ämter nicht zu trennen und ihn erneut zu bestellen; sein Verwaltungsratsmandat wurde auf derselben Hauptversammlung mit 93,44 Prozent Zustimmung erneuert. Mandate laufen über drei Jahre.

Zur Altersgrenze: Auf der Hauptversammlung am 17. April 2025 wurde unter Resolution 28 beschlossen, „to harmonize the age limits of the Chairman of the Board of Directors and the Chief Executive Officer, bringing them to eighty-five years“ – angenommen mit 99,18 Prozent. Welchen Wert die Altersgrenze zuvor hatte, geht aus den geprüften LVMH-Dokumenten nicht hervor.

Group Managing Director und Vorsitzender des Executive Committee ist Stéphane Bianchi (seit 18. April 2024).

Die Kinder im Konzern (Stand des Geschäftsberichts, Redaktionsschluss 9. Februar 2026):

  • Delphine Arnault – Verwaltungsrätin von LVMH und der Christian Dior SE; Mitglied des Executive Committee seit Januar 2019; Vorsitzende und Generaldirektorin von Christian Dior Couture seit Februar 2023
  • Antoine Arnault – Verwaltungsrat LVMH; CEO und stellvertretender Vorsitzender der Christian Dior SE seit Dezember 2022; seit Februar 2026 Mitglied des LVMH Executive Committee (Ressort Image, Kommunikation, Nachhaltigkeit); Aufsichtsratsvorsitzender von Berluti; war 2013 bis 2025 Chairman von Loro Piana
  • Alexandre Arnault – Verwaltungsrat LVMH; seit Februar 2025 stellvertretender Geschäftsführer der Wines-and-Spirits-Sparte Moët Hennessy; zuvor 2021 bis 2025 Executive Vice-President bei Tiffany & Co., davor Leitung von Rimowa
  • Frédéric Arnault – Verwaltungsrat LVMH; seit Juni 2025 CEO von Loro Piana; zuvor 2024/25 Chairman und CEO der Uhrensparte, 2020 bis 2024 Chairman und CEO von TAG Heuer
  • Jean Arnault – im Geschäftsbericht 2025 und im Bericht der Christian Dior SE nicht genannt. Seine im Netz kursierende Funktion ließ sich aus keiner Primärquelle belegen.

Die Konzernmarken

Wines & Spirits (Umsatz 2025: 5.358 Mio. Euro) – getragen von Moët Hennessy, an der LVMH 66 Prozent und die Diageo-Gruppe 34 Prozent halten. Marken: Moët & Chandon, Dom Pérignon, Ruinart, Krug, Veuve Clicquot, Mercier, Chandon, Hennessy, Château d’Yquem, Glenmorangie, Ardbeg, Belvedere, Cloudy Bay, Terrazas de los Andes, Armand de Brignac, Minuty, Château d’Esclans, Joseph Phelps Vineyards, Colgin Cellars, Clos des Lambrays; Château Cheval Blanc nach der Equity-Methode.

Fashion & Leather Goods (37.770 Mio. Euro) – laut Geschäftsbericht: Louis Vuitton, Christian Dior, Celine, Loewe, Kenzo, Givenchy, Fendi, Emilio Pucci, Marc Jacobs, Berluti, Loro Piana, Rimowa und Patou.

Perfumes & Cosmetics (8.174 Mio. Euro) – Parfums Christian Dior, Guerlain, Parfums Givenchy, Kenzo Parfums, Benefit Cosmetics, Fresh, Acqua di Parma, Loewe Perfumes, Make Up For Ever, Maison Francis Kurkdjian, Fenty Beauty by Rihanna, Officine Universelle Buly, Ole Henriksen.

Watches & Jewelry (10.486 Mio. Euro) – Tiffany & Co., Bvlgari, Chaumet, Fred, TAG Heuer, Hublot, Zenith, Repossi, L’Epée 1839.

Selective Retailing (18.348 Mio. Euro) – Sephora (2.242 Filialen in 35 Ländern zum 31.12.2025), Le Bon Marché mit La Grande Épicerie de Paris, La Samaritaine, 24S, Starboard Cruise Services und DFS.

Other Activities – Les Echos, Le Parisien-Aujourd’hui en France, Paris Match (seit 1. Oktober 2024), Investir, Radio Classique, Royal Van Lent mit der Yachtmarke Feadship, Cheval Blanc, Belmond, Orient Express, Jardin d’Acclimatation, Thélios, Cova, Vuarnet, Barton Perreira.

Rimowa ist die deutsche Marke im Konzern: 1898 in Köln gegründet, im Geschäftsbericht ausdrücklich als „the first German brand to be owned by LVMH“ bezeichnet. LVMH erwarb im Januar 2017 80 Prozent; im Juni 2021 übte der Minderheitsgesellschafter seine Verkaufsoption aus – seither hält LVMH alle Anteile.

Belegte Beteiligungsquoten aus der Liste konsolidierter Gesellschaften: Moët Hennessy 66 Prozent, DFS Holdings 61 Prozent, Loro Piana 94 Prozent, Château d’Yquem 97 Prozent, Marc Jacobs 80 Prozent, Jean Patou 70 Prozent, Fenty Beauty 50 Prozent; Fendi, Tiffany, TAG Heuer, Hublot, Chaumet, Rimowa, Le Bon Marché, Belmond und Royal Van Lent jeweils 100 Prozent.

DFS wird abgegeben: Am 19. Januar 2026 kündigten DFS und China Tourism Group Duty Free eine verbindliche Vereinbarung an, wonach CTG das DFS-Geschäft in Hongkong und Macau sowie die DFS-Marken für Greater China übernimmt. Der Halbjahresbericht der Christian Dior SE zum 30. Juni 2026 spricht von einem „plan de désengagement de DFS“; die Aktivitäten in Hongkong und Macau sowie Beteiligungen in Japan und Indonesien wurden bereits veräußert.

Historie

  • 1923: Gründung der Gesellschaft, die heute LVMH ist.
  • 1946: Christian Dior gründet sein Modehaus in einem Stadtpalais in der 30, avenue Montaigne – bis heute der Sitz der Christian Dior SE.
  • 1984: Bernard Arnault übernimmt mit einer Investorengruppe den Boussac-Konzern, zu dem Christian Dior gehörte, und wird im selben Jahr Präsident und Generaldirektor der Financière Agache und von Christian Dior.
  • 1987: LVMH entsteht durch die Fusion von Moët Hennessy und Louis Vuitton.
  • 1988: Christian Dior erwirbt über eine Tochter 32 Prozent des LVMH-Kapitals.
  • 1989: Bernard Arnault wird Hauptaktionär und übernimmt im Januar den Vorsitz.
  • 2011: Bulgari. Nach dem Pflichtangebot hielt LVMH am 28. September 2011 insgesamt 98,09 Prozent des Kapitals; Delisting am 4. Oktober 2011.
  • 2013: Loro Piana, 80 Prozent am 5. Dezember. 2017: Rimowa, 80 Prozent im Januar.
  • 17. April 2019: Belmond – 25,00 US-Dollar je Aktie, Unternehmenswert 3,2 Milliarden US-Dollar.
  • 7. Januar 2021: Tiffany & Co. – 131,50 US-Dollar je Aktie in bar, Gesamtvolumen 16,1 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 13,1 Milliarden Euro.
  • September 2024: LVMH verkauft 100 Prozent von Off-White.

Der gescheiterte Hermès-Zugriff

Am 23. Oktober 2010 gab LVMH den Erwerb einer Beteiligung an Hermès International bekannt. Die französische Börsenaufsicht AMF eröffnete eine Untersuchung und stellte LVMH im August 2012 eine Mitteilung der Beschwerdepunkte zu. Am 25. Juni 2013 entschied die Sanktionskommission, LVMH hätte die Öffentlichkeit bereits im Juni 2010 über die Möglichkeit einer Hermès-Beteiligung informieren müssen – obwohl die Sache dem Verwaltungsrat erst am 21. Oktober 2010 vorgelegt wurde. Geldbuße: 8 Millionen Euro, kein Rechtsmittel eingelegt. Hermès verklagte LVMH im Juni 2013 auf Nichtigerklärung der 2008 geschlossenen Swap-Verträge.

Aufgelöst wurde die Sache durch Trennung: Die Hauptversammlung am 25. November 2014 beschloss eine außerordentliche Sachausschüttung von zwei Hermès-Aktien je 41 LVMH-Aktien, ausgezahlt am 17. Dezember 2014. Das entsprach 13,66 Euro je LVMH-Aktie und senkte das Konzerneigenkapital um 7.055 Millionen Euro.

Häufige Falschannahmen

  • „Gucci gehört zu LVMH.“ Nein – zu Kering, zusammen mit Saint Laurent, Bottega Veneta, Balenciaga, McQueen, Brioni, Boucheron, Pomellato und Qeelin.
  • „Hermès gehört zu LVMH.“ Nein. Hermès International wird von der Gründerfamilie kontrolliert – zum 31. Dezember 2025 mit 66,7 Prozent des Kapitals und 78,6 Prozent der Stimmrechte. LVMH hat seine Hermès-Aktien im Dezember 2014 an die eigenen Aktionäre ausgeschüttet.
  • „Bernard Arnault besitzt LVMH direkt zur Hälfte.“ Ungenau: Die Familiengruppe hält 49,77 Prozent, davon 42,17 Prozentpunkte über die Christian Dior SE und nur 7,60 direkt.
  • „LVMH ist mehrheitlich in Streubesitz.“ Kapitalseitig fast, stimmrechtsseitig nicht – dort sind es nur 34,11 Prozent.
  • „Off-White gehört zu LVMH.“ Seit September 2024 nicht mehr.
  • „Moët Hennessy gehört LVMH allein.“ Diageo hält 34 Prozent.
  • „DFS ist eine 100-Prozent-Tochter.“ Nein – 61 Prozent, und seit Januar 2026 läuft ein Desinvestitionsplan.
  • „Chanel, Rolex, Prada oder Cartier gehören zu LVMH.“ Keine dieser Marken erscheint in den Markenlisten des Geschäftsberichts.

Was sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen lässt

  • Die Funktion von Jean Arnault – er wird in keinem der geprüften Primärdokumente genannt
  • Die Höhe der Altersgrenze vor dem 17. April 2025
  • Die Verteilung der Anteile innerhalb der Agache SCA – welches Familienmitglied welchen Anteil hält, wird nicht offengelegt
  • Das wirtschaftliche Eigentum der einzelnen Familienmitglieder an LVMH über die im Bericht genannten Direktbestände hinaus
  • Kaufpreise für Rimowa, Loro Piana, Fendi, Loewe, Celine, Sephora, DFS, Le Bon Marché, Guerlain und die meisten weiteren Maisons – offiziell belegt sind nur Tiffany und Belmond
  • Der Kaufpreis für Paris Match und der Verkaufserlös für Off-White
  • Die Indexzugehörigkeit der Christian Dior SE
  • Eine Aktionärsstruktur mit Stichtag nach dem 31. Dezember 2025 – LVMH veröffentlicht die Aufschlüsselung nur jährlich zum Bilanzstichtag
  • Vermögensangaben zu Privatpersonen, Gehälter und geschätzte Firmenwerte – hier bewusst ausgeklammert; genannt sind ausschließlich vom Unternehmen selbst berichtete Börsenkapitalisierungen

Quellen

Stand: 26. August 2026. Alle Angaben stammen aus den oben verlinkten Quellen.