Wem gehört Rolls-Royce? Zwei getrennte Firmen

Wem gehört Rolls Royce

Kurze Antwort: Es gibt zwei Rolls-Royce, und sie haben seit 1973 nichts mehr miteinander zu tun. Die Rolls-Royce Motor Cars Limited baut Autos in Goodwood und gehört zu BMW. Die Rolls-Royce Holdings plc baut Triebwerke, ist an der Londoner Börse notiert und gehört niemandem im Besonderen – abgesehen von einer einzigen Sonderaktie im Besitz der britischen Regierung.

Rolls-Royce Motor Cars Limited – die Automobile

  • Companies House Nummer 03522604, gegründet am 5. März 1998, Status aktiv
  • Eingetragener Sitz: Summit One, Summit Avenue, Farnborough, Hampshire; Produktion und operativer Firmensitz in Goodwood, West Sussex; Technologie- und Logistikzentrum in Bognor Regis seit 2016
  • Kontrollierende Person laut Register: BMW (UK) Holdings Limited (Nummer 01213133), gemeldet am 4. Dezember 2017 – mit mindestens 75 Prozent der Anteile und Stimmrechte sowie dem Recht, Directors zu bestellen und abzuberufen

Die BMW Group führt Rolls-Royce offiziell als Konzernmarke neben BMW, MINI und BMW Motorrad. Zur Genauigkeit: Das britische Register weist nur Bandbreiten aus. Die verbreitete Angabe „100 Prozent BMW“ ist plausibel und entspricht der Konzernberichterstattung, ist aber nicht durch eine Registerprozentzahl belegt.

Rolls-Royce Holdings plc – die Triebwerke

  • Companies House Nummer 07524813, gegründet am 10. Februar 2011
  • Sitz: Kings Place, 90 York Way, London N1 9FX. Haupt-Betriebsgesellschaft ist weiterhin die Rolls-Royce plc (Nummer 01003142)
  • Börse: London Stock Exchange, Kürzel RR, ISIN GB00B63H8491, Mitglied im FTSE 100
  • Ausgegeben: 8.443.808.552 Stammaktien zu je 20 Pence; keine eigenen Aktien im Bestand

Die Aktionäre zum 31. Dezember 2025 – alle meldepflichtigen Beteiligungen:

  • BlackRock, Inc. – 476.330.141 Stammaktien, 5,65 Prozent
  • Capital Group Companies Inc – 427.042.722 Stammaktien, 5,07 Prozent

Mehr nicht. Der übrige Streubesitz ist breit gestreut.

Die Golden Share besteht weiterhin

Der Geschäftsbericht 2025 weist eine einzige Sonderaktie zu einem Pfund aus, gehalten vom britischen Secretary of State for the Department of Business and Trade. Sie ist stimmrechtslos und dividendenlos, wird bei einer Liquidation vorrangig zum Nennwert zurückgezahlt und kann jederzeit zum Nennwert eingezogen werden.

Ihre Wirkung liegt woanders: Satzungsbestimmungen zur ausländischen Beteiligungsgrenze, zu Veräußerungen und zur Nationalität der Directors dürfen nur mit Zustimmung des Sonderaktionärs geändert werden. Konkret gilt eine individuelle Auslandsbeteiligungsgrenze von 15 Prozent der Stimmen, und das Unternehmen muss unter britischer Kontrolle bleiben. Auch das Nukleartriebwerksgeschäft oder ein wesentlicher Teil des Konzernvermögens darf ohne diese Zustimmung nicht veräußert werden.

Wie es zur Trennung kam

  • 1904: Charles Rolls und Henry Royce beginnen ihre Zusammenarbeit. 1906: Gründung der Rolls-Royce Limited.
  • 1971: Die Rolls-Royce Limited geht wegen des Triebwerksprogramms RB211 in die freiwillige Liquidation. Der Staat übernimmt Geschäft und Vermögen über die eigens gegründete Rolls-Royce (1971) Limited – Verstaatlichung.
  • 1973: Abspaltung der Automobilsparte als Rolls-Royce Motors. Ab hier sind es zwei Unternehmen.
  • 1987: Privatisierung, Rückkehr an die Börse als Rolls-Royce plc.
  • 1998 – die entscheidende Weiche: Vickers verkauft Rolls-Royce Motors. Volkswagen bot 430 Millionen Pfund, BMW 340 Millionen. VW erhielt Anlagen, Konstruktionen und Teile der Marken – BMW lizenzierte Name und Logo „Rolls-Royce“ von der Rolls-Royce plc für 40 Millionen Pfund und erwarb von VW die Rechte an der Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ und der Grillform. VW baute Rolls-Royce-Fahrzeuge noch bis 2003 weiter.
  • 2003: Die Rolls-Royce Motor Cars Limited wird alleiniger Hersteller im Werk Goodwood; VWs Bentley Motors übernimmt die Tradition von Crewe.
  • 2011: Holdingumbau zur Rolls-Royce Holdings plc.

Häufige Falschannahmen

  • „Rolls-Royce gehört BMW.“ Nur die Automobilsparte. Der Triebwerkskonzern ist ein unabhängiges FTSE-100-Unternehmen.
  • „Rolls-Royce baut Autos und Flugzeugtriebwerke.“ Seit 1973 zwei getrennte Firmen ohne Beteiligungsverhältnis.
  • „BMW hat 1998 die Automarke gekauft.“ BMW hat den Namen lizenziert; VW kaufte Werke und Anlagen.
  • „Die Golden Share wurde abgeschafft.“ Nein, sie besteht 2026 fort.
  • „Rolls-Royce ist verstaatlicht.“ Seit 1987 privatisiert.
  • „Bentley gehört zu Rolls-Royce.“ Bentley gehört seit 1998 zum VW-Konzern.

Was sich aus öffentlichen Quellen nicht belegen lässt

  • Die exakte BMW-Beteiligungsquote an der Rolls-Royce Motor Cars Ltd – das Register nennt nur „mindestens 75 Prozent“
  • Umsatz- und Stückzahlen der Automobilsparte aus Registerquellen
  • Firmenwerte – hier bewusst ausgeklammert

Quellen

Stand: 26. August 2026. Alle Angaben stammen aus den oben verlinkten Quellen.