Last updated: July 25, 2026
Quick Answer: Wer Aktien bewertet, braucht keine komplizierte Mathematik. Die wichtigsten Kennzahlen wie KGV, KBV und Dividendenrendite lassen sich mit wenigen Zahlen aus dem Geschäftsbericht berechnen. Wer diese Kennzahlen versteht und richtig kombiniert, erkennt, ob eine Aktie günstig, fair oder teuer bewertet ist.
Key Takeaways
- Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die meistgenutzte Bewertungskennzahl, hat aber branchenspezifische Grenzen.
- Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zeigt, wie viel Anleger für das Eigenkapital eines Unternehmens zahlen.
- Die Dividendenrendite misst die jährliche Ausschüttung im Verhältnis zum Aktienkurs.
- Kein einzelner Kennwert reicht für eine fundierte Investitionsentscheidung aus.
- Wachstumsaktien haben strukturell höhere KGVs als Substanzwerte (Value-Aktien).
- Ein KGV unter 15 gilt klassisch als günstig, aber nur im Branchenvergleich.
- Überbewertet bedeutet nicht automatisch, dass der Kurs fällt, aber das Risiko steigt.
- Kostenlose Tools wie onvista, finanzen.net oder die Deutsche Börse-Website stellen alle relevanten Kennzahlen bereit.
- Anfänger sollten mindestens drei Kennzahlen kombinieren, bevor sie eine Entscheidung treffen.
- DAX- und MDAX-Unternehmen bieten gute Vergleichsmaßstäbe für deutsche Anleger.
Was ist das KGV und wie berechne ich es
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt, wie viele Jahresgewinne ein Anleger für eine Aktie zahlt. Es ist die am häufigsten verwendete Kennzahl in der Aktienbewertung und der erste Schritt, um Aktien einfach zu vergleichen.
Formel: KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie (EPS)
Beispiel aus dem DAX: Liegt der Kurs einer Siemens-Aktie bei 180 Euro und der Gewinn je Aktie bei 12 Euro, ergibt sich ein KGV von 15. Das bedeutet: Anleger zahlen das 15-fache des Jahresgewinns.
Wichtige Unterscheidung:
- Trailing KGV: basiert auf dem tatsächlichen Gewinn der letzten 12 Monate
- Forward KGV: basiert auf dem erwarteten Gewinn des nächsten Jahres (Analystenschätzung)
Das Forward KGV ist für Wachstumsaktien relevanter, weil es die Zukunft einpreist. Das Trailing KGV ist verlässlicher, weil es auf echten Zahlen basiert.
Häufiger Fehler: Das KGV isoliert betrachten, ohne den Branchendurchschnitt zu kennen. Ein KGV von 25 ist für ein Technologieunternehmen normal, für einen Stahlhersteller aber teuer.
Unterschied zwischen KGV und KBV bei Aktien
Das KGV misst den Preis im Verhältnis zum Gewinn, das KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) misst den Preis im Verhältnis zum Eigenkapital. Beide Kennzahlen sind zentral für die Aktienbewertung, sprechen aber unterschiedliche Fragen an.
Formel KBV: KBV = Aktienkurs / Buchwert je Aktie
Der Buchwert je Aktie ergibt sich aus dem Eigenkapital des Unternehmens geteilt durch die Anzahl der Aktien.
| Kennzahl | Misst | Gut für |
|---|---|---|
| KGV | Preis / Gewinn | Ertragsstärke bewerten |
| KBV | Preis / Eigenkapital | Substanzwert bewerten |
Wann ist welche Kennzahl sinnvoller?
- KBV unter 1,0 bedeutet: Anleger kaufen die Aktie günstiger als das bilanzierte Eigenkapital. Das kann eine Unterbewertung signalisieren, aber auch strukturelle Probleme des Unternehmens.
- Das KBV ist besonders nützlich bei Banken und Versicherungen, weil deren Bilanzen stark auf Eigenkapital basieren. Bei Technologieunternehmen mit wenig Sachwerten ist das KBV weniger aussagekräftig.
Beispiel: Die Commerzbank wies 2024 ein KBV unter 0,5 aus, was historisch als Kaufsignal für Value-Investoren gilt, sofern das Unternehmen profitabel ist.
Dividendenrendite berechnen und verstehen
Die Dividendenrendite gibt an, wie viel Prozent des investierten Kapitals ein Anleger jährlich als Ausschüttung zurückerhält. Sie ist besonders für einkommensorientierte Anleger relevant.
Formel: Dividendenrendite = (Dividende je Aktie / Aktienkurs) x 100
Beispiel: Zahlt Allianz 13 Euro Dividende je Aktie und der Kurs liegt bei 260 Euro, beträgt die Dividendenrendite 5,0 Prozent.
Worauf Anleger achten sollten:
- Eine hohe Dividendenrendite klingt attraktiv, kann aber ein Warnsignal sein, wenn der Kurs stark gefallen ist.
- Nachhaltige Dividenden wachsen über Jahre. Unternehmen wie BASF oder Munich Re haben langjährige Ausschüttungshistorien.
- Die Ausschüttungsquote (Dividende / Gewinn) zeigt, ob die Dividende aus dem laufenden Gewinn finanzierbar ist. Über 80 Prozent gilt als riskant.
Entscheidungsregel: Wähle Aktien mit Dividendenrendite über 3 Prozent nur dann, wenn die Ausschüttungsquote unter 70 Prozent liegt und der Gewinn in den letzten drei Jahren stabil war.

Welche Aktienkennzahlen sind am wichtigsten
Für eine solide Aktienbewertung reichen fünf Kennzahlen aus. Mehr Zahlen führen bei Einsteigern oft zu Verwirrung, nicht zu besseren Entscheidungen.
Die fünf Kernkennzahlen im Überblick:
- KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Bewertung der Ertragskraft
- KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis): Bewertung der Substanz
- Dividendenrendite: Einkommenskomponente
- KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis): Nützlich bei Unternehmen ohne Gewinn
- Eigenkapitalrendite (ROE): Zeigt, wie effizient das Unternehmen Kapital einsetzt
Das KUV (Formel: Marktkapitalisierung / Jahresumsatz) ist besonders relevant für Wachstumsunternehmen, die noch keine Gewinne schreiben, wie es bei einigen MDAX-Technologietiteln der Fall ist.
Wie erkenne ich, ob eine Aktie überbewertet ist
Eine Aktie gilt als überbewertet, wenn ihre Kennzahlen deutlich über dem historischen Durchschnitt oder dem Branchenmittel liegen, ohne dass das Wachstum diese Prämie rechtfertigt.
Checkliste für Überbewertung:
- KGV liegt mehr als 50 Prozent über dem Branchendurchschnitt
- KBV über 5 bei einem Unternehmen ohne überdurchschnittliches Gewinnwachstum
- Dividendenrendite ist stark gesunken, weil der Kurs stark gestiegen ist
- Das Forward KGV basiert auf sehr optimistischen Gewinnschätzungen
- Der Kurs ist in kurzer Zeit ohne fundamentale Neuigkeiten stark gestiegen
Gegencheck: Ein hohes KGV allein bedeutet keine Überbewertung. Wenn ein Unternehmen seinen Gewinn jedes Jahr um 20 Prozent steigert, ist ein KGV von 30 oft gerechtfertigt. Die Faustregel: KGV geteilt durch das jährliche Gewinnwachstum (PEG-Ratio) sollte unter 1,5 liegen.
KGV-Vergleich zwischen verschiedenen Branchen und was ein gutes KGV ist
Ein gutes KGV hängt vollständig von der Branche ab. Es gibt keinen universellen Richtwert, der für alle Aktien gilt.
Typische KGV-Bandbreiten nach Branche (Schätzwerte, Stand 2026):
- Technologie: 20 bis 35
- Konsumgüter (Grundbedarf): 15 bis 25
- Banken und Versicherungen: 8 bis 14
- Energie und Rohstoffe: 8 bis 12
- Versorger: 12 bis 18
- Pharma und Gesundheit: 18 bis 28
Faustregel für Einsteiger: Ein KGV unter dem Branchendurchschnitt kann auf eine Unterbewertung hindeuten. Ein KGV über dem Doppelten des Branchendurchschnitts erfordert eine starke Wachstumsstory.
Beispiel aus dem DAX: Volkswagen handelte in bestimmten Phasen mit einem KGV unter 5, was für die Automobilbranche historisch günstig ist, aber strukturelle Risiken widerspiegelt.
Aktien bewerten für Anfänger: Schritt-für-Schritt-Ansatz
Aktienbewertung einfach gemacht bedeutet, einen klaren Prozess zu haben. Anfänger sollten nicht alle Kennzahlen auf einmal lernen, sondern mit drei Schritten beginnen.
Schritt-für-Schritt für Einsteiger:
- Branche bestimmen: Welcher Sektor ist das Unternehmen? Das bestimmt den Vergleichsmaßstab.
- KGV berechnen: Aktienkurs durch Gewinn je Aktie. Mit dem Branchendurchschnitt vergleichen.
- Dividendenrendite prüfen: Ist sie nachhaltig? Ausschüttungsquote unter 70 Prozent?
- KBV checken: Liegt es unter 1? Unter dem Branchendurchschnitt?
- Eigenkapitalrendite ansehen: Über 10 Prozent gilt als solide.
Wo findet man die Zahlen kostenlos?
- finanzen.net: Detaillierte Kennzahlenübersichten für DAX und MDAX
- onvista.de: Historische KGV-Charts und Vergleichsfunktionen
- boerse.de: Einfache Übersichten für Einsteiger
- Deutsche Börse (deutsche-boerse.com): Offizielle Unternehmensdaten
Häufige Fehler bei der Aktienanalyse
Der größte Fehler in der Aktienbewertung ist, eine einzige Kennzahl als Entscheidungsgrundlage zu nutzen. Weitere verbreitete Fehler kosten Anleger unnötig Rendite.
Die fünf häufigsten Fehler:
- Nur auf das KGV schauen: Ein niedriges KGV kann auch ein „Value Trap“ sein, also ein dauerhaft schwaches Unternehmen.
- Dividendenrendite ohne Nachhaltigkeitscheck: Hohe Renditen bei sinkenden Gewinnen sind ein Warnsignal.
- Branchenkontext ignorieren: Ein KGV von 10 ist für eine Bank normal, für ein Softwareunternehmen ein Alarmsignal.
- Einmalige Sondergewinne nicht herausrechnen: Ein einmaliger Verkaufserlös verzerrt das KGV erheblich.
- Zukunftsschätzungen als sicher behandeln: Forward KGVs basieren auf Prognosen, die oft nicht eintreffen.
Wann sollte man nicht nur auf das KGV schauen und welche Kennzahlen für Wert- oder Wachstumsaktien
Das KGV verliert seine Aussagekraft, wenn Gewinne negativ, stark schwankend oder durch Sondereffekte verzerrt sind. In diesen Fällen braucht man alternative Kennzahlen.
Wachstumsaktien (z.B. Technologie-MDAX-Titel):
- KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) statt KGV
- EV/EBITDA (Enterprise Value zu operativem Gewinn vor Abschreibungen)
- PEG-Ratio (KGV geteilt durch Wachstumsrate)
Substanz- oder Value-Aktien (z.B. Versorger, Banken):
- KBV als Hauptkennzahl
- Dividendenrendite und Ausschüttungsquote
- Eigenkapitalrendite über mehrere Jahre
Entscheidungsregel: Wer Wachstumsaktien mit dem KGV von Value-Aktien vergleicht, kommt zu falschen Schlüssen. Immer erst den Unternehmenstyp bestimmen, dann die passenden Kennzahlen wählen.
Wie nutze ich Kennzahlen für die Investitionsentscheidung
Kennzahlen allein treffen keine Entscheidungen, sie liefern Argumente. Eine gute Investitionsentscheidung kombiniert Kennzahlen mit einer Einschätzung des Geschäftsmodells und der Wettbewerbsposition.
Praktischer Entscheidungsrahmen:
- Ist das KGV unter dem Branchendurchschnitt? (Bewertungsvorteil)
- Ist die Eigenkapitalrendite über 10 Prozent? (Qualitätsmerkmal)
- Ist die Dividende nachhaltig finanziert? (Einkommensstabilität)
- Liegt das KBV unter dem historischen Mittel? (Substanzvorteil)
- Gibt es eine plausible Wachstumsstory für die nächsten drei Jahre?
Wenn mindestens vier von fünf Punkten positiv sind, ist eine genauere Analyse sinnvoll. Wenn nur ein oder zwei Punkte zutreffen, sollte man weitersuchen.
Fazit: Aktienbewertung einfach gemacht in der Praxis
Aktienbewertung einfach gemacht bedeutet nicht, alle Kennzahlen zu ignorieren, sondern die richtigen zu kennen und im richtigen Kontext anzuwenden. KGV, KBV und Dividendenrendite sind der Einstieg, aber erst in Kombination entfalten sie ihre Stärke.
Konkrete nächste Schritte:
- Suche drei DAX-Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und berechne KGV und Dividendenrendite manuell.
- Vergleiche die Werte mit dem jeweiligen Branchendurchschnitt auf finanzen.net oder onvista.
- Erstelle eine persönliche Checkliste mit den fünf Kernkennzahlen und wende sie auf jede Aktie an, die du kaufen möchtest.
- Lerne, zwischen Trailing und Forward KGV zu unterscheiden, bevor du Wachstumsaktien bewertest.
Wer diese Grundlagen beherrscht, hat einen klaren Vorteil gegenüber Anlegern, die Aktien allein nach Kursbewegungen oder Empfehlungen kaufen. Kennzahlen ersetzen kein Urteilsvermögen, aber sie schärfen es erheblich.
FAQ
Was ist ein normales KGV für DAX-Aktien? Der historische Durchschnitt des DAX liegt bei einem KGV zwischen 13 und 18. Werte darunter gelten tendenziell als günstig, Werte darüber als teuer, immer im Branchenkontext betrachtet.
Kann das KGV negativ sein? Ja, wenn ein Unternehmen Verluste macht, ist das KGV negativ oder nicht aussagekräftig. In diesem Fall sollte man auf KUV oder EV/EBITDA ausweichen.
Was bedeutet ein KBV unter 1? Ein KBV unter 1 bedeutet, dass die Aktie günstiger gehandelt wird als das bilanzierte Eigenkapital des Unternehmens. Das kann eine Unterbewertung sein, aber auch auf strukturelle Probleme hinweisen.
Wie oft sollte man Kennzahlen überprüfen? Mindestens nach jedem Quartalsbericht und nach größeren Marktbewegungen. Für langfristige Anleger reicht eine halbjährliche Überprüfung.
Ist eine hohe Dividendenrendite immer gut? Nein. Eine Dividendenrendite über 7 bis 8 Prozent ist oft ein Warnsignal, dass der Markt an der Nachhaltigkeit der Ausschüttung zweifelt oder der Kurs stark gefallen ist.
Was ist der Unterschied zwischen KGV und PEG-Ratio? Das PEG-Ratio setzt das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum. Ein PEG unter 1 gilt als günstig, weil das Wachstum das hohe KGV rechtfertigt.
Welche Kennzahl ist für Banken am wichtigsten? Das KBV ist bei Banken besonders aussagekräftig, weil deren Geschäftsmodell stark auf Eigenkapital basiert. Ergänzend ist die Eigenkapitalrendite (ROE) relevant.
Wo finde ich kostenlos alle Kennzahlen für deutsche Aktien? finanzen.net, onvista.de und boerse.de bieten kostenlose, aktuelle Kennzahlenübersichten für alle DAX- und MDAX-Unternehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Trailing und Forward KGV? Das Trailing KGV basiert auf tatsächlichen Gewinnen der letzten 12 Monate. Das Forward KGV basiert auf Gewinnschätzungen für die nächsten 12 Monate und ist unsicherer, aber zukunftsorientierter.
Wie viele Kennzahlen brauche ich mindestens für eine Entscheidung? Mindestens drei: KGV, Dividendenrendite und entweder KBV oder Eigenkapitalrendite. Wer nur eine Kennzahl nutzt, trifft strukturell schlechtere Entscheidungen.
Quellen
- Damodaran, A. (2012). Investment Valuation: Tools and Techniques for Determining the Value of Any Asset. Wiley Finance.
- Deutsche Börse Group. Unternehmenskennzahlen und Indexdaten. https://www.deutsche-boerse.com
- finanzen.net. Aktien-Kennzahlen DAX und MDAX. https://www.finanzen.net
- Graham, B., & Dodd, D. (1934). Security Analysis. McGraw-Hill.
- onvista.de. Historische KGV-Daten und Branchenvergleiche. https://www.onvista.de