Key Takeaways
- Naturpigmente lassen sich mit wenigen Zutaten zu echten Aquarellfarben verarbeiten.
- Das wichtigste Bindemittel ist Gummiarabikum-Lösung, ergänzt durch Glyzerin für Geschmeidigkeit.
- Die Qualität der fertigen Farbe hängt stark von der Feinheit des Pigments ab.
- Tipp 1: Pigment und Bindemittel im richtigen Verhältnis anreiben (ca. 2:1 bis 3:1 nach Gewicht).
- Tipp 2: Einen Glasläufer (Muller) auf einer Glasplatte verwenden, um Pigmentagglomerate vollständig aufzubrechen.
- Tipp 3: Jede Farbe einzeln testen, bevor sie in Näpfchen abgefüllt wird.
- Natürliche Pigmente stammen aus Mineralien, Erde, Pflanzen oder Ruß und sind meist lichtecht.
- Die Kosten für ein Starter-Set liegen schätzungsweise bei 20–50 Euro.
- Selbst hergestellte Aquarellfarben eignen sich für alle Aquarelltechniken.
- Das Anreiben ist ein meditatives Handwerk, das Kreativität und Naturverbundenheit verbindet.
Was bedeutet es, eigene Aquarellfarben aus Naturpigmenten anzureiben?
Aquarellfarben aus Naturpigmenten anreiben heißt: Du nimmst ein trockenes Farbpulver aus der Natur und verwandelst es durch mechanisches Reiben und Mischen mit einem Bindemittel in eine malfertige Farbe.
Das klingt nach Alchemie aus dem Mittelalter, ist aber erstaunlich zugänglich. Vor der industriellen Farbproduktion war es schlicht die einzige Methode, wie Maler ihre Farben herstellten. Heute erlebt diese Praxis eine echte Renaissance, weil immer mehr Menschen wissen wollen, was in ihren Farben steckt, und weil die Ergebnisse schlicht schöner sind als vieles, was aus der Tube kommt.
Für wen ist das?
- Aquarellisten, die mehr Kontrolle über ihre Materialien wollen.
- Naturbegeisterte, die mit Pigmenten aus der eigenen Umgebung arbeiten möchten.
- Kunsthandwerker, die nachhaltig und bewusst arbeiten.
- Neugierige Einsteiger mit Freude am Experimentieren.
Welche Naturpigmente eignen sich am besten?
Nicht jedes Pigment verhält sich gleich. Einige lösen sich leicht, andere brauchen viel Reiben. Hier ein Überblick über bewährte Naturpigmente für den Einstieg:
| Pigment | Farbe | Herkunft | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Ocker (Gelb/Rot) | Warm-gelb bis Braun-rot | Eisenoxid-Erde | Sehr gut lichtecht, günstig |
| Lapislazuli | Tiefes Ultramarin | Halbedelstein | Historisch wertvoll, teuer |
| Umbra | Braun bis Dunkelbraun | Naturerde | Schnell trocknend |
| Ruß (Lampenschwarz) | Tiefschwarz | Verbranntes Material | Fein, sehr deckkräftig |
| Malachit | Grün | Kupfermineral | Körnig, braucht viel Reiben |
| Krapprot | Warmes Rot | Krappwurzel | Pflanzlich, leicht verblassend |
| Indigo | Tiefblau | Indigopflanze | Pflanzlich, mittlere Lichtechtheit |
Wichtig: Pflanzliche Pigmente sind oft weniger lichtecht als mineralische. Für langlebige Kunstwerke sind Erdpigmente und Mineralien die bessere Wahl.
Wer sich für kreative DIY-Projekte begeistert, findet auch in anderen Bereichen viel Inspiration, zum Beispiel bei kreativen Ideen für persönliche Handarbeitsprojekte.
Was braucht man, um eigene Aquarellfarben aus Naturpigmenten anzureiben?
Du brauchst weniger als du denkst. Die Grundausstattung ist überschaubar und einmalig angeschafft.
Materialien:
- Naturpigmente (aus Kunsthandel, Apotheke oder selbst gesammelt)
- Gummiarabikum-Lösung (ca. 1 Teil Gummiarabikum-Pulver auf 2 Teile Wasser)
- Glyzerin (1–2 Tropfen pro Farbe, macht die Farbe geschmeidiger und verhindert Risse)
- Glasläufer (Muller) und eine Glasplatte oder Marmorplatte zum Anreiben
- Kleine Spatel oder Palette zum Mischen
- Aquarellnäpfchen oder Halbpfannen zum Abfüllen
- Pipette oder Tropfflasche für die Bindemittellösung
Kosten (Schätzung für Einsteiger):
- Pigmente: 10–30 Euro für 5–8 Farben
- Gummiarabikum: 3–8 Euro
- Glasplatte + Muller: 10–20 Euro (einmalig)
- Näpfchen: 3–5 Euro
Das ergibt einen Gesamtaufwand von etwa 25–60 Euro für den Start, je nach Pigmentauswahl.
Schritt für Schritt: Eigene Aquarellfarben aus Naturpigmenten anreiben
Hier kommt der Kern des Prozesses. Ich beschreibe ihn so, wie ich ihn selbst gelernt habe: pragmatisch, ohne unnötigen Aufwand.
Schritt 1: Gummiarabikum-Lösung vorbereiten
Löse Gummiarabikum-Pulver in lauwarmem Wasser auf (Verhältnis ca. 1:2). Rühre gut um und lass die Lösung über Nacht quellen. Sie sollte die Konsistenz von flüssigem Honig haben. Füge 1–2 Tropfen Glyzerin hinzu.
Schritt 2: Pigment auf die Glasplatte geben
Gib einen kleinen Löffel Pigmentpulver auf die saubere Glasplatte. Mache eine kleine Mulde in der Mitte und träufle tropfenweise die Gummiarabikum-Lösung hinein. Beginne sparsam, du kannst immer mehr hinzufügen.
Schritt 3: Anreiben mit dem Muller
Jetzt kommt die eigentliche Arbeit: Reibe das Pigment mit dem Glasläufer in kreisenden Bewegungen. Ziel ist es, alle Klümpchen aufzubrechen und eine gleichmäßige, glatte Paste zu erzeugen. Das dauert je nach Pigment 5–15 Minuten.
💡 Profi-Tipp: Hebe die Masse zwischendurch mit einem Spatel zusammen und reibe erneut. So erwischst du auch Pigmentreste an den Rändern.
Schritt 4: Konsistenz prüfen
Die fertige Paste sollte die Konsistenz von weicher Butter haben: nicht zu flüssig, nicht zu trocken. Teste sie auf einem Stück Aquarellpapier. Sie muss sich gleichmäßig verteilen lassen und beim Trocknen nicht reißen oder abblättern.
Schritt 5: In Näpfchen abfüllen
Fülle die Paste in Aquarellnäpfchen oder Halbpfannen. Lasse sie 24–48 Stunden an der Luft trocknen. Danach sind die Farben malfertig.

Die 3 besten Tipps für das Anreiben eigener Aquarellfarben aus Naturpigmenten
Diese drei Tipps machen den größten Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer wirklich guten selbst gemachten Aquarellfarbe.
Tipp 1: Das richtige Pigment-Bindemittel-Verhältnis einhalten
Das Verhältnis von Pigment zu Bindemittel ist entscheidend. Als Faustregel gilt: 2 bis 3 Teile Pigment auf 1 Teil Gummiarabikum-Lösung (nach Volumen). Zu viel Bindemittel macht die Farbe klebrig und glänzend. Zu wenig führt dazu, dass die Farbe nach dem Trocknen abbröckelt.
- Beginne immer mit wenig Bindemittel und arbeite dich vor.
- Schwere Pigmente (wie Malachit) brauchen etwas mehr Bindemittel als leichte.
- Teste immer einen kleinen Strich auf Papier, bevor du abfüllst.
Häufiger Fehler: Zu viel Gummiarabikum auf einmal hinzufügen. Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen.
Tipp 2: Gründlich genug anreiben
Viele Einsteiger unterschätzen, wie lange das Anreiben dauert. Ein unzureichend angeriebenes Pigment hinterlässt körnige Striche und verteilt sich ungleichmäßig auf dem Papier.
- Reibe mindestens 5 Minuten pro Farbe, bei groben Pigmenten wie Malachit bis zu 20 Minuten.
- Nutze einen echten Glasmuller auf einer Glasplatte, kein Plastik.
- Wenn die Paste unter dem Muller glatt und gleichmäßig glänzt, ist sie fertig.
„Das Anreiben ist kein Schritt, den man überspringen kann. Es ist der Schritt, der aus Pulver eine echte Farbe macht.“
Tipp 3: Jede Farbe einzeln testen und anpassen
Jedes Naturpigment verhält sich anders. Manche sind sehr deckkräftig, andere transparent. Manche trocknen schnell, andere bleiben lange feucht.
- Male nach dem Anreiben einen Teststreifen auf Aquarellpapier.
- Prüfe: Lässt sich die Farbe gut verwischen? Reißt sie beim Trocknen? Blättert sie ab?
- Passe das Verhältnis oder die Glyzerinmenge entsprechend an.
Wer seinen kreativen Freiraum auch im Alltag kultivieren möchte, findet vielleicht Inspiration in Gedanken zur Regeneration und Erholung im eigenen Zuhause.
Welche Fehler sollte man beim Anreiben vermeiden?
Hier sind die häufigsten Stolperfallen, die ich selbst erlebt habe und die mir andere Aquarellisten berichtet haben:
- Zu viel Wasser in der Gummiarabikum-Lösung: Die Farbe wird zu dünn und bindet nicht richtig.
- Falsches Werkzeug: Ein Plastikspatel ersetzt keinen Glasmuller. Die Scherkräfte beim Reiben sind entscheidend.
- Pigment nicht gesiebt: Grobe Partikel können das Papier aufrauen. Siebe das Pigment vor dem Anreiben durch ein feines Sieb.
- Zu schnell abfüllen: Warte, bis du sicher bist, dass die Konsistenz stimmt.
- Keine Beschriftung: Naturpigmente sehen getrocknet oft ähnlich aus. Beschrifte jede Farbe sofort.
Wie lange sind selbst hergestellte Aquarellfarben haltbar?
Selbst hergestellte Aquarellfarben aus Naturpigmenten sind bei richtiger Lagerung sehr langlebig. Getrocknete Farben in Näpfchen halten, schätzungsweise, mehrere Jahre, wenn sie trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Das Gummiarabikum kann bei Feuchtigkeit schimmeln, deshalb gilt:
- Trocken lagern, nicht in feuchten Räumen.
- Kein direktes Sonnenlicht auf die Näpfchen.
- Bei Schimmelbefall: Farbe entsorgen, Näpfchen reinigen.
- Pflanzliche Pigmente können über Zeit verblassen, besonders bei Lichtexposition.
Für langlebige Kunstwerke empfehlen sich mineralische Erdpigmente wie Ocker, Umbra oder Sienna, die seit Jahrhunderten in Höhlenmalereien erhalten geblieben sind.
Wo bekommt man Naturpigmente her?
Es gibt mehrere Quellen, je nach Budget und Interesse:
- Kunsthandel und Fachversand (z. B. Kremer Pigmente in Deutschland): Große Auswahl, gute Qualität, faire Preise.
- Apotheke: Einige Grundpigmente wie Ruß oder Ocker sind dort erhältlich.
- Selbst sammeln: Bunte Erde, Lehm oder Kreide aus der Natur lassen sich aufbereiten. Das erfordert mehr Aufwand (Trocknen, Sieben, Mahlen), ist aber ein besonderes Erlebnis.
- Mineralienhandel: Für besondere Pigmente wie Lapislazuli oder Malachit.
Tipp für Selbstsammler: Erdpigmente aus der Natur müssen getrocknet, fein gemahlen und gesiebt werden, bevor sie sich anreiben lassen. Nicht jede Erde eignet sich, aber das Ausprobieren macht einen großen Teil des Reizes aus.
Wer kreative Projekte gerne auch visuell dokumentiert, könnte sich für Unterwasser-Vlogging und visuelle Storytelling-Techniken interessieren, um die eigene Farbherstellung festzuhalten.
Wie unterscheiden sich selbst gemachte Aquarellfarben von Industriefarben?
Selbst hergestellte Aquarellfarben aus Naturpigmenten haben einen anderen Charakter als Tubenfarben aus dem Laden. Das ist keine Frage von besser oder schlechter, sondern von Unterschied:
| Eigenschaft | Selbst hergestellt | Industriefarbe |
|---|---|---|
| Farbcharakter | Individuell, oft subtiler | Standardisiert, brillant |
| Inhaltsstoffe | Bekannt, natürlich | Oft synthetische Pigmente |
| Granulation | Häufig sichtbar, malerisch | Meist gleichmäßig |
| Preis | Günstig bis mittel | Mittel bis teuer |
| Aufwand | Hoch (Herstellung) | Keiner |
| Nachhaltigkeit | Hoch | Variiert |
Viele Aquarellisten schätzen die natürliche Granulation von selbst geriebenen Farben: das leichte Körneln, das entsteht, wenn Pigmentpartikel sich unterschiedlich auf dem Papier absetzen. Das verleiht Aquarellen eine Tiefe, die industrielle Farben oft nicht erreichen.
Fazit: Warum es sich lohnt, eigene Aquarellfarben aus Naturpigmenten anzureiben
Eigene Aquarellfarben aus Naturpigmenten anreiben ist mehr als ein Hobby. Es ist ein Weg, die eigene Malpraxis tiefer zu verstehen, Materialien bewusst einzusetzen und Farben herzustellen, die wirklich einzigartig sind.
Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Ratgeber:
- Das richtige Verhältnis von Pigment zu Bindemittel ist die Grundlage jeder guten Farbe.
- Gründliches Anreiben mit dem richtigen Werkzeug entscheidet über die Qualität.
- Testen vor dem Abfüllen spart Zeit und Material.
Deine nächsten Schritte:
- Bestelle 3–5 Grundpigmente (Ocker, Umbra, Ruß, ein Blau) und Gummiarabikum.
- Besorge dir eine kleine Glasplatte und einen Muller.
- Starte mit einer einzigen Farbe, bevor du eine ganze Palette anreibst.
- Halte deine Ergebnisse fest, entweder in einem Skizzenbuch oder fotografisch.
Das Schöne an diesem Handwerk: Es gibt kein Scheitern, nur Lernmomente. Jede Charge Farbe lehrt dich etwas über das Pigment, das Bindemittel und deine eigene Hand. Und das erste Aquarell, das du mit einer selbst geriebenen Farbe malst, fühlt sich anders an als jedes andere.
Wer sein kreatives Zuhause weiter gestalten möchte, findet auch Anregungen dazu, wie sich Außenflächen im städtischen Raum als persönlicher Rückzugsort nutzen lassen, oder wie man mit hochwertigem Posterdruck für das Zuhause die eigenen Kunstwerke zur Geltung bringt.
FAQ: Eigene Aquarellfarben aus Naturpigmenten anreiben
Kann ich auch ohne Glasmuller anreiben? Ein Glasmuller ist ideal, aber du kannst auch den Rücken eines Löffels oder einen flachen Stein verwenden. Die Qualität ist geringer, aber für den Einstieg reicht es.
Wie viel Gummiarabikum brauche ich für den Start? 50 Gramm Gummiarabikum-Pulver reichen für viele Chargen. Löse es im Verhältnis 1:2 mit Wasser auf.
Kann ich Pigmente aus dem Baumarkt verwenden? Manche Farbpigmente aus dem Baumarkt sind geeignet, aber prüfe immer, ob sie für Kunstzwecke deklariert sind. Kunsthandel-Pigmente haben eine verlässlichere Qualität.
Warum reißt meine Farbe beim Trocknen? Zu wenig Bindemittel oder zu wenig Glyzerin. Füge beim nächsten Versuch etwas mehr Gummiarabikum-Lösung und 1–2 Tropfen Glyzerin hinzu.
Sind Naturpigmente gesundheitlich unbedenklich? Die meisten Erdpigmente sind unbedenklich. Ausnahmen sind bleihaltige Pigmente (z. B. historisches Bleiweiß) oder kadmiumhaltige Mineralien. Kaufe Pigmente nur bei seriösen Anbietern mit Sicherheitsdatenblatt.
Wie lange dauert das Anreiben einer Farbe? Für eine kleine Charge (ca. 5 ml fertige Paste) rechne mit 10–20 Minuten, je nach Pigment.
Kann ich selbst geriebene Farben mit Tubenfarben mischen? Ja, das funktioniert gut. Achte darauf, dass die Bindemittel kompatibel sind, was bei Gummiarabikum-basierten Farben in der Regel der Fall ist.
Was ist der Unterschied zwischen Pigment und Farbstoff? Pigmente sind unlösliche Partikel, die auf der Oberfläche des Papiers liegen. Farbstoffe lösen sich im Wasser und dringen ins Papier ein. Für Aquarellfarben werden Pigmente verwendet.
Muss ich die Glasplatte nach jeder Farbe reinigen? Ja, unbedingt. Reste des vorherigen Pigments können die neue Farbe verunreinigen. Reinige die Platte mit Wasser und einem Tuch.
Kann ich Naturpigmente selbst aus Pflanzen herstellen? Ja, aus Pflanzen wie Waid, Krapp oder Kurkuma lassen sich Pigmente extrahieren. Das ist aufwendiger und die Lichtechtheit ist geringer als bei Mineralien.
Quellen
- Kremer Pigmente GmbH & Co. KG: Produktinformationen zu Naturpigmenten und Bindemitteln. kremerpigmente.com
- Cennini, Cennino: Il Libro dell’Arte (Das Buch von der Kunst), ca. 1400. Historische Quelle zur mittelalterlichen Pigmentverarbeitung.
- Gottsegen, Mark David: The Painter’s Handbook. Watson-Guptill, 2006.
Tags: Naturpigmente, Aquarellfarben selbst herstellen, Pigmente anreiben, Gummiarabikum, DIY Aquarell, Erdpigmente, Wasserfarben selbst machen, Kunsthandwerk, Malfarben Naturmaterialien, Aquarelltechnik, nachhaltige Kunst, Pigmentbindemittel