EUR/CHF Prognose: Wie entwickelt sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro?

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Der Wechselkurs zwischen Euro und Schweizer Franken bewegt sich Ende 2025 in einem engen Korridor zwischen 0,92 und 0,95. Die Entwicklung dieses wichtigen Währungspaares wird maßgeblich durch die unterschiedlichen Zinspolitiken der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt. Aktuelle Marktbeobachtungen zeigen, dass eine fundierte schweizer franken euro prognose sowohl makroökonomische Faktoren als auch technische Chartmuster berücksichtigen muss. Für Trader und Investoren stellt sich die zentrale Frage: Wird der Franken seinen Status als Safe-Haven-Währung weiter ausbauen oder stabilisiert sich das Währungspaar mittelfristig?

Die gegenwärtige Situation am Devisenmarkt ist geprägt von hoher Unsicherheit bezüglich globaler Handelsspannungen und unterschiedlichen geldpolitischen Ausrichtungen der Zentralbanken. Während die SNB ihren Leitzins seit Juni 2025 bei 0 Prozent hält, verharrt die EZB mit ihrem Einlagezins bei 2,0 Prozent. Diese Zinsdifferenz von zwei Prozentpunkten beeinflusst die Attraktivität beider Währungen erheblich und führt zu charakteristischen Handelsbewegungen im EUR/CHF-Paar.

Aktuelle Lage am EUR/CHF Devisenmarkt

Das Währungspaar EUR/CHF zeigt im Jahresverlauf 2025 eine vergleichsweise stabile Entwicklung mit moderater Volatilität. Nach einem Jahrestief bei 0,9212 im Oktober bewegt sich der Kurs aktuell im Bereich zwischen 0,93 und 0,94. Diese Range-Trading-Phase spiegelt die abwartende Haltung der Marktteilnehmer wider, die auf weitere Signale der Zentralbanken reagieren.

Die wichtigsten Faktoren der aktuellen Kursbewegung:

  1. Zinspolitische Divergenz: Die Differenz zwischen SNB-Leitzins (0%) und EZB-Einlagezins (2,0%) schafft Anreize für Carry-Trades zugunsten des Euro
  2. Safe-Haven-Nachfrage: Geopolitische Unsicherheiten und Handelskonflikte stärken regelmäßig den Schweizer Franken
  3. Inflationsdynamik: Mit 0,2 Prozent in der Schweiz und etwa 2,0 Prozent im Euroraum bestehen deutliche Unterschiede im Preisdruck
  4. Exportwirtschaft: Der starke Franken belastet die Schweizer Exporteure, was potenzielle SNB-Interventionen wahrscheinlicher macht

Professionelle Devisenhändler bezeichnen die aktuelle Phase als typisches Range-Trading, bei dem kurzfristiges EUR-Kaufinteresse bei Kursen unter 0,94 und Verkaufsinteresse oberhalb von 0,95 dominiert. Diese Bandbreite könnte sich jedoch bei überraschenden geldpolitischen Entscheidungen schnell auflösen.

Zinspolitik als Haupttreiber der Wechselkursentwicklung

Die geldpolitischen Entscheidungen von SNB und EZB stellen den dominierenden Einflussfaktor für die EUR/CHF-Entwicklung dar. Die SNB hat ihren Leitzins in sechs aufeinanderfolgenden Schritten von 1,75 Prozent im Dezember 2023 auf aktuell 0 Prozent gesenkt. Diese aggressive Lockerung erfolgte primär zur Bekämpfung niedriger Inflation und zur Vermeidung einer weiteren Frankenaufwertung.

Die EZB verfolgt einen moderateren Kurs und senkte ihren Einlagezins seit Juni 2024 in acht Schritten von 4,0 Prozent auf 2,0 Prozent. Nach drei Zinspausen signalisiert die Zentralbank eine abwartende Haltung, abhängig von Inflationsdaten und Wirtschaftswachstum. Laut Bundesbank-Statistiken beeinflusst diese Zinsdifferenz systematisch die Kapitalströme zwischen beiden Währungsräumen.

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Zinsdifferenz und ihre Auswirkungen

Die Zinsdifferenz von 200 Basispunkten zugunsten des Euro sollte theoretisch EUR/CHF stützen, da Anleger höhere Renditen im Euroraum erzielen. Tatsächlich wird dieser Effekt jedoch durch die Safe-Haven-Eigenschaft des Frankens teilweise kompensiert. In Zeiten erhöhter Marktvolatilität fließt Kapital trotz niedrigerer Zinsen in die Schweizer Währung.

Auswirkungen der aktuellen Geldpolitik auf EUR/CHF:

  1. Carry-Trade-Attraktivität: Höhere Euro-Zinsen fördern Finanzierungen in CHF und Anlagen in EUR
  2. Interventionsrisiko: Die SNB könnte bei zu starkem Franken durch Devisenkäufe eingreifen
  3. Negativzins-Spekulation: Marktteilnehmer kalkulieren mögliche negative Zinsen in der Schweiz ein
  4. Inflationsausgleich: Unterschiedliche Teuerungsraten beeinflussen die langfristige Wechselkursparität

Martin Schlegel, SNB-Präsident, betonte mehrfach die hohen Hürden für eine Rückkehr zu Negativzinsen, schloss diese Option jedoch nicht vollständig aus. Die EZB signalisiert gemäß geldpolitischen Beschlüssen eine datenabhängige Zinspolitik mit Spielraum für weitere Lockerungen bei schwacher Konjunktur.

Prognose für die EUR/CHF-Entwicklung 2025-2026

Für das restliche Jahr 2025 und das erste Quartal 2026 erwarten Analysten eine Fortsetzung des Range-Tradings mit leichter Tendenz zur Stabilisierung. Die meisten Prognosen sehen den Wechselkurs zwischen 0,92 und 0,96, wobei die Marke von 0,93 als mittelfristiges Gleichgewicht gilt.

Kurzfristige Szenarien bis Q1 2026:

  • Basisszenario (Wahrscheinlichkeit 60%): Seitwärtsbewegung zwischen 0,925 und 0,950 bei stabiler Zinspolitik beider Zentralbanken
  • Aufwertungsszenario Euro (25%): Anstieg auf 0,96-0,97 bei EZB-Zinspause und SNB-Lockerung
  • Aufwertungsszenario Franken (15%): Rückgang auf 0,91-0,92 bei eskalierenden geopolitischen Risiken

Mittelfristig bis Ende 2026 könnte sich der Kurs bei fortgesetzter Zinskonvergenz in Richtung 0,94-0,95 einpendeln. Entscheidend bleibt die relative Wirtschaftsentwicklung: Eine Erholung im Euroraum würde EUR/CHF stützen, während anhaltende Schwäche Abwärtsdruck erzeugen würde.

Technische Analyse und Kursmarken

Aus charttechnischer Sicht zeigt EUR/CHF einen langfristigen Abwärtstrend mit Konsolidierungsphasen. Die technische Analyse identifiziert wichtige Unterstützungs- und Widerstandszonen, die als Orientierung für Handelsentscheidungen dienen.

Zentrale Kursmarken für EUR/CHF:

  1. Widerstand 1: 0,9550 (psychologische Marke und lokales Hoch)
  2. Widerstand 2: 0,9650 (Jahreshoch 2025 und wichtige technische Barriere)
  3. Unterstützung 1: 0,9250 (Mehrfachtief aus 2024/2025)
  4. Unterstützung 2: 0,9150 (kritische Zone, darunter Abwärtsrisiko)

Ein nachhaltiger Durchbruch über 0,96 würde weiteres Aufwärtspotenzial bis 1,00 aktivieren, während ein Fall unter 0,92 den Abwärtstrend beschleunigen und Kursziele bei 0,90 oder tiefer ermöglichen könnte. Die 50-Wochen-Linie dient als dynamischer Orientierungspunkt für mittelfristig orientierte Trader.

Fazit: Handlungsempfehlungen für Trader und Investoren

Die EUR/CHF-Prognose bleibt von der Zinspolitik dominiert, wobei die Zinsdifferenz zwischen EZB und SNB kurzfristig stabilisierend wirkt. Mittelfristig dürfte die Zinskonvergenz beider Notenbanken die Volatilität erhöhen. Trader sollten Range-Trading-Strategien zwischen 0,92 und 0,95 in Betracht ziehen, während langfristige Investoren die makroökonomischen Rahmenbedingungen genau beobachten müssen.

Wichtigste Erkenntnisse für Marktteilnehmer:

  1. Zinsdifferenz beachten: Die 200-Basispunkte-Differenz bietet Carry-Trade-Chancen, birgt aber Währungsrisiken
  2. Safe-Haven-Flows antizipieren: Bei geopolitischen Schocks tendiert CHF zur Aufwertung unabhängig von Zinsen
  3. Zentralbank-Kommunikation verfolgen: Aussagen zu Negativzinsen oder Interventionen können Marktbewegungen auslösen
  4. Technische Niveaus nutzen: Die Marken 0,92 und 0,95 bieten taktische Ein- und Ausstiegspunkte

Das Risikomanagement bleibt essentiell, da unerwartete Zentralbankentscheidungen oder externe Schocks schnell zu deutlichen Kursbewegungen führen können. Eine diversifizierte Positionierung unter Berücksichtigung der Zinsentwicklung in beiden Währungsräumen erscheint für die kommenden Monate als sinnvolle Strategie.