News

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen in der Universitätsallianz Ruhr.

UA Ruhr News Center

Immer mehr Menschen leben weltweit in Städten. Das wirft viele Fragen auf.

In einem gemeinsamen Kompetenzfeld „Metropolenforschung“ bündelt die Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) künftig ihre Forschung auf diesem Gebiet. Die Stärken des Verbundes liegen dabei zum einen in der großen disziplinären Bandbreite der beteiligten Forscherinnen und Forscher, deren komplementäre Expertise großes Potenzial für innovative Forschungsprojekte bietet, die sich den Herausforderungen metropolitaner Transformation mit integrierten Ansätzen stellen. Zum anderen punktet die Universitätsallianz mit ihrem Standort im Ruhrgebiet, einer der größten europäischen Metropolregionen, die sich als Reallabor für die Forschung anbietet. „Unser Ziel ist es, zu einem international sichtbaren Zentrum für inter- und transdisziplinäre Metropolenforschung zu werden“, sagt Prof. Dr. Jens Gurr, Sprecher des Kompetenzfelds von der Universität Duisburg-Essen.

Energieeffizienz, Wasserkreisläufe, Diversität, Logistik, demografischer Wandel, Steuerung und Teilhabe: Die Themen der Metropolenforschung sind vielfältig. An den drei UA-Ruhr-Universitäten, der Ruhr-Universität Bochum (RUB), der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Technischen Universität (TU) Dortmund, befassen sich mehr als 100 Professuren damit. Vielfach bestehen schon enge Kooperationen. Seit 2010 wurden über 50 Millionen Euro für Projekte der Metropolenforschung eingeworben.

Besondere Stärken liegen an der RUB in der Sozialwissenschaft und der Geografie, die sich mit Fragen des Strukturwandels im Ruhrgebiet und Transformationsprozessen in Ostasien befassen. Die TU Dortmund verfügt über die leistungsstärkste Forschungs- und Ausbildungsstätte für Raumplanerinnen und -planer in Europa. An der UDE sind Forscherinnen und Forscher aus fast allen Fakultäten am Profilschwerpunkt „Urbane Systeme“ mit Fokus auf Logistik- und Umweltforschung, aber auch mit breiter geisteswissenschaftlicher Forschung, beteiligt.

 

Neue Lösungswege für gesellschaftliche Herausforderungen
Das Kompetenzfeld soll nun die zentrale Plattform für Forschung, Lehre und Transfer zu allen Aspekten der Metropolenforschung bilden. Die Metropolenforschung der UA Ruhr versteht sich als transformative Wissenschaft: „Dabei geht es nicht nur darum, Veränderungsprozesse und ihre Folgen besser zu verstehen“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Wiechmann, Kompetenzfeldsprecher von der TU Dortmund. „Vielmehr wollen die beteiligten Forscherinnen und Forscher gemeinsam mit verschiedenen Akteuren der Gesellschaft neuartige Lösungswege für die Herausforderungen entwickeln, denen sich Metropolen weltweit gegenüber sehen.“ Dazu gehören zum Beispiel Globalisierung, Digitalisierung, soziale Polarisierung, Migration und Integration, Klimawandel, Energiewende, Sicherheit.

Das Ruhrgebiet als Reallabor
Das Ruhrgebiet mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung mit Veränderungsprozessen eignet sich besonders gut als Reallabor einer solchen transformativen Wissenschaft. „Es verfügt über großes Potenzial für einen Wissenstransfer in Metropolräume weltweit mit dem Ziel, Transformationsprozesse sozialverträglich, umweltgerecht, wettbewerbsorientiert und unter Wertschätzung des kulturellen Erbes zu gestalten“, so Prof. Dr. Uta Hohn, Sprecherin des Kompetenzfelds von der RUB.


Förderung
Der Auf- und Ausbau des Kompetenzfeldes Metropolenforschung wird durch das Mercator Research Center Ruhr (Mercur) unterstützt. Ein Memorandum of Understanding wurde bereits mit der Emschergenossenschaft unterzeichnet. Das Kompetenzfeld wird in den nächsten fünf Jahren die Endphase des Emscherumbaus wissenschaftlich begleiten.


Pressekontakt:

Prof. Dr. Uta Hohn
Lehrstuhl für Internationale Stadt- und Metropolenentwicklung
Geographisches Institut
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 28433
E-Mail: uta.hohn@rub.de

Prof. Dr. Thorsten Wiechmann
Lehrstuhl für Raumordnung und Planungstheorie
Fakultät Raumplanung
TU Dortmund
Telefon: +49 (0) 231 755 5428
Email: thorsten.wiechmann@tu-dortmund.de

Prof. Dr. Jens Martin Gurr
Lehrstuhl für Britische und Anglophone Literatur und Kultur
Institut für Anglophone Studien
Universität Duisburg-Essen
Telefon: +49 (0) 201 183 3427
E-Mail: jens.gurr@uni-due.de

Drei Fragen an Astrophysikerin Prof. Dr. Julia Tjus
Dunkle Materie, kosmische Strahlung, Planetenentstehung – es gibt viele ungeklärte Phänomene im Weltall. Mit ihnen beschäftigt sich das Team vom Ruhr Astroparticle and Plasma Physics Center, kurz RAPP-Center. Es wurde im September 2016 eröffnet, ins Leben gerufen von Forschern der Universitätsallianz Ruhr. Prof. Tjus vom Lehrstuhl für Theoretische Physik, insbesondere Plasma-Astroteilchenphysik, ist Sprecherin des Zentrums und erläutert, was die Kooperation zwischen Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen im Hinblick auf das Weltall einzigartig macht.

Frau Tjus, Sie haben das RAPP-Center gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Dortmund und Duisburg-Essen gegründet. Warum eignen sich diese Ruhrgebietsstandorte besonders gut für die Kooperation?
Wir wollen die Eigenschaften der Materie und ihre Rolle im Kosmos besser verstehen. Einerseits dienen Erkenntnisse aus Teilchen- und Plasmaphysik als Input für die Beschreibung astrophysikalischer Phänomene. Andererseits liefert die Astrophysik durch ihre Messungen Informationen über die Eigenschaften der Materie selbst. Durch unsere Kooperation bündeln wir Expertise aus Plasma-, Teilchen- und Astrophysik. Diese Kombination ist einzigartig in Deutschland und auch weltweit kaum zu finden, sodass das RAPP-Center hier an vorderster Front forscht.

 

Was erwarten Sie, welche Forschungsfragen das RAPP-Team in den kommenden zehn Jahren beantworten können wird?
Mit über 100 Forschern wollen wir im RAPP-Zentrum die Spuren der wechselwirkenden Materie im Kosmos erklären. Ganz konkret hoffen wir, in zehn Jahren den Ursprung unserer Erde und anderer Planeten besser zu verstehen, die Plasmaeigenschaften von Galaxien konkretisieren zu können und die Rolle der kosmischen Strahlung erforscht zu haben. Außerdem wollen wir dann die Wechselwirkung elementarer Teilchen besser verstanden und auf die dunkle Materie ausgeweitet haben.

Was wünschen Sie der UA Ruhr zu ihrem zehnten Geburtstag?
Mein großer Wunsch für die UA Ruhr ist eine weiterhin gute und fruchtbare Zusammenarbeit mit der Mercator-Stiftung, insbesondere dass die Mercur-Förderung zur Intensivierung der Kooperationen zwischen den UA-Ruhr-Universitäten erhalten bleibt. Viele Forscher haben in den vergangenen Jahren stark von den unterschiedlichen Programmen profitiert. Umgekehrt ist der Mehrwert für die UA Ruhr direkt ersichtlich: Es hat sich ein gesteigertes Bewusstsein für die UA Ruhr entwickelt, und die uniübergreifende Zusammenarbeit wurde hierdurch deutlich stärker.


Auch eine bestehende Partnerschaft muss von Zeit zu Zeit bestätigt werden – und erweitert

Vier Städte in zwei Tagen – das Programm von Prof. Dr. Klaus Capelle ist randvoll gewesen: Am 13. und 14. Juni 2017 hat der Rektor der brasilianischen Universidade Federal do ABC (UFABC) alle Standorte der Universitätsallianz Ruhr besucht. Prof. Capelle, der aus Münster stammt, traf zahlreiche Wissenschaftler und informierte sich über aktuelle Forschungsprojekte.

Am 14. Juni unterzeichneten die Rektoren Prof. Dr. Axel Schölmerich (RUB) und Prof. Dr. Klaus Capelle einen neuen Kooperationsvertrag, um die Kontakte zwischen den UA Ruhr-Universitäten und der UFABC zu verdichten. Bislang verfügte nur die die RUB über einen Partnerschaftsvertrag mit der südamerikanischen Hochschule, der 2012 unterzeichnet wurde und bereits erfolgreiche Kooperationen z.B. im Bereich Maschinenbau hervorbrachte.

 

Das Kürzel „ABC“ im Universitätsnamen steht für die südlich von São Paulo gelegenen Industriestädte Santo André, São Bernardo do Campo und São Caetano do Sul. Gemeinsam bilden diese die seit den 1940er-Jahren am stärksten industrialisierte Region Brasiliens und stellen damit ein Pendant zum Ruhrgebiet dar. Mit der neuen Kooperationsvereinbarung werden die traditionell guten Kontakte der UA Ruhr nach Brasilien weiter gestärkt, die über das seit 2011  bestehende Verbindungsbüro in São Paulo für den südamerikanischen Kontinent geknüpft wurden.

Auch in der erweiterten Kooperation soll unter anderem der Austausch von Studierenden und Lehrenden gefördert werden – so sind zusätzliche gemeinsame Projekte in Forschung und Lehre geplant. Derzeit kooperiert man vor allem im Bereich der Politikwissenschaften, Philosophie, Regionalplanung und im Maschinenbau. Dies soll künftig noch vertieft und um neue Forschungsfelder erweitert werden, etwa die Nano- und Materialwissenschaften. Langfristiges Ziel ist der Aufbau einer strategischen Partnerschaft.

Die UFABC wurde 2005 gegründet und unterhält zwei Standorte in den Städten Santo André und São Bernardo mit zurzeit etwa 16.000 Studierenden. Sie hat sich bereits in der Spitzengruppe der forschungsorientierten Universitäten in Brasilien etabliert und beschreitet oft unkonventionelle Wege: Statt der traditionellen Fakultäten verfügt sie beispielsweise über interdisziplinäre Zentren, in denen Human- und Naturwissenschaften oder Sozial- und Ingenieurwissenschaften zusammenarbeiten.
 

Drei Fragen an Prof. Stephan Hußmann
Im sechsten Teil der Serie berichtet Prof. Stephan Hußmann, Direktor des Dortmunder Kompetenzzentrums für Lehrerbildung und Lehr-/Lernforschung (DoKoLL), von der gemeinsamen Workshop-Reihe „Zukunftswerkstatt Inklusion“:

Herr Prof. Hußmann, was ist Ziel der Workshop-Reihe „Zukunftswerkstatt Inklusion“ und an wen wendet sie sich?
Wir haben dieses Format in der UA Ruhr, um den rund 18.000 Lehramtsstudierenden aller drei Universitäten, aller Fächer und aller Schulformen in gemeinsamen Workshops Basiskompetenzen für ein erfolgreiches Unterrichten in inklusiven Settings zu vermitteln. Wir wollen unsere Studierenden dadurch bestmöglich auf die Herausforderungen im Schuldienst vorbereiten.

 

Welche Veranstaltungen haben Sie bereits durchgeführt?
Wir haben bereits mehrere Workshops an allen Standorten der UA Ruhr durchgeführt, in diesem Sommersemester läuft die zweite Runde. Die Veranstaltungsthemen sind vielfältig: Angefangen bei fachspezifischen Themen wie inklusivem Mathematikunterricht oder Naturwissenschaften in inklusiven Lerngruppen bis hin zu Unterricht und Unterrichtsplanung in inklusiven Klassen oder Bilingualität bietet die Workshop-Reihe ein breites Themenspektrum für die Lehramtsstudierenden. Die Resonanz auf dieses Angebot ist sehr groß.

Sind die neu entwickelten Konzepte an den drei Hochschulstandorten aufeinander abgestimmt?
Mit der „Zukunftswerkstatt Inklusion“ bieten die drei Universitäten ein Format an, welches nachhaltig die Kooperation hinsichtlich der Herausforderungen im Umgang mit Inklusion und Heterogenität stärken soll. Die Workshop-Reihe wurde 2016 gemeinsam von den Lehrerbildungszentren der drei Universitäten geplant und wird seitdem auch in einem kleinen universitätsübergreifenden Team koordiniert und abgestimmt. Dabei sind die Veranstaltungen einer Universität auch immer für Studierende der Partnerunis geöffnet.

Eine Million Euro für neue UA Ruhr-Professur auf dem Gebiet der virtuellen Fertigung

Im Rahmen einer vierten UA Ruhr‐Professur wird ein neuer Forschungsschwerpunkt „Virtual Machining“ aufgebaut, der die Digitalisierung von Produktionsprozessen (Industrie 4.0) vorantreiben soll. Ziel ist es, Fertigungsverfahren so detailliert zu simulieren, dass eine direkte Optimierung des Produktionsprozesses möglich ist. Inhaberin der Professur ist Prof. Petra Wiederkehr von der TU Dortmund. Die junge Ingenieurinformatikerin wird in der Universitätsallianz Ruhr (UA Ruhr) eine Schnittstelle bilden, um die Kernkompetenzen verschiedener Fakultäten - Maschinenbau an der Ruhr‐Universität Bochum, Informatik und Maschinenbau an der TU Dortmund und Ingenieurwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen – zusammenzubringen. Um einen Transfer der erzielten Ergebnisse in die industrielle Praxis zu ermöglichen, ist eine zentrale Anlaufstelle für Industrieunternehmen geplant. Das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) fördert die Professur mit einer Million Euro.

Für die heutigen Anforderungen an die Produktion hinsichtlich hoher Flexibilität, hoher Variantenvielfalt, sinkender Losgrößen und verkürzten Lieferzeiten ist die klassische rechnergestützte Fertigungskette nicht mehr ausreichend. Wer zukünftig im Wettbewerb bestehen will, muss virtuell fertigen. Dabei werden Bearbeitungsprozesse – beispielsweise zur Herstellung von Turbinenschaufeln für die Luftfahrtindustrie, von Mikrobauteilen für die Medizintechnik oder von Komponenten für den Werkzeug‐ und Formenbau – rechnergestützt analysiert und bezüglich wirtschaftlicher, qualitäts‐ und nachhaltigkeitsrelevanter Kriterien entlang der Wertschöpfungskette optimiert („Virtual Machining“). Damit sollen in der realen Fertigung Bearbeitungsfehler und Ausschuss sowie Bearbeitungszeit und Kosten reduziert werden.

Voraussetzung für eine solche Optimierung komplexer Fertigungsverfahren sind einerseits Modelle, um die physikalischen Eigenschaften der einzelnen Bauteile zu beschreiben. Gleichzeitig werden Methoden zur effizienten Analyse großer Datenmengen benötigt, um die Zusammenhänge zu visualisieren, aufzubereiten und Fertigungsprozesse zu optimieren.

Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Petra Wiederkehr über ihre neue Aufgabe als UA Ruhr-Professorin: „Die Komplexität einer übergreifenden Simulation von Fertigungsprozessen erfordert das Zusammenwirken der Bereiche Werkstoffwissenschaft, Maschinenbau und Informatik. Unser Ziel ist es, durch die interdisziplinäre Kooperation neue Methoden zu entwickeln, die eine detailliertere, aber gleichzeitig effiziente Prozesssimulation ermöglichen.“

 

Die Notwendigkeit und Potentiale von Prozesssimulationen werden auch in der Industrie immer stärker erkannt. Im Rahmen der UA Ruhr-Professur ist es deshalb geplant, jährliche Seminare im Bereich der simulationsgestützten Prozessanalyse sowie Diskussionsforen zur Identifizierung von Grundlagenforschungs- und Transferprojekten anzubieten.
„Durch die UA Ruhr-Professur wird der standortübergreifende Profilschwerpunkt Materials Chain nachhaltig gestärkt. Es entsteht ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Maschinenbau, der Werkstoffwissenschaft und der Informatik der drei Universitäten, welches die Basis für eine Vielzahl interdisziplinärer Forschungsthemen bilden kann“, sagt Dr. Hans Stallmann, Koordinator der UA Ruhr.

Die UA Ruhr-Professur ist eines von vielen Projekten, die MERCUR zur Stärkung der Wissenschaft im Ruhrgebiet fördert. „Die UA Ruhr-Professur greift mit der virtuellen Fertigung eine hochaktuelle Fragestellung auf, die in der Wissenschaft bislang nur in Einzelaspekten, aber nicht in ihrer Wechselwirkung betrachtet wird. Dies wird sicherlich auch im internationalen Vergleich die Kompetenz auf dem Gebiet der Industrie 4.0 stärken und somit zur besseren Sichtbarkeit der UA Ruhr auf diesem Fachgebiet beitragen“, so Prof. Dr. Winfried Schulze, Direktor von MERCUR.

Kurzvita Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Petra Wiederkehr:

Petra Wiederkehr hat zunächst an der Technischen Universität Dortmund Ingenieurinformatik mit Anwendungsfach Maschinenbau studiert und war anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Spanende Fertigung (ISF) an der Fakultät Maschinenbau tätig. Seit ihrer mit Auszeichnung bestandenen Promotion zum Thema „Simulation und Analyse regenerativer Werkstückschwingungen bei der NC-Bearbeitung von Freiformflächen“ leitet sie die Abteilung „Simulation und Optimierung“ am ISF. Seit Juni 2017 ist sie an der Fakultät für Informatik der TU Dortmund als Professorin für das Fachgebiet „Virtual Machining“ tätig.