Die digitale Identität hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Bestandteil des modernen Alltags entwickelt. Ob Behördengänge, Kontoeröffnungen, Mobilfunkregistrierungen oder digitale Vertragsabschlüsse – in praktisch allen Lebensbereichen sind sichere Identifikationsverfahren erforderlich. Mit der Regulation 2024/1183 hat die Europäische Union die Grundlage für eine europaweit einheitliche Lösung geschaffen: die EU Digital Identity Wallet. Die Wallet wird als mobile Anwendung bereitgestellt und soll es Bürgern ermöglichen, digitale Ausweise, Dokumente und Nachweise sicher aufzubewahren. Die Europäische Kommission beschreibt sie als interoperablen Rahmen, der die digitale Identifikation europaweit vereinheitlichen soll.
Die Wallet ist darauf ausgelegt, sowohl staatliche als auch private Dienste abzudecken. Nutzer sollen sich damit gegenüber Behörden, Banken, Telekommunikationsanbietern und vielen weiteren Diensten identifizieren können. Auch digitale Dokumente wie Führerschein oder Bildungsnachweise können darin gespeichert werden. Die Kommission hebt hervor, dass die Wallet Funktionen zur Datenminimierung vorsieht, bei denen nur notwendige Informationen weitergegeben werden.
Ein aktueller Impuls aus Deutschland
In Deutschland hat die Einführung der EUDI-Wallet zuletzt an Dynamik gewonnen. Vor wenigen Tagen wurde ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, das von mehr als 75 Unternehmen und Organisationen getragen wird. Beteiligt sind das Bundesministerium für Digitales und Verkehr, der Digitalverband Bitkom sowie zahlreiche private Unternehmen. Zu den genannten Teilnehmern zählen unter anderem die Deutsche Bank, die Deutsche Bahn, SAP, Vodafone und IDnow.
Die teilnehmenden Unternehmen haben ihre Bereitschaft erklärt, an der Einführung der Wallet mitzuwirken und ihre Systeme so weiterzuentwickeln, dass zukünftige Integrationen möglich werden. Die Meldungen betonen, dass sich die Beteiligten konstruktiv an der praktischen Umsetzung beteiligen wollen, um die Anwendung der Wallet in realen Alltagsprozessen zu ermöglichen. Dies wird als ein Zeichen dafür gewertet, dass zentrale Wirtschaftsbereiche das Potenzial einer einheitlichen digitalen Identitätslösung erkennen.
Wie die Wallet genutzt werden soll
Die EUDI-Wallet soll verschiedene heute bereits existierende digitale Identifikationsverfahren bündeln. Damit könnte sie Prozesse vereinfachen, die bislang oft durch unterschiedliche Plattformen und Nachweise geprägt waren. Nutzer sollen sich mit der Wallet eindeutig identifizieren können, etwa bei Verwaltungsdienstleistungen oder bei der Nutzung digitaler Angebote privater Anbieter. Die Bundesdruckerei beschreibt die Wallet als einen technisch gesicherten Ort, an dem digitale Dokumente abgelegt und bei Bedarf vorgelegt werden können. Dies schließt digitale Versionen von Ausweisen, Führerscheinen oder Zertifikaten ein.
Ein weiterer Bestandteil des Konzepts ist die Möglichkeit, Informationen gezielt und kontrolliert weiterzugeben. Die technische Grundlage sieht Mechanismen vor, die es erlauben sollen, nur bestimmte Attribute freizugeben. Das bedeutet, dass Dienste nicht mehr zwingend vollständige Ausweisdaten benötigen. Diese Idee der Datenminimierung wird in verschiedenen technischen Ausführungsdokumenten der EU beschrieben und gehört zu den angestrebten Funktionen des Systems.
Darüber hinaus soll die Wallet qualifizierte elektronische Signaturen unterstützen, sofern diese durch entsprechend zertifizierte Vertrauensdienste bereitgestellt werden. Elektronische Signaturen dieser Art sind nach europäischem Recht rechtsgültig und können für Verträge und Anträge eingesetzt werden. Die Europäische Kommission stellt klar, dass Wallets aus einem Mitgliedstaat auch in anderen Mitgliedstaaten genutzt werden können sollen, was den grenzüberschreitenden digitalen Alltag deutlich erleichtern würde.
Digitale Identität bald wichtiger
Mit zunehmender Digitalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen nationalen und internationalen Prozessen. Die Wallet soll hier eine verbindende Funktion übernehmen und die Anzahl verschiedener Verfahren reduzieren.
Nutzer erhalten dadurch eine zentrale digitale Identitätsumgebung, die nachvollziehbar macht, welche Daten wann und wohin übermittelt werden. Für viele alltägliche Vorgänge kann dies eine deutliche Vereinfachung bedeuten. Gleichzeitig stärkt die Möglichkeit selektiver Datenfreigabe die eigene Kontrolle über persönliche Informationen.
Schon jetzt bestehen spürbare Unterschiede zwischen langwierigen Registrierungsprozessen, anonymen Alternativen und KYC-Verfahren. Im iGaming etwa zeigt sich im Ausland, wie Anbieter mit weniger aufwendiger Identitätsprüfung Spieler anziehen: In Deutschland müssen Anbieter bereits bei der Registrierung oder innerhalb von 72 Stunden eine Identitätsprüfung durchführen, während viele internationale Plattformen, im Erstkontakt oft weniger strenge Verfahren anwenden – mehr hierzu erfährt man bei einem Anbietervergleich.
Ebenfalls im Finanz- und Zahlungswesen zeigt ein richtungsweisender Pilot, dass die Wallet genutzt werden kann, um ein neues Bankkonto zu eröffnen, ohne dass eine umfassende physische Identitätsprüfung im Filialbesuch notwendig wird. In Rumänien wurde eine erste Wallet-basierte Zahlung durch Banca Transilvania und BPC erfolgreich durchgeführt, wobei die Identitätsprüfung vollständig digital erfolgte – ein Beispiel dafür, wie Bankprozesse künftig deutlich unkomplizierter ablaufen können, wenn zentrale Identitätsnachweise direkt aus der Wallet bereitgestellt werden.
Dass mehr als 75 Unternehmen die Einführung der Wallet aktiv begleiten, zeigt, dass der Ansatz nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich relevant ist. Die Unternehmen versprechen sich effizientere digitale Abläufe und eine Verringerung organisatorischer Hürden. Gerade in Bereichen, in denen heute komplexe Identifikationsprozesse notwendig sind, könnte eine europaweit einheitliche Lösung einen spürbaren Vorteil bringen.
Chancen und offene Fragen
Die Wallet eröffnet neue Möglichkeiten für digitale Selbstbestimmung. Nutzer sollen nachvollziehen können, welche Informationen sie tatsächlich weitergeben möchten. Zudem kann die Vereinheitlichung Identifikationsprozesse beschleunigen, etwa bei Kontoeröffnungen oder digitalen Vertragsabschlüssen. Die technische Grundlage orientiert sich am Architecture and Reference Framework der EU, das beschreibt, wie Interoperabilität und Sicherheitsmechanismen aufgebaut sein sollen.
Trotz dieser Perspektiven bleibt die endgültige Umsetzung komplex. Nationale Wallet-Projekte müssen aufeinander abgestimmt werden, damit die europaweite Nutzbarkeit gewährleistet ist. Auch die Akzeptanz durch private Dienstleister wird ein zentraler Faktor sein. Fachberichte weisen darauf hin, dass die Wirkung der Wallet stark von der Breite der eingeführten Anwendungen abhängen wird.
Der Zeitrahmen
Die Regelung zur digitalen Identität ist 2024 in Kraft getreten. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, spätestens Ende 2026 mindestens eine nationale Wallet bereitzustellen. Verschiedene Fachberichte weisen darauf hin, dass viele private Anbieter bereits an Integrationen arbeiten, da die Wallet im europäischen Identitäts- und Verifizierungsrahmen künftig eine zentrale Rolle spielen soll.